Die Stuttgarter Punkband Schmutzki hat am 12. Dezember ihr neues Album Wunder veröffentlicht. Der Titel klingt nach einem großen Versprechen, besonders in Zeiten, in denen ein kleines Wunder zwischendurch durchaus willkommen wäre.
Im Gespräch mit Frontmann und Sänger Beat ging es aber nicht nur um das Album, sondern auch um ganz praktische Fragen: Ticket- und Merchpreise, die gerade für hitzige Diskussionen sorgen, und die allgegenwärtige Debatte rund um Künstliche Intelligenz.
Im Interview mit Mia verrät Beat, ob Schmutzki selbst ihre Preise nach oben geschraubt haben, wie sie die ständig steigenden Festivalkosten einschätzen und ob künstliche Intelligenz ihnen irgendwann wirklich den Schlaf rauben könnte.
Alles dazu lest ihr im Interview.
Euer neues Album heißt „Wunder“. Kannst du uns ein bisschen erzählen, was dahinter steckt?
Beat: Ja, „Wunder“ ist unsere neue Platte. Vor allem der Titelsong hat schon eine ganze Weile in der Schmutzki-Welt herumgeschwirrt. Entstanden ist er eigentlich aus einer Spaß-Idee von Dany, die er mit einem Kumpel und seiner Freundin zusammen hatte. Irgendwann dachten wir uns dann: okay, der Song ist eigentlich echt cool. Es gab zunächst ein paar Bedenken, dass der Song vielleicht zu trashig ist, aber dann haben wir beschlossen, ihn einfach zu machen. Aus der bestehenden Songschublade haben wir dann noch passende Stücke ausgewählt und auch vermehrt Synthesizer eingebaut.
Das heißt aber nicht, dass Schmutzki jetzt eine Synthie-Band werden, oder?
Beat: Nein, überhaupt nicht. Aber auf der Platte kommt es vor und wird auch live zu hören sein.
Wie war das Feedback bisher?
Beat: Die bisherigen Rückmeldungen sind eigentlich sehr positiv. Das Album klingt auf jeden Fall ganz anders als unsere letzte Platte, was wir aber auch interessant fanden. Wir wollten die Bandbreite mal wieder so breit wie möglich aufstellen.
Eure letzte Platte war ja “Rausch Against The Machine”. Da haben wir vom Paranoyd ja auch drüber berichtet. Die neue wirkt deutlich bunter, mit Ballons und fast schon Kaugummi-Optik. War das von Anfang an geplant, oder hat sich das eher spontan entwickelt?
Beat: Also das war natürlich dann schon irgendwie so, dass der Song “Wunder“ diese typischen Bubblegum-Elemente hatte. Die Idee mit den Glitzerballons stand dann im Raum und nach und nach hat sich das alles zusammengefügt. Am Ende ist es tatsächlich etwas glitzernder geworden als davor. “Rausch Against The Machine” war thematisch etwas dunkler, während “Wunder” deutlich bunter ist. Auch vom Sound her gibt es jetzt diese typischen Bubblegum-Elemente.

Thematisch klingt “Wunder” wie ein Kontrastprogramm zum Nachrichten- oder Tagesschau-Abend. Die Welt braucht heute einfach ein Wunder, oder?
Beat: Absolut. Wunder braucht die Welt, immer. Manchmal ist es aber wichtig, sich bewusst zu machen, dass Wunder in den kleinen Dingen stecken. Viele denken bei „Wunder“ vielleicht zuerst an etwas Bombastisches oder Christliches, aber oft sind es einfach die kleinen Momente im Alltag, die besonders toll sind.
Genau, wie wenn Kinder die Welt entdecken, oder? Kinder sehen in allem ein Wunder, ein Regenwurm, ein Blatt, das durch den Wind fliegt. Mit dem Alter verlernen wir das oft. Wir konzentrieren uns auf die großen Dinge und vergessen die kleinen Alltagswunder. Gibt es für dich auch solche kleinen Wunder im Alltag?
Beat: Auf jeden Fall. Und wir sehen häufig auch das, was uns in einem bestimmten Moment auch einfach stört. Für meinen Sohn ist das Wetter zum Beispiel keine Kategorie. Wenn es regnet, freut er sich, weil er eine Matschhose anziehen oder in eine Pfütze springen kann. Ich finde es witzig, wie wir Erwachsene uns oft so den Kopf über Dinge zerbrechen, die eigentlich total banal sind, während Kinder sie einfach genießen.
Schmutzki über Streaming, Ticketpreise und Merch
Du hast im letzten Interview gesagt, dass Bands heutzutage weniger mit Streaming Geld verdienen und mehr über Konzerte und Merch. Hat sich da inzwischen etwas geändert?
Beat: Nein, eigentlich nicht. Es gibt vielleicht Ausnahmen: kurze Songs, die TikTok-tauglich sind und die Algorithmen pushen, könnten Geld einspielen. Aber in unserem Fall, wo wir eher klassisch oder oldschool unterwegs sind, kommt das Geld hauptsächlich über Live-Auftritte, Tickets, Festivals und Merchandise.
Gerade bei Festivals hört man ja immer öfter, dass nicht nur die Tickets, sondern auch der Merch deutlich teurer wird. Wie sieht das bei euch aus?
Beat: Diese Entwicklung nehmen wir definitiv auch wahr. Vor einiger Zeit haben wir im Support gespielt und eine andere Band hat uns gesagt, wir müssten unsere Shirts mindestens zu einem bestimmten Preis verkaufen, damit wir nicht deutlich billiger sind als sie. Das war schon ein krasser Moment, den ich vorher so nicht kannte.
Gab es bei euch auch kontinuierliche Preissteigerungen?
Beat: Ja. Wenn wir auf unsere ersten richtigen Touren zurückblicken, lagen Tickets damals bei 20 bis 25 Euro inklusive Gebühren. Heute sind wir eher bei knapp 40 Euro. Das liegt einerseits an gestiegenen Kosten bei den Veranstaltern, andererseits an unseren eigenen Kosten. Wir diskutieren das immer wieder intensiv.
Manche Bands bieten ja Sozialtickets oder unterschiedliche Preisstufen an. Habt ihr sowas schon ausprobiert?
Beat: Nein, bisher noch nicht. Es gibt Bands, die günstigere Tickets für bestimmte Gruppen anbieten und dafür andere Tickets teurer machen, sodass sich das ausgleicht. Wir versuchen unsere Preissteigerungen einfach moderat zu halten und die Tickets so zu gestalten, dass die Leute am Ende sagen können: Für das, was sie an dem Abend erleben und mitnehmen, lohnt sich der Preis.
Und wie handhabt ihr das beim Merch?
Beat: Wir haben unsere klassischen Hemden, die nicht mehr als 20 bis maximal 25 Euro kosten. Spezielle Shirts, die teurer in der Herstellung sind, verkaufen wir auch teurer. Das Ganze halten wir aber so moderat wie möglich, damit es fair bleibt.
Manche Festivals verlangen inzwischen aber horrende Preise für Tickets und Merchandise.
Beat: Ich in da auch überrascht. Es ist schon krass. Manche Tickets liegen bei 50 bis 60 Euro und auf Festivals summiert sich das schnell auf mehrere hundert Euro. Früher sind wir vom Bodensee zum Southside Festival gefahren, Ticket um die 100 Euro und mit allem drum und dran kam man vielleicht auf 200 bis 250 Euro für das ganze Wochenende. Heute zahlt man oft locker das Doppelte.
Verrückt, gerade wenn man zudem auch noch sieht, wie die Getränkepreise steigen. Neulich habe ich eine Cola für 9,50 Euro gesehen und keine Premium-Version, einfach nur eine Cola. Solche Preise sind schon heftig, selbst dann, wenn man keinen Alkohol trinkt.

Schmutzki über KI, Musik und die Zukunft
Lass uns noch über KI sprechen. Hast du Angst vor KI, KI-Musik oder der KI-Zukunft und wie wirkt sich das auf deine Musikerkarriere aus?
Beat: Was ich beruhigend finde, ist, dass KI nicht einfach spontan Gitarre spielen kann oder auf Zuruf einen Song performt. Sie kann auch keine dummen Fehler machen, die einen gewissen Charme und Spannung erzeugen. Das ist etwas sehr Menschliches. Wenn ich in die Zukunft blicke, beruhigt es mich zu wissen, dass ich mich zur Not einfach irgendwo hinstellen und Gitarre spielen kann und vielleicht finden das ein paar Leute cool. Das kann mir niemand nehmen, egal, was die KI macht.
Also siehst du KI eher als Werkzeug und nicht als Bedrohung für Musiker?
Beat: Genau. Für mich persönlich ist KI vor allem ein nützliches Werkzeug in meinem normalen Job, der eher naturwissenschaftlich geprägt ist. Früher habe ich für manche Arbeitsschritte extrem viel Zeit gebraucht. Jetzt kann KI vieles erleichtern, das ist echt praktisch. Ich steigere mich nicht in die KI-Dystopie rein, sondern sehe den Fortschritt positiv. Klar, manche Jobs werden wegfallen, weil Maschinen sie übernehmen können, aber insgesamt glaube ich, dass der Nutzen überwiegt.
Das heißt, du denkst nicht, dass KI die Kreativität von Musikern ersetzen kann?
Beat: Nein, überhaupt nicht. KI kann viele Dinge berechnen oder generieren, aber diese spontane, unperfekte menschliche Kreativität, die Emotionen transportiert, kann sie nicht ersetzen. Das beruhigt mich, egal, was in Zukunft kommt.
Persönlich denke ich, wir müssen diese Debatte auch immer im richtigen Kontext sehen. KI kann Menschen helfen, ihren Alltag zu erleichtern, Krankheiten besser zu behandeln und insgesamt positiv wirken. Auch wenn man über die Risiken diskutiert, sollte man niemals vergessen, wie viel Gutes sie bewirken kann.
Beat: Ja, ich glaube an den Fortschritt. Es wird sicherlich Herausforderungen geben, und einige Jobs werden sich verändern, aber die Chancen überwiegen für mich. In der Musik sehe ich jedenfalls keinen Grund zur Panik.
Beat, vielen Dank für deine Zeit.
Ein weiteres Interview mit Schmutzki findet ihr auf der Webseite von Mia-Lada-Klein
Mehr zur Band Schmutzki findet ihr in den Socials:
Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

