Stuttgart, 05.12.2025: 2025 markiert für Adept nicht nur zwei Jahrzehnte Bandgeschichte, sondern auch die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Blood Covenant“. Und ich kann direkt sagen: Diese Band hat rein gar nichts von ihrem Biss verloren. Für den Tourstop in Stuttgart hatten sie sich das LKA Longhorn ausgesucht, und obwohl der Laden am Ende nicht komplett ausverkauft war, fühlte sich der Abend schon beim reinkommen nach etwas Größerem an. Vier Bands, volle Bühne, viel Technik, und ein Zeitplan, der konsequent durchgezogen wurde. Ein echtes Metalcore-Paket, das eher an ein kleines Festival erinnerte als an eine normale Clubshow. Und genau das hat den Abend so besonders gemacht.
Intohimo – Comeback, Nostalgie und ein Start in halb leerem Raum
Los ging es bereits um 19:30 Uhr, und das ist für Stuttgarter Clubshows noch immer eine Uhrzeit, bei der Leute eher im Berufsverkehr hängen als vor der Bühne stehen. Als Intohimo aus Jönköping auf die Bühne kam, waren vielleicht 200 Leute da. Aber was sofort auffiel: Die Schweden waren hungrig. Dieses Comeback nach vielen Jahren Pause war nicht nur ein Pflichttermin, sondern fühlte sich wie die Wiedergeburt einer Band an, die in den 2000ern heimlich viele Post-Hardcore-Kids geprägt hat. Der Auftakt war kurz, direkt und ohne unnötige Ansagen. Ein Einstieg in den Abend, der mich abgeholt hat und deutlich zeigte, warum diese Band 2025 wieder relevant ist.
Ocean Sleeper – australische Präzision, Wucht und ein frühes Einheizen
Als Ocean Sleeper die Bühne betraten, merkte man innerhalb der ersten Sekunden, dass hier eine Band steht, die es gewohnt ist, größere Bühnen zu bespielen. Die Australier verbinden modernen Metalcore mit Post-Hardcore-Vibes, emotionalen Hooks und brachialen Breakdowns, und das alles mit der Routine von Musikern, die bereits mit Killswitch Engage, Make Them Suffer, While She Sleeps und Atreyu gespielt haben.
Genau diese Professionalität spürte man sofort im LKA. Sound, Timing, Präsenz – alles saß. Das Stuttgarter Publikum taute spürbar auf, Circle Pits formierten sich, und ich hatte das erste Mal an diesem Abend das Gefühl, dass die Halle langsam wach wird. Ocean Sleeper gehören zu den Bands, die in Europa noch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Und dieser Auftritt hat das eindrucksvoll bestätigt.
Thousand Below – atmosphärisch, melodisch und fast schon Headliner-Vibes
Die Umbaupausen an diesem Abend waren im übrigen erstaunlich kurz. Trotz einer Bühne, die vor Material fast platzte, lief alles reibungslos. Thousand Below aus San Diego legten direkt nach und brachten eine andere, emotionalere Farbe in den Abend. Ihr moderner Post-Hardcore-Metalcore-Mix, mit viel Atmosphäre, vielen Clean-Vocals, aber trotzdem genug Härte, traf im LKA voll ins Schwarze.
Die Band wurde teilweise schon wie der Headliner gefeiert, und ich muss sagen: verdient. Die Songs wirkten groß, dicht und intensiv, getragen von einer packenden live Dynamik, und das Publikum ging voll mit. Für mich war dies der Moment, in dem klar wurde, dass der Abend trotz der vier Bands nicht in Beliebigkeit abrutscht. Jede Formation brachte ihren eigenen Charakter und Thousand Below waren der perfekte Übergang zum finalen Höhepunkt.
ADEPT – 20 Jahre Herzschlag, Wut, Euphorie und eine Crowd, die komplett durchdrehte
Und dann kamen Adept. Schon beim Aufbau war zu sehen, wie viel Technik sie für eine Clubshow dabei hatten – LED-Wände, Lichttürme, zusätzliche Floor-Lights. Für das LKA fast schon überdimensioniert, aber genau deshalb wirkte alles so beeindruckend. Als die Schweden loslegten, war sofort klar: Das hier ist kein Nostalgie-Abend, sondern eine Band, die immer noch hungrig ist. Robert Ljung, einziges verbliebenes Gründungsmitglied, war von der ersten Sekunde an ein Wirbelwind – schreiend, sprintend, gestikulierend, komplett im Moment. Ein Frontmann, der nicht spielt, sondern lebt.
Die Show wurde zusätzlich von einem spektakulären Lichtgewirr begleitet: schnelle Strobos, kräftige Farbwechsel und LED-Effekte prasselten in manchen Momenten fast überladen auf die Halle nieder. Für Außenstehende mag das zu viel des Guten wirken, doch im Metalcore gehört genau diese intensive Lichtgestaltung zum Live-Erlebnis dazu. Zusammen mit den druckvollen Breakdowns und den melodischen Hooks der Band entstand ein eindrucksvoller Gesamteindruck, der die Energie des Abends perfekt transportierte.
Fazit – nicht ausverkauft, aber emotional ausgerastet
Das LKA war mit rund 700 Besucher*innen nicht voll, aber es fühlte sich an keiner Stelle klein oder leer an. Die Crowd hat diesen Abend in ein energiegeladenes Chaos verwandelt, das genau zeigte, warum Adept 2025 wieder so wichtig sind. 20 Jahre Metalcore und kein bisschen müde. Für mich war dieses Konzert ein überraschendes Highlight und einer der besten Beweise dafür, dass diese Szene immer wieder Bands hervorbringt, die auch nach Jahrzehnten noch mit Leidenschaft, Härte und echtem Herzblut auftreten.
Adept
Thousand Below
Ocean Sleeper
Intohimo
Marc Blessing
Marc ist, Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf für das LKA Longhorn und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, Profi-Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament von Paranoyd.


















































