Mahlstrom Open Air 2026: Wenn Black Metal auf Weihnachtsstimmung trifft

Mahlstrom Open Air bei der Show live auf der Bühne © Kevin Richter

Vom 11. bis 13. Juni 2026 verwandelte sich der Herthasee im rheinland-pfälzischen Holzappel erneut in einen Anlaufpunkt für Metal-Fans aus dem In- und Ausland. Zwischen dichten Wäldern und der malerischen Kulisse des Sees bot das Mahlstrom Open Air drei Tage lang genau das, was die Szene ausmacht: leidenschaftliche Live-Musik, eine familiäre Atmosphäre und ein internationales Line-up mit 21 Bands.

Musikalisch spannte sich der Bogen von Black- und Deathmetal über Folk-Metal bis hin zu zahlreichen weiteren extremen und melodischen Facetten des Genres. Damit wurde das Festival einmal mehr zu einem Treffpunkt für Liebhaber unterschiedlichster Stilrichtungen.

Schon der erste Festivaltag machte deutlich, dass das Mahlstrom Open Air seinen ganz eigenen Charakter besitzt. Während sich die Besucher nach und nach am Herthasee einfanden und das Festivalgelände langsam zum Leben erwachte, eröffneten BLAKYLLE mit ihrem eisigen Pagan Black Metal den musikalischen Teil des Wochenendes. Im Anschluss sorgten MYTHEMIA mit ihren eingängigen Folk-Rock-Klängen für einen stimmungsvollen Kontrast, bevor ALL WILL KNOW & Friends einen der wohl außergewöhnlichsten Festivalmomente einläuteten.

Konzertfoto von All Will Know - Mahlstrom 2026
All Will Know – Mahlstrom 2026

Mit Weihnachtsliedern, Glühwein, Plätzchen und roten Weihnachtsmützen verwandelten sie das Infield mitten im Juni in eine fröhliche Weihnachtsfeier. Was auf den ersten Blick kurios erscheinen mag, ist längst eine feste Tradition des Mahlstrom Open Air und brachte auch in diesem Jahr unzählige Besucher zum Mitsingen, Lachen und gemeinsamen Feiern – ein ebenso ungewöhnlicher wie herzlicher Auftakt für ein Wochenende voller Metal.

Regen, große Auftritte und emotionale Momente am Freitag

Der Freitag markierte den ersten vollständigen Festivaltag und machte bereits am frühen Nachmittag deutlich, warum das Mahlstrom Open Air einen festen Platz im Festivalkalender vieler Metal-Fans hat. Pünktlich um 12:45 Uhr eröffneten MAGEFA den Tag. Trotz der frühen Uhrzeit hatte sich bereits eine beachtliche Zahl an Besuchern vor der Bühne versammelt, wo ausgelassen geheadbangt und die ersten kleineren Moshpits des Tages eröffnet wurden.

Auch abseits der Bühne wusste das Festival zu überzeugen. Besonders positiv fiel der erstmals ausschließlich vegane Essensstand auf, der von den Besuchern hervorragend angenommen wurde und das kulinarische Angebot sinnvoll ergänzte. Während ASTRAL SPECTRE die Bühne in dichte Klanglandschaften hüllten, zogen immer wieder Regenschauer über das Gelände. Nach den hochsommerlichen Temperaturen des Vorjahres nahm das jedoch kaum jemand übel. Regenjacken wurden übergeworfen, Bierbecher erhoben und gemeinsam weitergefeiert – die entspannte und familiäre Atmosphäre ließ sich vom Wetter nicht beeindrucken.

Zu den musikalischen Höhepunkten des Tages gehörten AGRYPNIE, die mit ihrer atmosphärischen Black-Metal-Performance das Publikum in ihren Bann zogen, sowie DESASTER. Die Black-/Thrash-Metal-Veteranen lieferten einmal mehr eine kompromisslose und energiegeladene Show ab und bewiesen eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zu den prägenden Größen der deutschen Szene gehören.

Ein persönliches Highlight war für mich AEPHANEMER. Die französische Symphonic-Melodic-Death-Metal-Band um Sängerin und Gitarristin Marion Bascoul begeisterte mit technischer Präzision, großen Melodien und einer mitreißenden Bühnenpräsenz – ein Auftritt, auf den ich mich seit Jahren gefreut hatte.

Natürlich lebt ein gelungenes Festival nicht allein von seinem Line-up. Das engagierte Team, die entspannte Stimmung und ein gut sortierter Merchstand tragen ebenso zum Gesamterlebnis bei. Bei Immortal Frost Productions wurde deshalb nicht nur gestöbert, sondern auch die eine oder andere Vinylplatte mit nach Hause genommen.

Den emotionalen Abschluss des Freitags lieferten HARAKIRI FOR THE SKY. Passend zur Intensität ihrer Musik öffneten sich erneut die Himmelsschleusen, doch das Publikum ließ sich davon nicht beeindrucken. Sänger J.J. legte jede Faser seiner Emotionen in die Songs, während M.S. und seine Mitmusiker eine gewaltige Soundwand erschufen. Mit der spürbaren Nähe zwischen Band und Publikum endete ein Festivaltag, der eindrucksvoll zeigte, dass das Mahlstrom Open Air weit mehr ist als nur eine Aneinanderreihung großartiger Konzerte.

Mahlstrom Open Air 2026: Traditionen, Überraschungen und ein würdiger Festivalabschluss

Der Samstag, zugleich der letzte vollständige Festivaltag, begann für viele Besucher bereits weit vor dem ersten Konzert auf der Hauptbühne. Seit Jahren gehört die traditionelle Festivalwanderung zu den festen Bestandteilen des Mahlstrom Open Air. Gemeinsam führt der Weg durch die umliegenden Wälder zu einer Grillhütte, wo die Teilnehmer jedes Jahr mit einem exklusiven Überraschungsauftritt belohnt werden. In diesem Jahr übernahmen die Folk-Rocker von WALDLÄUFER aus Siegen diese besondere Aufgabe und sorgten inmitten der Natur für einen stimmungsvollen Auftakt.

Zurück auf dem Festivalgelände eröffnete PENTARIUM um 12:35 Uhr das reguläre Bühnenprogramm, ehe OLD RUINS mit ihrer intensiven Black-Metal-Performance die ersten größeren Publikumsreaktionen des Tages hervorriefen. Die Kombination aus markantem Gesang und präzisem Instrumentalspiel wurde von den Besuchern lautstark gefeiert.

Stillbirth brachten anschließend noch einmal ordentlich Bewegung auf das Festivalgelände. Die Siegener ließen es sich nicht nehmen, wie gewohnt im Badehosen-Merch auf die Bühne zu kommen, und hatten dabei sichtlich genauso viel Spaß wie das Publikum vor der Bühne. Mit ihrer Mischung aus wuchtigen Breakdowns, tiefen Growls und schneidenden Screams sorgten sie vom ersten Song an für beste Stimmung. Pünktlich zu ihrem Auftritt zeigte sich sogar die Sonne zwischen den Wolken und machte die ohnehin ausgelassene Atmosphäre perfekt. Spätestens jetzt gab es vor der Bühne kein Halten mehr.

Mit TABERNIS folgte einer der außergewöhnlichsten Auftritte des gesamten Wochenendes. Die geheimnisvollen Musiker schlüpfen in die Rolle mittelalterlicher Imker und verbergen ihre Gesichter hinter geflochtenen Bienenkörben. Mit Dudelsack, Davul und ruhigen, mittelalterlich anmutenden Melodien schufen sie eine fast meditative Atmosphäre. Immer wieder durchbrachen eingespielte Bienengeräusche die instrumentalen Klanglandschaften – mal kaum wahrnehmbar, mal als summender Schwarm. Nur vereinzelt meldete sich eine computergenerierte Stimme zu Wort, sodass die Musik ihre volle Wirkung entfalten konnte. Während das Publikum bei den vorherigen Bands noch ausgelassen gefeiert hatte, kehrte vor der Bühne plötzlich eine beinahe andächtige Ruhe ein. Gerade dieser Kontrast machte den Auftritt von TABERNIS zu einem der besonderen Momente des Festivals.

Ein stimmungsvoller Abschied am Herthasee

Mit AFSKY näherte sich das Mahlstrom Open Air langsam seinem Ende – kaum zu glauben, wie schnell drei Festivaltage vergehen können. Während über dem Festivalgelände langsam die Dunkelheit hereinbrach, schufen die Dänen mit ihrer Mischung aus melancholischen Melodien, dichten atmosphärischen Passagen und roher Black-Metal-Energie den perfekten Soundtrack für den letzten Abend. Besonders die ruhigeren Passagen entfalteten ihre volle Wirkung und sorgten immer wieder für Gänsehautmomente. Dichte Nebelschwaden hüllten die Bühne fast vollständig ein und unterstrichen die bedrückende Atmosphäre, während das Publikum den Auftritt gebannt verfolgte.

Konzertfoto von Yoth Iria - Mahlstrom 2026
Yoth Iria – Mahlstrom 2026

Den Schlusspunkt des Mahlstrom Open Air setzten YOTH IRIA aus Griechenland. Eine interessante Randnotiz: Bassist Jim Mutilator gehörte einst zu den Gründungsmitgliedern von Rotting Christ. Vor der in tiefrotes Licht getauchten Bühne präsentierte die Band ihren melodischen Black Metal mit beeindruckender Präzision und viel Spielfreude. Spätestens als das Tempo anzog, gab es vor der Bühne kein Halten mehr. Mit „The Blind Eye of Antichrist“ durfte auch die Bandhymne nicht fehlen, bevor „Sid Ed Djinn“ das Festival mit seinem langsamen, schweren Rhythmus würdig beendete.

Mit dem letzten Ton endete ein Festival, das einmal mehr bewies, warum das Mahlstrom Open Air für viele längst zu den festen Größen im Festivalkalender gehört. Ein abwechslungsreiches Line-up, eine familiäre Atmosphäre, engagierte Helfer und zahlreiche liebevolle Details machten das Wochenende zu einem besonderen Erlebnis. Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn sich im nächsten Jahr am Herthasee erneut die Tore öffnen und das Mahlstrom Open Air in die nächste Runde geht.

Impressionen Mahlstrom Open Air 2026

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Jennifer Richter

Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.

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