Ghostlike, und nein, ich meine nicht die Shoegaze-Band, sondern die Metal-Formation, die seit diesem Jahr die Szene aufmischt. Noch ganz frisch, aber keineswegs unerfahren: Hinter diesem Projekt stecken Musiker, die schon ordentlich Erfahrung im Musikgeschäft gesammelt haben. Robin und Valentin, die Köpfe von Ghostlike, wissen ganz genau, wie der Hase im Musikbusiness läuft. Ihre erste Single Nothing’s Okay erschien am 10. Oktober, und am 14. November gibt es mit Deep Blue Sea gleich Nachschub. Zwischen den Releases und den ersten Auftritten hatte ich die Gelegenheit, mit den beiden über ihre musikalische Reise, die Szene, Metalcore und ihre Pläne für die Zukunft zu sprechen.
Ihr seid ja noch eine recht junge Band. Tatsächlich erst in diesem Jahr gegründet. Also noch ganz frisch am Start.
Valentin: Ja, Robin und ich kennen uns schon ewig. Wir waren früher gemeinsam in der Band About an Author, die musikalisch in einem ähnlichen Bereich unterwegs war. Nachdem sich das Projekt ein bisschen verlaufen hatte und wir beide andere Sachen ausprobiert haben, war irgendwann klar: Das Potenzial ist zu schade, um es einfach liegen zu lassen. Wir wollten noch einmal etwas Neues starten, diesmal aber mit Leuten, die es wirklich ernst meinen und das Ganze professionell angehen.
Du meinst, musikalisch dieselbe Sprache sprechen?
Valentin: Genau. Es bringt ja nichts, wenn einer plötzlich mit Power Metal kommt und der nächste Jazz-Elemente reinbringen will (lacht). Wir wollten eine klare gemeinsame Richtung, damit am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Und das hat geklappt?
Valentin: Ja, absolut. Wir hatten das Glück, über Kontakte Alex kennenzulernen. Er hat nicht nur am Bass übernommen, sondern auch das komplette Producing und Recording. Das war für uns ein echter Glücksgriff, weil Robin und ich zwar stark im Songwriting, in der Komposition und in der kreativen Arbeit sind, aber beim technischen Aspekt… na ja, da sind wir ehrlich: Das ist einfach nicht unser Ding.
Also klassische Aufgabenverteilung in der Band?
Valentin: Genau. Wir konzentrieren uns auf das, was wir können, Songs schreiben, Strukturen entwickeln, Geschichten erzählen. Alex bringt dafür die technische Seite rein, sorgt für den Sound und das Produktionsniveau, das man braucht, um mit größeren Acts mithalten zu können. Das hat das ganze Projekt auf ein ganz neues Level gehoben.
Ghostlike: Über Ernsthaftigkeit, DIY-Mentalität und das Spiel im Musikbusiness
Ihr seid ja keine blutigen Anfänger mehr, oder? Ihr bringt schon einiges an Erfahrung mit.
Valentin: Genau, wir sind definitiv keine Neulinge mehr. Jeder von uns hat in anderen Projekten gespielt, teilweise auch hauptberuflich Musik gemacht. Das hilft enorm, weil man weiß, wie der Hase läuft. Uns war von Anfang an klar: Wenn wir das machen, dann richtig. Wir wollen mit Leuten arbeiten, die ein Ziel haben und wirklich an einem Strang ziehen.
Ist es heute überhaupt noch leicht, solche Leute zu finden? Gerade mit Social Media, wo jeder sich selbst promotet und teilweise auch inszeniert?
Valentin: Ganz ehrlich: Nein, das ist nicht leicht. Ich bin ja hauptberuflich Musiker und hab dadurch Zugang zu einer professionellen Szene, das ist ein riesiger Vorteil. Darüber bin ich dann auch auf unsere beiden Gitarristen und unseren Drummer gestoßen. Alle drei sind Vollprofis an ihren Instrumenten, die aber bisher kein passendes Projekt hatten. Viele von ihnen waren in anderen Genres unterwegs, Singer-Songwriter, Elektro, Jazz, hatten aber immer den Wunsch, endlich etwas in dieser Richtung zu machen. Wir hatten das Glück, sie im richtigen Moment zu fragen.
Ihr scheint das Ganze auch sehr professionell anzugehen, keine Band, die einfach mal loslegt und schaut, was passiert. Ihr macht auch alles selbst, richtig?
Robin: Wir setzen komplett auf Do-it-yourself. Das fängt bei der Musikproduktion an und hört beim Marketing nicht auf. Alex übernimmt das Producing und Mixing auf professionellem Niveau, während ich mich um Grafik und Video kümmere, das ist ja mein Job. Wir machen wirklich alles inhouse: Artworks, Musikvideos, Social Media. Das ist unglaublich viel Arbeit, aber es spart Kosten und gibt uns volle Kontrolle über das, was wir tun.
Das ist heutzutage fast schon überlebenswichtig, oder?
Robin: Ja, definitiv. Als neue Band wartet da draußen niemand auf dich. Es gibt eine unglaubliche Flut an Musik, und du musst dich erst einmal sichtbar machen. Wir wussten das von Anfang an und wollten keine Illusionen haben. Wir nehmen das Projekt ernst, weil wir wissen, was nötig ist, um gehört zu werden.
Dabei gibt es euch offiziell ja erst seit Kurzem. Und der erste Eindruck ist schon sehr professionell.
Robin: Danke! Genau das war das Ziel. Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht irgendein kurzlebiges Bandprojekt sind, sondern eine ernstzunehmende Formation mit einer klaren Vision. Und da hilft es natürlich, wenn man die nötigen Werkzeuge selbst in der Hand hat.
Über Haltung, Freiheit und den Wandel der Metal-Szene
Was sind eure Themen als Band? Und wie steht ihr zu Haltung oder Meinung in der Musik? Viele Bands positionieren sich ja heute, andere lehnen das bewusst ab.
Robin: Wir sind keine politische Band und wir wollen es auch nicht sein. Natürlich haben wir alle unsere eigenen Meinungen und informieren uns, aber wir stehen nicht auf der Bühne, um anderen zu sagen, was sie zu denken haben. Uns geht es um Freiheit. Jeder soll so sein dürfen, wie er ist. Ganz egal, wer du bist, wo du herkommst oder was du glaubst, wenn du auf einem unserer Konzerte stehst, zählt nur die Musik.
Das heißt, ihr wollt in erster Linie emotional verbinden?
Robin: Unsere Hauptmotivation ist, Menschen mit unserer Musik zu erreichen. Ich versuche, in meinen Texten etwas zu transportieren, das berührt oder wiedererkennbar ist. Die Themen sind oft melancholisch, vielleicht auch düster, aber das ist nicht geplant, das passiert einfach. Ich will den Leuten da begegnen, wo sie stehen.
Diese melancholische Grundstimmung ist im Metalcore ja häufig zu finden, oder?
Robin: Das stimmt schon. Muss nicht sein, aber ja. Aber wir wollen uns da gar nicht in eine Schublade stecken lassen. Wir sind keine typischen Metaller mit langen Haaren und Kutte, auch wenn ich zugeben muss, ich hätte gerne eine! (lacht) Aber im Ernst: Metal und speziell Metalcore sind heute viel bunter, offener und vielfältiger als das alte Klischee vom schwarz gekleideten Typen mit Bierdose in der Hand.
Also Schluss mit den alten Szeneklischees?
Robin: Dieses Denken, dass man als Metal-Band nur dann ernst genommen wird, wenn man alle gängigen Codes erfüllt, das ist überholt. Wir hoffen, dass die Szene sich noch weiter öffnet und mehr Authentizität zulässt. Jeder soll das ausdrücken können, was in ihm steckt, ob das nun schwarz, bunt oder völlig anders aussieht.
Valentin: In der Szene passiert da ja gerade wirklich viel. Bring Me The Horizon zum Beispiel haben Deathcore hinter sich gelassen und machen heute mehr Pop und Elektro. Und das ist das Schöne: Diese Vermischung ist endlich legitim. Früher wäre das undenkbar gewesen. Metal hat immer von Offenheit gesprochen, sie aber oft nicht gelebt. Früher wurdest du auf einem Konzert schief angeschaut, wenn du kein Schwarz getragen hast. Heute ist das anders. Musik darf sich verändern, darf sich öffnen.
Und musikalisch seid ihr da auch offen?
Valentin: Absolut. Wir arbeiten mit Einflüssen aus anderen Genres, Streicher, Synthesizer, Female Vocals, elektronische Elemente. Metallica haben das vor Jahrzehnten mit „S&M“ vorgemacht, und heute ist es ganz normal, Grenzen zu sprengen. Man kann ruhig mal einen Part einbauen, der fast poppig klingt. Es geht nicht darum, Erwartungen zu erfüllen, sondern etwas Eigenes zu schaffen. Das macht Musik lebendig und genau das wollen wir auch.
Ich wollte da auch mal nachfragen: Sind das echte Streicher, die man in manchen Parts eurer Songs hört?
Valentin: Nein, das sind keine echten Streicher. Wir haben zwar die Möglichkeit, Streicher durch ein Orchester einspielen zu lassen, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es in bestimmten Songs nicht wirklich etwas verbessert. Wenn es um eine Solo-Violine geht, die einen markanten Part hat, dann nehmen wir das natürlich direkt auf. Aber bei den Parts, die eher als Beiwerk zum Hauptsong dienen, können wir das heutzutage mit der richtigen Software so gut programmieren, dass es kaum einen Unterschied macht.
Und dazu muss ich auch sagen, großes Lob an eure Gitarristen, die Gitarrenarbeit in euren Songs ist wirklich beeindruckend.
Robin: Danke! Das freut uns. Unsere Gitarristen spielen aber nicht, um zu prahlen, sondern weil sie es können. Es geht nicht darum, etwas zu beweisen, sondern darum, die Musik so zu spielen, wie wir sie uns vorstellen. Das macht den kreativen Prozess natürlich noch viel spannender, weil wir keine Grenzen setzen müssen.
Das merkt man wirklich. Ihr habt auf jeden Fall das, was viele Bands brauchen, um herauszustechen, Talent, Erfahrung und Leidenschaft für die Musik.
Robin: Danke, das bedeutet uns viel. Aber letztlich entscheiden natürlich die Hörer, ob sie sich mit unserer Musik identifizieren können. Wir wollen authentisch bleiben und die Musik so spielen, wie sie sich für uns richtig anfühlt. Es ist ja immer schwer, sich als Band abzuheben, vor allem, wenn man wie wir in einem so wettbewerbsintensiven Genre wie Metalcore unterwegs ist. Es gibt so viele großartige Bands da draußen, aber ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Mit der Zeit entwickelt man sich weiter, und wir sind definitiv noch nicht am Ziel. Wir probieren ständig neue Dinge aus, um unsere Musik weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Gibt es schon ein konkretes Album in der Pipeline?
Robin: Ja, wir veröffentlichen momentan etwa jeden Monat eine Single. Die EP mit fünf Tracks wird im Januar rauskommen, wobei die bereits veröffentlichten Singles dann Teil der EP sind. Es fehlen nur noch zwei Songs, die dann die EP komplett machen. Wir haben aber schon viel mehr Material vorbereitet, fast schon genug für ein ganzes Album. Deshalb sind wir dran, schnell nachzulegen.
Also bleibt es nicht bei der EP, sondern es geht direkt weiter?
Robin: Genau, die EP ist der erste Schritt, aber wir sind schon dabei, an neuen Songs zu arbeiten. Es wird nicht drei Jahre dauern, bis wir wieder etwas Neues haben. Wir möchten einfach weiter musizieren und uns entwickeln. Die Reise hört nicht mit der EP auf.
Mehr zur Band Ghostlike findet ihr in den Socials.

