Zwischen Soundcheck, Tourmüdigkeit und unerwarteten Gesprächsthemen, inklusive einer überraschend wichtigen Dino-Frage – wird schnell klar: Solence folgen keinem festen Schema. Gitarrist David Strääf spricht in Stuttgart (25.04.26) mit Sarah und Dave über kreative Prozesse, Perfektionismus, erste Headliner-Shows und warum ein mechanischer Hai auf der Bühne nicht schlecht wäre.
Manche Gespräche brauchen ein paar Minuten, um warm zu werden. Dieses nicht.
Noch während die Mikrofone zurechtgerückt werden und sich alle halbwegs sortieren, fällt plötzlich eine dieser Fragen, mit denen man nicht rechnet, die aber sofort die Stimmung setzt: „Welcher ist euer Lieblingsdinosaurier?” Was im ersten Moment nach Chaos klingt, entpuppt sich ziemlich schnell als perfekter Einstieg. Denn genauso wirkt auch das, was Solance auf die Bühne bringt: nicht geschniegelt und geplant, sondern ehrlich, direkt und manchmal ein bisschen unberechenbar.
Solence Zwischen Ankommen und Durchziehen
Wie geht es dir gerade auf Tour?
David: „Mir geht es echt gut. Wir sind jetzt seit gut zwei, zweieinhalb Wochen unterwegs und langsam kommt man richtig rein. Am Anfang ist es immer etwas ungewohnt, weil sich alles erst einspielen muss. Die Sets sind länger, man hat mehr Songs im Kopf und braucht ein bisschen, bis das wieder automatisch läuft. Ich habe das Gefühl, dass ich erst vor ein paar Shows wirklich angekommen bin. Jetzt fühlt sich alles deutlich runder an. Natürlich ist man müde, gerade abends merkt man das, aber sobald man auf der Bühne steht, ist das komplett weg.

Die wirklich wichtigen Fragen
Was ist dein Lieblingsdinosaurier?
David (lacht) : „Das sind die wichtigen Fragen. Früher war ich da total drin. T-Rex ist natürlich ein Klassiker, Allosaurus auch stark – aber wenn ich mich entscheiden muss, dann Quetzalcoatlus. Auch wenn ich weiß, dass es eigentlich keiner ist. Aber es fühlt sich trotzdem richtig an.“
Wenn aus Dinos Haie werden
Hat sich diese Faszination bis heute gehalten?
David: „Ja, auf jeden Fall, nur jetzt eher mit Haien. Ich habe mir sogar ein Tattoo stechen lassen, aber bewusst kein realistisches. Ich würde mich sonst viel zu sehr an Details aufhängen, zum Beispiel, ob die Flosse passt oder irgendetwas anatomisch nicht stimmt. Ich bin da ziemlich genau, das würde mich wahnsinnig machen. Und ich habe tatsächlich einen adoptierten Kurzflossen-Mako, der Rocco heißt. Der ist gerade irgendwo vor Mexiko unterwegs und zieht Richtung Louisiana weiter. Das klingt vielleicht ein bisschen random, aber es passt ganz gut zu mir.
Zwischen Bewusstsein und Realität
Spielt das Thema Umwelt oder Verantwortung für euch als Band eine Rolle?
David: „Wir würden uns jetzt nicht als aktivistische Band bezeichnen. Aber wenn du dich einmal mit solchen Themen beschäftigst, kannst du das nicht mehr komplett ausblenden. Gerade was die Ozeane angeht – Überfischung, sterbende Korallen – das sind reale Dinge. Ich glaube, es geht weniger darum, sich ein Label zu geben, sondern vielmehr darum, ein grundlegendes Bewusstsein dafür zu entwickeln.“
Musik als Gegenbewegung
Was wollt ihr den Leuten mit eurer Musik mitgeben?
David: „Wir wollen nicht die Band sein, die euch in schlechter Stimmung lässt. Das hat natürlich auch seine Berechtigung, aber wir möchten eher das Gegenteil erreichen. Uns ist wichtig, dass unsere Musik dir Energie gibt. Dieses Gefühl von: ‚Ich schaffe das.‘ Wenn jemand nach einem Song ein bisschen mehr Kraft hat als vorher, dann haben wir schon viel erreicht.“
Wie ein Song wirklich entsteht
Wie entstehen eure Songs – eher geplant oder spontan?
David: „Das ist komplett unterschiedlich. Manchmal hast du eine klare Idee. Zum Beispiel wollten wir nach der Corona-Zeit bewusst etwas Positives machen. Und dann gibt es Songs, die einfach aus einem Sound heraus entstehen. Ich war mal in einem Club und habe Drum and Bass gehört. Ich dachte mir: Das ist im Grunde Metal: schnell, intensiv, emotional und direkt. Solche Eindrücke nimmst du dann mit. Wir verbringen generell viel Zeit im Studio und feilen an Details. Wir sind da schon ziemlich perfektionistisch.

Wenn es plötzlich Realität wird!
Wie fühlt sich eure erste eigene Headliner-Tour an?
David: „Ehrlich gesagt ziemlich surreal. Support-Shows und Festivals sind schon etwas Besonderes, aber eine eigene Tour ist nochmal eine ganz andere Liga. Du kannst dein Set selbst gestalten, länger spielen und mehr zeigen. Und vor allem: Die Leute kommen wirklich wegen dir. Ich persönlich realisiere das aber erst, wenn ich auf der Bühne stehe und die Menschen vor mir sehe. Vorher bleibt es irgendwie abstrakt.“
Zwischen Kontrolle und Loslassen
Verändern sich eure Songs live noch?
David: „Ja, definitiv. Wir spielen Songs live nie eins zu eins wie auf der Platte. Wir passen Dinge an, verändern Übergänge oder lassen Songs ineinander übergehen. Das passiert oft noch bis kurz vor Tourbeginn. Gerade neue Songs müssen sich erst entwickeln. Ältere laufen irgendwann automatisch, aber bei neuen brauchst du Zeit, bis sie sich wirklich setzen.“
Zwischen Symbolik und Bedeutung
Welche Rolle spielen diese großen, beinah religiösen Bilder in eurer Musik?
David: „Eigentlich gar nicht im klassischen Sinne. Wir sind nicht religiös oder so, für uns sind das eher Metaphern. Also Bilder, die Emotionen transportieren. Engel, Dämonen, das sind starke Begriffe die sofort etwas auslösen. Am Ende geht es eher darum, was dahintersteckt. Du hast nur eine begrenzte Zeit hier und es liegt an dir, was du daraus machst. Das klingt vielleicht klischeehaft, aber ich glaube, da ist was dran. Man könnte das auch anders ausdrücken. Aber solche Bilder eröffnen dir eine ganz neue Perspektive. Du kannst damit Gefühle anders erzählen.“
Was ist für dich „good f****ng music to bang your Head to“?
David: „Ganz ehrlich alles, was mir ein gutes Gefühl gibt. Ich höre quasi alles. Ich habe mit klassischer Musik und Geige begonnen. Bach ist mein Boy, er geht sau ab! Und dann kam offensichtlich die härtere Musik. Meine Lieblingsband ist wohl Iron Maiden.
Aber es gibt auch viele andere Bands, die Ich liebe. ABBA hat aus meiner Sicht musikalisch einige der besten Sachen, die je geschrieben wurden. Die Songs sind der Wahnsinn! Es ist einfach gut, komplex und hat so viele Ebenen. Und dann halt auch noch Queen und die Red Hot Chilli Peppers. Und es gibt viel gute Technomusik zum tanzen. Nur von Autotune bin ich kein Fan.“

Kannst du noch Geige spielen? Und wie kamst du dann zur Gitarre?
David: „Wahrscheinlich ganz okay, aber nichtmehr gut. Aber wenn du mir zwei Wochen zum üben geben würdest, ginge das auch wieder! Ich habe als Kind einige Zeit Geige gespielt, aber dann hatte ich einen Lehrer, der auch in einer Band gespielt und der uns CDs gegeben hat, die er in der Garage aufgenommen hat. Der hat mich sehr inspiriert!“
„Ich denke zur Gitarre kam ich, weil sie einfach auf so viele Arten extrem, aber gleichzeitig schön ist. Sie ist heavy, aber auch schnell, melodisch, dissonant, wirklich einfach alles. Ich liebe Metal-Balladen, sie sind auf so viele Arten wie Orchester und klassische Musik. Das Spektrum ist einfach extrem breit, und Ich habe das Gefühl das andere Genres das so nicht haben. Und ich mag einfach extremes Zeug!“
Und dann wäre da noch der Hai
Wie würde eure perfekte Show aussehen, wenn alles möglich wäre und ihr ein unbegrenztes Budget hättet?
David (lacht): Komplett übertrieben. Ich würde an Seilen durch die Luft fliegen und ein Gitarrensolo spielen, mit Pyrotechnik im Hintergrund. Und dabei würde mir Rocco als mechanischer Hai hinterherfliegen. Also ja, das wäre ziemlich übertrieben, aber genau das würde es eben so cool machen!“
Was bleibt?
Am Ende ist es nicht die eine große Aussage, die hängen bleibt. Es sind die kleinen Momente dazwischen: die Begeisterung für Details, dieses leichte Ungezwungene im Gespräch und die Art, wie sich Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit ständig abwechseln. Solance wirkt nicht wie eine Band, die alles bis ins Letzte durchplanen will. Sie wirken eher wie eine Band, die sich erlaubt, Dinge entstehen zu lassen, aus einem Gefühl heraus, aus einer Idee, aus Emotionen und aus genau diesem einen Moment.
Und genau darin liegt ihre Stärke. Man merkt, dass hier nicht einfach Musik gemacht wird, sondern dass etwas weitergegeben wird: Energie, Gedanken, auch ein Stück Halt.
Und genau das bleibt.
Sarah Edwards
Sarah ist Konzertfotografin beim Paranoyd Magazin. Sie liebt Metal und fängt Fans, Bands & Emotionen unverfälscht ein – von intimen Clubshows bis hin zu großen Festivals. Ihr Fokus liegt auf der rohen Energie des Augenblicks, um die Atmosphäre der Live-Musik authentisch und nahbar festzuhalten.


