Wenn Backstage zum Tattoostudio wird: Celina Stein im Interview

Celina Stein Tattoo

Tattoo-Kunst und die Rock- und Metalszene gehören für Celina Stein untrennbar zusammen. Was einst mit Skizzen im Jugendzimmer begann, führte die Tätowiererin aus Landshut bis hinter die Kulissen internationaler Tourneen. Ob Ice Nine Kills, Nothing More, Solence oder Motionless in White – immer wieder vertrauen Musiker und Crews auf ihre Arbeit. Im exklusiven Interview mit Paranoyd Magazin spricht Celina Stein über ihren außergewöhnlichen Werdegang, unvergessliche Backstage-Momente, die Bedeutung von Social Media und darüber, warum Leidenschaft, Geduld und harte Arbeit der Schlüssel zu ihrem Erfolg sind.

Celina, deine Tattoos kennen mittlerweile viele – die Geschichte hinter deiner Karriere dagegen noch nicht. Wer ist Celina Stein und wie begann dein Weg zur Tätowiererin?

Celina: Ich bin Tätowiererin und spezialisiere mich auf die Stilrichtungen Black and Grey, Neotraditional und Blackwork. Ich bin jemand, der sich schon immer für alle Formen der Kreativität begeistern konnte, sei es Musik oder Kunst.

Mein Weg zum Tätowieren begann bereits sehr früh. Schon mit 15 Jahren habe ich in jeder freien Minute gezeichnet. Die Musik, die ich währenddessen gehört habe, war schon immer eine große Inspiration und Bestandteil meiner Kreativität. Damals waren es sogar die Bands, die ich heute persönlich kenne, wie z. B. Ice Nine Kills.

Relativ schnell habe ich dann das Tätowieren in einem professionellen Tattoostudio begonnen und wurde dort angelernt. Mittlerweile tätowiere ich nun schon seit fast fünf Jahren. Die Leidenschaft für diese Musikrichtung und für meine Kunst ist dabei bis heute unverändert geblieben!

Du bist heute als Tattoo-Artist erfolgreich und arbeitest sogar mit internationalen Bands zusammen. War dieser Weg von Anfang an dein Ziel oder hat sich das alles Schritt für Schritt entwickelt?

Celina: Dass ich heute sagen kann, ich arbeite mit internationalen Bands zusammen und tätowiere diese, war lange Zeit ein Wunschgedanke, den ich selbst für fast unmöglich gehalten habe. Aber eben nur fast. Dieser Weg war nicht von Anfang an geplant, das hat sich alles Schritt für Schritt ergeben.

Dein erster Kontakt mit einer internationalen Band war gleich Ice Nine Kills. Wie kam es dazu, dass Ricky Armellino über Instagram auf dich aufmerksam wurde? Und kannst du dich noch an den Moment erinnern, als seine Nachricht auf deinem Handy erschien? Was ging dir dabei durch den Kopf?

Celina: Damals habe ich Designs für mein Portfolio erstellt und Haustier-Motive im Neotraditional-Stil gezeichnet (also beispielsweise den Kopf eines Hundes oder einer Katze mit Stachelhalsband und Piercings im Ohr als Verewigung der lieben Vierbeiner).

Für eines dieser Designs habe ich als Vorlage Rickys Hund „Starks“ verwendet. Ich zeichnete also ein Tattoodesign von Starks, auf welches Ricky dann auf Instagram aufmerksam wurde. Er schrieb mich an, sagte mir, dass ihm das Design unglaublich gut gefällt, und fragte dann, ob ich ihn bei der nächsten Show in München tätowieren könnte.

An den Moment, als ich seine Nachricht gelesen habe, werde ich mich immer erinnern. Ich musste sie erst zweimal lesen, um sicherzugehen, dass ich mich nicht verlesen hatte! Ice Nine Kills war schon immer eine meiner Lieblingsbands. Diese nun tätowieren zu dürfen, war ein unglaublich tolles Erlebnis!

Wie aufgeregt warst du vor deinem ersten Backstage-Tattoo? Hattest du Respekt davor oder sogar Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Celina: Die Aufregung war vor dem ersten Backstage-Tattoo natürlich da. Allerdings nur, bevor ich am Veranstaltungsort angekommen bin.

Ich muss sagen, ab dem Moment, als mich Ricky abgeholt und allen vorgestellt hat, war die größte Nervosität sofort verschwunden. Durch die freundliche und entspannte Art von Band und Crew hat man sich sofort wohlgefühlt!

Angst, dass etwas beim Tätowieren schiefgehen könnte, hatte ich nie. Ich habe speziell fürs Tätowieren in oft kleinen Backstage-Räumen einen mobilen Setup-Koffer, der sich zu einer vollständigen Tätowierstation umbauen lässt. Dadurch kann ich auch backstage sicher, sauber und entspannt arbeiten.

Mittlerweile hast du unter anderem Mitglieder von Catch Your Breath, Nothing More, Solence, Archers, Ankor und Motionless in White tätowiert. Gibt es eine Begegnung oder Tattoo-Session, die dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?

Celina: Alle Tattoo-Sessions mit diesen unglaublich talentierten Bands sind ein unvergessliches Erlebnis für sich. Sei es, das Logo von Ankor den Bandmitgliedern zu tätowieren, spontan zu einer weiteren Show von Nothing More und Catch Your Breath mitzufahren, um mehr Leute zu tätowieren, oder bei der Motionless in White Tour morgens um 07:30 Uhr ein Tattoo für die Stage-Performerin Allison Cira (Cherrybombs) zu stechen – da gibt es mittlerweile wirklich viele Geschichten, die ich erzählen könnte!

Aber eine Session ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben: Als ich bei Solence zum zweiten Mal dabei sein durfte, war es endlich so weit: David Strääfs erstes Tattoo. Bereits beim ersten Kennenlernen bei der „Carnal Nature World Tour“ von Nothing More im Jahr 2025 hat David darüber gesprochen, sich einen Hai tätowieren zu lassen. Als Solence dann 2026 als Headliner auf Tour war, haben wir es schließlich verwirklicht! Ich bin immer noch sehr dankbar für das große Vertrauen von David, dass ich ihm sein erstes Tattoo stechen durfte!

Viele Fans stellen sich den Backstage-Bereich ziemlich wild vor. Wie würdest du die Atmosphäre hinter den Kulissen tatsächlich beschreiben?

Celina: Am besten beschreibe ich die Atmosphäre im Backstage-Bereich aus meiner Erfahrung in drei Worten: lustig, entspannt, respektvoll.

Ich habe dort bisher wirklich nur überaus sympathische und tolle Menschen kennengelernt, die mich und meine Arbeit wertschätzen und respektieren. Im Backstage-Bereich wird sehr viel gelacht, gute Stimmung ist immer da! Die Bandmitglieder und die Crew ruhen sich aber auch oft aus, bereiten sich auf die Show vor oder schauen mir interessiert bei der Arbeit zu. Da passiert es schon öfter, dass aus einem geplanten Tattoo viel mehr spontane Tattoo-Ideen entstehen.

Bei den Bands, die ich bisher tätowieren durfte, ist der Backstage-Bereich also viel entspannter, als viele ihn sich wahrscheinlich vorstellen.

Instagram hat deine Karriere maßgeblich beeinflusst. Wie wichtig sind Social Media heute für Tattoo-Artists, die sich einen Namen machen möchten?

Celina: Instagram oder Social Media allgemein sind heutzutage für Tätowierer nicht mehr wegzudenken. Möchte man seine Reichweite erweitern, muss man Content erstellen. Das beansprucht viel Zeit und auch viel Kreativität, was oft unterschätzt wird!

Aber dadurch entstehen Möglichkeiten, durch die man beruflich und auch persönlich wachsen kann. Also kann man fast sagen: Viele von uns arbeiten heute mit zwei Jobs – Tätowierer und Content-Creator.

Welchen Rat würdest du jungen Tätowiererinnen und Tätowierern geben, die ebenfalls davon träumen, international zu arbeiten und Bands zu tätowieren?

Celina: Die Brücke zwischen Traum und Realität ist immer: Arbeit, Geduld und vor allem die Leidenschaft nicht verlieren für das, was man tut.

Ich würde jedem raten, der ein Ziel hat, das durch Einsatz und Arbeit erreichbar ist: dranbleiben. Nie aufhören, sich weiterzuentwickeln – selbst dann, wenn man denkt, man habe alles gelernt, was man braucht. Dadurch öffnen sich manchmal Türen, von denen man vorher nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

Gibt es eine Band oder einen Künstler, den du unbedingt einmal tätowieren möchtest?

Celina: Da gibt es natürlich viele, aber wenn ich mich festlegen müsste, gibt es zwei Bands, die ich wirklich unglaublich gerne tätowieren würde: Linkin Park und Korn.

Diese beiden Bands begleiten mich schon seit Jahren und hatten viel Einfluss auf meine Kunst und mein Leben. Diese Bands zu tätowieren, wäre wirklich das Highlight meiner bisherigen Karriere!

Wenn unsere Leser oder auch Bands Interesse an einem Tattoo von dir haben: Wie erreicht man dich am besten und wie läuft die Terminvereinbarung ab?

Celina: Am besten bin ich über Instagram (celina_st_tattoo) oder per E-Mail (celinasteintattoos@web.de) erreichbar.

Gerne kann man mir vorab schon eine Beschreibung des Wunschmotivs oder auch Beispielbilder senden. Dann wird ein passender Termin gefunden und ich sende daraufhin auch schon vor dem Termin das Design zu. Dieses wird dann natürlich noch besprochen und bei Bedarf geändert.

Bei Bands läuft das fast genauso ab: Wenn eine Show in der Nähe ist (idealerweise München, aber auch Nürnberg oder Stuttgart), gerne das Wunschmotiv nennen. Aber auch spontane Tattoos vor Ort sind kein Problem!

Ich freue mich auf eure Anfragen ☺️🖤

Alle Bilder: Celina Stein

Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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