Seit 20 Jahren findet in Wörrstadt, in der Nähe von Mainz, das Neuborn Open-Air-Festival, oder auch kurz NOAF statt. Die 19. Ausgabe wurde 2025 am 29. & 30.08.2025 ausgerichtet, mit einem wirklichen starken Line-up. Nach der kurzfristigen Absage von Saxon, die eigentlich am Freitag als Headliner geplant waren, wurde kurzerhand niemand geringeres als die Deutsche Metal-Legende Udo Dirkschneider verpflichtet. An dieser Stelle auch noch mal die besten Genesungswünsche an Biff Byford von Saxon.
Warm Up am Donnerstag
Donnerstags gab es schon eine kleine Warm-Up Party, mit den Tribute Bands Pimpblitzkid (Limp Bizkit Tribute) und Interstellar Overdrive (Pink Floyd Tribute). Hier war ich aber noch nicht zugegen, aber der Vollständigkeit sei es hier erwähnt.
Der erste „vollständige“ Festivaltag am Freitag startete dann, nachdem der mit Foto personalisierte Fotopass geholt wurde, um 14:45 mit unseren Freunden von Leyka aus Mainz. Obwohl erfahrungsgemäß bei einem Opener noch relativ wenig los ist, erschienen die NOAF Fans schon zahlreich, um harten Metalcore mit Circlepits, Headbanging und sogar kleinen Crowdsurf Einlagen zu beginnen. Was ein Start ins Wochenende!
Mit den Thrash Metallern Traitor aus Balingen wurde es Oldschooliger. Im Stile der klassischen big 4 des Thrashs gab es Headbangermusik vom Feinsten und nach zwei Bands schon eine gute Abwechslung.
Ein weiteres Genre wurde von den Dark Rock Urgesteinen von Lacrimas Profundere zum NOAF gebracht. Die Band die schon seit 1993 aktiv ist, trotzte der Wärme mit einem energiegeladenen Auftritt. Sänger Julian Larre tobte die Bühne rauf und runter und ließ es sich auch nicht nehmen über die Absperrung zu klettern und mitten im Publikum zu performen.
Strandstimmung im Regen
Aufziehende Wolken konnten vielleicht das Wetter trüben, aber nicht die Stimmung der Fans von April Art. Die Gießener hatten, passend zur aktuellen Single „Karma is a Beach“, das Schlagzeug mit Palmen und Lichterketten in eine Tropenoase verwandelt. Das Quartett rund um Frontfrau Lisa lieferte wie immer eine schweißtreibende Performance und animierte das Publikum auch dazu sich noch mehr als eh schon zu bewegen.
Das Band typische Rot wurde von gleichfarbigen Bällen, die durchs Publikum flogen, noch mehr betont und Lisa ließ es sich ebenfalls nicht nehmen sich auf den Schultern eines Fans durchs Publikum tragen zu lassen. Ein aufkommender Regenschauer trieb einige Zuschauer zwar zum Unterstand ins Trockene, aber April Art ließen in ihrer Performance nicht nach. Zum Ende des Sets war der Regen auch schon wieder vorbei.
Passend zur aufgekommenen Partystimmung waren nun die Samurai Pizza Cats dran. Der Name der Band wurde übrigens einer 90er Jahre Anime Serie entnommen. Der Stil der Pizza Cats war Metalcore mit einigen Elektro Elementen und definitiv für Party und gute Stimmung geeignet. Auch erspähte Sänger Sebastian einen Fan im Einhornkostüm, der wohl schon einige Samurai Pizza Cats Shows besucht hatte und ernannte ihn kurzerhand zum Mittelpunkt des nächsten Circle Pits. Sehr, sehr starker Auftritt und da ich die Band vorher nicht kannte, waren sie meine Entdeckung des Tages.
Legenden am Freitagabend
Anschließend kam die erste Legende auf die Bühne: Phil Campbell and the Bastard Sons ist niemand geringeres als der langjährige Motörhead Gitarrist mit seinen 3 Söhnen und Joel Peters am Mikrofon. Letzterer wurde aber beim NOAF durch einen anderen Sänger vertreten (Name ist mir leider entfallen, sorry). Da Motörhead dieses Jahr 50 Jahre werden würde, spielte die Campbell Familie ausschließlich Klassiker von Phils einstiger Band. Logischerweise wurden Hits wie „Ace of Spades“ oder „Overkill“ frenetisch bejubelt, mitgesungen und mit diversen Pits zelebriert. Mit knapp 60 Minuten war das Ganze auch schon ein Headliner Set.
Aber selbst mit so einem Hochkaräter war noch nicht Ende am ersten Tag. Wie erwähnt sprang niemand geringeres als Udo Dirkschneider als Headliner für Saxon ein. Saxon werden ihren Auftritt aber nächstes Jahr nachholen, das wurde bereits bekannt gegeben.
Dirkschneider und seine Band legten direkt mit alten Klassikern los, u. a. „Midnight Mover“ und spielten zum 40. Jubiläum von „Balls to the Walls“ das komplette Album. Das gefiel natürlich der Menge, da das Album wohl so ziemlich jedem Metalhead komplett oder teilweise bekannt sein dürfte. Und die Chance das komplette Album live beim „Original“ zu sehen und zu hören, hatte man ja auch nicht alle Tage. Starkes Set.
Damit geht der Freitag zu Ende und ich denke mir, dass es schwer wird, das am Samstag zu toppen.

Thrash Opening am Samstag
Der Samstag wurde schon um 13:45 von Warfield eröffnet. Das Trio aus Kaiserslautern spielte ähnlich wie Traitor am Vortag oldschooligen Thrash Metal im Stile der Big 4, aber natürlich beide Bands mit einem eigenen wiedererkennbaren Touch. Wie schon am Freitag, war die Stimmung auch beim Opener schon sehr gut und es hatten sich zahlreiche Headbanger zum Start des Festivals eingefunden.
Band Nummer 2 des Tages waren die Modern Metaller von Cold Snap aus Kroatien. Da die Jungs auch schon seit 2003 aktiv sind merkte man, dass sie Vollprofis auf der Bühne waren und dem Publikum ordentlich einheizten. Sänger Jan rannte die Bühne rauf und runter und auch die restliche Band legte eine Performance mit voller Energie hin.
Düsterer wurde es danach mit Dark Groove Metal von Nungara. Die Band rund um die Streamerin und Ex Cobra Spell Gitarristin Noelle dos Anjos, spielte einen düsteren und von den brasilianischen Wurzeln der Frontfrau beeinflussten Groove Metal. Parallelen zu Soulfly aufgrund des Stils lagen nahe, allerdings gingen die Stile dann doch weit auseinander und Nungara haben einen komplett eigenständigen Sound, der die Fans mitriss und headbangen ließ.
Etwas ruhiger wurde es mit der österreichischen Post Black Metal Band Ellende, die mit „Ballade auf den Tod“ auch direkt zu Anfang einen ihrer erfolgreichsten Lieder spielten. Der Sound von Ellende war atmosphärisch und ruhig, aber auch mit L.G.s schmerzerfüllten und leidend schreienden Vocals sowie teilweise dann auch treibenden Blastbeats. Definitiv meine persönliche Lieblingsband in diesem Genre.
Mehr zum Headbangen war dann anschließend der Auftritt von Suicidal Angels. Wie zu Beginn des Tages wurde hier wieder Thrash Metal vom feinsten geboten. Die Griechen sind schon seit 24 Jahren aktiv und kann man schon als alte Hasen auf der Bühne bezeichnen. Aber müde oder satt sind sie natürlich noch lange nicht, denn das Quartett ließ die Headbangerherzen höher schlagen und auch selbst headbangte die Band sich die Seele aus dem Leib.
Wieder etwas entspannter wurde es mit Long Distance Calling. Die Münsteraner Post Rockband spielte rein instrumentale Musik. Hierzu hatte man sich entschlossen, nachdem während der Gründungsphase kein geeigneter Sänger gefunden worden war. Das Quartett beeindruckte mit atmosphärischen aber dennoch rockigen Klängen und man vermisste den Gesang tatsächlich kein bisschen. Als besonderes Highlight zündete die NOAF Crew während eines Liedes ein paar Bengalos und tauchte das Gelände in roten Rauch. Eine schöne Aktion. Am Vortag hatte es während April Art ´s Auftritt eine ähnliche Aktion der Crew gegeben, aber leider war diese im Regen etwas untergegangen.
Die vorletzte Band war Annisokay und dies war auch der Auftritt auf den ich mich am meisten gefreut hatte, da ich die Band und ihre Musik sehr feiere. Und Annisokay legten auch direkt mit Vollgas los und spielten zu Beginn Hits wie „Into the Abyss“ und „Throne of the Sunset“. Viel Nebel und LED Video Wände erzeugten eine perfekt auf die Musik angepasste Stimmung. Die Metalcore Band kam richtig gut an und wurde viel bejubelt und zelebriert von den Fans.
Leider musste Gitarrist und Clean-Sänger Christoph nach etwa der Hälfte des Sets um eine Auszeit bitten, da er sich auf der langen Festivalsaison eine heftige Erkältung zugezogen hatte und sein Kreislauf nicht mehr mitmachte. Großen Respekt an die Band, dass sie trotzdem auftraten und auch an die Fans, die vollstes Verständnis für die Auszeit hatten. Nach ein paar Minuten, nachdem Christoph von den Sanis durchgecheckt wurde, spielten Annisokay ihr Set zu Ende. Weiter gute Besserung von uns.
Zum krönenden Abschluss kamen die Schweizer Zeal & Ardor auf die Bühne. Die Progressive-Metaller mixen Elemente von Black Metal mit Soul, Blues und Gospelmusik und erzeugen so einen (zumindest von mir) noch nicht dagewesenen Sound, der Härte und mitsingbare Parts auf völlig neue Art miteinander verbindet. Zu Beginn noch mit Kutten und tiefgezogenen Kapuzen rockt das Sextett und verlangte den Fans die letzten Kraftreserven ab. Diese werden aber bei dem Enthusiasmus, den die Musiker auf die Bühne bringen, gerne aufgebraucht. Und das war das letzte Konzert, das Zeal & Ardor laut eigener Aussage in 2025 spielten. Es war ein voller Erfolg. Wirklich klasse.
Zum Abschluss ergriff ‚Zahni‘ das Wort, der als Sprachrohr und Galionsfigur wie kein anderer den Geist des Neuborn Open Air verkörpert. Er holte zudem alle Helfer auf die Bühne, um das Festival mit einem gebührenden Abschlussfoto zu würdigen.Das ganze Festival wurde von über 160 ehrenamtlichen Helfern auf die Beine gestellt und dafür konnte man nur den Hut ziehen. Was hier auf die Beine gestellt wurde, war mehr als beeindruckend. Ein sehr starkes Line up, eine gute Location und eine superfreundliche Crew, egal ob Security, Theke, Fotograf*innen, jeder war freundlich und hilfsbereit, und ich denke, das Festival wird einen festen Platz in meinem Kalender einnehmen, egal ob als Fan oder als Fotograf.
Impressionen Neuborn Open Air
Kevin Richter
Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.

















































