Hellfest 2026: Hitze, Herzblut und Heavy Metal am Freitag und Samstag

Hellfest im Scheinwerferlicht beim Konzert in Clisson © Frank Weichert

Juni – der Monat, in dem es Jahr für Jahr in die Hölle geht. Genauer gesagt: zum Hellfest. Also machten wir uns erneut auf den Weg, die knapp 1100 Kilometer vom beschaulichen Schorndorf ins französische Clisson zurückzulegen. Für mich war es inzwischen bereits das 14. Hellfest in Folge – und trotzdem fühlt sich die Anreise jedes Jahr wieder wie der Start in ein ganz besonderes Abenteuer an.

Nach der Ankunft wurde zunächst das Quartier eingerichtet, bevor bei hochsommerlichen Temperaturen traditionell die erste Kaltschale des Wochenendes genossen wurde. Zum Pflichtprogramm gehört inzwischen auch der Besuch des örtlichen Supermarktes. Dieser arbeitet seit Jahren eng mit dem Hellfest zusammen und verwandelt seinen Parkplatz jedes Jahr in eine kleine Version des Festivals. Zwei Mini-Mainstages, zahlreiche Getränke- und Essensstände sowie Merchandising-Händler sorgen schon vor dem eigentlichen Festivalgelände für die passende Einstimmung.

Nach und nach trafen auch viele bekannte Gesichter ein, die man über die Jahre kennengelernt hatte. Am Vorabend führte der Weg traditionell in eine kleine Weinbar im wunderschönen Clisson. Dort wurde bei der einen oder anderen Flasche Champagner auf das bevorstehende Festival angestoßen – sehr zur Unterhaltung der Einheimischen, die unsere Runde mit neugierigen Blicken beobachteten.

Am nächsten Morgen öffnete schließlich die Hell City ihre Tore. Dieser Bereich vor dem eigentlichen Festivalgelände bietet Bars, Sponsorenstände, einen großen Metalmarkt und zwei kleinere Bühnen, auf denen lokale Bands auftreten. Nachdem das Cashless-Konto aufgeladen war, ergatterten wir sogar noch einen der begehrten Schattenplätze – direkt zwischen dem Jack Daniel’s-Stand, Jägermeister sowie diversen Gin- und Vodka-Anbietern. Ob das wirklich die beste Idee war, darf jeder selbst beurteilen.

Donnerstag: Gelungener Auftakt mit starken Auftritten

Um 14 Uhr öffnete schließlich das Festivalgelände. Der erste Weg führte wie jedes Jahr direkt ins große Merchzelt. Wer früh dran war, sparte sich stundenlange Wartezeiten. Teilweise standen Besucher später bis zu vier Stunden an, um an Shirts und andere Erinnerungsstücke zu gelangen. Immerhin sorgten zahlreiche Bierverkäufer dafür, dass die Wartezeit nicht allzu trocken ausfiel.

Pünktlich um 16 Uhr eröffneten We Came As Romans das Hellfest 2026 auf der Mainstage 1. Die US-Amerikaner legten mit ihrem modernen Metalcore einen energiegeladenen Auftakt hin und brachten das überwiegend junge Publikum bereits nach wenigen Minuten in Bewegung. Vor dem Bühnengraben hatte die Security von Beginn an alle Hände voll zu tun.

Anschließend stand Mikkey Dee With Friends auf dem Programm. Der ehemalige Motörhead-Drummer ließ bereits mit seinen ersten Worten Erinnerungen an Lemmy Kilmister und Phil Campbell aufleben, bevor er mit den Worten „First, we are not Motörhead! But we are playing Motörhead“ gab den Startschuss für eine kompromisslose Hommage. Mit „Killers“ begann eine Setlist, die sich wie ein Best-of der legendären Band anfühlte und von den Fans entsprechend gefeiert wurde.

Auch The Pretty Reckless überzeugten anschließend auf ganzer Linie. Vor allem Taylor Momsen bewies einmal mehr, warum sie zu den charismatischsten Frontfrauen der modernen Rockszene gehört. Mit ihrer markanten Stimme und enormen Bühnenpräsenz hatte sie das Publikum jederzeit im Griff und präsentierte eine gelungene Mischung aus älteren Songs und aktuellen Titeln.

Für viele Besucher gehörte anschließend Deep Purple zu den größten Überraschungen des Tages. Bei Temperaturen von rund 36 Grad stellte sich durchaus die Frage, wie die Rocklegenden mit den Bedingungen umgehen würden. Die Antwort fiel beeindruckend aus. Die Band präsentierte sich spielfreudig wie lange nicht mehr und spielte sich mit Klassikern nahezu ohne Pause durch ihr Set.

Hellfest vor begeistertem Publikum beim Konzert beim Konzert in Clisson © Frank Weichert

Besonders schön war dabei ein kleiner Moment vor der Bühne: Viele Fans, die bereits auf Papa Roach warteten und es sich auf dem Rasen gemütlich gemacht hatten, sprangen während der Zugabe plötzlich auf und feierten ausgelassen zu „Smoke on the Water“. Genau solche Augenblicke zeigen, dass große Rocksongs Generationen miteinander verbinden.

Alice Cooper, Papa Roach und Bring Me The Horizon sorgen für den Höhepunkt

Nach Deep Purple wartete bereits das nächste Highlight. Alice Cooper betrat die Bühne und bewies einmal mehr, warum seine Shows seit Jahrzehnten zu den besten im Rockgeschäft zählen. Besonders gespannt durfte man auf die neue Gitarristin Anna Cara sein. Bislang war sie vor allem mit Storage in Erscheinung getreten und musste nun in die großen Fußstapfen von Nita Strauss treten.

Die Sorge erwies sich jedoch als unbegründet. Anna Cara überzeugte auf ganzer Linie und fügte sich nahtlos in Alice Coopers eingespielte Liveband ein. Überhaupt zeigte sich einmal mehr, wie sehr der Altmeister inzwischen seine Musiker in den Mittelpunkt rückt. Glen Sobel am Schlagzeug, Chuck Garric am Bass sowie Ryan Roxie, Tommy Henriksen und Anna Cara an den Gitarren gehören seit Jahren zu den absoluten Spitzenmusikern der Rockszene und erhielten auch diesmal reichlich Raum, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Für die beiden verbleibenden Headliner blieb der Fotograben allerdings tabu. Dafür war eine gesonderte Akkreditierung erforderlich, die für ein deutsches Onlinemagazin praktisch nicht zu bekommen ist. Also blieb nur der Blick aus den hinteren Reihen – was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat.

Papa Roach lieferten eine gewohnt mitreißende Show ab. Alternative Metal auf höchstem Niveau, gepaart mit einer Hitdichte, die kaum Wünsche offenließ. „Scars“, „Between Angels And Insects“ und natürlich „Last Resort“ wurden vom Publikum lautstark mitgesungen. Besonders beeindruckend war die schiere Anzahl an Crowdsurfern. Im Sekundentakt mussten die Security-Mitarbeiter neue Fans sicher über den Graben heben – eine Höchstleistung über die komplette Bühnenbreite hinweg.

Bring Me The Horizon bildeten schließlich den Abschluss des ersten Festivaltages. Vor der Bühne war inzwischen kaum noch ein Durchkommen, sodass die Show aus etwas größerer Entfernung verfolgt werden musste. Die Briten verstanden es jedoch perfekt, die Spannung kontinuierlich zu steigern und das Publikum bis zur Zugabe regelrecht explodieren zu lassen. Mit „Doomed“, „Drown“ und „Throne“ erreichte der Auftritt seinen Höhepunkt.

Für eine Überraschung sorgte schließlich „Antivist“. Frontmann Oli Sykes holte sich prominente Unterstützung auf die Bühne: Will Ramos von Lorna Shore übernahm den Gastpart und sorgte damit für einen der besonderen Momente des Donnerstags.

Nach diesem furiosen Abschluss ging es schließlich zurück Richtung Camp, denn der Freitag sollte bereits früh beginnen.

Freitag zwischen Entdeckungen und Metal-Legenden

Bereits um 11 Uhr begann der zweite Festivaltag vor der Mainstage mit Blackrain. Die französische Glam-Rock-Band sorgte mit jeder Menge 80er-Jahre-Flair für den perfekten Einstieg in den Tag. Eingängige Melodien, gute Laune und eine sympathische Bühnenpräsenz machten den Auftritt zu einem echten Geheimtipp.

Lange blieb allerdings keine Zeit, denn nahezu zeitgleich standen Wake The Dead in der Warzone auf dem Programm. Gerade die kleineren Bands gehören jedes Jahr zu den spannendsten Entdeckungen des Hellfests, weshalb der Abstecher selbstverständlich Pflicht war.

Die Melodic-Hardcore-Band aus Marseille überzeugte mit enormer Energie und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz. Obwohl der Tag noch jung war, ging das Publikum bereits ordentlich mit. Eine Band, die definitiv im Auge behalten werden sollte.

Zurück auf der Mainstage warteten anschließend Wings of Steel. Die US-Amerikaner präsentierten klassischen Heavy Metal mit deutlichen Einflüssen aus Hardrock und Bluesrock der 70er-Jahre. Live funktionierte dieses Konzept hervorragend. Die Mischung aus traditionellen Riffs, starken Melodien und jeder Menge Spielfreude machte Lust darauf, sich intensiver mit der Band zu beschäftigen.

Direkt danach übernahmen Brothers of Metal die Bühne. Die Schweden lieferten genau das ab, was man von ihnen erwartet: jede Menge Power Metal, nordische Mythologie, eine ordentliche Portion Selbstironie und ein Publikum, das jede Minute sichtbar genoss. Die Mischung aus Humor und musikalischer Qualität funktioniert bei Brothers of Metal einfach immer wieder hervorragend.

Eine echte Überraschung wartete anschließend in der Warzone. Vor dem Hellfest dürften Die Spitz nur wenigen Besuchern ein Begriff gewesen sein. Die reine Frauenband aus Austin verbindet Grunge, Punkrock und Heavy Metal zu einem druckvollen Gesamtpaket und legte einen beeindruckend energiegeladenen Auftritt hin. Schade eigentlich, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise wenige Zuschauer vor der Bühne versammelt hatten – verdient hätten die Musikerinnen deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Anschließend wartete mit Queensrÿche eines der persönlichen Highlights des Tages. Die US-Legenden präsentierten sich in Bestform und bewiesen einmal mehr, dass Todd La Torre längst seinen festen Platz in der Band gefunden hat. Auch wenn viele Fans Geoff Tate weiterhin als einzig wahren Sänger sehen, verleiht La Torre den Klassikern seinen eigenen Charakter, ohne ihnen ihre Seele zu nehmen.

Weiter ging es mit Accept die im Rahmen ihrer „50 Years“-Tour einen Querschnitt durch fünf Jahrzehnte Heavy-Metal-Geschichte präsentierten. Bereits der Opener „Metal Heart“ machte deutlich, wohin die Reise gehen würde. Trotz der auf lediglich 50 Minuten begrenzten Spielzeit reihten sich mit „Restless And Wild“, „Fast As A Shark“ und „Balls To The Wall“ gleich mehrere Klassiker aneinander. Ein Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, warum Accept bis heute zu den wichtigsten deutschen Metal-Bands gehören.

Sepultura, Helloween und Iron Maiden beschließen den Festivaltag

Ein ganz besonderer Programmpunkt wartete anschließend mit Sepultura auf. Die brasilianischen Thrash-Metal-Legenden absolvierten ihre letzte Show in Frankreich, bevor im November die große Abschiedsveranstaltung in São Paulo stattfinden wird. Entsprechend emotional wurde der Auftritt von Band und Publikum gleichermaßen gefeiert.

Doch Sepultura hatten noch eine Überraschung vorbereitet. Sänger Derrick Green nutzte die Mitte des Sets, um auf das Umweltprojekt Savage Lands aufmerksam zu machen. Die Initiative setzt sich für den Schutz bedrohter Regenwälder ein und wird von zahlreichen bekannten Musikern unterstützt. Zum Instrumentalstück „Kaiowas“ holte die Band hochkarätige Gäste auf die Bühne: Alissa White-Gluz, Frédéric Leclercq, Dirk Verbeuren sowie Fernando Lira, Luana Dametto und Tainá Bergamaschi von Crypta sorgten gemeinsam für einen der bewegendsten Momente des gesamten Tages. Eine starke Botschaft, die perfekt zum Spirit des Festivals passte.

Den fotografischen Abschluss des Freitags übernahmen Helloween. Die Hamburger zeigten einmal mehr, warum sie derzeit zu den besten Livebands des klassischen Heavy Metal gehören. Michael Kiske und Andi Deris harmonierten hervorragend miteinander und wechselten sich souverän am Mikrofon ab. Gerade diese Doppelspitze verleiht den Konzerten einen besonderen Reiz, denn sowohl die frühen Klassiker als auch die späteren Songs erhalten dadurch ihren verdienten Platz im Set. Das Publikum dankte es der Band mit lautstarkem Gesang und ausgelassener Stimmung.

Zum Abschluss des Tages wartete schließlich Iron Maiden. Fotografieren war – wie bereits am Vortag bei den Headlinern – nicht möglich, weshalb die Show entspannt aus dem hinteren Bereich des Festivalgeländes verfolgt wurde. Das tat der Atmosphäre allerdings keinen Abbruch. Bruce Dickinson bewies erneut seine besondere Beziehung zum französischen Publikum und sprach immer wieder auf Französisch mit den Fans, was entsprechend gefeiert wurde.

Musikalisch konzentrierte sich die Band überwiegend auf Material ihrer ersten neun Studioalben und präsentierte damit genau das, was viele Besucher hören wollten. Die rund 130 Minuten vergingen wie im Flug. Klassiker reihten sich an Klassiker, und einmal mehr wurde deutlich, weshalb Iron Maiden auch nach Jahrzehnten zu den größten Livebands der Welt gehören.

Mit dem Ende des zweiten Festivaltages ging es schließlich zurück ins Camp. Zwei intensive Tage voller hochklassiger Konzerte, schweißtreibender Temperaturen und unzähliger besonderer Momente lagen bereits hinter den Besuchern. Doch das Hellfest 2026 hatte noch längst nicht sein gesamtes Pulver verschossen.

Fortsetzung folgt: Im zweiten Teil warten weitere Highlights vom Hellfest 2026 – mit den Konzerten am Samstag und Sonntag.

Hellfest 2026: Fotogalerie von Donnerstag und Freitag

Frank Weichert

Frank Weichert

Frank Weichert ist seit 1997 als Konzertfotograf in der Rock- und Metalszene unterwegs und zählt zu den erfahrensten Fotografen der Branche. Neben Rock und Metal fotografiert er ebenso Pop, Hip-Hop und Schlager. Für das Paranoyd-Magazin unterstützt er das Team als freier Fotograf.

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