Vor der beeindruckenden Kulisse der Burgruine Königstein fand am 1. August 2026 erneut das Festival „Rock auf der Burg“ statt. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren als feste Größe in der regionalen Festivallandschaft etabliert und zieht längst Besucher und Bands weit über die Grenzen des Taunus hinaus an. Für 2026 schlugen die Veranstalter einen besonders harten Kurs ein: Unter dem Motto „lauter, härter, internationaler“ standen die schwedischen Metalcore-Veteranen Dead by April an der Spitze des Line-Ups.
Organisiert wird das Festival von der Stadt Königstein und dem ehrenamtlichen Verein Rock AG e.V., dessen Konzept bewusst auf Nachwuchsförderung und gemeinnützige Arbeit setzt. Gewinne fließen nach Angaben der Veranstalter vollständig in Folgeprojekte wie Bandwettbewerbe oder Benefizkonzerte. Das Profil des Festivals ist klar umrissen: Ein Tag, zwei Bühnen und ein Schwerpunkt auf Rock, Metal, Metalcore und den verwandten Spielarten.
Während auf der Hauptbühne überwiegend etabliertere Acts auftreten, bietet die Kellerstage traditionell Raum für härtere Klänge und aufstrebende Bands. Die außergewöhnliche Lage in einer der größten Burgruinen Deutschlands trägt wesentlich zum Charakter der Veranstaltung bei.
Gelungener Auftakt zwischen Main Stage und Kellerstage
Den Anfang machten um 15 Uhr Thruxtone,die sich beim Battle of the Bands durchgesetzt und damit ihren Platz im diesjährigen Line-Up des Festivals gesichert haben. Die Band aus Frankfurt am Main ist seit 2024 aktiv. Inspiriert von klassischen Rockgrößen wie Van Halen, Mr. Big und Extreme verbindet die Gruppe traditionelle Hardrock-Riffs mit modernen Einflüssen. Gitarrist Adrian eiferte seinen Idolen nach und lieferte beeindruckende Soli mit Tapping und längeren Legato Passagen ab. Bassistin Julia war mit ihrer verspiegelten Sonnenbrille an Coolness nicht zu überbieten, wohingegen Sänger Vincent ein wenig Greta van Fleet Vibes versprühte.
Während vor der Main Stage noch reichlich Platz war, war der Zugang zur Kellerstage, wo parallel AUTHORIST spielten, bereits gesperrt. Der kleine Raum hat nur wenig Kapazität, und die Fans der härteren Gangart hatten die Festung bereits eingenommen und gaben sie nicht wieder her.
Auf der Main Stage ging es um 15:45 Uhr weiter mit blacktoothed. Die Leipziger Band wurde ursprünglich 2007 unter dem Namen Black Tooth Scares gegründet. Ihre Musik entwickelte sich über die Jahre zu einem modernen Mix aus Metalcore, Alternative Metal, Pop-Melodien und elektronischen Einflüssen. Gitarristin Matti, die Sänger Hendrik mit cleanen Vocals unterstützte, trug noch die Papierkrone eines namhaften amerikanischen Burgerbräters über ihrer Basecap. Die proteinreiche Stärkung auf der Anreise zahlte sich aus, denn die Performance der Truppe war packend. Selbst der ansonsten eher stoische Mann von der Security verzog kurz das Gesicht und schenkte der Band ein anerkennendes Nicken. Meine Vorfreude auf das nächste Album „Feral Bloom“ wuchs mit jedem Song des Sets.
Etwas ruhigere Töne schlugen anschließend PLUME an. Die 2020 in München gegründete Band bewegt sich zwischen Rock, Alternative und experimentellen elektronischen Pop-Einflüssen. Hier trifft Glam-Rock-inspiriertes Styling auf den digitalen Zeitgeist. Sänger Pascal erklärte kurz, dass es bei einer PLUME Show nur zwei Regeln gibt: „Be who you wanna be“ und „MOVE!“. Mein Favorit ist der Song „Digital Waterboarding“ vom anstehenden Album „Saferooms and Healing Frequencies“, der den Abschluss des kurzen, aber überzeugenden Sets bildete.
Metalcore übernahm Rock auf der Burg
Die Kölner Band VINTA orientiert sich musikalisch an modernen Metalcore-Acts wie Bring Me The Horizon und Architects, setzt dabei aber bewusst auf einen eigenständigen deutschsprachigen Ansatz. Um 18:10 Uhr enterte die Truppe nach dem obligatorischen „Scheiß AfD“-Intro die Main Stage und ließ es mit „Kalypso“ und „Schwarzes Glas“ gleich ordentlich krachen. Drummer Matze war verhindert. Glücklicherweise hat die Band mit Gitarrist Jerry aber einen echten Multiinstrumentalisten in ihren Reihen.
Er übernahm statt der Gitarre die Drums und steuerte wie gewohnt die Backing Vocals bei. Sänger Jakob war richtig gut aufgelegt und stellte die ganze Bandbreite seiner außergewöhnlichen Stimme zur Schau. Mühelos switchte er von einfühlsamen Tönen zu markerschütternden Fry Screams. Bei Gitarrist Tim weiß man, dass die Show losgeht, wenn er seinen Pferdeschwanz aufmacht und seine Mähne freilässt. Und auch diesmal dauerte es danach nicht lange, bis er mit dem Headbangen anfing.

Zum Duett bei „Gift“ kam Jules Mitch von SETYØURSAILS auf die Bühne und glühte schon einmal ein wenig vor für ihre eigene Show später am Abend. Der Refrain war Gänsehaut pur. Hier standen die zwei besten Stimmen des Festivals für einen kurzen Moment gemeinsam auf der Bühne. Für mich war das einer der Höhepunkte des gesamten Abends. Ob das noch steigerungsfähig ist?
Bluthund sorgten für das größte Chaos des Abends
Die Antwort darauf gab um 19:30 Uhr Bluthund. Die Band wurde 2020 in Berlin gegründet. Sie bezeichnet ihren Stil als „StromGitarrenWutRap“. Mit Sturmhauben, gesellschaftskritischer Botschaft und einer Mischung aus Hip-Hop und Punk hob sich die Gruppe deutlich vom übrigen Festivalprogramm ab. Verpackt sind die durchaus intelligenten Texte in mehrere Lagen derben bis feinsinnigen Humors. Auch wer (irrig) glaubt, er brauche keinen StromGitarrenWutRap in seinem Leben, sollte sich einmal eine Show der Truppe zu Gemüte führen. Selbst die überzeugtesten Metalheads kamen nicht umhin, sich hier mitreißen zu lassen und die krawallige und dadaistische Performance der Bluthunde zu goutieren.
Bei „Büro until Rente“ schnappte sich Rapper Abraxas einen Bürostuhl, der glitzerte wie eine Diskokugel, trug ihn mitten ins Publikum und stellte sich mit erhobenen Armen darauf, während die Meute im Circle Pit um ihn herum ausrastete. Bassist Flow Exotic verteilte großzügig Geldscheine, die mit „Geile Duftnote“, „Zehn Flocken“ und den Daten der „Modus Moshpit“-Tour der Band bedruckt waren. Abraxas war mittlerweile zurück auf der Bühne, hatte sich aber noch nicht hinreichend ausgetobt.
Zuerst stieg er auf eine der Boxen und hielt dem davor befindlichen Securitymann die Augen zu. Danach erklomm er das Gerüst, auf dem das Bühnendach thronte. Ich bin ganz schlecht im Schätzen, aber er dürfte zwischen 5 und 50 Metern hochgeklettert sein, als er sich mit nur einem Arm festhielt und den Song weiterspielte. Neben dem Burgfried gab er im Sonnenuntergang ein spektakuläres Fotomotiv ab. Als die Show nach einer guten Stunde vorbei war, war mein Nacken ganz steif vom ungläubigen Kopfschütteln.
Um 21 Uhr ertönte eine Technoversion der Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“, die den Auftritt von SETYØURSAILS einläutete. Die Band aus Köln wurde 2017 von Sängerin Jules Mitch und Gitarrist André Alves gegründet. Sie bewegt sich stilistisch zwischen Metalcore und Post-Hardcore und lebt von der wunderbaren und wandelbaren Stimme von Jules. Auf Knopfdruck kann sie von butterzart auf bretthart umschalten. Mit ihrem schwarzen Filzhut, der ihr Markenzeichen ist, tanzte sie über die Bühne und riss das Publikum mit.
In der Hälfte des Sets verwies Jules scherzhaft auf ihr fortgeschrittenes Alter und ihren schmerzenden Rücken und täuschte kurz eine Ballade an, nur um in Wirklichkeit mit „Break Stuff“ von Limp Bizkit weiterzumachen. Zu meinen Lieblingssongs vom neuen Album zählen „Bad Company“ sowie die großartigen Nummern „Halo“ und „Best of Me“, die heute den Abschluss bildeten. Nach einem gefühlt zu kurzen Set blieb nur eine Frage offen: Warum bekommt diese Band nicht noch viel mehr internationale Anerkennung?
Headliner Dead by April setzten den Schlusspunkt
Um 22:35 Uhr war es dann Zeit für den Headliner auf der Main Stage. Dead by April wurde 2007 gegründet und zählt damit zu den Veteranen des melodiösen Metalcores. Am Vortag standen die Schweden noch in Wacken auf der Bühne, und nun beehrten sie den Taunus. Ein besonders treuer Fan stand bereits seit Stunden ganz vorne am Gitter und wartete geduldig auf seine Helden. Und er sollte nicht enttäuscht werden: Die Göteborger spielten routiniert auf und kramten neben dem neueren Material auch ein paar alte Tracks aus ihrer langen Bandgeschichte heraus.
Mein persönlicher Favorit „Heartbeat Failing“ kam dankenswerterweise schon früh im Set. Einziger Wermutstropfen war der Umstand, dass das bisher tadellose Licht ausgerechnet beim Headliner schwach war. Aber das dürfte wohl dem Wunsch der Band entsprochen haben, denn Metalcore-Acts mögen es nun einmal bunt und schummrig, sehr zum Leidwesen der Fotografen.
Familiäre Atmosphäre als größtes Plus
Gegen Mitternacht endete ein rundum gelungener Festivaltag auf der Burg Königstein. Dass die Veranstalter mehr als 1.000 Tickets verkaufen konnten, überrascht kaum. Das Festival überzeugte mit einer professionellen Organisation, einem hochkarätigen Line-up und einer familiären Atmosphäre, die man in dieser Form nicht überall findet. Besonders bemerkenswert war die Herzlichkeit des gesamten Teams: Ob Organisatoren, Helfer oder Security – überall spürte man echtes Engagement und den Wunsch, den Besuchern ein besonderes Erlebnis zu bieten. Dass mir der freundliche Herr am Merch-Stand in Anbetracht meines schütteren Haupthaars spontan eine Mütze als Schutz gegen die pralle Sommersonne schenkte, mag eine kleine Geste gewesen sein, sagt aber viel über den Geist dieses Festivals aus.
Auch die Bands zeigten sich beeindruckt und lobten mehrfach die einzigartige Kulisse der Burg Königstein mit Blick auf die Mainmetropole Frankfurt. Selbst die Security beschränkte sich nicht auf ihre eigentlichen Aufgaben: Wenigstens zehn Mal spielten sie unter dem Jubel des Publikums den Beachball zurück, nachdem er mal wieder in den Fotograben gefallen war. Von der Bühne geworfene Plektren wurden eingesammelt, die entsorgten Setlists der Bands gesichert und anschließend mit einem ausgeprägten Sinn für Fairness an die Fans verteilt.
Hinzu kommt ein Eintrittspreis, der angesichts des gebotenen Programms ausgesprochen fair erscheint: 39,50 Euro im Vorverkauf beziehungsweise 49 Euro an der Abendkasse sind für ein derart stark besetztes Festival kaum zu schlagen.
Ein wenig Kritik gibt es allerdings auch: Das Konzept mit zwei Bühnen ist zwar grundsätzlich eine Bereicherung, stößt in der Praxis jedoch an seine Grenzen. Die Kellerstage ist so klein, dass sie schnell ihre Kapazitätsgrenze erreicht und Besucher draußen bleiben müssen, wenn sie nicht frühzeitig einen Platz ergattern. Ein spontaner Wechsel zwischen den beiden Bühnen ist dadurch kaum möglich. Und eine Band wie Leyka mit einer großen Fanbase in der Region hätte nach meinem Dafürhalten auf die Main Stage gehört. Auch dass der Fotograben ausschließlich dem festivaleigenen Content-Team vorbehalten ist und externe Fotografen keinen Zugang erhalten, ist etwas unglücklich, da es die Bewegungsfreiheit und Motivauswahl doch erheblich einschränkt.
Unterm Strich überwiegen jedoch eindeutig die positiven Eindrücke. Das Festival verbindet eine außergewöhnliche Location mit einer familiären Atmosphäre, fairen Preisen und einer Organisation, die mit viel Herzblut arbeitet. Wer auch nur ansatzweise in Schlagdistanz zum Taunus lebt, sollte sich unbedingt den 7. August 2027 vormerken, denn dann steht die nächste Ausgabe des Rock auf der Burg an. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei.
Impressionen
Björn Vollmuth
Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.








































