NOAF 2026: Von Pommes bis SAXON – so rockte das Festival

NOAF im Scheinwerferlicht beim Konzert – Credit: Kevin Richter

Es wurde Zeit für ein weiteres Festivalwochenende, denn ganz vorbei war die Saison schließlich noch nicht. In Wörrstadt bei Mainz feierte das Neuborn Open Air Festival, kurz NOAF, in diesem Jahr bereits sein 20. Jubiläum. Zwei Tage lang, am Freitag und Samstag, standen hier Live-Musik und Festivalstimmung auf dem Programm. Für mich war es dagegen eine Premiere: Zum ersten Mal ging es zum NOAF, und die Vorfreude war groß, nicht zuletzt, weil das Festival vergleichsweise nah lag und mit einem richtig starken Line-up aufwartete.

Nach rund 45 Minuten Fahrt erreichten wir den kostenlosen Parkplatz auf einem Feld. Von dort waren es gemütliche zehn Minuten zu Fuß bis zum Festivalgelände. Der Weg führte an Teilen des Campingplatzes vorbei und war durchgehend gut ausgeschildert, sodass die Orientierung auch beim ersten Besuch kein Problem darstellte. Auf dem Gelände fiel zunächst die große Bühne ins Auge, ebenso wie die zahlreichen Sitzgelegenheiten, die über das Areal verteilt waren.

Dazu kamen einige Merchstände sowie Essen, das vor Ort selbst zubereitet wurde, und Getränke zu erfreulich vernünftigen Preisen. Auch die Crew hinterließ direkt einen positiven Eindruck: freundlich, hilfsbereit und bestens organisiert. Für meinen ersten Besuch beim NOAF waren das schon einmal ziemlich gute Voraussetzungen. Das konnte eigentlich nur gut werden.

Dann wurde es langsam Zeit für die Musik. Insgesamt 15 Bands standen beim NOAF 2026 auf dem Programm, und musikalisch wurde einiges geboten. Von Old-School-Heavy-Metal über Hardcore und Death Metal bis hin zu progressiveren und experimentelleren Klängen war nahezu alles vertreten. Besonders freute ich mich bereits auf den morgigen Samstag mit Größen wie SAXON und GRAND MAGUS, doch auch der Freitag hatte mit SKINDRED, GRAVE DIGGER, NERVOSA und PALEFACE SWISS einiges zu bieten.

Und schon ging es los: Mit TRUTH GRIP übernahm eine Frankfurter Hardcore-Band die Aufgabe, das Festival musikalisch zu eröffnen. Als erste Band des Tages vor einem noch ankommenden Festivalpublikum zu stehen, war sicherlich keine leichte Aufgabe, doch TRUTH GRIP wussten mit harten Riffs und aggressiven Vocals schnell zu überzeugen und sorgten für den ersten ordentlichen Energieschub des Wochenendes.

Zwischen Pommes, Fotograben und jeder Menge Metal

So viel Bewegung machte allerdings auch hungrig, also wurde es Zeit für eine Portion Pommes. Funktionierte schließlich im Freibad genauso gut wie auf einem Metalfestival. Und genau hier zeigte sich bereits eine der schönen Seiten des NOAF: Egal, wo man sich zum Essen niederließ oder einfach eine kleine Pause einlegte, irgendwie kam man immer mit jemandem ins Gespräch. Die Atmosphäre fühlte sich schon nach kurzer Zeit angenehm familiär und unkompliziert an.

Viel Zeit zum Sitzen blieb allerdings nicht, denn als Nächstes ging es für mich in den Fotograben – und darauf freute ich mich ganz besonders. Mit NERVOSA stand schließlich eine meiner persönlichen Lieblingsbands auf der Bühne. Die brasilianische Thrash-Metal-Band steht für rohe Aggressivität und ungezähmte Power, und genau das bekam das NOAF auch zu spüren. Live glich die Band einem wuchtigen Faustschlag: scharfe Riffs, kompromisslose Energie und jede Menge Headbanging-Material. Ein Auftritt, bei dem es schwerfiel, hinter der Kamera stillzuhalten.

Nach diesem energiegeladenen Auftritt wurde es Zeit für etwas Flüssiges, für mich allerdings nur eine Limo oder Wasser, schließlich war der Tag noch lang. Auf dem Weg entlang der Absperrung Richtung Getränkestand entdeckte ich aus dem Augenwinkel plötzlich ein paar winzige Entenfiguren. Natürlich musste eine davon direkt mitkommen. Kleine Festival-Souvenirs findet man eben manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Für das leibliche Wohl wurde beim NOAF mit Wertmarken bezahlt, die man sich zuvor an der Kasse holen konnte. Dort gab es übrigens auch schon die Early-Bird-Tickets für das kommende Jahr. An Vorausplanung mangelt es hier also definitiv nicht.

Mit einem Getränk in der Hand bot sich anschließend die Gelegenheit, noch ein wenig über das Gelände zu schlendern und zu schauen, was für schicke Kutten sich ihren Weg über das Festival bahnten. Doch genug Pause, es wurde schließlich auch gearbeitet. Mit GRAVE DIGGER stand als Nächstes eine echte deutsche Heavy-Metal-Institution auf der Bühne. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir beim Sinnerrock mit der Band arbeiten können, und wenn GRAVE DIGGER eines konnten, dann war es, die Menge mit epischen Melodien und ehrlichem Heavy Metal mitzureißen. Auch beim NOAF dauerte es nicht lange, bis genau diese Energie das Publikum erfasste.

Als die Nacht hereinbrach: PALEFACE SWISS und SKINDRED

Das Line-up des NOAF zeigte weiterhin, wie breit das Festival musikalisch aufgestellt war. Hier dürfte nahezu jeder irgendwo seinen persönlichen Favoriten gefunden haben. Und nachdem ich heute sogar schon meine Begleitung und Fotografen samt Kamera crowdsurfend über der Menge bei einem grandiosen Set von ELWOOD STRAY entdecken durfte, stellte sich langsam die Frage, was dieser Abend noch alles bereithielt.

Inzwischen wurde es auch immer dunkler, und damit begann für mich eine der schönsten Zeiten eines Festivaltages. Die Lichter der Bühne gewannen an Intensität, die Musik umhüllte einen noch ein Stück mehr und während der Abend immer später wurde, stellte sich dieses ganz besondere Festivalgefühl ein. Einfach wunderbar.

Ruhiger wurde es deshalb allerdings noch lange nicht. Mit PALEFACE SWISS stand als Nächstes eine Band auf der Bühne, die dafür denkbar ungeeignet war. Die Schweizer kombinieren Beatdown-Hardcore mit Deathcore, Slam und Metalcore und feuerten massive Breakdowns, tiefe Growls und aggressive Riffs über das Gelände. Ein Sound, der geradezu danach verlangte, dass sich vor der Bühne etwas bewegte.

Ein weiterer Vorteil des Fotograbens bei einer solchen Band? Für gewöhnlich befand man sich dort zumindest einigermaßen außerhalb des Chaos, jedenfalls so lange, bis die ersten Crowdsurfer über die Absperrung kamen. Genau hier zeigte sich an diesem Abend allerdings auch ein Schwachpunkt: Die Security wirkte beim Umgang mit der Menge und den ankommenden Crowdsurfern zeitweise deutlich überfordert. Gerade bei einem derart intensiven Set wäre an dieser Stelle etwas mehr Aufmerksamkeit und Koordination wünschenswert gewesen.

Wisst ihr was? Da waren wir tatsächlich schon bei der letzten Band angekommen. Wie schnell war dieser erste Festivaltag bitte vergangen? Als Headliner des Freitags standen SKINDRED auf der Bühne. Die Waliser verbanden Metal mit Reggae, Punk und elektronischen Einflüssen, und das bedeutete vor allem eines: noch einmal alles mobilisieren, was nach diesem langen Tag noch stehen und sich bewegen konnte.

Passend dazu wurden vom Festival Knicklichter in der Menge verteilt, während auch einige Besucher selbst welche mitgebracht hatten. Natürlich musste ich mir ebenfalls direkt ein paar besorgen. Als die kleinen Lichter schließlich überall vor der Bühne auftauchten, bekam die ohnehin ausgelassene Stimmung noch einmal einen ganz eigenen Charakter.

SKINDRED lieferten dazu eine bombastische Headliner-Show ab, bei der auch der eine oder andere Kostümwechsel nicht fehlen durfte. Bewegen wir uns nach einem kompletten Festivaltag trotzdem noch zu den Beats? Absolut. Irgendwo ließen sich schließlich immer noch ein paar letzte Energiereserven finden.

Nach etwa der Hälfte des Sets hieß es für uns dennoch, langsam Abschied zu nehmen. Schließlich begann das Ganze morgen noch einmal eine Stunde früher, und ein kompletter zweiter Festivaltag wartete auf uns.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz zeigte sich noch einmal, wie gut an viele kleine Dinge gedacht worden war: Bis zum Auto wurde der Weg von hellen Lichtgeneratoren ausgeleuchtet, was den Rückweg über das Gelände ausgesprochen angenehm machte. Im Auto angekommen, fielen mir dann doch für einen Moment die Augen zu. Der erste Tag meines ersten NOAF war geschafft, und am nächsten Tag ging es direkt weiter.

Gute Nacht und bis morgen.

Samstag: Käsespätzle, Enten und ein musikalischer Genre-Mix

Guten Morgen! Tag zwei begann zunächst mit der schmerzhaften Realisierung, wie alt man eigentlich geworden war, Rückenschmerzen inklusive. Aber davon ließen wir uns natürlich nicht aufhalten. Also hieß es wieder: Motivation sammeln und zurück auf den Festivalplatz.

Den heutigen Eröffnungsact kannte ich bereits und wusste deshalb ziemlich genau, was uns erwartete. Mit MONOSPHERE startete eine Progressive-Metalcore-Band aus Mainz in den Samstag und brachte direkt ordentlich Power in den zweiten Festivaltag. Lediglich der Sound machte zu Beginn noch nicht ganz mit: Der Gesang war zunächst etwas ungünstig abgemischt und dadurch stellenweise nur schwer verständlich. Der energiegeladene Start in den Tag gelang trotzdem.

Und wie es sich mittlerweile fast schon gehörte, folgte auf die erste Band zunächst etwas zu essen und zu trinken. Heute fiel die Wahl auf eine riesige Portion Käsespätzle, schließlich braucht so ein zweiter Festivaltag eine vernünftige Grundlage. Dazu gab es eine kleine Diskussionsrunde darüber, welche Auftritte des Wochenendes bisher am meisten überzeugen konnten und worauf wir uns heute noch besonders freuten. Denn mit Tag zwei hatte das NOAF schließlich noch einiges vor.

Ich hatte ja bereits am Freitag von den kleinen Entenfiguren erzählt, heute gab es das Ganze dann noch eine Nummer größer. Dieses Mal sogar mit dem Namen des Festivals darauf. Ich liebte solche kleinen Details einfach, und natürlich durfte auch diese Ente nicht fehlen.

Aber zurück zu dem, wofür wir eigentlich hier waren: Ab in den Fotograben für die nächste Band. Mit KRYN stand eine kroatische Metalband auf der Bühne, die mit tiefem Gebrüll, druckvollen Riffs und ordentlich Energie schnell meine Aufmerksamkeit bekam. Ganz unbekannt war zumindest ein Gesicht auf der Bühne beim NOAF allerdings nicht, denn der Gitarrist war bereits im vergangenen Jahr mit COLD SNAP hier zu Gast gewesen.

KRYN schafften es jedenfalls, mich während ihres Sets richtig zu überzeugen, und damit stand auch direkt der nächste Programmpunkt fest: Merch besorgen. Wie könnte man schließlich über ein Metalfestival laufen, ohne am Ende mit irgendwelchen CDs oder Patches nach Hause zu kommen?

Danach brauchte ich allerdings erst einmal eine Pause. Der gestrige Tag steckte mir noch deutlich in den Knochen, und auch die Sonne zeigte sich inzwischen wieder mit ordentlich Kraft. Also hieß es für einen Moment: Schatten suchen, hinsetzen und die Energiereserven auffüllen.

Zu CHAPEL OF DISEASE war ich dann wieder voll da. Die deutsche Band brachte mit ihrer progressiven Mischung aus Deathmetal, Classicrock der 1970er-Jahre und traditionellem Heavy Metal noch einmal einen völlig anderen Vibe auf das Festival. Statt sich klar in eine Schublade stecken zu lassen, trafen hier unterschiedliche musikalische Welten aufeinander und sorgten für eine willkommene Abwechslung im bisherigen Tagesprogramm.

Und wenn wir schon von unterschiedlichen Vibes beim NOAF sprachen, mussten wir eigentlich direkt die nächste Band mit hineinnehmen. Mit THE REAL McKENZIES könnte der Kontrast schließlich kaum größer sein. Die schottisch-kanadische Punkband stand stilecht im Kilt auf der Bühne und hatte mit ihrem Mix aus Punk und Dudelsack das Publikum schnell vollkommen im Griff.

Die Stimmung vor der Bühne veränderte sich erneut, doch die Begeisterung blieb. Genau das war etwas, das ich an diesem Festival inzwischen wirklich zu schätzen gelernt hatte. Innerhalb kürzester Zeit ging es von progressivem Deathmetal zu ausgelassenem Punk mit Dudelsack, und irgendwie funktionierte beides vor demselben Publikum. Beim NOAF schien es weniger darum zu gehen, sich auf ein bestimmtes Genre festzulegen, sondern einfach gemeinsam gute Musik zu feiern.

GRAND MAGUS, SAXON und ein würdiger Festivalabschluss

Wie bitte, nur noch zwei Bands? Festivals wirkten im Vorfeld immer so lang, und wenn man erst einmal mittendrin steckte, schienen die Tage plötzlich wie im Flug zu vergehen. Langsam setzte diese ganz eigene Festivalmelancholie ein, wenn man wusste, dass das Ende näher rückte.

Aber hey, noch standen zwei Bands auf dem Programm, und die hatten es definitiv in sich. Mit GRAND MAGUS läutete eine schwedische Heavy-Metal-Institution den restlichen Abend ein. Für mich war dieser Auftritt etwas ganz Besonderes, denn die Band endlich einmal live zu erleben, war schon lange ein kleiner Traum.

Also ging es zunächst pflichtbewusst mit der Kamera in den Fotograben und danach direkt mitten hinein in die Menge. Für den Rest des Sets durfte die Arbeit dann einfach mal Arbeit sein. Jetzt wurde mitgesungen, die Musik aufgesogen und der Moment genossen. Manchmal wollte man einen Auftritt eben nicht durch die Linse erleben, sondern einfach mittendrin stehen und ihn fühlen. Und bei GRAND MAGUS war genau das für mich der Fall.

Und dann kam der Moment, auf den an diesem Wochenende wohl viele gewartet hatten: SAXON betraten die Bühne. Eigentlich sollte die legendäre Band aus Yorkshire bereits im vergangenen Jahr beim NOAF auftreten, musste den Auftritt 2025 jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme von Sänger Biff Byford absagen.

Umso schöner war es, ihn nun wohlauf auf der Bühne zu sehen, und offensichtlich war er bestens gelaunt. Immer wieder landeten die Kutten der Fans bei ihm auf der Bühne, die er stolz in die Höhe hielt, bevor es musikalisch weiterging.

Konzertfoto von Grand Magus - Neuborn Open Air 2026

Und SAXON zeigten eindrucksvoll, warum sie auch nach Jahrzehnten zu den prägenden Vertretern der New Wave of British Heavy Metal gehörten. Hier trafen Erfahrung und spielerische Klasse auf echte Spielfreude, große Emotionen und genau diesen ehrlichen Old-School-Heavy-Metal, für den die Band seit Jahrzehnten steht.

Vor der Bühne wurde gesungen, gefeiert und jeder bekannte Ton mitgenommen. Ein Auftritt, der sich nicht nach bloßer Nostalgie anfühlte, sondern nach einer Band, die ihre Musik noch immer mit voller Überzeugung lebte.

Das Gefühl nach dem Ende eines Festivals war schon irgendwie seltsam. Man war müde, die Füße und der Rücken hatten längst genug, und trotzdem wollte man noch nicht so richtig, dass es vorbei war. Also wurde noch eine Weile zusammengesessen, geredet und etwas getrunken, bevor es schließlich doch langsam Richtung Auto ging und die ersten Verabschiedungen anstanden.

Und was soll ich nach meinem ersten NOAF sagen? Ich hatte mich hier einfach wohlgefühlt. Die Crew hatte sich über das gesamte Wochenende unglaublich ins Zeug gelegt, um ein tolles Festival auf die Beine zu stellen, die Atmosphäre war angenehm familiär und das Line-up mit seinen unterschiedlichsten Genres schlichtweg grandios. Gerade diese Mischung hatte für mich einen großen Teil des Charmes ausgemacht.

Zwei Tage zuvor war ich noch gespannt auf ein für mich völlig neues Festivalgelände gelaufen. Jetzt ging es müde, zufrieden und mit einigen neuen Erinnerungen – und natürlich ein paar Enten – zurück zum Auto.

Mein erstes NOAF? Ganz bestimmt nicht mein letztes.

Impressionen NOAF 2026

jennifer

Jennifer Richter

Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.

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