Am 21. November 2025 legten Andy and the Rockets ihr drittes Album Casino vor. Diesmal setzt die schwedische Melodic Rock Band voll auf Rock und Hardrock und zeigt, dass sie keine Angst vor Ecken und Kanten hat. Statt danach die Füße hochzulegen, schnallten sie sich ihre Gitarren um und tourten durch die Welt, machten auch in Deutschland ordentlich Lärm und brachten die Fans zum Ausrasten.
Im Gespräch mit Bassist Filip Westgärds geht es um das neue Album, unvergessliche Tourerlebnisse und die Bedeutung von Musik in Zeiten von Streaming und Social Media.
Ich starte mal ganz harmlos und entspannt, fast schon langweilig, damit du dich in Sicherheit wiegst, bevor ich die schweren Geschütze auffahre, okay? Das aktuelle Album von Andy and the Rockets heißt „Casino“. Was war der Ausgangspunkt für die neuen Lieder?
Filip: Ich glaube, der Ausgangspunkt lag etwa im Winter oder Frühjahr 2024. Damals beschlossen wir, dieses Album zu machen und begannen zu diskutieren, in welche Richtung wir musikalisch gehen wollten. Im Frühling und Sommer 2024 starteten wir dann mit dem Songwriting. Ende Sommer 2024 riefen wir dann unseren Produzenten an und im Herbst 2024 machten wir einige Demos und gingen dann im Winter 2025 ins Studio. Die Aufnahmen fanden im Februar und bis zum 25. März statt.
Dann jetzt die knifflige Frage: Wie läuft das bei euch mit dem Songwriting? Sitzt ihr alle zusammen im Kreis und jammt, werkelt jeder still für sich vor sich hin, oder läuft das nach dem altbewährten Studio-Handbuch ab?
Filip: Ich schreibe die meisten Songs zusammen mit ein paar anderen Jungs. Ich bin der Einzige in der Band, der Songs schreibt. Etwa die Hälfte entsteht in meinem eigenen Studio oder zu Hause, die andere Hälfte in Sessions mit anderen Musikern. Sobald wir einen Entwurf, eine kleine Akustikversion, haben, schicke ich sie an die anderen Bandmitglieder. Gefällt es ihnen, arbeiten wir dann den Song aus.
Liegt der Reiz darin, dass die Songs persönliche Geschichten erzählen?
Filip: Nicht wirklich. Für mich ist das Wichtigste, dass es ein guter Song wird. Deshalb schreibe ich normalerweise nicht über persönliche Erfahrungen. Am Ende soll der Song den Zuhörern gefallen.
Ihr seid ja gerade durch die Lande getourt. Gab es da Momente, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind, also sei es episch, chaotisch oder einfach nur total verrückt?
Filip: Wir sind gerade erst zurück nach Schweden gekommen, nachdem wir einige Konzerte in Deutschland zusammen mit Eclipse gespielt haben. Es war fantastisch, das deutsche Publikum kennenzulernen, da wir dort zum ersten Mal gespielt haben. Jetzt machen wir eine kleine Weihnachtspause und starten im Februar wieder durch. Die Shows waren top, die Locations super, das Publikum großartig und gutes Bier gab es natürlich auch.
Ja, beim Bier macht Deutschland keine Kompromisse. Aber zurück zur Band: Mal ehrlich, was hält euch nach all den Jahren zusammen? Die Freundschaft, der Wahnsinn oder beides?
Filip: Ich glaube, es ist die Liebe zu dem, was wir tun. Wir genießen es, uns zu sehen, zusammen Musik zu machen und unterwegs zu sein. Das Adrenalin und der Kick beim Spielen in einem Live-Club sind unersetzlich. Dazu kommt, dass wir mit unserer Platte viele Menschen erreichen, sowohl beim Verkauf als auch beim Streaming. Das verbindet uns zusätzlich.
Andy and the Rockets – Rockszene, Social Media und KI
Rockmusik scheint bei jüngeren Fans ein kleines Comeback zu feiern. Wie nehmt ihr das wahr?
Filip: Ja, das sehe ich auch so. Besonders in Schweden, aber auch in Deutschland haben wir genau das erlebt. Es macht richtig Spaß, ein junges Publikum zu haben, das sich für Rock interessiert. Wir werden älter, also brauchen wir neue Leute, die die Begeisterung weitertragen.
Dann mal die Gegenfrage: Was fehlt deiner Meinung nach in der heutigen Rockszene? Oder andersrum, was läuft gerade richtig gut?
Filip: Das ist eine knifflige Frage. Ich denke, vielen Bands fehlt manchmal die Einfachheit. Sie wollen mehr als nur gute Rockmusik spielen. Es geht oft um Kleidung, Make-up oder Image. Ich persönlich mag Bands, die einfach großartige Songs machen und ihr Ding durchziehen. Für mich ist Rock ’n’ Roll nichts anderes als ehrliche Musik.
Streaming-Dienste haben die Aufmerksamkeitsspanne aber natürlich stark eingeschränkt. Wie geht ihr als klassische Rockband damit um? Ist das überhaupt wichtig für euch? Streaming und Social Media?
Filip: Ja, absolut. Social Media ist ein Teil unserer Arbeit, genauso wichtig wie Shows und Songs. Es ist eine fantastische Plattform, um weltweit mit Fans in Kontakt zu treten. Deshalb investieren wir viel Mühe in unsere Kanäle, vor allem Facebook und Instagram, wo die meisten unserer Fans aktiv sind.
Hast du als Musiker eigentlich Angst vor Künstlicher Intelligenz? Und glaubst du, dass KI die Musikwelt nachhaltig verändern wird?
Filip: Natürlich wird KI einiges verändern, das steht außer Frage. Aber ich habe zum Beispiel keine Angst vor Live-Shows. Ich glaube, die Leute wollen immer noch gute Live-Konzerte erleben und da kann KI nicht mithalten. Beim Songwriting und Komponieren kann KI ein Thema sein, aber man kann sich entscheiden, sie zu akzeptieren oder abzulehnen. Ich sehe KI eher als Werkzeug, das man nutzen kann, statt Angst davor zu haben.
Also Evolution statt Bedrohung?
Filip: Genau.
Wir in Deutschland sagen dazu: Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit ihr.
Filip: Das stimmt so, ja.
Songwriting, Alben und musikalische Evolution bei Andy and the Rockets
Gibt es musikalische Experimente oder verrückte Ideen, die ihr auf euren kommenden Alben unbedingt ausprobieren oder wagen wollt?
Filip: Ja, auf jeden Fall. Wir versuchen immer, den Sound weiterzuentwickeln und nicht einfach dasselbe Album immer wieder zu machen. In den letzten drei, vier Jahren haben wir zum Beispiel drei Alben veröffentlicht, die jeweils eine andere musikalische Richtung eingeschlagen haben. 2022 kam „Ghost Town“ heraus, das eine bestimmte Richtung vorgab. 2023 veröffentlichten wir „Incognito“, das sich völlig anders anhört. Und jetzt mit „Casino“ setzen wir mehr auf Gitarren und Hardrock. Für uns ist es wichtig, jeden Sound weiterzuentwickeln, etwas Neues zu probieren, damit es spannend bleibt.
Also auch hier eine Art Evolution?
Filip: Genau, organische Evolution. Wir wachsen als Individuen und als Musiker, entwickeln uns weiter. Jedes Album spiegelt diesen Wandel wider.
Arbeitet ihr auch mit verschiedenen Produzenten?
Filip: Ja, für jedes Album haben wir einen neuen Produzenten gefunden. „Casino“ wurde von Erik Martensson von Eclipse, produziert. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und dem Klang. Vielleicht werden wir Erik für das nächste Album noch einmal kontaktieren, aber wir müssen dann überlegen, welchen neuen Weg wir einschlagen, damit es etwas anderes wird, kein „zweites Casino“.
Also bleibt ihr offen für neue Richtungen?
Filip: Absolut. Es ist uns wichtig, nicht stillzustehen und musikalisch Neues zu entdecken. Das hält den Spaß und die Kreativität in der Band am Leben.
Wenn ich dich in fünf Jahren erneut interviewe, was sollte sich bis dahin für euch als Band und für die Welt verändert haben?
Filip: Hoffentlich sind wir als Band immer noch zusammen, auf Tour in Schweden, Europa und vielleicht auch anderswo. Ich hoffe, wir haben in fünf Jahren noch drei weitere Alben veröffentlicht und sind immer noch eine hart arbeitende, tourende Rockband mit einem riesigen Publikum.
Die alles entscheidende Frage: Welches eurer Lieder darf man auf keinen Fall verpassen?
Filip: Vom aktuellen Album Casino würde ich auf jeden Fall den Eröffnungstrack I’m Alive empfehlen. Der strotzt nur so vor Energie und klingt wirklich wie eine Rakete. Außerdem Seven Years of Bleeding, ein fantastischer Song, der einfach wie ein Rock’n’Roll-Zug weitergeht. Und dann noch I’ll Die if You’re Done, eine hymnische Midtempo-Rockballade mit tollen Melodien und Texten. Andy singt da wirklich großartig.
Was macht für dich persönlich einen wirklich guten Song aus?
Filip: Ich bin ein Melodie-Typ, deshalb liebe ich Songs mit eingängigen Melodien, einem starken Intro, das sofort Lust auf mehr macht und einem Refrain, der im Gedächtnis bleibt. Dazu kommt eine gute Produktion, ein ausgewogener Mix und eine überzeugende Performance von Instrumenten und Gesang. Wenn all das stimmt, habe ich das Gefühl, einen richtig guten Song gehört zu haben.
Gibt es für dich ein Vorbild in Sachen Songwriting?
Filip: Roxette ist für mich ein Paradebeispiel. Ein starkes Intro, ein eingängiger Refrain und eine Melodie, die sofort hängen bleibt, das ist für mich der perfekte Songaufbau.
Vielen Dank, Filip, für das Gespräch.
Mehr zur Band Andy and the Rockets findet ihr in den Socials.
Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

