10 Jahre Alex Mofa Gang: Zwischen Nostalgie, Neuanfang und hoffnungslosem Optimismus

Alex Mofa Gang © Ania Sudbin

Zehn Jahre nach ihrem Debüt „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“ blickt die Alex Mofa Gang nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne. Mit ihrer neuen Version von „Hoffnungsloser Optimist“ schlägt die Band die Brücke zwischen Aufbruchsstimmung, Freundschaft und den Herausforderungen einer Welt, die sich in den letzten Jahren spürbar verändert hat. Im Interview sprechen sie über alte Proberäume, besondere Heimspiele, den Blick auf ihr erstes Album – und darüber, warum Nostalgie allein für die Band noch nie genug war.

Zehn Jahre ist es her, dass ihr mit „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“ den Grundstein für alles gelegt habt. Wenn ihr heute die erste Platte hört und sie mit der neuen Version von „Hoffnungsloser Optimist“ vergleicht – welche Gefühle kommen da hoch und was hat sich für euch als Freunde in dieser Zeit am meisten verändert?

Sascha: Das Schöne ist: Wir waren und sind als Freunde immer so nah beieinander, dass wir jede Entwicklung, jede Veränderung gemeinsam erlebt haben. Umzüge, Krisen, Hochs und Tiefs. Hochzeiten, Kinder. Sich für das Open Air mal wieder mit der ersten Platte in ihrer Gesamtheit zu befassen, ist ein bisschen so, als würde man beim Aufräumen zufällig ein altes Fotoalbum in die Hände bekommen.

Ich meine, es gibt ja nach wie vor Songs vom ersten Album, die bei jedem Konzert absolut gesetzt sind und bei denen es fast undenkbar wäre, sie nicht zu spielen. Die Songs, die wir nicht mehr so oft spielen – nicht, weil wir sie nicht mögen, sondern weil es mit jedem neuen Album schwieriger wird, allen Songs gerecht zu werden, und es wahrscheinlich in der Natur der Sache liegt, dann eher neue Songs spielen zu wollen – bekommen jetzt mal wieder Aufmerksamkeit. Wir sind gespannt, wie es sich anfühlt, sie heute zu spielen.

In eurem neuen Track „Hoffnungsloser Optimist (Reise 2026)“ blickt ihr auf die Entwicklung der letzten Dekade zurück. Wie schwierig war es, das Lebensgefühl von damals mit den aktuellen gesellschaftlichen Themen in nur drei Minuten zu verbinden, ohne dabei den typischen Mofa-Vibe zu verlieren?

Sascha: Glücklicherweise fühlen wir beim Schreiben oder Musikmachen wenig Druck oder analytische Notwendigkeit, sondern lassen uns musikalisch und inhaltlich treiben. Klar, wenn wir jetzt mal draufschauen, ist der Song im Vergleich zu „Die Reise zum Mittelmaß der Erde“ eher in Moll als in Dur und hat dadurch schon musikalisch mehr Schwere und Melancholie.

Unser Lebensgefühl allerdings hat sich im Wesentlichen nicht verändert – wir sind extrem dankbar dafür, dass wir das, was wir so lieben, als Lebensmittelpunkt und Beruf mit allem vereinbaren können, was seit Gründung der Band an Menschen und Lebensumständen mit in diesen Kosmos, in diese Familie gewachsen und zusammengewachsen ist.

Das Debütalbum gilt für viele Fans als absoluter Meilenstein. Gab es beim Songwriting für die neue Single einen Moment, in dem ihr dachtet: „Genau so hat sich das 2016 angefühlt“, oder überwiegt heute eher der Blick nach vorn mit dem Wissen von fünf Studioalben im Gepäck?

Sascha: Wir haben über die bisher fünf Alben, die wir gemacht haben, immer wieder neue und andere Wege ausprobiert.

Es gibt natürlich erprobte Strategien, auf die wir im Zweifel zurückgreifen können, aber es war uns immer wichtig, offen und neugierig zu bleiben und im Prozess des Schreibens möglichst wenig Routine aufkommen zu lassen. „Hoffnungsloser Optimist“ war ein Impuls und ist während der Arbeit an neuen Songs einfach so aus uns herausgepurzelt. Als wir gemerkt haben, dass mit dem neuen Material eine Symbiose aus Aktuellem und dem Titelsong des Debütalbums naheliegt, sind wir einfach diesem Impuls gefolgt.

Alex Mofa Gang Stuttgart Wagenhallen 30.01.2026 @marc blessing
Alex Mofa Gang Stuttgart Wagenhallen 30.01.2026 @marc blessing

Am 16. Mai spielt ihr im KUBA in Alfeld genau dort, wo früher euer alter Proberaum stand. Wie fühlt es sich an, an dem Ort, an dem die ersten Akkorde entstanden sind, nun eine große Jubiläumsshow zu spielen – ist das für euch eher eine Zeitreise oder ein klassisches „Nach-Hause-Kommen“?

Sascha: Für uns ist es eine Geburtstagsparty. Ohne diesen Ort, ohne die Platte, die dort entstanden ist, wäre die Geschichte der Alex Mofa Gang eine komplett andere.

Und der Ort ist sinnbildlich.

Da gab es diesen Raum, den wir nutzen konnten – heute steht dort eine Bühne, auf der viele Künstler*innen in Zukunft spielen werden. Da ist etwas gewachsen. Und es geht eher darum, die Geschichte ins Heute zu erzählen, als von „damals“ zu schwärmen. Ein „Nach-Hause-Kommen“ ist es aber in jedem Fall.

Für das Open-Air habt ihr angekündigt, das komplette Debütalbum in voller Länge zu spielen. Auf welchen Song, den ihr vielleicht schon ewig nicht mehr live im Programm hattet, freut ihr euch persönlich am meisten und welcher Track ist heute eine größere Herausforderung als vor zehn Jahren?

Sascha: Diese Frage können wir leider nicht hinlänglich beantworten, da sich das jeden Tag ändert.

Ihr habt schon riesige Festivals wie das Hurricane Festival gespielt und seid sogar bis nach Argentinien gereist. Hat das beschauliche Alfeld nach all den internationalen Abenteuern immer noch diesen ganz besonderen Stellenwert für euch oder steigt die Nervosität vor den alten Wegbegleitern sogar noch ein bisschen mehr?

Sascha: Alfeld und das Team um das KuBa werden immer einen besonderen Stellenwert haben. Wir sind über das Festival hinaus in ständigem Kontakt und sehen uns regelmäßig. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich immer ultra aufgeregt und nervös bin, bevor es auf die Bühne geht – egal ob eigene Clubshow, Support oder Festival. Und ich würde sofort aufhören, wenn dieses Gefühl abnimmt oder zur Routine wird.

Das Tolle ist: Zu diesem Jubiläumskonzert kommen nicht nur ‚alte Wegbegleiter‘, sondern auch Fans und Freunde aus der gesamten Republik. Es wird also eine ganz tolle Geburtstagsfeier.

Die „La Boum Tour 2026“ steht im September an und der Name verspricht ja schon eine ordentliche Fete. Was dürfen die Fans von dieser Tour erwarten – wird das eine reine Nostalgie-Party oder markiert das Jahr 2026 für die Alex Mofa Gang eher einen kompletten Neustart mit frischer Energie?

Sascha: Nur Nostalgie wird es bei der Alex Mofa Gang nicht geben. Wir werden weder beim Open Air nur die erste Platte spielen noch auf Tour gehen, ohne den Besucher*innen und uns etwas Neues mitzubringen. Am Ende machen wir das alles für die Konzerte.

Ihr schafft es immer wieder, klare Kante zu zeigen und euch zu positionieren, während das Publikum vor der Bühne steilgeht. Wie wichtig ist es euch gerade im Jubiläumsjahr, diese Balance zwischen Partystimmung und ehrlicher Botschaft zu halten, damit der „hoffnungslose Optimismus“ nicht verloren geht?

Sascha: Es erscheint uns unumgänglich. Ein Konzert der Alex Mofa Gang soll natürlich am Ende des Abends möglichst alle Besuchenden glücklich gemacht haben. Wir wollen unterhalten, aber wir sind vielschichtige Menschen, und so ein Abend darf oder vielleicht muss in unseren Augen eine Dynamik haben, die auch politische und gesellschaftskritische Facetten zulässt.

Und dann gehen wir alle am Ende des Konzerts verschwitzt, aber optimistisch zurück in den Alltag.

Tine

Tine Blessing

Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.

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