Rock im Park hat mal wieder gezeigt, warum das Festival seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Veranstaltungen der europäischen Rock- und Metalszene zählt. An drei Tagen strömten rund 80.000 Besucherinnen und Besucher auf das Nürnberger Zeppelinfeld und feierten ein Festivalwochenende, das musikalisch kaum abwechslungsreicher hätte sein können.
Vor dem Festival blickten viele Besucher mit Sorge auf die Wettervorhersagen. Die Prognosen versprachen reichlich Regen und erinnerten manche bereits an das vergangene Schlammjahr. Am Ende kam es aber deutlich besser als erwartet. Abgesehen von einigen Schauern zeigte sich das Wetter überraschend freundlich und bot sogar reichlich Sonnenschein. Statt Gummistiefeln war an vielen Stellen eher Sonnencreme Pflicht.
Freitag – starker Auftakt und eine große Überraschung
Mein Festivalstart erfolgte bei Letlive. Frontmann Jason Butler zeigte einmal mehr, warum er zu den spektakulärsten Live-Performern der Szene gehört. Wie gewohnt gab es reichlich Action auf und vor der Bühne, während die Band musikalisch dort weitermachte, wo sie vor Jahren aufgehört hatte.
Zu den positiven Überraschungen des ersten Tages gehörten außerdem Bilmuri, deren ungewöhnliche Mischung aus modernen Rocksounds, eingängigen Melodien und überraschenden Saxofon-Einsätzen viele neugierige Festivalbesucher für sich gewinnen konnte. Deutlich härter wurde es bei Bury Tomorrow, die gewohnt druckvoll ablieferten und für große Moshpits sorgten.
Three Days Grace lieferten anschließend gewohnt starken Alternative Rock, bevor Electric Callboy das komplette Infield in eine riesige Partyzone verwandelten. Konfetti, Choreografien und eine große Menge an Selbstironie trafen auf harte Breakdowns – ein Konzept, das auch 2026 hervorragend funktionierte.
Mit Ice Nine Kills folgte danach einer der visuell spektakulärsten Auftritte des Tages. Die Horror-Metal-Spezialisten setzten erneut auf aufwendige Kostüme, Kunstblut und zahlreiche filmreife Effekte. Den Abschluss des ersten Tages bildeten Bad Omens, die mit einer atmosphärischen Show und starken Visuals noch einmal ein Ausrufezeichen setzten.
Für den wohl größten Jubel des Freitags sorgte allerdings keine Band auf der Bühne. Denn: Nach den Konzerten kündigten die Veranstalter blink-182 als ersten Headliner für Rock im Park 2027 an. Die Pop-Punk-Legenden werden im kommenden Jahr erstmals in der Geschichte des Festivals auftreten. Entsprechend euphorisch fiel die Reaktion der Fans aus.
Samstag – Legenden und große Shows
Der Samstag begann mit einer breiten musikalischen Mischung. Zu den Highlights gehörten für mich Bloodywood, die ihre einzigartige Kombination aus Metal und indischen Folkeinflüssen eindrucksvoll auf die Bühne brachten. Anschließend sorgte Finch mit seiner gewohnt chaotischen Partyshow für beste Stimmung.
Mit The Offspring stand eine absolute Punkrock-Institution auf dem Programm, die das Publikum mit zahlreichen Klassikern zum Mitsingen brachte. Der Höhepunkt für viele Besucher ließ allerdings bis zum Abend auf sich warten. Iron Maiden bewiesen einmal mehr, weshalb sie seit Jahrzehnten zu den größten Namen der Metal-Welt zählen.
Kublai Khan TX lieferte am späten Abend definitiv einen der härtesten Auftritte des gesamten Wochenendes ab. Wer danach noch Energie hatte, wurde bei Sabaton belohnt. Die Schweden präsentierten mit Feuerfontänen, Explosionen und einem großen Feuerwerk die wohl spektakulärste Produktion des Wochenendes.
Sonntag – ein würdiger Abschluss voller Klassiker
Auch am letzten Festivaltag war von Festivalmüdigkeit wenig zu spüren. Bereits früh füllten sich die Bühnenbereiche. Mehnersmoos sorgten mit ihrer gewohnt humorvollen Art für einen lockeren Start in den Tag, während We Came As Romans eindrucksvoll demonstrierten, wie groß die Popularität moderner Metalcore-Bands inzwischen geworden ist.
Die spanische Band Ankor konnte auf der Orbit Stage mit ihrem spannenden Mix aus Metal und Elektro überzeugen. The Plot In You gehörte für mich zu den stärksten Bands des Sonntags. Anschließend zeigten Architects eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zu den prägenden Bands des modernen Metal gehören.
Der Sonntag stand insgesamt im Zeichen großer Namen und echter Klassiker. Mit Papa Roach, Linkin Park und Limp Bizkit standen gleich mehrere Bands auf dem Programm, die viele Besucher seit Jahrzehnten begleiten. Der Abschluss des Wochenendes gehörte jedoch ganz klar Linkin Park. Entsprechend groß war der Andrang vor der Bühne.
Emily Armstrong führte die Band mit viel Energie durch das Set und suchte immer wieder die Nähe zu den Fans, inklusive eines Ausflugs mitten ins Publikum. Gemeinsam mit einer hervorragend zusammengestellten Setlist entstand so einer jener besonderen Festivalmomente, über die noch lange gesprochen werden dürfte. Zum späten Abend übernahmen Limp Bizkit und sorgten für einen ordentlichen Abriss.
Organisation, Infrastruktur und ein kleiner Kritikpunkt
Organisatorisch hinterließ Rock im Park 2026 insgesamt einen sehr positiven Eindruck. Die Wege funktionierten, das gesamte Gelände blieb trotz einzelner Regenschauer gut begehbar und die Stimmung unter den Besuchern war während des gesamten Wochenendes ausgesprochen entspannt.
Das Verpflegungsangebot war hervorragend. Von Burgern und Nudeln bis hin zu zahlreichen vegetarischen und veganen Gerichten blieb kaum ein Wunsch offen. Dazu kam der Lidl Rock Store auf dem Campingplatz, der wie jedes Jahr zu den heimlichen Headlinern des Festivals gehörte. Einkaufen mit Musik, guter Stimmung und spontanen Partys gehört für viele inzwischen genauso zu Rock im Park wie die Konzerte selbst.
Ein kleiner Kritikpunkt betrifft die Mandora Stage. Während die Utopia Stage im Vergleich zum Vorjahr spürbar mehr Platz bot und sich dies sehr positiv bemerkbar machte, wirkte die Kapazität der Mandora bei einigen Acts an ihrer Grenze. Teilweise kam es zu Einlassstopps. Besonders deutlich wurde dies nach Linkin Park, als große Teile des Publikums direkt weiter zu Limp Bizkit wollten.
Rock im Park 2026 bot genau das, was man von einem der größten Rockfestivals Europas erwartet: starke Headliner, spannende Neuentdeckungen, eine große stilistische Bandbreite und zehntausende Fans, die gemeinsam ein Wochenende voller Musik feierten.
Ob Electric Callboy, Iron Maiden, Sabaton, Papa Roach, Linkin Park oder Limp Bizkit – die großen Namen lieferten ebenso ab wie zahlreiche kleinere Acts. Rock im Park 2026 hat wieder mal gezeigt, warum das Festivalwochenende für viele Besucher längst zur festen Tradition geworden ist.
Es sind nicht allein die großen Namen auf den Plakaten, die das Festival so besonders machen. Es ist das Zusammenspiel aus Musik, Campingplatz, Festivalatmosphäre und den vielen kleinen Momenten dazwischen. Das Festival braucht sich dabei längst nicht mehr hinter Rock am Ring zu verstecken, die Bands sind ohnehin dieselben. Auch organisatorisch und atmosphärisch spielt Nürnberg absolut auf Augenhöhe.
Der Blick geht inzwischen bereits nach vorn. Der Vorverkauf für Rock im Park 2027 startete direkt nach Festivalende und sorgte sofort für einen neuen Rekord: 27.000 Tickets wechselten innerhalb der ersten Stunde den Besitzer. Mit blink-182 steht bereits der erste Headliner fest. Die Vorfreude auf die nächste Ausgabe ist schon jetzt riesig.
Danke Rock im Park, wir freuen uns bereits auf 2027!
Impressionen Rock im Park 2026
Alle Bilder Credits by conne_photography
Constantin Greif
Ich bin Constantin – Konzertfotograf aus Berlin mit einer großen Liebe für Metal und Festivals. Dort, wo die Musik ballert und die Menge tobt, bin ich mit meiner Kamera unterwegs.





























































































