GERMAN METALCORE 2026 – Kora Winter: Neue EP „Feindliches Design“ im Interview

Kora Winter

Unser Artist of the Month verbindet seit über zehn Jahren Metal und Hardcore mit sozialkritischen Texten.

Kora Winter kümmern sich nicht wirklich um Genres oder Einordnungen und das zeigen sie auch auf ihrer neuen EP Feindliches Design. Irgendwo zwischen Metal- und Hardcore angesiedelt, zeigt sich die Band einmal mehr reflektiert und sozialkritisch. Kritik an der Leistungsgesellschaft, der medialen Ausschlachtung von Kriegen und die Profitgeilheit unserer Gesellschaft werden lyrisch verarbeitet und durch harte Instrumentals untermalt. 

Schon seit 2014 ist die Band am Start, damals von vier Berliner Jugendfreunden gegründet, und mit insgesamt drei EPs und zwei Alben sehr aktiv. Die neue EP wirkt nochmal einen Tick härter, zielgerichteter und druckvoller als die letzten Werke. Kein Wunder, dass Kora Winter Ende des Jahres als Support für Half Me ausgewählt worden sind und damit durch Europa-Reisen werden.

Ich habe mit der Band über die neue EP und die anstehende Tour mit Half Me gesprochen:

Kora Winter über „Feindliches Design“ und den neuen Sound


Ich habe die Veröffentlichung eurer aktuellen EP “Feindliches Design” ab der ersten Single verfolgt, weil der Sound bei mir offene Türen eingerannt ist. Was war euch bei den aktuellen Songs besonders wichtig?

Uns war ganz lange nicht klar, wie es nach “Gott segne, Gott bewahre” weitergehen soll. An dem Punkt waren wir als Band extrem ausgelaugt vom jahrelangen DIY-Grind und der sehr langwierigen Art und Weise, wie bei uns Songs entstanden sind. Wir haben damals ehrlich gesagt ein bisschen den Spaß am Songwriting verloren und wir hatten innerhalb der Band ein großes Loch in unserem Selbstbewusstsein.

Wir brauchten einen Reset und, bewusst oder unbewusst, wollten wir uns neu finden. Der neue Sound war dann das Ergebnis davon, dass wir Stück für Stück uns den Spaß am Songwriting zurückerkämpft haben, indem wir uns gegenseitig im Prozess mehr vertraut haben. Wir haben nicht jede Idee bis zum Erbrechen durchgekaut und viel Freude daran gefunden, uns gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Die Songs sind ein Beiprodukt davon, dass wir einfach gerne als Freunde Zeit verbringen.

Nach zuletzt zwei Alben folgt nun wieder eine EP. Warum habt ihr euch dieses Mal für das „kleinere“ Format entschieden? War das eine bewusste kreative Entscheidung oder hat sich der Prozess einfach in diese Richtung entwickelt? 

Die EP ist ein kleiner Befreiungsschlag, mit dem wir uns aus unserer alten Haut schälen. Als die erste Single “Hyaluron” rauskam, waren “DOOM”, “MAUERBAUER”, “[APPLAUS]” und “FEINDLICHES DESIGN” noch nicht mal fertig geschrieben oder ausproduziert. Wir hatten keine Lust, uns vorher das Konzept für eine Platte zu überlegen, sondern wollten das in Echtzeit erkunden, auch in Bezug auf die Visuals. Es war alles ein Experiment, welches zum Glück aufging. Das kürzere Format hat sich für diese spielerische Herangehensweise einfach angeboten.

Die EP fühlt sich ab dem ersten Ton enorm wütend an. Das spiegelt sich in den harten Instrumentals wider, aber vor allem die rohen, aggressiven Vocals fallen sofort auf. Es fühlt sich wirklich an, als würdet ihr einem die Songs direkt ins Gesicht schreien. Wie wichtig sind euch die Themen der fünf Songs? Und was möchtet ihr mit der EP transportieren?

Seit “Gott Segne, Gott Bewahre” versuche ich immer mehr in meinem Schreiben zu lernen, dass für mich “gute Texte” nicht mit “verschnörkelter Poesie” synonym sein müssen. Ich mag starke Bilder, kann aber auch nicht leugnen, dass ich mich aus einem Gefühl der Angst heraus oft hinter ihnen versteckt habe. Welche Angst das genau war, ist wahrscheinlich ein whole different Topic, aber was ich weiß, ist, dass Angst kein guter Ratgeber ist. Dann ist das Ganze in eine Art Harakiri umgeschwenkt. Ich wollte nicht mehr die Frage stellen: “Was habt ihr aus mir gemacht?”, sondern „Wer seid ihr, mir zu sagen, wer ich zu sein habe?“

Im Winter 2026 geht es mit Half Me auf Europatournee. Wie groß ist die Vorfreude? Gibt es Städte, auf die ihr euch besonders freut?

Seit dem Announcement sind wir alle extrem aufgeregt. Wir hätten Anfang des Jahres nicht mal ansatzweise damit gerechnet, dass wir Ende des Jahres auf Europatournee sein würden. Wir waren noch nie in so einem Ausmaß unterwegs und freuen uns extrem auf all die Erfahrungen und die Chance, als Live-Band an dieser Tour zu wachsen.

Natürlich sind wir sehr gespannt auf die Shows außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz, weil wir einfach kein Gefühl dafür haben, wie eine deutschsprachige Band dort ankommt. Sowas passiert nicht allzu oft, und diesem Privileg sind wir uns sehr bewusst.

Zum Abschluss dürft auch ihr meine Lieblingsfrage beantworten: Wenn ihr euch etwas für die Death-, Hard- und Metalcore-Szene wünschen dürftet – was wäre das und warum?

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen aus migrantischen Communities Bands gründen. Diese Lebensrealitäten in dieser Szene mehr repräsentiert zu sehen, würde mich sehr freuen. Mir ist auch bewusst, dass in einer Band zu sein heute ein Lifestyle ist, den man sich leisten können muss, weshalb der Zugang für viele junge Menschen, die kein Geld haben, schwer zu finden ist.

Deswegen muss der Staat Kulturangebote und öffentliche Jugendeinrichtungen subventionieren, junge Kreative fördern und Kunst nicht nur dort anerkennen, wo sie auf Basis akademischer Leistung sichtbar wird. Leider passiert gerade das Gegenteil. Das wird die neuen Generationen der Kunstschaffenden nicht davon abhalten, kreativ zu sein, sondern sie eher radikalisieren. Ich wünsche mir haufenweise Bands, die rumpelig, amateurhaft und wild sind und jeden Datensatz generativer KI mit ihrer Kunst vergiften. 

Ihr habt richtig Bock auf Kora Winter bekommen? Dann hört in die German Metalcore Playlist rein und checkt unbedingt die Tourtermine ab!

Lasst uns gerne auf Instagram wissen, wen wir als Nächstes als ‘Artist of the Month’ präsentieren sollen.

Yves // LEYKA

Leyka

Leyka

LEYKA ist eine aufstrebende Formation, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2022 einen festen Platz in der Szene erarbeitet hat. Die Band, bestehend aus Tom, Phil, Knaule, Fabri und Yves, steht für einen intensiven Sound, den sie bereits auf zwei beachtlichen Veröffentlichungen manifestiert haben. Mit ihrer Debüt-EP „Requiem“ (2023) und dem Nachfolger „Resurrection“ (2024) beweisen LEYKA ein feines Gespür für Atmosphäre und musikalische Weiterentwicklung.

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