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Von “Peep” zu “Weirdo”: drei Jahrzehnte THE RASMUS – Interview mit Frontmann Lauri Ylönen

The Rasmus - Weirdo

Am 12. September 2025 haben The Rasmus ihr neues Album Weirdo rausgehauen. Nummer elf in ihrer beeindruckenden Diskografie. Und weil die Finnen keine halben Sachen machen, legen sie nach und kommen im November für sieben Shows nach Deutschland. Saarbrücken (22.11.) und Frankfurt (23.11.) dürfen sich also schon mal warm anziehen.

Seit drei Jahrzehnten mischen Lauri Ylönen und seine Mitstreiter die internationale Rockszene auf und haben es dabei von den Jugendclubs Helsinkis zu Millionen verkauften Platten und unsterblichen Hits gebracht. Im Interview verrät Frontmann Lauri, warum er nach 30 Jahren immer noch an seiner künstlerischen Vision festhält, wieso Social Media für ihn eher Ballast ist und weshalb Live-Musik trotz digitaler Welt unverzichtbar bleibt.

The Rasmus: Von Helsinki in die Welt

Es ist das elfte The Rasmus-Album. Wenn man zurückblickt, erinnert mich die Botschaft des neuen Albums Weirdo stark an euer Debüt Peep aus dem Jahr 1996. Was bedeutet es dir, nach so vielen Jahren an dieser Grundidee festzuhalten?

Ich glaube, ich habe mich als Person nicht stark verändert, obwohl Jahrzehnte vergangen sind. Das ist auch gut so, denn von Anfang an wollte ich über meine wahren Gefühle singen und das tue ich bis heute. Ich war schon immer so etwas wie ein Sonderling. Der Unterschied ist, dass ich inzwischen mehr Lebenserfahrung und vielleicht auch mehr Selbstvertrauen habe.

Erinnerst du dich noch an die Anfänge?

Ich erinnere mich noch, wie ich mit fünfzehn die Band gründete und Leute mich als „Freak“ bezeichneten. Damals tat mir das sehr weh. Heute weiß ich, dass es wichtig ist, man selbst zu bleiben, so auszusehen, wie man eben aussieht und sich nicht zu verstellen. Genau das ist die Botschaft, die ich weitergeben möchte. Gerade junge Menschen stehen durch soziale Medien unter großem Druck, perfekt zu sein, aber so etwas wie „perfekt“ gibt es einfach nicht.

In vielen eurer Songs feiert ihr ja auch Außenseiter und Andersdenkende. Welche Botschaft möchtest du besonders den Fans mitgeben, die sich selbst manchmal als Sonderlinge fühlen, so wie ich es auch oft tue?

Zunächst einmal: Wie langweilig wäre es, wenn alle gleich aussehen würden? Es ist doch das Schöne, dass Menschen unterschiedlich sind. Verschiedene Größen, verschiedene Nasen, verschiedene Augen. Wir sollten diese Unterschiede feiern, anstatt alle einem Ideal hinterherzujagen. Leider lassen viele sich auch viele operieren, um so auszusehen wie Prominente. Das ist schon verrückt. Statt Individualität zu betonen, schaffen solche Trends eine ungesunde Gleichförmigkeit.

Ja, das sehe ich auch so. Vieles, was wir sehen, wirkt dadurch auch unnatürlich. Und genau dieser Druck, den du angesprochen hast, ist ein großes Problem.

Genau. Große Stars haben Millionen, sie können sich vieles leisten. Aber das setzt normale Menschen und besonders Kinder und Jugendliche unter Druck. Sie denken: „Ich muss reich werden, damit ich auch so aussehe.“ So entsteht ein völlig falsches Bild davon, was ein gutes und glückliches Leben ist.

THE RASMUS melden sich mit neuer Single „Love Is A Bitch“ zurück – Album „Weirdo“ erscheint am 12. September 2025
THE RASMUS Credit: Venla Shalin

Zwischen Social-Media-Druck und echter Live-Magie

Es klingt so, als hättest du keine große Sympathie für soziale Medien und das macht dich mir noch sympathischer, denn ich hasse sie. Als du mit der Band angefangen hast, gab es kein Instagram, kein Facebook, kein Streaming. War es damals besser für Musiker?

In mancher Hinsicht ja. Die Welt war damals realer, das Leben langsamer und gesünder. Selbst wenn man gemobbt wurde, geschah das vielleicht auf dem Schulhof und zu Hause war Ruhe. Heute geht das Mobbing online weiter, rund um die Uhr. Man bekommt Nachrichten, Kommentare, Likes, aber vieles davon ist auch sehr verletzend. Ich lese diese Dinge gar nicht, weil ich sie nicht an mich heranlassen möchte. Aber ich kann mir vorstellen, wie schwer das für Jugendliche ist, die gar nicht mehr wissen, wie ein Leben ohne soziale Medien aussieht.

Meinst du, dass es irgendwann auch einen Gegentrend geben wird, sozusagen ein ‚Back to the roots‘?

Ich hoffe, dass es irgendwann einen Gegentrend gibt. Manche Bands erlauben zum Beispiel keine Handys bei Konzerten. Das finde ich großartig. Denn wenn ich auf der Bühne stehe, sehe ich tausend Handys, die mich filmen, statt die Gesichter der Menschen und Fans. Es ist, als würden die Menschen gar nicht mich anschauen, sondern nur durch ihre Displays das Konzert betrachten. Manchmal hat man das Gefühl, das Publikum erlebt Konzerte nur noch durch ihre Handys. Sie filmen alles, haben hunderte Fotos, aber genießen den Moment nicht mehr. 

Ich finde das auch gefährlich, weil die digitale Welt, wie du selbst sagst, auch die Live-Szene verändert. Glaubst du, dass Live-Musik irgendwann ganz verschwinden könnte, weil alles nur noch digital stattfindet?

Nein, das glaube ich nicht. Daran will ich auch gar nicht glauben. Die Menschen wollen sich treffen, sie wollen dieses Gemeinschaftsgefühl spüren. Ein Konzert ist ja mehr als nur Musik. Es ist ein Zusammenkommen, ein soziales Erlebnis. Man weiß, dass man dort Menschen trifft, die ähnlich fühlen und denken. Manche finden dort Freunde fürs Leben oder sogar ihre Partner. Ich kenne viele Fans, die sich bei unseren Konzerten kennengelernt haben und seit zwanzig Jahren befreundet sind. Letzte Woche haben wir ein Paar getroffen, das sich bei einer unserer Shows kennengelernt hat. Sie sagten uns voller Dankbarkeit: „Wegen eurer Musik sind wir heute zusammen.“ Wir haben gescherzt: „Wenn ihr heiratet, kommen wir und spielen auf eurer Hochzeit“.

Das ist eine wunderbare Geschichte. Musik hat eine besondere Kraft. Genau deshalb hoffe ich auch, dass die Live-Szene niemals stirbt. Aber sag mal, wenn du heute einer jungen Band einen Rat geben würdest: Worauf sollte sie sich konzentrieren, um in dieser modernen Musikindustrie erfolgreich zu sein, ohne sich selbst zu verlieren? Es gibt ja nicht nur die sozialen Medien, sondern auch Streaming. Manche schreiben Songs nur noch für den Algorithmus. Man selbst zu bleiben, kann da sehr schwer sein. 

Natürlich haben wir gerade viel über die negativen Seiten von Social Media gesprochen. Aber es gibt auch gute Seiten. Heute kann man in seinem Schlafzimmer mit einem Laptop ein Lied aufnehmen und es ins Internet stellen und wenn man Glück hat, wird es über Nacht viral. Man muss es eben machen. Solche Geschichten passieren immer wieder. Diese Möglichkeiten sind heute einfach da.

Das war früher anders, oder? 

Früher brauchte man unbedingt einen Plattenvertrag, teure Studios und viel Geld. Heute kann jeder mit einer guten Idee, einem starken Song oder Video etwas bewegen, ohne große Mittel. Das ist ein großer Vorteil. Außerdem entscheiden nicht mehr nur Radio oder Medien, was ein Hit wird. Menschen teilen Musik, die ihnen gefällt, mit ihren Freunden, und so kann etwas organisch wachsen. Das macht die Szene auch offener und vielfältiger.

Also ist es nicht alles schlecht. (lacht) Aber lass uns noch über das neue Album reden. Wenn du einen Song vom Album auswählen müsstest, welcher liegt dir besonders am Herzen?

Ich würde „Rest in Pieces“ nennen. Das war der letzte Song, den ich für das Album geschrieben habe. Eigentlich war alles fertig, aber dann passierte etwas in meinem Leben: Ein alter bester Freund hat mich verraten. Das hat mich sehr verletzt und wütend gemacht. Eines Nachts wachte ich auf und fing an, diesen Song zu schreiben. Alles ging sehr schnell, es war fast wie ein Zeichen, dass er aufs Album musste. Ich habe viel selbst daran gearbeitet, meine Vocals alleine aufgenommen, sehr spontan. Am Ende wurde es sogar die erste Single. Für mich hat der Song deshalb eine besondere Bedeutung, und ich finde, er klingt härter und intensiver als vieles, was wir zuvor gemacht haben.

Eure Songs wirken manchmal etwas dunkel, teils auch melancholisch. Du selbst scheinst aber eher ein optimistischer Mensch zu sein, oder?

Auch wenn unsere Musik manchmal traurig oder dunkel klingt, eigentlich bin ich ein fröhlicher Mensch. Ich versuche, die Dinge positiv zu sehen. Natürlich hat jeder von uns auch diese dunklen Momente, aber die meiste Zeit bin ich energiegeladen, albern und glücklich. Und das wünsche ich natürlich auch allen unseren Fans.

Danke, dass du das so offen geteilt hast. Zum Abschluss: Möchtest du noch ein paar Worte an deine Fans richten? Die letzten Worte gehören ja bekanntermaßen immer dem Künstler.

Sehr gerne. Wir gehen auf Europatour. Auch in Deutschland spielen wir acht Shows, einige sind schon ausverkauft, aber es gibt noch Tickets. Wir werden große Hits, seltene Songs und natürlich auch Neues spielen. Es wird eine großartige Zeit. Kommt vorbei, wir freuen uns, euch zu sehen.

Ich wünsche dir noch einen schönen Abend nach diesem langen Interview-Tag. Und wie man in Deutschland sagt: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

(lacht) Vielen Dank. Dann sehen wir uns bestimmt wieder.

Mehr zur Band The Rasmus findet ihr in den Socials.

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Mia Lada-Klein

Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

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