SinnerRock 2026: Drei Tage Rock, Schweiß und jede Menge Energie

Sinner Rock :Credit: Kevin Richter

Sinntal, September 2026 – Drei Tage lang wurde aus dem beschaulichen Altengronau ein ziemlich lauter Ort. Beim neunten SinnerRock Festival trafen internationale Rock- und Metalbands auf ein Publikum, das gekommen war, um zu feiern, zu entdecken und vor allem eines zu tun: ordentlich abzurocken.

Ein Gottesdienst, Guinness und ein besonderer Festivalauftakt

Im neunten Jahr hatte das SinnerRock wieder zahlreiche Neuerungen zu bieten. Wie jedes Jahr hatten sich Steve und Renate Iorio einiges einfallen lassen, um Bands und Besuchern ein unvergessliches Wochenende zu bereiten.

Der bereits im vergangenen Jahr beliebte Guinness-Biergarten wurde nochmals etwas vergrößert. Auf das Zwei-Bühnen-Set-up der vergangenen beiden Jahre wurde dagegen verzichtet. Stattdessen stand neben dem Biergarten eine Akustikbühne, auf der während der Umbaupausen verschiedene Künstler kurze Akustiksets spielten.

Der Donnerstag fand ausschließlich auf dieser Bühne statt – dafür bei freiem Eintritt. Eröffnet wurde das Festival mit einem „Gottesdienst“, der allerdings alles andere als gewöhnlich ausfiel. Die Themen waren auf das Festival zugeschnitten. Gemeinsam mit der lokalen Band Jester To Kings und dem Pfarrer am Schlagzeug wurden Rockklassiker wie „Zombie“ oder „Paranoid“ gespielt.

Anschließend gab es Musik vom Band, ausgesucht und moderiert vom Podcast-Team Scream For Metal, bevor Wayford West als erste Band ein komplettes Set spielte.

Den Abschluss des ersten Abends übernahmen schließlich Kimkoi als Headliner. Mit ihrem Mix aus Deutschrock, Punk und Independent-Rock zogen sie die Anwesenden mühelos in ihren Bann. Vor allem Frontmann Michael Schock überzeugte mit starker Energie und vollem Einsatz und ließ sich sogar zum Crowdsurfen hinreißen. Ein wirklich starker Auftakt für das Festival.

Sonne, Hardrock und Schweizer Energie

Der Freitag begann mit einer kurzfristigen Änderung im Line-up. Pussy Sisster mussten leider absagen, sodass die Italienerin Clodia Quitter den Festivaltag bei strahlendem Sonnenschein auf der Akustikbühne eröffnete.

Clodia hatte beim im März ausgetragenen Singer-/Songwriter-Contest den zweiten Platz belegt und machte einen sehr guten Job, um das Publikum aufzuwärmen.

Anschließend eröffneten Junkyard Jesus die Mainstage. Die Lokalmatadoren spielten Oldschool-Hardrock mit einem modernen Touch – genau der Stil, der beim SinnerRock besonders gut ankam.

Konzertfoto von Junkyard Drive - SinnerRock 2026
Junkyard Drive – SinnerRock 2026

Während der Umbaupause zu Silveroller spielte Clodia Quitter ihr zweites Set und zog damit erneut zahlreiche Besucher in Richtung Guinness-Biergarten.

Nach den britischen Rock’n’Rollern von Silveroller zeigte der Australier Blake Cateris auf der Akustikbühne sein Können. Danach drehten die Schweizer von All To Get Her das Energielevel deutlich nach oben.

Vor allem Sänger und Gitarrist Andrea Viciconte blieb keine Sekunde ruhig stehen. Wenn er nicht gerade sang, sprang und wirbelte er über die Bühne. Auch bei einem späteren Plausch backstage zeigten sich die vier Jungs genauso sympathisch wie auf der Bühne. Für mich waren All To Get Her definitiv eine der Neuentdeckungen des SinnerRock 2026.

League Of Distortion und eine besondere Akustikbühne

Nachdem auch Blake Cateris sein zweites Set auf der Akustikbühne gespielt hatte, kam die Band auf die Bühne, auf die ich mich bei diesem Festival besonders gefreut hatte: Nach 2023 kehrten League Of Distortion rund um Sängerin Anna Brunner zum SinnerRock zurück. Die Band überzeugte erneut mit einer grandiosen Inszenierung, aber auch musikalisch passte hier einfach alles.

Letzter Künstler auf der Akustikbühne war an diesem Tag Bonny Jack, der ebenfalls zwei Sets spielte – unter anderem vor The Lazys und Setyoursails. Der Italiener hatte bereits mehrfach im Irish Pub Dahlia Clover in Bad Brückenau gespielt, das von den SinnerRock-Veranstaltern Steve und Renate Iorio geführt wurde.

Jack Bonnys visueller Stil erinnerte ein wenig an den Voodoo-Bluesrock, wie man ihn beispielsweise von Arthur Brown aus bestimmten Phasen seiner Karriere kannte. Das fiel zwar etwas aus dem Rahmen, kam beim Publikum aber ausgesprochen gut an und animierte die Fans zum Mitmachen.

The Lazys rissen die Bühne ab

Als Co-Headliner des Freitags standen schließlich The Lazys auf der Mainstage. Jahrelang war versucht worden, die Australier nach Altengronau zu holen. Bei einer australischen Band war die Logistik dahinter allerdings eine ganz eigene Herausforderung. Nun waren sie endlich da – und das Quintett lieferte eine der energiegeladensten Shows, die das SinnerRock bisher gesehen hatte.

Egal ob Bassist TJ Smith oder Sänger Leon Harrison: Die Band wirbelte über die Bühne und nutzte jeden Millimeter bis zum letzten aus. Auch das Publikum wurde zu Circle-Pits, Springen und Feiern animiert – wobei die Fans dafür eigentlich gar keine Aufforderung gebraucht hätten.

Konzertfoto von Setyoursails - SinnerRock 2026
Setyoursails – SinnerRock 2026

Den Freitag beendeten die Metalcore-Durchstarter von Setyoursails. Die Kölner rund um Frontfrau Jules Mitch lieferten genau das, was man von ihnen kannte und erwartete: brachiale Riffs, eingängige Hooks und pure Energie. Nachdem Nicolai Hoch die Band zuvor am Bass verlassen hatte, stand nun der ehemalige Ghostkid-Bassist Stanislaw Czywill auf der Bühne und lieferte mindestens genauso viel Bewegung und Energie.

Jules Mitch verstand es mühelos, mit den Fans zu interagieren, und Setyoursails boten einen würdigen Abschluss für den Freitagabend.

Der Samstag begann mit ungewöhnlich frühem Lärm

Der Samstag startete früh – sehr früh. Bereits um 09:30 Uhr standen Primal Fear auf dem Festivalgelände. Die Headliner nahmen sich ausgiebig Zeit, ihr Setup aufzubauen und einen Soundcheck zu machen, noch bevor das Festival überhaupt seine Türen geöffnet hatte. Auch persönlich hatte ich so etwas nur selten erlebt.

Musikalisch eröffneten erneut Scream For Metal den Tag mit Musik vom Band und luden zur Happy Hour ein. Das zeigte Wirkung: Als Notörius aus Norwegen um 14:30 Uhr die Mainstage eröffneten, hatten bereits zahlreiche Besucher den Weg vom Zeltplatz auf das Festivalgelände gefunden. Die Norweger zelebrierten Hardrock im Stil von Van Halen – und brachten mindestens genauso viel Humor mit.

Mit Schnogge wurde es anschließend deutlich punkiger, aber nicht weniger unterhaltsam. Das Quartett aus Unterfranken wirkte wie eine Gruppe alter Hasen auf der Bühne und sorgte bereits am frühen Samstagnachmittag für die ersten Pits.

Während der anschließenden Umbaupause eröffnete Fattore Rurale die Akustikbühne. Mit seiner markanten, bassigen Stimme und gefühlvollen Songs überzeugte er das Publikum. Wie schon am Freitag spielten auch an diesem Tag alle Akustikkünstler jeweils zwei Sets.

Konzertfoto von Airstrike - SinnerRock 2026
Airstrike – SinnerRock 2026

70er- und 80er-Hardrock mit Airstrike

Auf der Hauptbühne feuerten Airstrike anschließend einen Soundmix aus bekannten 80er-Sleazerock-Bands wie Guns N‘ Roses und einer ordentlichen Portion 70er-Hardrock à la Lynyrd Skynyrd ab. Bei leicht bewölktem, aber weiterhin bestem Festivalwetter kam dieser Sound beim Publikum bestens an.

The Mercury Riots, die nach Airstrike und dem zweiten Akustikset von Fattore Rurale die Mainstage übernahmen, schlugen soundtechnisch in eine ähnliche Kerbe. Trotzdem klangen beide Bands eigenständig und keineswegs wie bloße Kopien altbekannter Vorbilder.

Vom Contest auf die SinnerRock-Bühne

Den bereits erwähnten Singer-/Songwriter-Contest hatte Lukas Ballweg gewonnen. Nach The Mercury Riots und Junkyard Drive durfte er nun seine beiden Sets spielen und damit seinen Gewinn vom Contest einlösen. Wie bereits beim Finale im Dahlia Clover überzeugte er erneut mit grandiosem und emotionalem Gesang.

Junkyard Drive sorgten anschließend mit modernem Hardrock und einer ordentlichen Portion dänischem Humor für Bewegung vor der Bühne. Falls bis dahin noch jemand seinen Bewegungsdrang nicht entdeckt hatte, spätestens jetzt bewegte sich auch der Letzte vor die Bühne – und klatschte mindestens mit, wenn nicht sogar beim Headbangen.

Mit der langsam untergehenden Sonne betraten Michael Bormann’s Jaded Hard die Bühne. Fans des deutschen Classic Rock kamen hier voll auf ihre Kosten. Die Band rockte sympathisch durch ihre Hits wie „Anymore“ und lud das Publikum zum Mitsingen ein.

Konzertfoto von Junkyard Drive - SinnerRock 2026
Junkyard Drive – SinnerRock 2026

Saraya läutete das große Finale ein

Letzte Künstlerin auf der Akustikbühne war die Italienerin Saraya, die ebenfalls bereits mehrfach im Dahlia Clover überzeugt hatte. Ihre Stimme ließ sich wohl am besten als klassische Rockröhre beschreiben. Mit Gastauftritten von Rafa Sant Ana und Renate Iorio wurde vor den beiden Co-Headlinern noch einmal ausgiebig gefeiert.

Motorjesus und Primal Fear zum Abschluss

Dann übernahm Motorjesus die Mainstage. Die Heavy-Rock-Band aus Mönchengladbach zeigte, dass ihr Name Programm war. Vollgas-Rock von der ersten Minute an – inklusive eines riesigen aufblasbaren Reifens, der bei „Motor Discipline“ zum Crowdsurfen in die Menge geworfen wurde. Die Fans nahmen das Geschenk dankbar an.

Als zweiter Headliner standen schließlich Primal Fear auf der Bühne. Nach dem frühen Soundcheck am Morgen hatte sich die Band noch einmal im Hotel ausgeruht. Von Müdigkeit war am Abend allerdings nichts zu spüren.

Primal Fear lieferten eine extrem starke Performance. Sänger Ralf Scheepers wusste mit viel Humor und sympathischen Ansagen, wie er die Fans nach einem langen Festivaltag noch einmal zum Mitmachen bewegen konnte.

Für Mat Sinner, der krankheitsbedingt leider nicht dabei sein konnte, stimmte das Publikum außerdem einen besonderen Extrajubel an.

Für mich persönlich waren Primal Fear der stärkste Headliner, den ich bisher beim SinnerRock erlebt hatte. Showtechnisch und musikalisch lieferte die Band eine extrem starke Vorstellung und setzte damit einen passenden Schlusspunkt unter den Samstagabend.

Drei Tage SinnerRock, die in Erinnerung blieben

Und dann war das SinnerRock 2026 auch schon wieder vorbei.

Drei Tage voller harter Arbeit, großartiger und sympathischer Bands und einer extrem engagierten Festivalcrew lagen hinter uns. Das kostete Energie – aber gleichzeitig macht es jedes Jahr aufs Neue Spaß, Teil dieses besonderen Festivals zu sein.

Ein großer Dank und viele Grüße gingen deshalb an alle, die auch 2026 wieder ihre Zeit und Energie investiert hatten, um ein reibungsloses Festival auf die Beine zu stellen.

Das SinnerRock bleibt damit auch nach neun Jahren ein Festival, bei dem nicht nur die Musik zählt, sondern vor allem die Menschen, die es auf und hinter der Bühne mit Leben füllen.

Sinner Rock 2026 Impressionen

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Kevin Richter

Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.

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