Lucie Sue: Mit Vollgas durchs Battlestation-Universum

Lucie Sue, Hush

Die französische Sängerin, Songwriterin und Musikerin Lucie Sue betritt mit ihrem Debütalbum Battlestation die Rockbühne. Bekannt durch ihre energiegeladenen Live-Auftritte in Frankreich, erweitert sie nun ihr künstlerisches Spektrum auf die internationale Bühne. Mit ihrem ersten Album, das am 29. August 25 erschienen ist, zeigt sie nicht nur ihre musikalische Vielseitigkeit zwischen Rock, Grunge und emotionalem Pop, sondern gibt auch Einblicke in ihre persönliche und kreative Welt. Wir haben mit Lucie Sue über ihr Debüt, die Entstehung der Songs und ihre Vision für die Zukunft gesprochen.

Hi Lucie Sue. Dein neues Album trägt den Titel „Battlestation“. Was steckt hinter diesem Namen? Ist es eher ein Zufluchtsort, ein Schlachtfeld oder beides?

Der Name stammt ursprünglich von der Band Winger. Sie hatten in den Achtzigern einen Song namens „Battle Station“, und als ich das hörte, dachte ich: Wow, dieser Name ist kraftvoll. Ich wollte schon immer einen Song mit diesem Titel schreiben. Es geht im Kern darum, im „Bulldozer-Modus“ zu sein, alles zu geben und für das zu kämpfen, was man erreichen will.

Du wurdest schon als Mischung aus Metallica und PJ Harvey beschrieben. Wie würdest du selbst, als Lucie Sue, deinen Sound auf dem neuen Album einordnen?

Ja, das freut mich sehr. Ich liebe beide Künstler, also ist das ein großes Kompliment. Mein Sound ist eine Mischung aus allem, was ich seit meiner Kindheit gehört habe: Klassik, Pop, Rock, Grunge und Metal. Wichtig ist mir, dass die Musik Kraft hat und Emotionen weckt. Ich würde vielleicht sagen, es ist emotionaler Rock, ein bisschen Metal und ein bisschen Grunge.

Deine Live-Shows sind bekannt für Kraft, Power, Wildheit. Welche Rolle spielt für dich die visuelle Inszenierung auf der Bühne?

Das ist mir sehr wichtig. Die perfekte Mischung aus Musik, Energie und visueller Darstellung ist entscheidend. Natürlich kann auch rohe Energie ohne viel Dekoration funktionieren, man denke an Nirvana oder Alice in Chains, aber ich mag es, wenn die Botschaft klar ist und die Bühne einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Manche Bands, wie Iron Maiden, lieben große Shows, andere bevorzugen Minimalismus. Wir versuchen einfach, die richtige Balance zu finden.

Lucie Sue: Mit Vollgas durchs Battlestation-Universum.
Credit: Xavier Ducommun
Credit: Xavier Ducommun

Viele deiner Songs strahlen eine starke, fast kämpferische Haltung aus. Welche Botschaften sind dir auf „Battlestation“ besonders wichtig?

Es geht darum, man selbst zu sein, an sich selbst zu glauben und niemals aufzugeben. Wenn man etwas wirklich tun will, muss man alles dafür geben. Niemand sonst kann einen motivieren, denn man selbst ist dafür verantwortlich. Kämpfen, glauben, leben für sich selbst, das ist der einzige Weg, um glücklich zu sein.

Lucie Sue: Streaming und Musikindustrie

Streaming-Plattformen haben die Musikindustrie stark verändert. Wie gehst du als Künstlerin damit um?

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es großartig, unbegrenzten Zugang zu Musik zu haben. Andererseits sind die Algorithmen unfair: Man verbringt mehr Zeit damit, die Zahlen zu analysieren, als Musik zu machen. Die Apps respektieren die Künstler nicht richtig und der Verdienst ist oft nicht angemessen. Ich bevorzuge die alten Zeiten, als man Musik noch selbst finden musste, das fühlte sich einfach echt an.

Wie balancierst du den künstlerischen Ausdruck und den Druck durch Streaming und Algorithmen?

Es ist frustrierend. Ich würde meine Zeit lieber ins Schreiben von Musik investieren, als sie an den Algorithmus zu verschwenden. Aber wenn man gehört werden möchte, muss man mitspielen, auch wenn es ein Kampf ist, den es eigentlich nicht geben sollte. Es ist anstrengender als Proben, Auftritte oder Songwriting, aber leider Teil des heutigen Musikgeschäfts.

Wie siehst du die aktuelle Bedeutung der Live-Szene, besonders nach der Pandemie?

Die Live-Szene ist entscheidend. Nichts ersetzt die Energie, die entsteht, wenn man auf der Bühne steht und die Musik direkt mit den Fans teilt. Sie ist essenziell für die Verbindung zwischen Künstler und Publikum. Vor der Pandemie hatte ich meine Band noch nicht, daher kann ich keinen direkten Vergleich ziehen. Aber was ich von Fachleuten höre, die schon lange mit mir arbeiten, ist: Es gibt einen großen Unterschied. Viele Veranstalter haben Angst, gute Künstler ins Programm zu nehmen, weil die Leute weniger ausgehen und weniger Konzerte besuchen. Für mich persönlich ändert sich nicht viel, aber für die Fans hat sich das Verhalten definitiv gewandelt.

Lucie Sue über Frauen in der Rock- und Metal-Szene

Frauen im Rock und Metal sind oft mit Vorurteilen konfrontiert. Hast du auch schon solche negativen Erfahrungen machen müssen?

Ich hatte glücklicherweise nie negative Erfahrungen, vielleicht weil ich eine starke Energie habe, freundlich bin und die Leute spüren, dass ich mich verteidigen kann. Allerdings höre ich von vielen meiner Freundinnen, dass sie viel Kritik erfahren haben, nur weil sie Frauen sind. Es gibt noch viel zu verbessern. Wenn man sich große Auftritte ansieht, zum Beispiel auch die letzten von Ozzy Osbourne, da sind Frauen immer noch stark unterrepräsentiert. Es ist frustrierend, aber wir arbeiten daran, dass sich das ändert.

Wie siehst du die Entwicklung für Frauen in der Musikindustrie?

Die Situation verbessert sich langsam. Als Teenager habe ich überwiegend männliche Bands gehört. Aber die nächste Generation wird zunehmend auf Frauen achten. Ich habe vorher auch in der Denim-Industrie gearbeitet. Auch da waren viele Männer. Ich habe sogar eine internationale Crew namens „Women in Denim“ gegründet, um Frauen zu unterstützen und zu zeigen, dass sie genauso erfolgreich sein können. Es geht nicht um Konkurrenz, sondern darum, Gleichberechtigung zu beweisen.

Welche Ratschläge würdest du jungen Musikern geben, die im heutigen Musikgeschäft erfolgreich sein wollen?

Musik zu machen, reicht nicht. Man muss auch Kommunikationsfähigkeiten, Buchhaltung, Personalmanagement, Fotografie und Videoproduktion beherrschen. Heutzutage verbringt man mehr Zeit mit Social Media und Content-Erstellung als mit reiner Musikproduktion. Mein Rat: Sei du selbst, glaube an deine Vision und arbeite hart dafür.

Wenn du Battlestation in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das? 

Höre nicht auf zu glauben.

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Mia Lada-Klein

Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

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