Das Pinkpop 2026 startet in Landgraaf (NL) und hat sich über die Jahrzehnte zu einer festen Institution in der europäischen Festivalwelt entwickelt. Während viele Festivals ihre Identität klar über ein bestimmtes Genre definieren, geht Pinkpop seit jeher einen anderen Weg. Im Megaland von Landgraaf treffen Rockfans auf Popliebhaber, Metalheads auf Familien und junge Festivalbesucher auf Menschen, die das traditionsreiche niederländische Festival bereits seit Jahrzehnten begleiten. Gerade diese Mischung macht den besonderen Charakter von Pinkpop aus.
Bei hochsommerlichen 37 Grad startete das Festivalwochenende unter herausfordernden Bedingungen. Die drückende Hitze bestimmte zwar den Tag, konnte der guten Stimmung auf dem Gelände jedoch nichts anhaben.
Ski Aggu brachte die Tent Stage in Bewegung
Unser persönlicher Einstieg in den ersten Festivaltag erfolgte auf der Tent Stage, wo Ski Aggu bereits vor einem bestens aufgelegten Publikum auftrat.
Der Berliner lieferte vom ersten Song an die Energie, die man von seinen Konzerten kennt. Besonders bemerkenswert war dabei die Reaktion des niederländischen Publikums. Obwohl die Texte ausschließlich auf Deutsch vorgetragen wurden, zeigte sich schnell, dass viele Besucher erstaunlich textsicher waren. Zwischen Party-Hymnen, Sonnenbrillen-Ästhetik und ausgelassener Stimmung verwandelte sich das Zelt binnen kürzester Zeit in eine einzige Tanzfläche.
Dabei wurde nicht nur gehüpft, sondern – ganz wie man es von niederländischen Großveranstaltungen kennt – auch gemeinschaftlich nach links und nach rechts gefeiert. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass die Besucher in Landgraaf bereit waren, jeden Moment des Festivalwochenendes auszukosten.
Ecca Vandal überzeugte und Electric Callboy traf auf ein besonderes Publikum
Im Anschluss führte der Weg zur Stage 4, wo Ecca Vandal auftrat. Zu Beginn ihres Sets wirkte die Fläche vor der Bühne noch überraschend leer. Doch dieser Eindruck hielt nicht lange an. Mit den ersten Songs gelang es der Australierin schnell, die Aufmerksamkeit der vorbeiziehenden Festivalbesucher auf sich zu ziehen. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Zuschauermenge deutlich an und die Performance entwickelte sich zu einem gelungenen Auftritt am frühen Nachmittag.
Währenddessen sorgte die niederländische Pop-Sensation Roxy Dekker auf der South Stage für enorme Besucherzahlen. Schon aus der Entfernung wurde deutlich, welchen Stellenwert die Sängerin mittlerweile in ihrer Heimat erreicht hatte.
© Tilo Sief
Auf der North Stage liefen zu diesem Zeitpunkt bereits die Vorbereitungen für Electric Callboy. Wie gewohnt blieb die Bühne zunächst hinter einem großen Vorhang verborgen, ehe die Band aus Castrop-Rauxel ihre Show eröffnete.
Musikalisch lieferten Electric Callboy ein gewohnt starkes Set ab. Gleichzeitig zeigte sich hier ein interessanter Unterschied zwischen deutschem und niederländischem Publikum. Während bei Auftritten in Deutschland häufig die Metalcore-Elemente und Breakdowns im Mittelpunkt standen, schienen die Besucher in Landgraaf vor allem die elektronischen Einflüsse und tanzbaren Passagen zu feiern. Das sorgte für eine etwas andere Dynamik vor der Bühne, ohne der Stimmung einen Abbruch zu tun.
Auch die Produktion wirkte etwas kompakter als zuletzt beim umjubelten Auftritt der Band bei Rock am Ring 2026. Der Begeisterung der Zuschauer tat dies jedoch keinen Abbruch.
Pinkpop bleibt Europas vielleicht vielfältigstes Festival
Was während des Tages immer wieder auffällt, ist die außergewöhnliche Zusammensetzung des Publikums.
Vom jungen Festivalbesucher mit seinen Eltern bis hin zum älteren Ehepaar ist praktisch jede Altersgruppe vertreten. Hinzu kommen Besucher aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen. Genau diese Vielfalt macht einen großen Teil des besonderen Pinkpop-Flairs aus.
Anders als viele genreorientierte Festivals lässt sich Pinkpop kaum in eine musikalische Schublade stecken. Rock, Pop, Hip-Hop, Alternative, Metal oder elektronische Musik – nahezu jede Stilrichtung findet hier ihren Platz.
Ein gutes Beispiel dafür lieferte Zara Larsson. Die schwedische Sängerin präsentierte auf der Hauptbühne eine perfekt inszenierte Pop-Show und wurde von großen Teilen des Publikums gefeiert. Zahlreiche Besucher sangen die Songs Wort für Wort mit und verwandelten das Gelände zeitweise in ein riesiges Open-Air-Popkonzert. Für Freunde härterer Gitarrenmusik mochte dies zunächst ungewohnt wirken, doch genau diese stilistische Vielfalt gehörte seit Jahrzehnten zur DNA des Festivals.
Teddy Swims sorgte für den emotionalen Höhepunkt des Tages
Nach einer kurzen Pause auf der Tuinterras wartete eines der großen Highlights des Freitags.
Mit Teddy Swims betrat ein Künstler die Hauptbühne, dessen Karriere in den vergangenen Jahren geradezu explodiert war. Der schwer tätowierte US-Amerikaner nutzte die gesamte Breite der Bühne, die für seinen Auftritt sogar in eine Art Wohnkulisse verwandelt worden war.
Doch letztlich spielt all das nur eine Nebenrolle.
© Tilo Sief
Im Mittelpunkt stand die außergewöhnliche Stimme des Sängers. Mit einer beeindruckenden Mischung aus Soul, Pop und R&B gelang es Teddy Swims mühelos, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Seine Songs wurden leidenschaftlich vorgetragen und von den Zuschauern entsprechend gefeiert.
Es war beeindruckend zu beobachten, welche Wirkung ein einzelner Künstler allein mit seiner Stimme entfalten konnte. Am Ende des Tages sollte sich dieser Auftritt für uns als persönliches Highlight des Freitags herausstellen.
Wer viel feiert, braucht auch Abkühlung
Wer zwischendurch eine Pause benötigt, findet auf dem Pinkpop 2026 eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Körpertemperatur zu senken. Wer ein Ticket für die sogenannte Tuinterras ergattern konnte, hat die Möglichkeit, einen der wohl schönsten Rückzugsorte des gesamten Festivals zu besuchen.
Während das Pressezelt dahinter funktional wirkt und mit seinen begrenzten Sitzmöglichkeiten eher pragmatischen Charakter besitzt, überzeugt die liebevoll gestaltete Gartenanlage mit entspannter Atmosphäre, Schattenplätzen und einem umfangreichen gastronomischen Angebot. Gerade an einem derart heißen Festivaltag entwickelt sich die Tuinterras schnell zum perfekten Ort, um kurz durchzuatmen und neue Energie für die nächsten Konzerte zu sammeln.
The Plot In You bachten die Tent Stage zum Beben
Während auf den großen Bühnen die letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen wurden, zog es uns erneut in die Tent Stage.
Dort übernahmen The Plot In You das Kommando und lieferten einen der intensivsten Auftritte des Tages ab. Unterstützt von großformatigen Visualisierungen auf einer riesigen Leinwand entstand eine eindrucksvolle Atmosphäre, die besonders in der Dunkelheit des Zeltes ihre volle Wirkung entfaltete.
Auch wenn die Tent Stage zu diesem Zeitpunkt nur etwa zur Hälfte gefüllt war, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Die anwesenden Fans feierten die Band lautstark und die Musiker bedankten sich sichtbar für die Unterstützung.
© Tilo Sief
Twenty One Pilots trotzten dem Gewitter
Zum Abschluss des Tages wartete schließlich einer der größten Namen des gesamten Festivals.
Twenty One Pilots übernahmen die Hauptbühne und präsentierten eine Show, die von der ersten Minute an bis ins kleinste Detail durchinszeniert wirkte. Pyrotechnik, aufwendige Bühnenbilder und zahlreiche publikumsnahe Momente sorgten dafür, dass die Zuschauer schnell in den Bann des US-amerikanischen Duos gezogen wurden.
Besonders eindrucksvoll wirkten die spektakulären Einlagen auf einem über die Menschenmenge getragenen Board sowie die martialisch anmutenden Kostüme, die der Show eine zusätzliche visuelle Ebene verliehen.
© Ben Houdijk Official PinkPop
Die South Stage war hervorragend gefüllt und das Publikum begleitete die Band von Beginn an lautstark durch den Auftritt. Viele Besucher machten sich zwar bereits auf den Weg zurück zu den Campingplätzen oder Parkflächen, doch der Großteil der Zuschauer blieb bis zum Schluss und feierte die Performance entsprechend.
Mitten im Konzert folgte dann jedoch eine unerwartete Wendung. Dunkle Wolken zogen über das Festivalgelände und entluden sich schließlich in einem kräftigen Gewitterschauer. Nach einem extrem heißen Tag sorgte der Regen für die dringend benötigte Abkühlung und bildete gleichzeitig eine fast schon surreale Kulisse für den Abschluss des ersten Festivaltages.
Vorfreude auf Tag zwei
Damit endete ein erster Pinkpop-Tag, der eindrucksvoll zeigte, weshalb das traditionsreiche niederländische Festival seit Jahrzehnten eine Sonderstellung in der europäischen Festivallandschaft einnimmt.allandschaft einnimmt.
Von Ski Aggu über Electric Callboy bis hin zu Teddy Swims und Twenty One Pilots bot der Freitag eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite, die man in dieser Form nur selten erlebt. Genau diese Mischung aus unterschiedlichsten Genres, Generationen und Kulturen macht den besonderen Reiz des Festivals in Landgraaf aus.
Am Samstag warten mit The Cure, Franz Ferdinand, Editors, IDLES, Sofi Tukker und Halsey bereits die nächsten Hochkaräter auf die Besucher. Die Vorfreude auf den zweiten Festivaltag könnte daher kaum größer sein.
PinkPop Impressionen Tag1
Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.






























