Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel, deshalb verwenden wir Cookies. Mit diesen ermöglichen wir, dass unsere Webseite zuverlässig und sicher läuft, wir die Performance im Blick behalten und Sie besser ansprechen können.

Cookies werden benötigt, damit technisch alles funktioniert und Sie auch externe Inhalte lesen können. Des weiteren sammeln wir unter anderem Daten über aufgerufene Seiten, getätigte Käufe oder geklickte Buttons, um so unser Angebot an Sie zu Verbessern. Mehr über unsere verwendeten Dienste erfahren Sie unter den „Cookie-Einstellungen“.

Mit Klick auf „Zustimmen und weiter“ erklären Sie sich mit der Verwendung dieser Dienste einverstanden. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung auf die Zukunft widerrufen oder ändern.

Detartrated im Interview: Von Star Wars zu Deathcore

Detartrated: Von Star Wars zu Deathcore

Detartrated ist eine deutsche Deathcore-Band, die harte Metal-Riffs mit cineastischer Wucht à la Hans Zimmer und Star Wars kombiniert. Klingt nach einem wilden Mix? Finden die Jungs auch, aber sie glauben fest daran, dass sie damit nicht allein unterwegs sind. 

Im Interview plaudern sie über genau diese ungewöhnliche Kombination, die kleinen und großen Kämpfe jeder Band, Social Media als echtes Schlachtfeld und natürlich ihren triumphalen Sieg beim Bandcontest. Frech, ehrlich und mit einem Augenzwinkern zeigen sie, dass Deathcore mehr kann als nur brutal und aggressiv sein.

Deathcore zwischen Filmmusik und ungewohnten Themen

Heute sprechen wir mal über euch als Band, eure Musik und die Ideen dahinter. Ihr habt ja einen sehr speziellen Sound, Deathcore mit cineastischen Elementen. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, harte, intensive Musik mit cineastischen Elementen à la Hans Zimmer zu verbinden? 

Alex: Ich glaube, das kann ich am besten beantworten, weil ich die cineastischen Elemente schreibe und in die Songs einfüge. Als Kind wurde ich durch meine Familie an Star Wars herangeführt. Meine ersten CDs waren die Soundtracks von Episode 1, 3, 5 und 6, die ich in Dauerschleife gehört habe. Ich war von klein auf cineastische Musik gewohnt. Schon früh hatte ich den Wunsch, diese epische Musik mit extremem Metal zu kombinieren. Es gab natürlich schon Bands vor uns, die so etwas ausprobiert haben, wie Nightwish. Früher konnte man aber noch keine sauberen Samples von Geigen oder Orchestern einbinden. In den letzten Jahren ist es einfacher geworden, Plugins ermöglichen es, cineastische Elemente kostengünstig und qualitativ gut umzusetzen.

Und so hat sich euer typischer Sound entwickelt?

Alex: Genau. Wir wollten so hart wie möglich im Metal sein, aber gleichzeitig die epische, emotionale Dimension einbringen, inspiriert von Hans Zimmer oder John Williams. Das schafft eine besondere Atmosphäre, dieses Gefühl von absolutem Bösen, aber gleichzeitig episch und filmisch.

Ich musste bei eurem Song Abyss Of Oblivion spontan an den Soundtrack von Dark Knight denken.

Alex: In unserem neuen Song haben wir ein Trompetenmotiv, das unabsichtlich an Dark Knight erinnert (lacht). Es ist nicht kopiert, sondern eher eine zufällige Parallele.

Wie setzt ihr das Ganze live um? Plant ihr ein großes Orchester wie Metallica?

Alex: Das wäre natürlich ein Traum für ein späteres Konzept, aktuell läuft alles über Samples. Wir haben den Laptop dabei, alles kommt vom Band.

Micha, du bist ja nicht nur Sänger, sondern schreibst ja auch die Texte. Kannst du etwas zu eurem Songwriting sagen, speziell zu eurem Song Abyss of Oblivion?

Micha: Die Debütsingle zeigt ja schnell, dass wir nicht nur typische Deathcore-Themen wie Gewalt und Brutalität behandeln. Wir greifen auch emotionale und alltägliche Themen auf. Für Abyss of Oblivion habe ich mich von meiner Arbeit im Pflegebereich inspirieren lassen. Das Thema Demenz ist dabei zentral. Es geht darum, wie sich Menschen fühlen, wenn sie beginnen, ihre Erinnerungen zu verlieren und ihre Familie nicht mehr erkennen.

Das ist ein sehr wichtiges, aber ungewöhnliches Thema für Metalcore.

Micha: Definitiv. Es gibt in vielen Familien Berührungspunkte mit Demenz, und oft wissen Angehörige nicht, wie sie damit umgehen sollen. Die Überforderung ist groß, und das führt zu Konflikten oder dazu, dass pflegebedürftige Menschen ins Heim müssen. Diese Erfahrungen wollte ich thematisch einbringen.

Das ist nicht nur emotional, sondern auch gesellschaftlich relevant. Vielen Dank auch an euch Pflegekräfte. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Du bist also Pfleger und gleichzeitig Deathcore-Sänger. Spannende Kombination.

Micha: Für mich ist das einfach ein Ventil. Auf der Arbeit muss man professionell sein, Gefühle zurückhalten und darf sie nicht rauslassen. Deathcore bietet mir die Möglichkeit, all den Stress und Druck loszuwerden, der sich sonst aufstaut.

Das ergibt Sinn. Kommen wir mal zu euch Gitarristen: Wie läuft das eigentlich? Müsst ihr jeden Ton genau nachspielen, der euch vorgegeben wird, oder dürft ihr auch mal eure eigene Kreativität reinbringen? Oder denkt ihr manchmal heimlich auch: ‘Echt jetzt, wer hat sich DAS ausgedacht?’

Felix: Grundsätzlich kommt die Struktur der Songs oft von Alex. Gitarrentechnisch schauen wir dann, wie man das noch verfeinern kann. Jeder von uns verbindet das mit seinem eigenen Spielstil.

Also arbeitet ihr nicht nur nach Vorgaben, sondern bringt auch eigene Ideen ein?

Felix: Genau. Manchmal gibt es viele Veränderungen, manchmal gar nicht. Es kommt auch vor, dass extrem fordernde Riffs oder Solomelodien entstehen, die richtig knifflig sind. Aber genau das macht auch Spaß.

Ihr fordert euch also gegenseitig heraus?

Felix: Absolut. Keiner will auf dem gleichen Skill-Level stagnieren. (lacht)

Alex, bist du der heimliche Chef der Band?

Alex: Nein, würde ich nicht sagen. Ich bin eigentlich Gitarrist und kam ursprünglich aus diesem Melodien-Thema. Irgendwann habe ich entschieden, Schlagzeug zu lernen, inspiriert durch Bands wie Slipknot und Joey Jordison. Jetzt spiele ich Schlagzeug und bringe Ideen für Songs ein.

Du hast also den Vorteil, Songs zu schreiben, ohne sie selbst auf Gitarre spielen zu müssen?

Alex: Genau. Oft entsteht zuerst das Orchestrale, dann die Gitarre. Ich kann komplexe Gitarrenriffs schreiben, die die beiden Gitarristen dann umsetzen. Es ist ein Vorteil, weil ich mir nicht primär Gedanken ums Spielen machen muss. Unsere Gitarristen spielen deutlich besser als ich und ich weiß, sie werden das schon managen.

Klingt nach einer echt produktiven Dynamik. Aber eigentlich macht das ja total Sinn. Wenn man selbst ein Instrument draufhat, aber sich auch mit den anderen auskennt, weiß man ja genau, was geht und was eher ein Ding der Unmöglichkeit ist. Dann kann man’s doch viel besser einschätzen.

Luca: Alex schreibt aus der Sicht eines Gitarristen, und wir werden ständig herausgefordert. Das zwingt uns, unsere Komfortzone zu verlassen und uns musikalisch weiterzuentwickeln. So entsteht Musik auf einem ganz anderen Level, und es funktioniert wie Arsch auf Eimer. (lacht)

Jetzt wollen wir auch den Bass mal zu Wort kommen lassen. Wie schwer sind die Songs für dich? 

Lee: Ich werde sehr gefordert, was den Bass angeht. Ich nutze wirklich alle fünf Saiten meines Basses und muss auf die Abstände meiner Finger achten. Besonders ältere Songs sind teilweise unglaublich schwer. 

Zwischen Bandcontest, Social Media und den Plänen für ein großes Gesamtwerk

Ich merke schon, bei euch wird jeder bis an die Grenzen gepusht. Ihr seid aber ja noch eine sehr junge Band bzw. eine junge Formation. Was ist aktuell das größte Hindernis für euch als Newcomer?

Lee: Ich denke, es ist vor allem der Live-Bereich. Für nächstes Jahr planen wir Shows, müssen uns bewerben und gute Slots bekommen. Es ist gar nicht so einfach, an renommierte Auftritte zu kommen, die uns wirklich weiterbringen, sowohl in Reichweite als auch in Klickzahlen.

Auch Social Media ist heutzutage ein Thema für Bands. Wer kümmert sich bei euch um Social Media?

Lee: Wir haben das aufgeteilt. Instagram, TikTok, Facebook, da kümmern sich Luca, Micha und ich drum.

Habt ihr da wirklich eine klare Aufgabenverteilung?

Lee: Ja, wir haben Rollen festgelegt.

Alex: Wir versuchen, uns so gut wie möglich zu strukturieren, besprechen alles in der WhatsApp-Gruppe. Manchmal klappt es besser, manchmal weniger, aber wir wachsen an den Herausforderungen.

Dann kommen wir kurz mal zu eurem Band-Voting. Ihr habt ja jetzt einen Bandcontest für das Corefest am 22. November gewonnen. Wer kann die Geschichte erzählen?

Micha: Wir haben den Post auf Instagram gesehen, dass ein Bandcontest stattfindet. Wir haben Teile des Line-ups gesehen und uns gesagt: „Das ist eine Chance, eine größere Show zu spielen, uns zu zeigen und uns mit anderen Bands zu vernetzen.“ Es war eine Fifty-Fifty-Chance. Zehn Bands wurden aus über 60 Bewerbungen ausgewählt, viele davon hatten schon mehr Reichweite in der Szene als wir. Aber wir hatten Glück und waren eine der zehn ausgewählten Bands. Wir waren schon über die Finalauswahl sehr erfreut.

Und dann habt ihr sogar gewonnen.

Micha: Das war echt positiv. Da es ein reines Click-Voting war, also derjenige gewinnt, der die meisten Likes bekommt. Wir haben versucht mit jedem Einzelnen in unserer Community persönlich in Kontakt zu treten. Wir haben erklärt, worum es geht, viele Leute haben nachgefragt, was das für ein Festival ist. Für eine kleine Band ist das super, weil man so wirklich nochmal direkt mit jedem spricht.

Klingt nach viel Arbeit.

Micha: Ja, aber es lohnt sich total. Man fühlt sich direkt mit der Community verbunden.

Kommen wir mal zu euren Plänen für ein Album oder vielleicht eine Vinylplatte? Kommt da was? 

Alex: Wir haben angefangen, Songs zu schreiben, und uns dann entschieden, zunächst einzelne Singles zu veröffentlichen. Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir alles konzeptionieren müssen, damit es zusammenpasst. Die ersten beiden Singles haben ein ähnliches Cover, damit man sieht, dass sie zusammengehören, auch wenn sie einzeln sind. Der dritte Song ist fast fertig, und wir haben noch vier bis fünf weitere Ideen, die wir ausbauen. Unser Ziel ist es, alles zu einem großen Ganzen zusammenzuführen.

Klingt auch nach einer Menge Arbeit. Ich muss auch mal sagen, euer Song Abyss Of Oblivion hat mir damals auch richtig gut gefallen. Dabei bin ich gar kein Deathcore-Fan. Ich persönlich brauche immer so einen „Catching Moment“ und den hatte ich beim ersten Hören.

Alex: „Catching Moment“, weißt du noch welcher das war? 

Jetzt wird der Spieß hier umgedreht. Das kommt unerwartet. Aber ja, mir fiel das Klavier auf. Das habe ich nicht erwartet. Das hat mich also überrascht und sofort abgeholt. 

Alex: Ah, das Klaviermotiv. Das freut uns zu hören. Danke. 

Sowas macht eben den Unterschied. Vielen Dank. Und damit entlasse ich euch wieder zur Bandprobe.

Mehr zur Band Detartrated findet ihr in den Socials.

Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Spezialisiert auf Interviews & Reviews, verbindet Literaturstudium mit Leidenschaft fürs Schreiben.

Ähnliche Beiträge