Am 13. Februar hat LORENA ihr Debütalbum „Rebel Soul“ veröffentlicht. Ein Titel, der schon klar zum Ausdruck bringt: Hier kommt niemand, um brav im Hintergrund zu summen.
Die gebürtige Fränkin bekam ihren ersten ordentlichen Schub an Öffentlichkeit durch ihre Teilnahme bei The Voice of Germany. In der großen Fernsehlogik folgt danach normalerweise ein Karriereverlauf wie aus dem Backautomaten: einmal rein, kurz aufgehen lassen, fertig ist der Star. Goldene Zukunft, Festivalplakate, endlose Streams.
Im Interview räumt Lorena mit genau diesem Märchen auf. Mit trockenem Humor und der ernüchternden Erkenntnis, dass die Musikbranche weniger Märchenwald als Survival-Training ist. Sie spricht über ihre Struggles, über den zähen Kampf um Aufmerksamkeit, Auftritte und Relevanz. Und darüber, dass das Business zwar gern modern wirkt, aber besonders für Frauen immer noch erstaunlich viele altmodische Reflexe bereithält. Gesellschaftlich sind wir angeblich weiter als früher. Laut Lorena stimmt das auch, nur leider nicht weit genug.
Lass uns mit einer vielleicht etwas lockeren Einstiegsfrage beginnen. Als Frau im Musikbusiness: Was nervt dich momentan am meisten? Sind es die immer wiederkehrenden Debatten über Frauenquoten und „alte weiße Cis-Männer“ oder ist das für dich gar nicht so entscheidend?
Lorena: Der Struggle ist auf jeden Fall real. Besonders, wenn es um Festivalbewerbungen geht. Da läuft es im Moment einfach nicht so gut und ich frage mich ehrlich gesagt oft, warum. Ich habe eine starke Show, gute Musik und eine richtig gute Band. Trotzdem kommen immer wieder Absagen. Wenn ich mir dann die Line-ups vieler Festivals anschaue, fällt mir auf, dass sie sehr männerlastig sind. Da stellt sich mir schon die Frage: Wird uns Frauen vielleicht nicht zugetraut, eine Festivalmenge zum Ausrasten zu bringen? Glauben die Veranstalter nicht, dass wir das genauso können? Das sind Gedanken, die mir dann durch den Kopf gehen.
Wenn Frauen dann doch gebucht werden, hört man oft den Begriff „Quotenfrau“. Ich habe kürzlich erst ein Interview mit einer Sängerin geführt und sie hat genau das angesprochen: Dass manchmal ein oder zwei Frauen im Line-up stehen, aber eher als Alibi. Es geht dann weniger um die Musik selbst. Nimmst du das ähnlich wahr?
Lorena: Ja, absolut. Ich denke mir das tatsächlich auch oft. Es gibt auch immer wieder Kommentare, die eigentlich als Kompliment gemeint sind, aber trotzdem einen Beigeschmack haben. Zum Beispiel, wenn jemand sagt: „Man hört ja selten eine Frau, die Rock so gut bedienen kann.“ Dann denke ich mir sofort: Woran liegt das wohl, dass man so selten Frauen hört? Es liegt ja nicht daran, dass es keine gibt. Es gibt viele Frauen, die großartige Rocksängerinnen sind und genau diese Musik machen. Aber sie bekommen häufig einfach nicht die gleiche Plattform oder Sichtbarkeit.
Gleichzeitig ist es heute ja ohnehin unglaublich schwer, sich im Musikgeschäft durchzusetzen. Man ist längst nicht mehr nur die Stimme auf der Bühne. Man muss Social Media bedienen, Content produzieren, ständig präsent sein. Wie erlebst du diesen Druck?
Lorena: Das ist wirklich extrem. Natürlich ist die Stimme wichtig, keine Frage. Aber heute reicht das alleine nicht mehr. Man ist im Grunde ein komplettes Unternehmen. Ich schreibe Festivalbewerbungen, kümmere mich um Social Media, mache Reels, TikTok, Instagram.
Und Social Media bedeutet ja nicht nur zwei oder drei Reels pro Woche. Da kommen Instagram, TikTok, YouTube und sogar Plattformen wie Spotify dazu, wenn man es weiter denkt. Es sind unglaublich viele Kanäle, auf denen man sichtbar sein muss. Gleichzeitig ist die Konkurrenz riesig. Das alles kostet natürlich enorm viel Zeit. Machst du das alles selbst oder hast du ein Team, das dich unterstützt?
Lorena: Beim Booking habe ich Unterstützung. Ich arbeite mit einer Bookerin zusammen. Aber Social Media mache ich tatsächlich komplett alleine. Das ist schon eine Menge Arbeit.
Du hast eben auch den Unterschied in der Wahrnehmung zwischen Männern und Frauen angesprochen. Hast du das persönlich schon so deutlich erlebt?
Lorena: Ja, auf jeden Fall. Mir fällt immer wieder auf, dass Deutschland irgendwie noch nicht ganz bereit für starke Frauen ist. Nach außen hin wird oft von Female Empowerment gesprochen, aber in der Praxis sieht das manchmal anders aus. Ein Beispiel war 2020, als ich bei The Voice war. Wenn man dort als selbstbewusste Frau auftritt, bekommt man schnell Kommentare wie „arrogant“ oder „abgehoben“. Wenn ein Mann sich genauso verhält, die gleichen lockeren Sprüche macht, ein bisschen flirtet oder mit den Coaches scherzt, dann heißt es plötzlich: „Was für ein sympathischer Typ.“ Dieses unterschiedliche Maß fällt mir immer wieder auf.
Woran liegt das deiner Meinung nach? Das scheint ja kein reines Musikproblem zu sein, sondern eher ein gesellschaftliches.
Lorena: Ehrlich gesagt kann ich mir darauf selbst keinen richtigen Reim machen. Es wundert mich auch immer wieder. Ich habe zum Beispiel einmal ein Reel darüber gemacht, dass ich auf dem Highfield Festival begrapscht wurde. Da habe ich auch gemerkt, wie unterschiedlich die Reaktionen je nach Plattform sind. Auf Instagram habe ich das Gefühl, dass meine Inhalte eher in meiner eigenen Bubble landen. Dort kommen meistens unterstützende Kommentare. Bei TikTok funktioniert der Algorithmus anders. Da schreiben plötzlich irgendwelche Leute darunter Sachen wie: „Das wolltest du doch“ oder „Als ob dich jemand angrapscht.“ Solche Kommentare sind schon heftig.
Also auch die Plattform selbst beeinflusst, welche Reaktionen man bekommt?
Lorena: Ja, total. Der Unterschied ist wirklich krass. Und oft sind es genau die Leute, die dann kein Profilbild haben oder komplett anonym unterwegs sind. Das ist schon eine eigene Wissenschaft. Ich glaube, wir haben gesellschaftlich einfach noch einen langen Weg vor uns.
Lorena: Zwischen Bühne, Nähe und Grenzüberschreitungen
Wir streifen jetzt ein Thema, das ich eigentlich gar nicht unbedingt so groß aufmachen wollte. Aber wenn wir schon mittendrin sind, sollten wir es auch konsequent ansprechen. Viele Sängerinnen, eigentlich viele Frauen generell, werden noch immer als Objekt wahrgenommen. Natürlich gehört zur Bühne auch ein gewisses Auftreten. Man macht sich für die Show schick, trägt vielleicht etwas Glitzerndes oder Auffälliges. Aber in erster Linie bist du doch ein Mensch und eine Künstlerin. Erlebst du trotzdem, dass diese Grenze manchmal überschritten wird?
Lorena: Ja, definitiv. Und das passiert tatsächlich weniger auf Social Media als vielmehr direkt bei Auftritten. Klar, wenn man auf der Bühne steht, gehört es dazu, dass man sich für die Show vorbereitet und ein bestimmtes Auftreten hat. Aber das ist ja keine Einladung, nach dem Gig belästigt zu werden. Genau darum geht es auch in meinem Song „Pretty Please“. Wenn ich nach einem Auftritt fertig bin, kommen manchmal Männer auf mich zu, die locker mein Vater sein könnten. Und dann passiert dieses ungefragte Anfassen. Ich meine damit nicht einmal unbedingt richtiges Grapschen. Oft legen sie einfach den Arm um mich, so als wäre das völlig normal. Aber das ist es eben nicht.
Also eine Form von Grenzüberschreitung, die vielleicht für manche selbstverständlich wirkt, für dich aber absolut nicht okay ist?
Lorena: Genau. Für viele scheint das ganz normal zu sein. Aber nein, es ist nicht in Ordnung. Ich hatte erst kürzlich wieder so eine Situation. Ich bin gerade in Afrika und spiele hier ein paar Shows. Bei einem Auftritt kam ein Mann, der wirklich mein Vater hätte sein können und während ich da stand, griff er mir plötzlich von der Seite um die Hüfte. Da dachte ich nur: Was ist hier eigentlich los? Es ist häufig diese bestimmte Generation, die solche Dinge macht. Ich hoffe einfach, dass die jüngeren Generationen ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln und wissen, dass so etwas nicht okay ist.
Gerade als Künstlerin bist du ja in einer besonderen Situation. Du stehst im direkten Kontakt mit deinem Publikum und willst natürlich auch nahbar sein.
Lorena: Genau und das macht es manchmal kompliziert. Nach einem Gig kommen Leute auf einen zu, sprechen einen an. Man möchte freundlich bleiben, schließlich ist es das Publikum. Man ist dankbar, dass Menschen zu den Konzerten kommen. Aber gleichzeitig gerät man dadurch manchmal in eine schwierige Lage. Man will niemanden vor den Kopf stoßen, obwohl man sich eigentlich unwohl fühlt.
Man möchte diese Nähe zum Publikum ja auch nicht komplett verlieren.
Lorena: Richtig. Diese Nähe ist ja eigentlich etwas Schönes. Aber sie darf eben nicht als Freifahrtschein verstanden werden. Nur weil ich auf der Bühne stehe oder mich für eine Show stylisch anziehe, heißt das nicht, dass man mich ungefragt anfassen oder umarmen darf.
Deine Songs sind auch sehr direkt. Du beschäftigst dich auch viel mit dem Thema „Ballast abwerfen“, also damit, Dinge hinter sich zu lassen und seinen eigenen Weg zu gehen. Ist das eine Entwicklung für dich gewesen oder war das schon immer ein wichtiges Thema für dich?
Lorena: Ich war schon immer jemand, der Dinge nicht lange in sich hineinfrisst. Wenn mich etwas belastet, dann muss es raus. Ich bin ein großer Fan davon, Probleme direkt anzusprechen. Klare Worte statt alles in sich hineinzustauen. Ich glaube, das hört man auch in meinem Songwriting. Meine Texte sind also meistens ziemlich direkt. Ich verstecke mich nicht hinter komplizierten Metaphern oder verschachtelten Bildern, sondern sage ziemlich klar, was ich meine.
Hat dein Soloalbum dir dabei noch einmal eine neue Freiheit gegeben?
Lorena: Auf jeden Fall. Ich war vorher lange ein „Band Girl“, habe also in Bands gespielt. Jetzt mache ich mein eigenes Soloprojekt, es ist mein eigenes Album. Dadurch konnte ich noch einmal viel persönlicher werden. Ich konnte Dinge aus meiner Vergangenheit hinter mir lassen und ein neues Kapitel beginnen. Für mich fühlt sich dieses Solodebüt wirklich wie ein kompletter Neuanfang an.
Lorena: Der Mythos vom erfolgreichen Musikerleben
Lass uns an dieser Stelle vielleicht auch ein paar Träume zerplatzen, zumindest die romantischen Vorstellungen vieler junger Bands. Von außen wirkt deine Karriere sehr erfolgreich. Du warst bei The Voice, hast dir eine große Community aufgebaut. Man könnte meinen, dass danach alles automatisch läuft. Aber so einfach ist es wahrscheinlich nicht, oder?
Lorena: Leider nein. Natürlich freut es mich, wenn es von außen so wirkt, als würde alles super laufen. Aber die Realität ist eine andere. Menschen fragen mich manchmal: „Trägt sich deine Musik inzwischen finanziell?“ Und ich muss dann ehrlich sagen: Nein, so einfach ist das nicht. Ein Album selbst zu finanzieren ist unglaublich teuer. Produktionskosten, Marketing, Werbung, das summiert sich alles. Am Ende landet man schnell bei einem fünfstelligen Betrag, den man erstmal investieren muss.
Und gleichzeitig bringen Streamingplattformen vergleichsweise wenig Einnahmen, oder?
Lorena: Genau. Wenn man bedenkt, dass ein Stream auf Spotify ungefähr 0,003 Cent bringt, kann man sich ausrechnen, wie lange es dauert, bis sich so ein Investment überhaupt ausgezahlt hat. Man braucht wirklich einen langen Atem in diesem Beruf.
Selbst mit Kontakten und einer gewissen Bekanntheit?
Lorena: Ja, absolut. Es wird einem nichts geschenkt. Egal, ob man schon etwas bekannter ist oder gerade erst anfängt. Am Ende müssen alle hart arbeiten.
Dann ist das vielleicht die wichtigste Wahrheit im Musikbusiness: Durchhalten.
Lorena: Genau. Am Ende setzen sich meistens die durch, die den längsten Atem haben. Ich kenne viele Menschen in meinem Umfeld, die denselben Traum hatten, aber irgendwann gesagt haben: Das ist mir zu anstrengend, ich mache etwas anderes. Und das ist auch völlig in Ordnung. Jeder muss für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte.
Für dich kam Aufgeben offenbar nie wirklich infrage?
Lorena: Nein. Ich war schon immer ziemlich dickköpfig. In meiner Karriere wurden mir viele Türen vor der Nase zugeschlagen, so oft, dass andere wahrscheinlich längst aufgegeben hätten. Selbst Leute aus meinem Umfeld haben irgendwann gefragt: „Lorena, willst du wirklich noch weitermachen?“ Und meine Antwort war immer: Ja. Für mich ist Musik wie Luft zum Atmen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, einfach aufzuhören.
Hast du das während der Pandemie auch besonders gemerkt?
Lorena: Absolut. Während der Lockdowns haben viele gesagt: „Jetzt hat man endlich mal Zeit für sich.“ Für mich war das genau das Gegenteil. Ich lag teilweise zu Hause und kam kaum aus dem Bett, weil mir die Bühne so gefehlt hat. Mir wurde da erst richtig bewusst, wie sehr ich das brauche. Ohne Musik und ohne Auftritte fehlt mir etwas ganz Grundlegendes. Genau dieses Gefühl treibt mich auch an, weiterzumachen und das egal, welche Steine im Weg liegen.
Wir haben vorhin etwas angesprochen, das im Moment viele Künstler beschäftigt. Auch große Namen wie Björk oder Herbert Grönemeyer haben sich zuletzt zum Thema Streaming geäußert. Viele Kreative kritisieren, dass bei den Künstlern finanziell kaum etwas ankommt. Wie siehst du das? Ist Streaming ein gutes Modell oder eher ein zweischneidiges Schwert?
Lorena: Ich würde auch sagen, dass es ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite ist die Vergütung natürlich absolut unfair. Da braucht man gar nicht drum herumreden. Aber auf der anderen Seite ist es auch schwierig, daran etwas zu ändern. Wir kleineren Künstler können zwar laut sagen, dass das System ungerecht ist, aber realistisch betrachtet braucht eine Plattform wie Spotify uns nicht unbedingt.
Wenn sich allerdings wirklich große Künstler zusammentun würden, also sagen wir jemand wie Taylor Swift, Adele oder Harry Styles und gemeinsam sagen würden: Entweder ihr ändert etwas am Vergütungsmodell oder wir ziehen unsere Musik ab, dann müssten die Streaming-Plattformen reagieren. Solange dieser Druck von den ganz großen Namen aber nicht kommt, wird sich wahrscheinlich auch nicht viel ändern.
Trotzdem sagst du gleichzeitig: Streamt meine Musik.
Lorena: Genau. So widersprüchlich das klingt. Denn die Zahlen auf den Plattformen spielen eine riesige Rolle. Wenn ich mich zum Beispiel für Festivals bewerbe, schauen Booker nicht nur auf meine Social-Media-Reichweite, sondern auch ganz genau auf meine Spotify-Zahlen. Wie viele monatliche Hörer habe ich? Wie oft werden meine Songs gestreamt? Diese Zahlen entscheiden mit darüber, ob man gebucht wird oder nicht.
Das heißt, die Streams bringen indirekt doch Geld ein.
Lorena: Genau. Nicht direkt durch die Streams selbst, sondern durch die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Wenn die Zahlen gut sind, bekomme ich eher Gigs angeboten. Und mittlerweile leben die meisten Musiker hauptsächlich von Live-Auftritten. Wenn meine Spotify-Zahlen stimmen, bekomme ich mehr Konzertanfragen und dadurch verdiene ich am Ende dann doch Geld.
Gleichzeitig ist es schon ein bisschen absurd, dass am Ende alles auf Zahlen reduziert wird, oder?
Lorena: Ja, eigentlich schon. Eigentlich wollen wir doch einfach Kunst machen. Aber die Realität sieht leider anders aus.
Viele Menschen unterschätzen wahrscheinlich auch, wie teuer Kunstproduktion tatsächlich ist.
Lorena: Absolut. Ich glaube, das ist vielen gar nicht bewusst. Gerade bei meinem Album habe ich das gemerkt. Ich habe daran seit 2022 gearbeitet und immer wieder kam die Frage: „Wann kommt das endlich raus?“ Oder auch jetzt nach meinem Album-Release-Konzert, bei dem ich neue Songs gespielt habe: „Sind die schon auf Spotify?“ Aber so funktioniert das eben nicht. Ich habe gerade erst die Produktion für ein Album bezahlt. Jetzt muss ich erstmal wieder etwas Geld reinbekommen, bevor ich neue Songs produzieren lassen kann.
Das heißt, auch neue Musik entsteht oft erst wieder, wenn die vorherige Produktion finanziell halbwegs aufgefangen ist.
Lorena: Ein Album zu produzieren kostet viel Geld. Man muss das Studio bezahlen, den Produzenten, die Musiker, die etwas einspielen. All diese Dinge kosten. Kunst ist teuer. Und ich glaube, das wird oft unterschätzt.
Lorena über Streaming, Zahlen und die Zukunft der Musik
Zum Abschluss würde ich gern noch über ein Thema sprechen, das gerade überall diskutiert wird: die Zukunft der Musik im Zeitalter von künstlicher Intelligenz. Viele Kreative haben Angst, dass KI irgendwann ihre Arbeit ersetzt. Wie siehst du das?
Lorena: Die Angst, komplett ersetzt zu werden, habe ich ehrlich gesagt nicht. Am Ende wollen Menschen echte Konzerte erleben. Ich habe dazu eine interessante Geschichte aus meinem Umfeld. Eine Freundin von mir hat auf Spotify eine Band entdeckt und war total begeistert. Sie hat die Musik rauf und runter gehört und war überzeugt, dass das ihre neue Lieblingsband ist. Kurz vor Weihnachten dachte ihr Mann dann: Perfekt, ich schenke ihr Konzerttickets. Also hat er nachgeschaut, wann die Band auf Tour ist und dabei festgestellt, dass es gar keine Tour gibt. Schließlich kam heraus: Diese Band existiert gar nicht. Es war eine KI-generierte Band.
Das muss eine ziemliche Überraschung gewesen sein.
Lorena: Total. Als er ihr das erzählt hat, war sie richtig enttäuscht. Sie hat sich fast ein bisschen dumm gefühlt, weil sie nicht gemerkt hatte, dass das keine echte Band ist. Aber ich habe ihr gesagt: Du bist nicht dumm. Ich hätte das auch nicht erkannt. Die Technologie ist inzwischen so gut, dass man es kaum unterscheiden kann.
Trotzdem bleibt am Ende also etwas Entscheidendes bestehen: das Live-Erlebnis.
Lorena: Genau. Am Ende wollen Menschen Live-Musik. Sie wollen auf Konzerte gehen, sich mitreißen lassen, für ein paar Stunden aus ihrem Alltag ausbrechen und einfach diesen Moment erleben. Das kann eine KI nicht ersetzen. Auch dieses Gefühl, Fan von jemandem zu sein, einen Künstler über Jahre zu begleiten, Teil einer Community zu sein, das funktioniert nur mit echten Menschen.
Also bleibt die Verbindung zwischen Künstler und Publikum letztlich etwas sehr Menschliches?
Lorena: Ja, absolut. Es gibt zwar inzwischen auch KI-Profile auf Social Media, aber ich glaube trotzdem, dass echte Künstler und echte Communities etwas anderes sind. Viele Menschen begleiten mich schon seit Jahren auf meiner Reise. Diese Verbindung kann man nicht einfach künstlich erzeugen.
Die echten Emotionen eines echten Konzerts bleiben also unersetzlich?
Lorena: Genau. Bei meinem Album-Release-Konzert standen Menschen mit Tränen in den Augen vor mir. Ich selbst habe auch geweint. Da war so viel Emotion im Raum. Genau das ist es doch, was Musik ausmacht. Dieses Menschliche, diese Gefühle und ich glaube, das kann keine KI wirklich ersetzen.
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Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

