37 Grad, gewaltige Staubwolken, ein erlösender Wolkenbruch und drei Tage voller musikalischer Gegensätze: Das Reload Festival 2026 verlangte seinen rund 20.000 Besuchern einiges ab und belohnte sie gleichzeitig mit einem außergewöhnlichen Festivalwochenende. Zwischen Vengaboys-Polonaisen am frühen Morgen, eskalierenden Circle-Pits bei Lamb of God und The Ghost Inside, einem überragenden Rob Halford und dem großen Finale mit In Flames zeigte Sulingen einmal mehr, warum das Reload längst weit mehr ist als nur ein weiteres Metal-Festival.
Entspannte Anreise nach Sulingen
Bevor allerdings der erste Circle Pit seine Staubwolken über das Infield schicken konnte, stand für uns am Donnerstag zunächst die Anreise nach Sulingen an – und die verlief erstaunlich entspannt. Größere Staus oder Verkehrschaos blieben aus. Einen wichtigen Anteil daran dürfte das neue Anreisekonzept gehabt haben, das gemeinsam mit den örtlichen Behörden entwickelt wurde.
Durch die mögliche Frühanreise am Mittwoch verteilte sich der Verkehr der rund 20.000 Besucher erstmals auf zwei Tage – ein Konzept, mit dem sich auch die Veranstalter im Anschluss sehr zufrieden zeigten.
Durchdachte Organisation und familiäre Atmosphäre
Dieser positive erste Eindruck setzte sich auf dem Festivalgelände des Reload Festival 2026 fort. Das Gelände wirkte klar strukturiert und gut organisiert – und das nicht nur in den für Besucher sichtbaren Bereichen. Auch Backstage hatte alles seinen festen Platz. Teilweise erinnerte das Konstrukt an einen gut organisierten Industriebetrieb, in dem verschiedene Bereiche und Abläufe sauber ineinandergreifen.
Besonders positiv fiel die Security auf. Der Umgang mit Besuchern und Mitarbeitern fand auf Augenhöhe statt, Fragen wurden freundlich beantwortet und für einen lockeren Spruch blieb ebenfalls Zeit. Statt unnötiger Härte herrschte Gelassenheit und ein bemerkenswert freundliches Miteinander.
Generell fühlte sich das Reload Festival 2026 trotz 20.000 Besuchern erstaunlich familiär an. Über das gesamte Wochenende herrschte eine entspannte, teilweise fast volksfestartige Stimmung. Größere Auseinandersetzungen oder unangenehme Situationen haben wir während der drei Tage nicht wahrgenommen.
Hitze, Schatten und jede Menge Staub
Zur Herausforderung wurde dagegen die drückende Hitze an den ersten beiden Festivaltagen. Schattenplätze waren vorhanden, naturgemäß aber nicht für 20.000 Menschen gleichzeitig. Vor den Bühnen reagierte die Security vorbildlich, versorgte die Besucher mit Wasser und sorgte immer wieder für Abkühlung. Auch die Trinkwasserstationen auf dem Gelände wurden entsprechend gut angenommen.
Beim Essensangebot wäre für die kommenden Jahre etwas mehr Vielfalt wünschenswert. Grundsätzlich war die Versorgung aber ausreichend und funktionierte problemlos.
Einen deutlich größeren Kritikpunkt stellte die extreme Staubentwicklung im Infield dar. Obwohl die Situation unmittelbar vor den Bühnen gegenüber dem vergangenen Jahr bereits verbessert wurde, eskalierte sie zeitweise auf dem Vorplatz und im Bereich hinter dem Haupteingang. Besonders am Freitagabend hing der Staub stellenweise so dicht in der Luft, dass die Sicht massiv eingeschränkt war. Noch unangenehmer war die Belastung für die Atemwege.
Hier besteht weiterhin Verbesserungspotenzial. Eine großflächigere Abdeckung mit Hackschnitzeln oder einer vergleichbaren Lösung könnte einen erheblichen Mehrwert für das Festivalerlebnis schaffen.
Das Reload Festival 2026 gibt wiedermal ein starkes Gesamtbild ab
Letztlich überwogen die positiven Eindrücke aus Sulingen jedoch deutlich. Das Reload Festival 2026 präsentierte sich hervorragend organisiert, entspannt und trotz seiner Größe angenehm familiär.
Was das Organisationsteam gemeinsam mit Security, Technik, zahlreichen Helfern und ehrenamtlich Beteiligten für drei Tage auf die grüne Wiese stellt, verdient große Anerkennung. 20.000 Besucher, enorme Hitze und trotzdem ein Festival, bei dem man sich zu keinem Zeitpunkt schlecht aufgehoben fühlte – Hut ab!
Und dann wäre da natürlich noch der wichtigste Bestandteil des Reload Festivals 2026: die Musik.
Donnerstag: Hart, härter, Hardcore und eine Prise Punk
Während WrestleManiacs und Vulvarine das musikalische Programm auf der Plaza Stage bereits eröffnet hatten, begann unser persönlicher Festivalauftakt kurz vor 14 Uhr mit Allt. Rund 40 Minuten präsentierten die Schweden ihre Interpretation des modernen Metalcore, trafen dabei allerdings noch auf ein eher zurückhaltendes Publikum. Viele Besucher mussten zu diesem Zeitpunkt offensichtlich selbst erst einmal richtig auf dem Reload Festival 2026 ankommen.
Bei Self Deception sah das wenig später bereits anders aus. Die ebenfalls aus Schweden stammende Band traf auf deutlich lockere Besucher und lieferte ein rundes Set ab. Zum optischen Blickfang wurde dabei Bassist Patrik Carlberg Hallgren, der mit seinem auffälligen Kleidungsstil nicht nur auf der Bühne herausstach, sondern sich zwischendurch auch mitten in den Circle Pit vor der Bühne stürzte.
Richtig wild wurde es anschließend mit ZSK. Bereits mit dem Opener „Wir kommen in deine Stadt“ brachten die Punkrock-Urgesteine die Stimmung erstmals so richtig zum Siedepunkt. Sänger Joshi war dabei kaum zu bändigen und verbrachte gefühlt mehr Zeit mitten unter den Fans als auf der Bühne. Spätestens bei „Sommer ohne Nazis“ wurde dann lautstark mitgesungen. Ein beherzter und extrem intensiver Punkrock-Auftritt, mit dem sich ZSK in Sulingen sicherlich einige neue Freunde machten.
Die Main Stage erwacht
Gut aufgeheizt ging es erstmals zur Main Stage, die von Stick To Your Guns standesgemäß eröffnet wurde. Starker Sound, brachiale Bühnenarbeit und ein bestens aufgelegtes Publikum machten schnell deutlich, dass die Zurückhaltung der ersten Stunden endgültig vorbei war.
Anschließend zogen Orbit Culture die Besucher mit ihrem atmosphärischen und gleichzeitig wuchtigen Metal in ihren Bann. Wer zu Beginn noch stillstand, wurde spätestens bei „From the Inside“ mitgerissen. Die Schweden bestätigten, warum ihr Name in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben auf den Festivalplakaten gewandert ist.
Nach einem intensiven Abstecher zu Terror, die auf der Plaza Stage das Gaspedal durchtraten und vor der Bühne einen gewaltigen Moshpit entstehen ließen, gehörte die Main Stage Thy Art Is Murder. Die Australier lieferten ihre gewohnt kompromisslose Mischung aus Deathcore und massiver Härte – musikalisch trafen sie bei uns an diesem Nachmittag allerdings nicht den richtigen Nerv. Und manchmal gehört auch das zu einem Festival: Nicht jede Band muss jeden Besucher gleichermaßen abholen.
Deutlich größer war die persönliche Verbindung wenig später bei Soulfly. Metal-Veteran Max Cavalera brachte gemeinsam mit seiner Band eine gehörige Portion Tribal-Power auf die Plaza Stage. Spätestens bei Klassikern wie „Back to the Primitive“,„Prophecy“ und „Jumpdafuckup“ zeigte sich, dass diese Songs auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Wirkung verloren haben.
Lamb of God zerlegen das Infield
Kurz darauf folgte auf der Main Stage das erste ganz große Highlight des Reload Festival 2026. Wer Lamb of God kennt, weiß, was Randy Blythe, Mark Morton und Co. live anrichten können – und Sulingen bekam die volle Ladung ab.
Der Bereich vor der Main Stage war proppevoll und vom ersten Moment an gab es nur eine Richtung: nach vorne. Mit „Ruin“ und „Laid to Rest“ starteten Lamb of God ohne Umwege in ein Best-of-Set, begleitet von Flammen, Feuerwerk und einem herausragenden Livesound. Überall im Infield entstanden Circle Pits, bis sich bei „Redneck“ schließlich nahezu der komplette A-Block zentral vor der Bühne in Bewegung setzte. Es war der bis dahin größte Circle Pit des Wochenendes und einer dieser Momente, in denen gefühlt niemand mehr stillstand.

Eine echte Machtdemonstration – und eine verdammt hohe Messlatte für alles, was an diesem Donnerstag noch folgen sollte.
Viel Zeit zum Durchatmen blieb anschließend nicht. Auf der Plaza Stage wartete bereits Zakk Wylde mit seiner Black Label Society. Ein volles Infield, mächtiger Groove und ein bestens aufgelegter Zakk Wylde machten auch diesen Auftritt zu einem Erlebnis. Und irgendwann stellt sich tatsächlich die Frage: Wann spielt dieser Mann eigentlich mal ein schlechtes Konzert?
Arch Enemy übernehmen die große Bühne
Um 23:30 Uhr gehörte die Main Stage schließlich Arch Enemy. „Pure Fuckin Metal“ prangte auf dem Bühnenvorhang, bevor die Band mit ihrer neuen Frontfrau Lauren Hart zum Angriff überging.
Erst vor wenigen Wochen hatten wir Arch Enemy mit Hart bei ihrer intensiven Clubshow in Köln erlebt. Nun zeigte sich auch in Sulingen, dass die neue Konstellation auf der großen Festivalbühne bestens funktioniert. Mit einem Best-of-Set quer durch verschiedene Epochen der Bandgeschichte, präsentierten sich Arch Enemy spielfreudig und souverän vor der großen Kulisse des Reload Festivals 2026.
Doch so stark Arch Enemy an diesem Abend auch aufspielten, an die Intensität von Lamb of God kamen sie nicht mehr ganz heran. Damit war die Entscheidung am Ende doch gefallen: Randy Blythe, Mark Morton und Co. waren für uns die unangefochtenen Könige des Donnerstags auf dem Reload Festival 2026.
Daran konnte schließlich auch Perturbator, die letzte Band des Donnerstags auf der Plaza Stage, nichts mehr ändern.
Freitag: 37 Grad, große Partys und die Macht des Metal Gods
Nach einer ruhigen Nacht im Zelt zeigte der Freitag schon früh, was er für die Besucher bereithalten sollte. Wo am Vortag noch ein stetiger Wind für etwas Abkühlung gesorgt hatte, stand die Luft nun nahezu still. Die Sonne brannte gnadenlos auf das Gelände und im Laufe des Tages sollte das Thermometer auf bis zu 37 Grad klettern. Es war bereits am Morgen klar: Dieser Festivaltag würde anstrengend werden.
Davon wollte um 9:30 Uhr allerdings niemand etwas wissen. Gutalax lockten bereits zu früher Stunde eine erstaunliche Menschenmenge vor die Plaza Stage. Weiße Overalls, Atemmasken, Pümpel, Klobürsten und Klopapier bestimmten das Bild, während sich die Fans zur morgendlichen Messe des Reload Festivals 2026 versammelten.

Als die ungarische Gore-Grind-Band schließlich die Bühne betrat, kannte die Party keine Grenzen mehr. Gutalax sind mittlerweile auf vielen Festivals Kult – und genau davon lebt dieser Auftritt. Selbst ein Dixi-Klo wurde über die Köpfe der Menge getragen, von einigen Crowdsurfern gekapert und kurzerhand als Tribüne vor der Bühne genutzt. Ein völlig absurdes Bild und gleichzeitig ein großartiges Booking für diesen frühen Festivalstart. Hier ging es weniger um musikalische Feinheiten als um maximalen Spaß.
Die volle Portion Grindcore lieferten anschließend die Excrementory Grindfuckers. Die Hannoveraner hatten sichtbar Freude an ihrem Auftritt – Musik machen bekanntlich andere.
Von den 2000ern bis zum japanischen Metal-Wahnsinn
Mit Alien Ant Farm wartete auf der Main Stage anschließend ein Überbleibsel der frühen 2000er-Jahre. Die Kalifornier spielten ein durchaus nettes Set zum Tagesstart, bevor zum Ende natürlich jener Song folgte, an dem bei dieser Band kein Weg vorbeiführt: „Smooth Criminal“.
Deutlich härter wurde es anschließend mit Fit For An Autopsy. Die US-Amerikaner lieferten zur Mittagszeit eine kompromisslose und energiegeladene Show ab, während die Besucher trotz praller Sonne in den Pits bereits ordentlich Schweiß ließen.
Ein völlig anderes Bild bot sich danach bei Broken By The Scream auf der Plaza Stage. Bereits einige Minuten vor dem eigentlichen Beginn starteten die Japanerinnen überraschend ihr Set, brachen jedoch wenig später aufgrund augenscheinlicher technischer Probleme wieder ab. Nach einem zweiten Anlauf folgte erneut eine Unterbrechung, ehe die Show schließlich richtig beginnen konnte.
Geboten wurde eine wilde Mischung aus choreografierten Tanzeinlagen und brachialen Vocals, die irgendwo zwischen der Inszenierung von Babymetal und der musikalischen Verrücktheit von Hanabie ihren Platz findet. Musikalisch blieb für uns noch Luft nach oben – der guten Stimmung vor der Bühne tat das allerdings keinen Abbruch.
Paleface Swiss vergessen die 37 Grad
Mit Paleface Swiss änderte sich die Intensität auf der Main Stage schlagartig. Die sympathischen Schweizer lieferten einen unfassbar druckvollen Auftritt ab und übertrugen ihre Energie unmittelbar auf das Infield. Crowdsurfer, Circle Pits und jede Menge Abriss bestimmten das Bild vor der Bühne.
Musikalisch präsentierte sich die Band enorm sicher und selbstbewusst, forderte diese Höchstleistung gleichzeitig aber auch vom Publikum ein. Für einige Minuten schienen selbst die mittlerweile erreichten 37 Grad keine Rolle mehr zu spielen. Ein beeindruckender Auftritt unter Bedingungen, bei denen eigentlich jede unnötige Bewegung vermieden werden sollte.
Mit Imminence folgte gegen 16:55 Uhr bereits der nächste Höhepunkt. Die Band um Eddie Berg hat sich längst einen festen Platz in der modernen Metal-Szene erarbeitet und zeigte auch in Sulingen, warum. Ihre Verbindung aus Metalcore und klassischen Elementen funktioniert live hervorragend und hielt die Stimmung vor der Main Stage weiter auf hohem Niveau.
Piraten, Vampire und australischer Rock’n’Roll
Danach durfte es etwas feuchtfröhlicher werden. Alestorm parkten ihre überdimensionierten Quietscheenten auf der Bühne und beförderten direkt zu Beginn eine riesige, mit Luft gefüllte Ente ins Infield, die anschließend wie ein gigantischer Wasserball über die Köpfe der Besucher durch die Menge wanderte. Die selbst ernannten Könige des Piratenmetals machten aus ihrem Auftritt eine kurzweilige Partystunde in der brütenden Hitze – inklusive steigender Lust auf einen Besuch an einer der umliegenden Bierbuden. Wer bei Alestorm keinen Spaß bekommt, dem ist vermutlich nur schwer zu helfen.
Einen der interessantesten Auftritte des Tages gab es wenig später auf der Plaza Stage. Kim Dracula präsentierte eine erstaunlich hochwertige Show und brachte seine eigenwillige Mischung aus Metal, Jazz und düsterer Vampir-Ästhetik auf die Bühne. Der Australier besitzt damit einen hohen Wiedererkennungswert – und wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, dürfte von ihm in den kommenden Jahren noch einiges zu hören sein.
Danach hieß es: Verstärker an und geradeaus. Airbourne brauchen weder komplizierte Konzepte noch große Experimente. Die Australier lieferten 75 Minuten schnörkellosen Rock’n’Roll mit enormer Spielfreude und genau jener Energie, für die ihre Shows bekannt sind. Natürlich durfte auch der obligatorische Ausflug von Joel O’Keeffe ins Publikum samt Dosenknallen nicht fehlen. Authentisch, wild und kompromisslos nach vorne – so einfach kann Rock’n’Roll manchmal sein.
Judas Priest zeigen, wer hier das Sagen hat
Doch eine Frage blieb: Wie sollte man diesen Festivaltag jetzt noch toppen?
Die Antwort darauf konnte eigentlich nur noch von einer Band kommen. Judas Priest betraten die Main Stage und machten sehr schnell deutlich, warum sie zu den wichtigsten Namen der Heavy-Metal-Geschichte gehören.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht irgendeine überladene Inszenierung, sondern das, worauf es bei einem solchen Konzert ankommt: mächtiger Sound, starkes Licht und eine Setlist voller großer Songs. „Breaking the Law“, „The Sentinel“, „Electric Eye“, „Hell Bent for Leather“ und „Living After Midnight“ trafen auf jüngeres Material wie „Panic Attack“ und spannten damit den Bogen durch Jahrzehnte Bandgeschichte.
Natürlich gehörte auch die obligatorische Fahrt mit den Motorrädern zur Show. Viel beeindruckender war jedoch RobHalford selbst. Mit 74 Jahren präsentierte sich der Metal God stimmlich in beeindruckender Verfassung und vermittelte zu keiner Sekunde den Eindruck, dass Judas Priest langsam ans Aufhören denken würden. Im Gegenteil: Auch ein kommendes Album der Briten wurde bereits angekündigt.
Judas Priest zeigten auf dem Reload Festival 2026, dass Heavy Metal keine Altersfrage ist. Nach einem langen Tag bei bis zu 37 Grad setzten die Briten spät am Abend noch einmal eine gewaltige Marke.
„The Priest will be back“ – und nach dieser Machtdemonstration hoffen wir doch sehr darauf. Für uns waren Judas Priest mit Abstand der stärkste Auftritt des Freitags.
Samstag: Abkühlung gefällig?
Nach zwei heißen Festivaltagen zeigte der Wettergott am Samstag endlich etwas Gnade. Die Temperaturen lagen rund zehn Grad niedriger als am Vortag und durch den nächtlichen Regen hatte sich auch die Staubsituation auf dem Gelände deutlich entspannt. Beste Voraussetzungen also für den letzten Tag des Reload Festivals 2026.
Schon auf dem Weg zum Infield kamen uns die ersten Polonaisen entgegen und verrieten, welche heiß diskutierte Band gegen 10 Uhr die Plaza Stage eröffnen sollte. Vengaboys auf einem Metalfestival? Was andernorts vermutlich undenkbar wäre, wurde in Sulingen einfach Realität.

Und das Booking ging komplett auf. Die Menschen standen teilweise bis in Richtung Haupteingang und verwandelten das Gelände vom ersten Song an in eine riesige Partyzone. „Boom, Boom, Boom, Boom!!“, „We’re Going to Ibiza!“ und „We Like to Party! (The Vengabus)“ waren offenbar auch den härtesten Metalheads bestens bekannt und wurden entsprechend abgefeiert. Man kann es eigentlich ganz einfach zusammenfassen: Es war einfach gut!
Die Euphoriewelle konnten From Fall To Spring anschließend leider nicht ganz mitnehmen. Zwar legte sich die Band aus Neunkirchen mächtig ins Zeug und auch die beiden Frontmänner suchten den direkten Weg ins Publikum, der Funke wollte an diesem Vormittag aber nicht vollständig überspringen.
Die nächste Generation übernimmt
Ganz anders sah das wenig später bei Vended auf der Main Stage aus. Die Slipknot-Sprösslinge Griffin Taylor und Simon Crahan lieferten eine mitreißende Performance und machten ordentlich Druck auf das Publikum. Besonders spannend war dabei Griffin Taylor, der seinem berühmten Vater Corey auf der Bühne erstaunlich ähnlich ist, ohne ihn bewusst zu kopieren. Mimik, Gestik und Bewegungen lassen die familiäre Verbindung immer wieder deutlich durchscheinen. Hier könnte in den kommenden Jahren noch etwas richtig Großes entstehen.
Die Messlatte hielten Dominum anschließend problemlos oben. Die Nürnberger präsentierten sich musikalisch wie optisch stark und zeigten mit ihrer markanten Monster-Ästhetik, warum sie derzeit zu den spannendsten neuen Namen im Power Metal gehören.
Nach einer kurzen Verpflegungspause ging es zurück zur Plaza Stage und zu Gaerea. Die Portugiesen brachten ihre düstere Ästhetik und jede Menge Energie nach Sulingen. Optisch ein wenig an die frühen Sleep Token erinnernd, verwandelte die Band aus Porto den Bereich vor der Bühne in eine dunkle Gegenwelt zum sonst so bunten Festivaltreiben. Getragen von Songs wie „Submerged“ funktionierte das erstaunlich gut.
The Ghost Inside lassen das Infield eskalieren
Die nächste Eskalationsstufe folgte auf der Main Stage mit The Ghost Inside. Erst eine Woche zuvor hatten wir die Band noch im deutlich kleineren Rahmen beim Open Air in Dortmund erlebt – in Sulingen durfte nun eine Nummer größer gedacht werden.
Und das tat der Band sichtlich gut. Meterhoch schossen bei Songs wie „Mercy“ und „Death Grip“ die Flammen aus dem Bühnenboden, während ein unfassbar druckvoller Sound über das Infield rollte. Vor allem die enorme Spielfreude der US-Amerikaner übertrug sich unmittelbar auf die Besucher. Circle Pits, Crowdsurfer und eine Stimmung nahe der völligen Eskalation machten diesen Auftritt zu einem der intensivsten des Samstags.
Avatar im Wolkenbruch
Besonders wurde es anschließend bei Avatar. Die Schweden um Johannes Eckerström sind ohnehin für ihre theatralischen Shows bekannt – doch ausgerechnet während ihres Auftritts öffnete der Himmel über Sulingen seine Schleusen.
Der plötzlich einsetzende Wolkenbruch machte die ohnehin bizarre Inszenierung noch surrealer. Wasser lief in Strömen von der Bühne, während Avatar unbeirrt ihre Show durchzogen. Dazu kamen Eckerströms deutsche Ansagen, bei denen der Sänger seine deutschen Wurzeln einmal mehr bühnentauglich zur Schau stellte. Songs wie „The Eagle Has Landed“ oder „Don’t Go in the Forest“ machten den Auftritt endgültig zu einem der besonderen Momente des Tages.
Ein vorletztes Mal führte unser Weg anschließend zur Plaza Stage, wo mit Agnostic Front echte New-York-Hardcore-Geschichte wartete. Roger Miret, Vinnie Stigma und Co. gingen 40 Minuten lang in die Vollen und ließen den Bereich vor der Bühne ordentlich eskalieren. Bei einem Backkatalog mit Stücken wie „Peace“ und „Gotta Go“ musste man sich über die Reaktionen allerdings auch nicht wundern.
Weniger überzeugen konnten uns danach Godsmack. Die Band um Sully Erna wirkte an diesem Abend stellenweise etwas uninspiriert und konnte die Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Schade, denn hier wäre für uns deutlich mehr möglich gewesen.
Ein Schwan mit optischen Nebenwirkungen
Bei Amorphis auf der Plaza Stage sorgte anschließend zunächst das Bühnenbild für Aufmerksamkeit. Hinter der Band thronte das Skelett eines überdimensionierten Schwans – dessen Positionierung Sänger Tomi Koivusaari bei breitbeinigem Stand allerdings optisch ein wenig zum Verhängnis wurde. Aus dem richtigen Blickwinkel verwandelte sich der lange weiße Schwanenhals plötzlich in einen gigantischen Phallus. Ein Anblick, den man vermutlich nicht unbedingt so geplant hatte.
Musikalisch gab es dagegen wenig Anlass für derartige Nebengedanken. Die Finnen zeigten, was sie über Jahrzehnte zu einer festen Größe der Metal-Szene gemacht hat, und die Begeisterung vor der Plaza Stage war entsprechend spürbar.
In Flames setzen den Schlusspunkt des Reload Festival 2026
Und dann blieb nur noch eine Band.
In Flames hatten die Aufgabe, drei Tage Reload Festival 2026 auf der Main Stage zu beenden – und die Göteborger machten daraus einen würdigen Abschluss. Bereits die große LED-Konstruktion verlieh der Bühne eine starke Optik, während der glasklare und gleichzeitig druckvolle Sound auch die letzten Energiereserven im Infield mobilisierte.
Die Schweden spannten dabei den Bogen durch verschiedene Phasen ihrer Bandgeschichte. Neben neuerem Material sorgten insbesondere „Colony“ und „Artifacts of the Black Rain“ für einen Ausflug zurück zu den Wurzeln. Dazu kamen Songs wie „Only for the Weak“, „The Mirror’s Truth“ und „I Am Above“, die noch einmal große Teile des Infields in Bewegung brachten.
Zum endgültigen Finale erklang „Take This Life“ – und über den Köpfen der Besucher explodierte das große Höhenfeuerwerk im Nachthimmel über Sulingen.
Musik, Licht, Feuerwerk und nach drei langen Tagen auch eine gehörige Portion Emotionen: In Flames fanden genau die richtigen Bilder für das Ende des Reload Festivals 2026.
Damit endeten drei intensive Tage in Sulingen. Drei Tage voller Hitze, Staub, Regen, Moshpits, überraschender Bookings, großer Metal-Legenden und einer Festivalgemeinschaft, die trotz 20.000 Besuchern erstaunlich familiär geblieben ist.
Wir möchten uns deshalb ausdrücklich bei der gesamten Reload-Familie, allen Helfern und Beteiligten für drei wundervolle Tage in Sulingen bedanken. Wir freuen uns bereits auf das kommende Jahr.
DANKE!
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Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.
























































































































