Mit „immernie“ schlagen Hi! Spencer ein Kapitel auf, das sich um Vergänglichkeit, Erinnerungen und Veränderungen dreht. Im Interview spricht die Band darüber, wie diese Themen eher zufällig zum roten Faden des Albums wurden, warum „Heimweh“ persönliche Erinnerungen aufgreift und weshalb Rock, Punk, Indie und Pop für Hi! Spencer längst zusammengehören.
„immernie“ beschäftigt sich viel mit Vergänglichkeit, Erinnerungen und Veränderungen. Gab es einen bestimmten Moment, an dem ihr gemerkt habt: Genau darum soll sich dieses Album drehen?
Malte: Es gab nicht den einen bestimmten Moment. Vielmehr haben wir erst einmal drauflosgeschrieben. Als alle Songs der neuen Platte fertig waren und wir sie uns noch einmal in ihrer Gesamtheit angeschaut hatten, merkten wir: Hui – diese Themen ziehen sich aber ganz schön stark durch alle Songs wie ein roter Faden. Scheinbar schlummerte es in uns, über diese Themen zu schreiben. Vorher geplant hatten wir das allerdings nicht wirklich.
Viele Songs wirken sehr persönlich, lassen aber gleichzeitig genug Platz, damit man seine eigenen Geschichten darin wiederfindet. Wie entscheidet ihr, wie viel von euch selbst tatsächlich in einen Song darf?
Malte: Manchmal verwischen wir beim Texten die grundlegende Erfahrung oder das konkrete Erlebnis ein wenig, weil es vielleicht auch zu persönlich ist. Manchmal ist der Ausgangspunkt aber auch gar nicht die eigene Geschichte, sondern etwas, das andere Menschen erlebt haben. Das Entscheidende ist, denke ich, dass die Emotion, die der Song transportieren soll, bei anderen Menschen ankommt und sie etwas daraus für sich selbst ziehen können.

Zwischen Erinnerungen und persönlichen Geschichten
„Heimweh“ blickt auf Orte und Erinnerungen zurück, ohne ihnen zwangsläufig hinterherzutrauern. Gibt es einen Ort oder eine Zeit aus eurer eigenen Vergangenheit, zu der ihr gedanklich trotzdem immer wieder zurückkehrt?
Malte: Für Sven und Janis ist das ganz sicher der Ort, der in „Heimweh“ beschrieben wird. Also die Erfahrungen aus Zeltlagern und Sommerfreizeiten, die ihre Kindheit und Jugend ziemlich geprägt haben. Für mich vielleicht der Fußballplatz im Garten oder die Theaterbühne in dem Dorf, in dem ich groß geworden bin. Auch wenn ich meine Stollenschuhe schon lange an den Nagel gehängt habe und längst nicht mehr auf dieser Bühne gestanden habe.
Auf „immernie“ treffen Rock, Punk, Indie und Pop ziemlich selbstverständlich aufeinander. Entstehen eure Songs inzwischen bewusster ohne Genregrenzen, oder diskutiert ihr im Proberaum durchaus mal darüber, was noch nach Hi! Spencer klingt?
Malte: Wir machen schon seit 14 Jahren zusammen Musik. Und mit der Zeit haben wir einfach aufgehört, Musik machen zu wollen, nur um in eine ganz bestimmte Szene passen zu können. Das ist ganz schön befreiend. Denn gerade für den ganz klassischen Indie- oder Punk-Kontext hatten wir ziemlich oft das Gefühl, nicht gänzlich reinzupassen. Dafür haben wir schon immer zu poppige Elemente in unsere Songs eingebaut. Einfach, weil wir Popmusik auch ganz klasse finden und einen Hang zu großen Melodien haben.
Spätestens seit unserer letzten Platte fühlt es sich musikalisch so an, als hätten wir eine Art Zuhause gefunden, in dem Rock, Punk, Indie und Pop Hand in Hand gehen dürfen, ohne Angst davor zu haben, zu weich oder zu poppig zu klingen.
Zwischen Erinnerungen und persönlichen Geschichten
Wenn man lange an einem Album arbeitet, verändern sich manche Songs auf dem Weg ziemlich stark. Welcher Song auf „immernie“ ist am Ende ganz anders geworden, als ihr ihn ursprünglich geplant hattet?
Malte: Tatsächlich hat „An dem Tag, der niemals kam“ eine ziemliche Wende hingelegt. Der Song war zum Abschluss der Vorproduktion noch ein ziemlicher Wackelkandidat. Irgendwann hat unser lieber Produzent Tobi eine Nachtschicht eingelegt, den bestehenden Song noch einmal auf links gekrempelt und ihn neu in die Runde geschickt. Wir waren ziemlich begeistert und so ist er sogar eine Single geworden.
Angenommen, wir führen dieses Interview in zehn Jahren noch einmal: Welche Erinnerung an die Zeit rund um „immernie“ würdet ihr dann gerne als Erstes erzählen?
Malte: vermutlich, wie gerne wir die Songs der Platte live gespielt haben. Wie gerne wir dafür in den Tourbus gesprungen sind, sieben Stunden zu einem Konzert gefahren sind, um für eine Stunde unsere Herzen dort zu lassen. Wie viele Emotionen das waren und was für eine immernie-endende Klassenfahrt das doch alles ist und war.
Vielen Dank für eure Zeit, Hi! Spencer.
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.


