Staub, Freibad-Pits und Riff-Gewitter: Mein Wacken Open Air 2026!

Staub vor begeistertem Publikum beim Konzert beim Konzert in Wacken © Maximilian Greif

Auf Festivals ist Zeit bekanntlich relativ: Fünf Tage können im Rausch der Riffs wie drei verfliegen, während sich zwei Tage im Pit anfühlen wie eine halbe Ewigkeit. Die zwei Wochen vor Wacken verbrachte ich quasi im Minutentakt mit dem Wetterbericht. Die bange Frage: Kann es wirklich sein? Ein Wacken ohne knietiefe Schlammschlacht, dafür mit angenehmen Temperaturen und purer Sonne? Ja, verdammt, es kann! Und wir waren live dabei.

Der erste Schlag auf dem Wacken Open Air 2026

Am Mittwoch schlugen wir auf dem Acker auf und rieben uns erst einmal ungläubig die Augen: Wir hatten massig Platz für unser Camp, und das auf einem restlos ausverkauften Festival. Warum? Offenbar hatte schlicht niemand geglaubt, dass man die riesige freie Fläche bebauen durfte. Uns sollte es recht sein, Camping-Experience: glatte 10 von 10! Die anderen 85.000 Festivalverrückten sollten wir in den nächsten fünf Tagen ohnehin noch oft genug sehen. Die offizielle Öffnung des Infields haben wir zwar knapp verpasst, aber was soll’s: Dann eben nächstes Jahr! Spoiler: Wir kommen definitiv wieder!

Der musikalische Einstieg gelang nach Maß mit den großartigen The Butcher Sisters. Letztes Jahr noch im strömenden Regen versunken, ballerten die Jungs diesmal bei satten 30 Grad, strahlendem Sonnenschein und bester Laune ihre Beats in die Menge. Eine verdammt fette Party und der perfekte Startschuss für den Eröffnungstag! Schlag auf Schlag ging es weiter mit Electric Bassboy.

Im Vorfeld von vielen skeptisch beäugt, sprach die Stimmung im Infield eine ganz andere Sprache: Ein absolut wilder Abriss, der jetzt schon Bock auf das W:O:A 2027 macht, wenn die Truppe dann als Electric Callboy mit voller Kapelle anreist. Den Abend rundeten schließlich die sympathischen Deutschrock-Metaller von Hämatom ab. Ehrlich gesagt: Das war deutlich besser als gedacht und hat vor der gigantischen Kulisse richtig Laune gemacht.

Der Donnerstag startete mit einem echten Gamechanger: Ab ins Wackener Freibad! Nicht, dass wir einen Kater gehabt hätten, aber die Abkühlung war Gold wert. Was folgte, war die pure Festivalkultur: Turmspringen, Circlepits mitten im Wasserbecken und das obligatorische Meckern über das Bier von Anheuser-Busch. Ganz ehrlich, wie sehr kann man sich eigentlich über Bier aufregen? Auf dem Campingplatz warmes Dosenbier durch den Trichter jagen, aber sich dann über ein frisch gezapftes, eiskaltes Bud beschweren? Aus meinem Plastikbecher schmeckte das Zeug bei der Hitze hervorragend. Das kollektive Gejammer war völlig unnötig. Irgendwas ist ja immer.

Wieder auf dem Infield folgte für mich das absolute Highlight des gesamten Wochenendes: P.O.D.! Die ultimativen Nu-Metal-Helden haben eine Show auf die Bretter gezaubert, die schlichtweg grandios war. Besser wurde es an diesem Wochenende nicht mehr.

Es ging dann fröhlich weiter mit den Konsorten von Kupfergold, Tavernenmusik mit Schunkelpotenzial, und später am Abend folgte noch Turbonegro, diesmal mit leichtem Regen. Aber keine Sorge: Schlamm war nicht zu sehen!

Der Freitag begann gewohnt bunt und feuchtfröhlich mit Mr. Hurley & die Pulveraffen. Piraten-Folk, reichlich Pfeffi und eine feierwütige Meute: Im Grunde die deutlich bessere Kelly Family mit echtem Kult-Charakter. Danach war Schluss mit Schunkeln: Hatebreed walzten mit gewohnter Härte alles nieder. Die absolute Abrissbirne lieferten jedoch Paleface Swiss. Kaum ein Frontmann peitscht das Publikum so genial an wie Marc Zellweger (außer vielleicht Terror-Urgestein Scott Vogel). Das Publikum mit feinstem Schwyzerdütsch-Akzent zur kollektiven Eskalation anzustiften („Was ist los, ist das alles, was ihr könnt? Bewegt euch, ihr Schwänze!“), sorgte für heftige Lacher, fliegende Crowdsurfer und brachiale Action im Pit.

Gegen Abend füllte sich der Platz bis zum Bersten für In Flames. Die Schweden lieferten bei einem malerischen Sonnenuntergang und vollem Infield absolut ab, auch wenn mein persönlicher Wermutstropfen bleibt, dass „Come Clarity“ leider nicht auf der Setlist stand. Für Judas Priest entschieden wir uns anschließend für die entspannte Variante: Statt uns mitten ins Getümmel zu quetschen, gab es die Riff-Legenden ganz entspannt mit einer Portion Loaded Fries über die Videoleinwand.

Am Samstag hieß es, die letzten Kraftreserven zu mobilisieren und ab auf den Acker, um sich direkt mit einer gelungenen Show von Blood Command durchklingeln zu lassen. Wir sagen mal so: nix für Kinderaugen und Moralapostel, aber genau richtig für das Wacken!

Es folgten die Schweden Thrown, die mit einer gewaltigen Staubwolke über die Louder Stage gefegt sind! Am Abend standen Powerwolf auf dem Plan. Ohne große Erwartungen hingegangen, weil wir die Band vorher kaum kannten, und komplett weggeblasen wurden. Was für eine bombastische Show, ein starkes Bühnenbild, massenhaft Feuer und eine unglaublich sympathische Bandpräsenz! Den Deckel drauf machten schließlich Alestorm: Hier hatten wir im Vorfeld extrem viel erwartet und genau diesen feuchtfröhlichen Party-Abriss geliefert bekommen.

Ein weiterer Tipp von uns: SKYND. True Crime trifft auf Metal und Stimmgewalt – dazu eine wahnsinnige Aura. Eine klare Empfehlung.

Der letzte Akkord

Egal ob „Rain or Shine“: Das Wacken Open Air lohnt sich einfach immer. Es sind längst nicht nur die Bands auf den riesigen Bühnen, sondern das gesamte Drumherum, das diesen Acker so einzigartig macht. Das ganze Dorf ist eine riesige Partymeile voller ansteckend guter Laune und das komplett ohne peinliches Malle-Ballermann-Flair. Dazu das Schwimmbad als Lebensretter, unendlich viel Programm und Kurioses auf dem Gelände zu entdecken und verdammt leckere Churros an jeder Ecke.

Wacken Impressionen 2026

paranoyd picto schwarz 2026

Maximilian Greif

Maximilian Greif: Konzertfotograf aus Berlin & Gastfotograf beim Paranoyd Magazin. Er fängt die Energie der Berliner Clubszene in authentischen und dynamischen Live-Bildern ein.

Paranoyd Magazin