Hellfest 2026: Samstag und Sonntag zwischen Punk, Metalcore und großen Emotionen

Megadeath © Frank Weichert

Nach zwei bereits hochklassigen Festivaltagen legte das Hellfest 2026 am Samstag noch einmal nach. Von kompromisslosem Black Metal über Hardcore und Thrash bis hin zu den großen Headlinern auf der Main Stage jagte ein Highlight das nächste. Vor allem Anthrax, Megadeth, Limp Bizkit und Behemoth sorgten dafür, dass der dritte Festivaltag bis tief in die Nacht keine Verschnaufpause kannte.

Hulder gehört nicht zu den Bands, die ein Festival „spielen“ – sie beschwören es. Als die US-amerikanische Ein-Frau-Formation beim Hellfest 2026 die Bühne betrat, lag bereits eine spürbare Kälte über dem Gelände, obwohl die Loire-Region in sommerlicher Hitze flimmerte. Was folgte, ist kein gewöhnlicher Auftritt, sondern ein ritualisierter Abstieg in die Schattenbereiche des Black Metal.

Ganz in der Tradition der zweiten Welle des nordischen Black Metal, aber mit unverkennbar eigener Handschrift, entfesselte Hulder eine klangliche Mischung aus roher Aggression und unheilvoller Melancholie. Die Gitarren schnitten wie kalter Wind durch die Nacht, während die Keyboards eine fast mittelalterlich anmutende Atmosphäre webten. Besonders Tracks wie „De Dijle“ und „Verses in Oath“ entfalteten live eine Intensität, die auf Platte nur angedeutet wurde – hier wirkten sie wie Beschwörungsformeln, getragen von einer Stimme, die irgendwo zwischen Klagegesang und dämonischem Zischen oszillierte.

Die Inszenierung blieb bewusst reduziert: kein überladenes Bühnenbild, kein unnötiger Bombast. Stattdessen dominierte eine düstere, fast sakrale Aura, die perfekt zur Musik passte. Hulder selbst blieb eine schemenhafte Figur im Halbdunkel, was die mystische Wirkung zusätzlich verstärkte. Das Publikum reagierte entsprechend – keine Party, kein oberflächliches Mitgrölen, sondern konzentrierte Hingabe, wie man sie sonst eher in kleineren Underground-Klubs erwartete.

Gerade auf einem Giganten wie dem Hellfest zeigte sich, wie stark Hulders Konzept funktionierte: kompromisslos, authentisch und frei von modernen Zugeständnissen. Inmitten eines Line-ups voller großer Namen wirkte dieser Auftritt wie ein Gegenentwurf – rau, ehrlich und zutiefst in der Essenz des Black Metal verwurzelt. Er war ein Highlight für Puristen und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Dunkelheit auch 2026 nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hatte.

King 810 waren keine Band, die sich still in ein Line-up einfügte – sie wirkten wie ein Störsignal im System. Beim Hellfest 2026 zeigte sich das einmal mehr. Während auf den benachbarten Bühnen routinierte Festival-Profis ihre perfekt einstudierten Sets ablieferten, brachten die Männer aus Flint, Michigan, eine ganz andere Energie mit: roh, konfrontativ und spürbar geladen.

Schon mit den ersten Takten wurde klar, dass hier kein klassischer Metalcore-Auftritt folgte. King 810 setzten auf eine Mischung aus Spoken Word, wuchtigen Riffs und unberechenbaren Dynamikwechseln. Frontmann David Gunn stand weniger als Sänger, sondern vielmehr als Prediger im Zentrum – mit durchdringendem Blick und einer Körpersprache, die zwischen Anklage und Selbstinszenierung schwankte. Seine Performance wirkte wie ein Manifest, nicht wie Unterhaltung.

Songs wie „Killem All“ oder „Alpha & Omega“ entfalteten live eine beklemmende Intensität. Die Grooves waren schwer, fast schon tribal, während die Texte wie Faustschläge wirkten. Dabei blieb die Band bewusst sperrig: kein Anbiedern, keine simplen Mitsingparts – stattdessen entstand ein permanentes Spannungsfeld, das das Publikum forderte. Genau das sorgte für gespaltene Reaktionen vor der Bühne. Während ein Teil gebannt folgte, wirkte ein anderer sichtbar irritiert.

Die Inszenierung war minimalistisch, aber effektiv. Kein großes Bühnenfeuerwerk, keine Ablenkung – der Fokus lag vollständig auf der Performance. Und genau hier lagen zugleich Stärke und Schwäche von King 810: Wer sich darauf einließ, erlebte einen intensiven, fast schon unangenehmen Trip. Wer nach klassischer Festival-Eskalation suchte, fühlte sich dagegen eher verloren.

Im Kontext des Hellfest wirkte der Auftritt wie ein Fremdkörper – und genau das machte ihn interessant. King 810 lieferten keine Hits, sondern Haltung. Keine leichte Kost, aber ein Moment, der im Gedächtnis blieb, gerade weil er sich so konsequent gegen Erwartungen stellte.

Heavy Metal und Thrash sorgten für erste Höhepunkte

Wenn irgendwo zwischen all den Extremen des Hellfest 2026 plötzlich klassische Heavy-Metal-Magie durch die Luft schnitt, dann waren Gatekeeper nicht weit. Die Kanadier betraten die Bühne ohne großes Tamtam – und genau das war ihre Stärke.

Schon nach den ersten Riffs wurde klar: Hier regierte der Stahl alter Schule. Episch aufgeladene Gitarrenmelodien, getragen von einem warmen, organischen Sound, der sich bewusst gegen moderne Überproduktion stellte. Gatekeeper klangen nicht wie ein Retro-Act – sie klangen wie eine Band, die nie aufgehört hatte, an die Größe des klassischen Heavy Metal zu glauben.

Tracks wie „From Western Shores“ oder „Blade of Cimmeria“ entfalteten live genau die heroische Wucht, die man sich erhoffte. Die Twin-Gitarren arbeiteten sich melodisch nach oben, während die Rhythmussektion stoisch nach vorn trieb. Frontmann Jean-Pierre Abboud lieferte dazu eine Performance, die zwischen epischem Erzähler und kraftvollem Sänger pendelte – nie überzogen, aber stets präsent.

Die Crowd war überraschend schnell auf Betriebstemperatur. Wo zuvor noch Bierbecher durch die Luft geflogen waren, reckten sich plötzlich Fäuste im Takt der Riffs. Gatekeeper schafften es, diese seltene Festival-Magie zu erzeugen, bei der selbst Unbeteiligte stehen blieben und für einen Moment Teil der Szenerie wurden.

Auch visuell blieb alles angenehm bodenständig: keine überladene Show, keine Effekthascherei. Stattdessen dominierten Leder, Nieten und eine Attitüde, die irgendwo zwischen Ehrfurcht vor den Genre-Vätern und ehrlicher Spielfreude lag. Das wirkte nie nostalgisch oder verstaubt, sondern erstaunlich lebendig.

In einem Line-up, das oft von Extremität und Lautstärke lebte, setzten Gatekeeper auf etwas anderes: Atmosphäre, Melodie und klassische Songstrukturen. Das mochte weniger spektakulär erscheinen, traf aber genau ins Herz dessen, was Heavy Metal seit Jahrzehnten ausmachte.

Ein Auftritt wie ein gehobenes Schwert in der Abendsonne – nicht der lauteste Moment des Festivals, aber einer der nachhaltigsten.

Wenn es beim Hellfest 2026 einen Moment gab, in dem reiner Thrash Metal die Kontrolle übernahm, dann gehörte dieser Slot eindeutig Crisix. Die Spanier stürmten die Bühne ohne Vorwarnung und legten sofort den Schalter auf Vollgas. Kein Intro-Geflüster, kein langsamer Aufbau – hier wurde von der ersten Sekunde an geballert.

Was folgte, war ein Lehrstück in moderner Thrash-Eskalation. Rasende Riffs, präzise Breaks und ein Tempo, das kaum Luft zum Atmen ließ. Crisix verbanden die Spielfreude klassischer Bay-Area-Vorbilder mit einer rotzigen Punk-Attitüde, die perfekt auf die Festivalbühne passte. Tracks wie „Ultra Thrash“ oder „Get Out of My Head“ zündeten live wie Brandbeschleuniger. Circle-Pits öffneten sich innerhalb weniger Sekunden, Crowdsurfer flogen im Minutentakt über die Barrikaden.

Frontmann Julián Baz sorgte dabei ununterbrochen für Bewegung. Er sprang, schrie und dirigierte – ein Entertainer im besten Sinne, ohne dabei die musikalische Präzision aus den Augen zu verlieren. Zwischen den Songs gab es nur kurze Ansagen, lange Pausen vermied die Band konsequent. Crisix wussten genau, dass ihr Set von Energie lebte, und hielten den Druck bis zur letzten Minute hoch.

Die größte Stärke des Auftritts lag jedoch in seiner Balance. Trotz aller Geschwindigkeit blieb jeder Song greifbar. Die Hooks saßen, die Riffs blieben im Ohr und selbst in den chaotischsten Momenten wirkte nichts beliebig. Das Publikum dankte es mit maximaler Eskalation – hier wurde nicht nur mitgewippt, sondern kollektiv durchgedreht.

Auch soundtechnisch passte alles. Der Klang war roh genug, um authentisch zu bleiben, gleichzeitig aber klar genug, damit jede Attacke saß. Kein überproduzierter Klangteppich, sondern ehrlicher, direkter Thrash, der genau dort traf, wo er sollte.

In einem Festival voller großer Namen und aufwendiger Shows erinnerten Crisix daran, dass es manchmal nur drei Dinge brauchte: Geschwindigkeit, Leidenschaft und verdammt gute Riffs. Kein Schnickschnack, keine Kompromisse – einfach Thrash Metal, wie er sein sollte.

Wenn beim Hellfest  plötzlich der Asphalt zu kochen beginnt und die Luft nach Schweiß, Staub und roher Energie schmeckt, dann stehen Cro-Mags auf der Bühne. Hardcore ist hier kein Retro-Gimmick, sondern gelebte Realität – kompromisslos, direkt und ohne jede Form von Politur.

Vom ersten Ton an ist klar, dass dieser Auftritt nicht auf Komfort ausgelegt ist. Die Riffs sind kurz, scharf und treffen wie gezielte Schläge, während das Schlagzeug gnadenlos nach vorn peitscht. Songs wie „Hard Times“ oder „We Gotta Know“ wirken live wie verdichtete Aggression – reduziert auf das Wesentliche, aber mit maximaler Wirkung.

Frontmann Harley Flanagan dominiert die Bühne mit einer Präsenz, die man nicht spielen kann. Das ist keine inszenierte Wut, sondern etwas Echtes, Ungefiltertes. Jede Bewegung wirkt angespannt, jeder Blick durchdringend. Zwischen den Songs gibt es kaum Verschnaufpausen – Cro-Mags lassen die Energie bewusst nicht abflachen.

Vor der Bühne verwandelt sich das Gelände in ein chaotisches Schlachtfeld. Kein geschniegelter orchestrierter Pit, sondern pure Hardcore-Anarchie: Pushes, Stagedives, Bewegung in alle Richtungen. Genau so muss das sein. Wer hier steht, weiß, worauf er sich einlässt.

Dabei wirkt der Sound bewusst roh gehalten. Keine übertriebene Perfektion, sondern Kanten und Druck. Die Songs leben von ihrer Direktheit, und genau das transportiert sich auch auf dieser riesigen Festivalbühne erstaunlich gut.

Im Kontext des Hellfest, wo oft Größe und Inszenierung dominieren, setzen Cro-Mags ein klares Statement: Haltung schlägt Hochglanz. Dieser Auftritt ist kein Spektakel, sondern ein Ausbruch – kurz, intensiv und ohne Kompromisse.

Ein Set wie ein Faustschlag: nicht schön, aber ehrlich – und genau deshalb so wirkungsvoll.

Thrash-Legenden übernehmen die Bühne

Wenn Thrash Metal beim Hellfest seine Veteranen ins Feld schickt, dann liefern Anthrax nicht einfach ab – sie zelebrieren. Schon der Auftakt macht keine Gefangenen, denn Anthrax drücken das Gaspedal sofort bis zum Anschlag durch. Danach folgt ein Set, das sich wie eine präzise kuratierte Best-of-Reise durch die Thrash-Geschichte anfühlt: ein frühes Nackenbrechen, ein paar Grooves zum Einrasten und schließlich die großen Hymnen, bei denen selbst die letzten Reihen noch in Bewegung geraten.

Besonders die Klassiker zünden wie selbstverständlich, weil die Band sie mit jener Mischung aus Präzision und Elan spielt, die Anthrax seit jeher von reiner Nostalgie trennt.“ Von der ersten Minute an ist klar, dass hier eine Band steht, die nicht nur Geschichte geschrieben hat, sondern immer noch genau weiß, wie man eine Festivalbühne kontrolliert.

Schon der Opener kommt ohne Umwege auf den Punkt: trockene, präzise Riffs, ein druckvoller Sound und eine Spielfreude, die alles andere als routiniert wirkt. Scott Ian wirft seine ikonischen Downstrokes ins Publikum, als hätte sich seit den 80ern nichts verändert, während Joey Belladonna mit erstaunlicher Leichtigkeit durch die Höhen segelt. Seine Stimme sitzt, kraftvoll und klar. 

Die Setlist liest sich wie ein Best-of des Crossover-Thrash: „Caught in a Mosh“, „Madhouse“, „Indians“ – jeder Song ein Treffer. Besonders auffällig ist, wie organisch die Band zwischen Groove und Geschwindigkeit wechselt. Anthrax waren schon immer die Funkigsten unter den „Big Four“, und genau dieser unterschwellige Bounce sorgt auch hier dafür, dass sich vor der Bühne mehr bewegt als nur klassische Moshpits.

Charlie Benante war wegen einer Verletzung an der rechten Hand verhindert. Deshalb spielte der britische Session-Drummer Darby Todd als Aushilfe beim Hellfest 2026. Benante hatte angekündigt, dass er auf ärztlichen Rat zwischen dem 20. Juni und dem 4. Juli alle Shows auszulassen würde, damit seine Hand heilen kann. Darby Todd hatte die Band bereits zuvor auf der Europa-Tour vertreten und übernahm daher souverän erneut die Drums und trieb das Ganze mit chirurgischer Präzision voran, während Frank Bello wie ein Duracell-Motor über die Bühne jagte.

Diese Dynamik überträgt sich direkt ins Publikum: Circle Pits, Mitsing-Chöre, erhobene Fäuste – ein kollektiver Ausnahmezustand, der sich durch das gesamte Set zieht.

Die Produktion ist dabei genau richtig austariiert: fett, aber nicht steril. 

Was Anthrax von vielen anderen Legacy-Acts unterscheidet, ist ihre spürbare Lust am Moment. Hier wird nichts verwaltet, hier wird gespielt, als ginge es noch immer darum, sich zu beweisen. Und genau das macht den Auftritt so stark: Er fühlt sich lebendig an, nicht museal.

Im Hellfest-Line-up setzen Anthrax damit ein klares Zeichen. Kein übertriebenes Spektakel, keine künstliche Dramaturgie – einfach eine Band, die ihr Handwerk bis zur Perfektion beherrscht und es mit voller Überzeugung auf die Bühne bringt.

Ein Auftritt wie ein perfekt platzierter Moshpit: chaotisch, schweißtreibend und absolut unverzichtbar.

Ein Auftritt wie ein Tritt ins Gesicht – schmerzhaft, schnell und absolut befriedigend

Megadeth auf dem Hellfest 2026 lieferten ein Lehrstück in Sachen kontrollierter Thrash-Überlegenheit. Dave Mustaine und seine Band betraten die Bühne mit der Aura von Veteranen, die niemandem mehr etwas beweisen mussten – und genau deshalb umso entschlossener klangen. Was folgte, war kein nostalgischer Ausflug, sondern ein messerscharf gespielter Auftritt mit klarer Kante, hoher Präzision und einem Set, das auf maximale Wirkung ausgelegt war.

Der Einstieg saß sofort. Megadeth eröffneten ihr Set ohne großes Vorgeplänkel, sondern mit dem typischen nervösen Druck, für den die Band seit Jahrzehnten bekannt war. Die Gitarren schnitten sauber durch den Festivalmix, das Schlagzeug trieb gnadenlos nach vorn und Mustaines Stimme klang rauer denn je, blieb aber unverkennbar. Gerade diese Brüchigkeit verlieh dem Auftritt zusätzliche Schärfe – hier wurde nichts kaschiert, hier wurde geliefert.

Die Setlist war klug aufgebaut und setzte auf die richtige Mischung aus Klassikern und moderneren Abrissbirnen. „Hangar 18“ und „Tornado of Souls“ bildeten das technische Rückgrat, während „Sweating Bullets“ und „Peace Sells“ die Menge sofort in den Mitsing- und Mosh-Modus versetzten. Spätestens bei „Symphony of Destruction“ befand sich das Hellfest endgültig im Ausnahmezustand, denn dieser Song funktionierte live noch immer wie eine kollektive Entladung.

Besonders beeindruckend war, wie souverän Megadeth zwischen technischer Komplexität und direkter Wirkung wechselten. Die Band verlor sich nie in bloßer Virtuosität, sondern hielt die Songs stets straff und zielgerichtet. Selbst in den vertracktesten Passagen blieb die Spannung hoch, weil jeder Break, jedes Solo und jeder Refrain genau dort landete, wo er sollte.

Auch atmosphärisch passte der Auftritt perfekt in den Festivalkontext. Megadeth wirkten im Vergleich zu manch anderem Headliner weniger auf große Showeffekte angewiesen, dafür umso konsequenter im Sound. Das war klassische Thrash-Macht in Reinform: trocken, hart und ohne Schnörkel. Die Fans dankten es mit lautem Jubel, erhobenen Fäusten und einem Moshpit, der sich über das gesamte Set kaum beruhigte.

Am Ende blieb der Eindruck einer Band, die ihre eigene Geschichte nicht nur verwaltete, sondern immer noch aktiv weiterschrieb. Megadeth spielten auf dem Hellfest 2026 nicht für die Galerie, sondern für die Erinnerung derer, die dabei gewesen waren. Es war ein Auftritt wie ein perfekt gezielter Hieb – technisch brillant, emotional aufgeladen und kompromisslos auf den Punkt gebracht.

Limp Bizkit verwandelten das Hellfest in eine riesige Party

Einer der beiden Headliner des Samstags legte um 23:10 Uhr los. Limp Bizkit spielten kein gewöhnliches Konzert, sondern lieferten ein Ereignis mit Ansage. Fred Durst und seine Mitstreiter betraten die Bühne mit jener Mischung aus Größenwahn, Selbstironie und kalkulierter Chaoslust, die seit Jahren ihr Markenzeichen war. Was folgte, war keine nüchterne Performance, sondern ein Abrisskommando mit breitem Grinsen.

Von Beginn an setzte die Band auf maximale Reizüberflutung. Die Riffs waren fett, die Beats hämmerten wie Presslufthämmer durch die Menge, und spätestens, als die ersten bekannten Hooks erklangen, verwandelte sich das Infield in eine lärmende, hüpfende und brüllende Menschenmasse. Limp Bizkit wussten genau, dass ihr Material live dann am besten funktionierte, wenn es nicht zu ernst genommen wurde – genau diese Leichtigkeit machte den Reiz ihres Auftritts aus.

Fred Durst war dabei wie immer der Mann für die großen Gesten. Er posierte, provozierte, animierte und wirkte dabei so sehr in seinem eigenen Film, dass man zwischen Fremdscham und Faszination pendelte. Doch genau das gehörte zu Limp Bizkit: Der Frontmann ist kein klassischer Metal-Sänger, sondern ein Showman mit Hang zum kontrollierten Kontrollverlust. Und wenn dieses Konzept funktionierte, dann richtig.

Die Setlist war konsequent auf kollektive Eskalation ausgelegt. Kaum ein Song blieb lange genug im Startblock, um nicht sofort eine Reaktion auszulösen. Die großen Hits zündeten zuverlässig, Crowdsurfer waren im Dauereinsatz und zwischen den Refrains war das Publikum zeitweise lauter als die Band selbst. Das war kein fein austarierter Kunstgriff, sondern rohe Festivalmechanik – und sie funktionierte hervorragend.

Besonders bemerkenswert war, wie mühelos Limp Bizkit die Gratwanderung zwischen Ironie und echter Wucht meisterten. Ja, vieles war überzogen, manches herrlich albern. Doch unter all dem Krawall steckte immer noch eine Band, die genau wusste, wie man eine riesige Festivalmenge in Bewegung setzte. Das war keine gewöhnliche Show, sondern ein kontrolliertes Spektakel, das sich seiner eigenen Absurdität jederzeit bewusst war.

Im Kontext des Hellfest wirkte dieser Auftritt wie ein Sonderfall zwischen Metal, Rap, Party und Irrsinn. Limp Bizkit lieferten keinen klassischen Metal-Moment, sondern genau das, wofür sie seit Jahrzehnten standen: ein lautes, schweißtreibendes und unverschämt unterhaltsames Durcheinander. Gerade weil sie sich nie eindeutig einordnen ließen, funktionierten sie auf einer Bühne dieser Größenordnung so hervorragend.

Ein Auftritt wie ein ausgestreckter Mittelfinger mit Konfettikanone: chaotisch, laut und überraschend treffsicher.

Behemoth setzten den düsteren Schlusspunkt des Samstags

Behemoth, die für die kurzfristig ausgefallenen Volbeat eingesprungen waren, beschlossen den Samstag auf der Main Stage mit einer beeindruckenden Machtdemonstration. Nergal und seine Mitstreiter betraten die Bühne mit jener eisigen Selbstgewissheit, die nur Bands ausstrahlen, die Black Metal längst aus dem Untergrund heraus in monumentale Dimensionen geführt hatten. Was folgte, war weniger ein gewöhnliches Konzert als vielmehr eine rituelle Strafpredigt.

Schon die ersten Minuten machten deutlich, dass Behemoth nicht nach Clisson gekommen waren, um zu gefallen. Die Gitarren schnitten wie peitschende Klingen durch die Nacht, das Schlagzeug marschierte mit unbarmherziger Präzision nach vorn und über allem thronte Nergals Stimme wie ein düsteres Zornesurteil. Jeder Song wurde mit maximaler Kontrolle und gewaltiger Wucht vorgetragen – kein Moment wirkte beiläufig, nichts blieb dem Zufall überlassen. Behemoth beherrschten das große Spektakel, ohne dabei ihre bedrohliche Aura einzubüßen.

Besonders eindrucksvoll zeigte sich die Stärke der Polen bei ihren größten Hymnen. Behemoth lebten von Dynamik: Sakral anmutende Passagen bauten eine beklemmende Atmosphäre auf, bevor sie in brachiale Klanggewalten umschlugen. Genau diese Kontraste sorgten live für den typischen Sog, der das Publikum zunächst hypnotisierte und anschließend mit voller Wucht traf. Das Hellfest wurde dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zur Bühne einer finsteren Inszenierung, die mit jeder Minute dichter und intensiver wirkte.

Hellfest - Impressionen 2026

Die Menge reagierte entsprechend gebannt. Wo andere Bands den Moshpit anheizten, erzeugten Behemoth eher eine Form kollektiver Ehrfurcht. Natürlich wurde auch hier gebangt, gedrückt und gejubelt, doch über dem gesamten Auftritt lag das Gefühl, Zeuge von etwas Größerem und Düstererem geworden zu sein. Das war kein Festivalspaß im klassischen Sinne – das war eine schwarze Messe mit Verstärkerwand.

Auch optisch ließen Behemoth nichts anbrennen. Die Inszenierung war konsequent auf Monumentalität und Bedrohung ausgelegt, ohne jemals zur bloßen Effekthascherei zu verkommen. Feuer, Licht und Symbolik fügten sich nahtlos in die Musik ein und unterstrichen die Atmosphäre, anstatt sie zu überlagern. Genau darin lag die große Stärke der Band: Sie wirkte nie wie eine Gruppe, die Black Metal lediglich zitierte, sondern wie eine Formation, die das Genre konsequent weiterentwickelte und in eine moderne, monumentale Form gegossen hatte.

Im Line-up des Hellfest standen Behemoth damit wie ein finsterer Obelisk zwischen Party, Thrash und Hardcore. Ihr Auftritt war hart, majestätisch und bis ins kleinste Detail kontrolliert. Es war ein Statement, das nicht laut sein musste, um tief zu schneiden.

Mit Behemoth endete ein Samstag, der die gesamte Bandbreite harter Musik eindrucksvoll widerspiegelte. Von den düsteren Black-Metal-Ritualen Hulders über die kompromisslose Wucht von King 810, den klassischen Heavy Metal von Gatekeeper, die Thrash-Attacken von Crisix, Anthrax und Megadeth, die Hardcore-Energie der Cro-Mags bis hin zur ausgelassenen Party von Limp Bizkit zeigte das Hellfest 2026 einmal mehr, warum es zu den bedeutendsten und vielseitigsten Metal-Festivals der Welt zählte. Der Samstag bot nicht nur große Namen, sondern vor allem große Momente – intensiv, abwechslungsreich und voller Leidenschaft für die härteste Musik der Welt.

Der Sonntag

Früher Punkrock sorgt für Chaos

The Dwarves waren genau der eine Programmpunkt, der den sonnigen Festivalvormittag mit einer ordentlichen Portion Anarchie auflud. Schon der bloße Gedanke an diese Punkrock-Provokateure aus Chicago genügte, um klarzumachen: Hier wurde keine gepflegte Nostalgie zelebriert, hier wurde gelacht, gespuckt und frontal gegen das Schienbein getreten.

Auf der Main Stage lieferten The Dwarves genau das, was ihr Ruf versprach: kurz, dreckig, ungehobelt und mit einer klaren Ansage gegen jede Form von Festival-Behäbigkeit. Die Band lebte seit den späten 1980er-Jahren von „bad taste, violence, scatology“ – und genau diese Mischung machte ihren Auftritt so reizvoll wie unberechenbar. Statt einer sauberen Rockshow gab es provozierenden Punk mit maximalem Krawallfaktor, der die ersten Reihen gehörig aufscheuchte.

Gerade auf einer Hauptbühne des Hellfest wirkte dieser Slot wie ein bewusst gesetzter Störimpuls. The Dwarves waren keine Band, die man andächtig betrachtete; sie forderten Reaktion, Irritation und am besten beides gleichzeitig. Die kurzen, scharfkantigen Songs peitschten das Set nach vorn, und die ganze Show lebte davon, dass sie nie auf Perfektion, sondern ausschließlich auf maximale Wirkung zielte.

Das Publikum wirkte entsprechend gespalten, aber definitiv nicht gelangweilt. Während andere Acts am Mittag auf lockere Einstimmung setzten, brachten The Dwarves Chaos, Witz und eine herrlich unverschämte Attitüde auf die Bühne. Genau darin lag ihre Stärke: Sie waren alt genug, um auf eine lange Punkgeschichte zurückzublicken, gleichzeitig aber frech genug, so zu tun, als wollten sie noch immer jeden Moment eine Bühne anzünden.

The Dwarves erinnerten daran, dass Punk nicht geschniegelt sein muss, um zu funktionieren – im Gegenteil: Je rotziger und härter, desto besser. Und wenn das Ganze dann noch mit einem breiten Grinsen und einer gehörigen Portion Geschmacklosigkeit vorgetragen wurde, passte es verdammt gut ins kontrollierte Chaos von Clisson.

Hardcore mit voller Wucht

End It waren genau die Art von Band, die ein Festival nicht brauchte, um groß zu wirken, die ein Festival aber dringend braucht, um lebendig zu bleiben. Die Hardcore-Truppe aus Baltimore brachte keine aufgesetzte Pose mit, kein pathetisches Gehabe und schon gar keine Lust auf Kompromisse. Stattdessen gab es blanke Wut – komprimiert auf wenige, aber gnadenlos wirkungsvolle Minuten.

Schon nach den ersten Takten war klar: Hier wurde nicht lange gefackelt. End It schleuderten ihren Sound wie einen Presslufthammer ins Publikum – mit schnellen Riffs, stoischem Groove und jener bitteren Direktheit, die moderner Hardcore nur dann besitzt, wenn er sich nicht um Gefälligkeit schert. Der Auftritt lebte von Spannung, Geschwindigkeit und einem permanenten Alles-oder-nichts-Gefühl.

Frontmann Akil Godsey stand dabei wie ein Ausrufezeichen auf zwei Beinen vor der Menge. Seine Performance war keine klassische Show, sondern pure körperliche Entladung. Er wirkte, als würde er jede Zeile nicht singen, sondern aus sich herausreißen. Genau das übertrug sich auf die Crowd, die sofort mitging: Circle Pits, Bewegung, Geschubse und kollektiver Kontrollverlust.

Die Stärke von End It lag darin, dass sie Hardcore nicht als Museumspflege begriffen. Die Band klang modern, aber nicht glatt; aggressiv, aber nicht beliebig; politisch aufgeladen, aber nie belehrend. Auf einer riesigen Festivalbühne funktionierte das erstaunlich gut, weil die Songs trotz ihrer Kürze und Härte sofort zündeten. Es brauchte keine lange Anlaufzeit, keine komplizierte Dramaturgie – nur den ersten Schlag.

Auf dem Hellfest waren End It ein willkommener Gegenentwurf zu den großen, perfekt durchinszenierten Namen. Während andere Acts Größe über Produktion definierten, setzten End It auf unmittelbare Wucht. Das war roh, direkt und unverwechselbar. Genau deshalb blieb dieser Auftritt nachhaltig in Erinnerung.

Ein Set wie ein Straßenkampf im Schnelldurchlauf: brutal, knapp, erbarmungslos und mit voller Wucht ins Gesicht.

The Bones waren genau die Sorte Band, die ein Festival-Line-up sofort sympathischer machte. Ohne großes Aufblasen, aber mit reichlich Schmiere im Sound und einer ordentlichen Portion Rock’n’Roll-Charme lieferten die Schweden eine Show ab, die irgendwo zwischen Punk-Attitüde, dreckigem Hardrock und biergetränkter Eskalation pendelte.

Von der ersten Minute an war klar, dass The Bones nicht gekommen waren, um irgendetwas zu verkomplizieren. Die Songs kamen direkt, kurz und mit jener rotzigen Energie, die live sofort zündete. Keine ausufernden Soli, keine aufgeblasene Inszenierung – stattdessen riffsatte Refrains, Schweiß, Bewegung und diese herrliche Unmittelbarkeit, die man auf einem Festival wie dem Hellfest einfach lieben musste.

Besonders stark war dabei die Mischung aus lockerer Spielfreude und räudiger Konsequenz. The Bones wirkten nie geschniegelt oder kalkuliert, sondern eher wie eine Band, die sich den Dreck unter den Nägeln bewusst bewahrt hatte. Genau das machte ihren Auftritt so angenehm unprätentiös. Während anderswo Monumentalität regierte, setzten sie auf Druck, Groove und eine gute Portion dreckigen Spaß.

Das Publikum ging diesen Weg sofort mit. Wo The Bones spielten, entstand kein feierlich-distanzierter Konzertmodus, sondern Bewegung in der Masse. Köpfe nickten, Fäuste gingen nach oben, und der Platz vor der Bühne bekam genau jene spezielle Form von kontrolliertem Chaos, die zwischen Punk und Hardrock besonders gut funktioniert.

Ihre größte Waffe war die Direktheit – und genau die saß. Das Resultat war ein Auftritt, der nicht den Anspruch hatte, das Festival zu dominieren, aber verdammt effektiv dafür sorgte, dass man ihn nicht so schnell vergaß.

Ein Set wie ein Schlag mit einem rostigen Motorradhelm ins Gesicht: laut, dreckig und mit erstaunlich viel Spaßfaktor.

Buzzcocks lieferten ein Lehrstück darüber, wie viel Wucht in drei Akkorden, Tempo und Haltung stecken kann. Die britischen Punk-Veteranen betraten an diesem höllenheißen Nachmittag die Warzone ohne unnötiges Getöse, aber mit genau jener Selbstverständlichkeit, die nur Bands besitzen, die ihr Genre nachhaltig geprägt haben. Kein Pathos, kein Zierrat – stattdessen sofortiger Vorwärtsdrang.

Von Beginn an bewegte sich der Auftritt zwischen Nostalgie und Gegenwart. Buzzcocks klangen nicht wie eine Band, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhte, sondern wie eine noch immer hungrige Live-Maschine. Die Songs kamen kurz, direkt und mit jener wunderbar ungeschliffenen Energie, die Punk bis heute zeitlos macht. Jeder Refrain wirkte wie eine Einladung zum Mitsingen, jeder Riff-Impuls wie ein kleiner elektrischer Schlag.

Besonders beeindruckend war, wie mühelos die Band die Brücke zwischen Melodie und Attacke schlug. Buzzcocks waren schon immer mehr als bloße Geschwindigkeit. Ihre Stärke lag in diesem knackigen Zusammenspiel aus rotzigem Druck und eingängigen Hooks. Auf dem Hellfest entfaltete das eine enorme Sogwirkung, weil die Band selbst im kompakten Festivalformat nichts von ihrer Unmittelbarkeit verlor.

Vor der Bühne entstand genau die Art von Bewegung, die Punk live braucht: kein choreografierter Moshpit, sondern spontanes Mitgehen, erhobene Arme und ausgelassenes Gepoge. Buzzcocks wirkten dabei nie wie eine Band, die um Aufmerksamkeit betteln musste – sie bekamen sie, weil sie sie sich über Jahrzehnte verdient hatten. Das Publikum reagierte entsprechend laut, direkt und mit jener ehrlichen Begeisterung, die echte Szene-Originale noch immer auslösen.

Auf dem Hellfest setzten Buzzcocks einen charmanten, aber entschlossenen Kontrapunkt zu den großen Metal- und Extreme-Metal-Acts. Sie lieferten keine Monumentalshow, sondern ein Stück musikalischer Erdung: schnell, kompromisslos und voll jener Energie, die Punk seit Jahrzehnten am Leben hält. Gerade darin lag eine der größten Stärken dieses Genres.

Punk-Hymnen für die Main Stage

Pennywise waren genau die Art von Band, die ein Festivalgelände innerhalb weniger Sekunden von bloßer Anwesenheit in kollektive Bewegung versetzten. Die Kalifornier kamen nicht mit großen Manövern oder aufgesetzter Dramaturgie auf die Main Stage, sondern mit jener ungebremsten Direktheit, für die sie seit Jahrzehnten stehen. Was folgte, war ein Set voller Tempo, Haltung und jener typischen Punk-Entschlossenheit, die sofort zündete.

Von Beginn an drückte die Band das Gaspedal durch. Pennywise eröffneten ihr Set mit „Peaceful Day“, gefolgt von „Straight Ahead“. Danach reihten sich „Wouldn’t It Be Nice“, „Same Old Story“, „My Own Country“, „The World“, „Fuck Authority“ und „Do What You Want“ nahtlos aneinander.

Gerade live entfaltete das eine enorme Wirkung. Die Refrains saßen, die Riffs gingen sofort ins Ohr und die Rhythmussektion trieb alles mit stoischer Konsequenz nach vorn. Das war keine Show für Zögerliche, sondern ein klarer Aufruf zum Mitmachen.

Frontmann Jim Lindberg gab dabei wie gewohnt den perfekten Anheizer. Seine Ansagen waren knapp, die Körpersprache energiegeladen und zwischen den Songs entstand nicht eine einzige Sekunde Leerlauf. Pennywise wussten ganz genau, dass ihre größte Stärke in der Unmittelbarkeit lag – und genau diese lieferten sie kompromisslos ab. Nichts wirkte kalkuliert, alles war auf Reaktion und maximale Energie ausgelegt.

Besonders eindrucksvoll war, wie die Band ihre großen Hymnen in das Set einbettete. Sobald die bekannten Songs erklangen, reagierte das Publikum sofort: Fäuste schossen in die Höhe, tausende Stimmen sangen mit und vor der Bühne herrschte pausenlos Bewegung. Das war kein klassischer Metal-Moshpit, sondern diese besondere Form gemeinsamer Punk-Euphorie, die auf einem Festival wie dem Hellfest hervorragend funktionierte. Pennywise schafften es dabei mühelos, sowohl langjährige Fans als auch neugierige Festivalbesucher mitzunehmen.

Im Kontrast zu den monumentalen Metal-Shows des Wochenendes wirkten Pennywise fast wohltuend direkt. Kein Bombast, keine übertriebene Inszenierung, keine Distanz – nur Geschwindigkeit, Energie und ehrliche Überzeugung. Gerade deshalb blieb ihr Auftritt lange im Gedächtnis.

Moderne Metal-Giganten übernehmen

Architects lieferten auf dem Hellfest 2026 einen Auftritt ab, der zwischen tonnenschwerer Präzision und emotionaler Wucht pendelte. Die Band aus Brighton zeigte einmal mehr, warum sie längst zu den größten Namen des modernen Metalcore zählt: technisch brillant, klanglich überwältigend und live mit einer Energie, die das Festivalgelände vom ersten Moment an erfasste.

Schon früh im Set wurde deutlich, dass Architects nicht ausschließlich auf brachiale Zerstörung setzten, sondern auf Dynamik. Die Gitarren klangen messerscharf, das Schlagzeug trieb mit fast maschinenhafter Präzision nach vorn und Sam Carter stand mit jener intensiven Präsenz im Mittelpunkt, die mühelos zwischen Verzweiflung, Wut und absoluter Kontrolle wechselte. Genau diese Mischung machte den Reiz der Band aus: Architects wirkten niemals beliebig, sondern jederzeit emotional aufgeladen.

Hellfest - Impressionen 2026

Besonders eindrucksvoll funktionierten jene Songs, in denen die Band zwischen vernichtenden Breakdowns und melodischen Passagen wechselte. Dort entfaltete sich die eigentliche Stärke des Auftritts. Sobald die schweren Parts einschlugen, explodierte die Stimmung vor der Bühne. Wenn anschließend die hymnischen Momente einsetzten, hob sich die Atmosphäre spürbar an. Das war kein stumpfer Dauerangriff, sondern eine perfekt dosierte Eskalation.

Auch die Reaktion des Publikums sprach für sich. Architects zogen nicht nur die Metalcore-Fans an, sondern überzeugten das gesamte Hellfest-Publikum mit ihrer Mischung aus Härte und Emotionalität. Circle Pits rotierten ununterbrochen, Arme gingen in die Höhe, und dennoch behielt die Band jederzeit die Kontrolle über das Geschehen. Gerade auf einer derart großen Festivalbühne wirkte diese Souveränität besonders beeindruckend.

Im Vergleich zu manch anderem Act des Wochenendes klangen Architects modern, eindringlich und absolut präzise. Keine überflüssigen Gesten, keine weichen Kanten – nur Druck, Melodie und ein klares Verständnis dafür, wie zeitgemäßer Metalcore im Jahr 2026 klingen kann.

Mit einem einzigen Wort ließ sich dieser Auftritt zusammenfassen: kompromisslos.

Ein Konzert, das nicht nur durch Lautstärke überzeugte, sondern ebenso durch Atmosphäre, technische Klasse und emotionale Substanz.

Bad Omens lieferten einen Gig ab, der weniger auf rohe Abrissenergie setzte als auf Atmosphäre, Spannung und eine präzise inszenierte Wucht. Die Band bewegte sich souverän zwischen modernem Metal, düsterem Pathos und eingängigen Hooks und zeigte eindrucksvoll, warum sie inzwischen zu den gefragtesten Acts der Szene gehört. Ihr Set eröffneten sie mit „Specter“ und „Glass Houses“.

Schon früh wurde deutlich, dass Bad Omens nicht einfach nur laut sein wollten. Die Songs bauten kontinuierlich Druck auf, arbeiteten mit Dynamik und lebten von jener Mischung aus Härte und Melodie, die live ihre größte Wirkung entfaltete. Noah Sebastian führte die Band mit kontrollierter Präsenz an. Sein Gesang pendelte mühelos zwischen verletzlicher Klarheit und wütender Entladung und verlieh dem Auftritt genau jene emotionale Tiefe, die viele ihrer Songs benötigen.

Hellfest - Impressionen 2026

Besonders beeindruckend war, wie geschickt die Band die Dimensionen des Festivals für sich nutzte. Während andere Acts ausschließlich auf Lautstärke setzten, erzeugten Bad Omens eine fast cineastisch anmutende Atmosphäre. Die schweren Passagen trafen mit voller Wucht, die melodischen Refrains öffneten den Raum, und genau dieses Wechselspiel zog das Publikum immer tiefer in den Bann. Das Ergebnis war kein ununterbrochener Moshpit-Dauerbetrieb, sondern ein kontrollierter Sog, der die Zuschauer bis zum letzten Song fesselte.

Auch optisch passte der Auftritt perfekt zur Ästhetik der Band. Bad Omens wirkten modern, stilbewusst und gleichzeitig düster genug, um sich klar von bloßer Pop-Attitüde abzugrenzen. Das erschien nie künstlich oder aufgesetzt, sondern wie eine konsequente Erweiterung ihrer Musik. Auf einer Bühne wie der des Hellfest funktionierte dieses Konzept besonders gut, weil die Band sowohl Härte als auch große Emotionen glaubwürdig miteinander verband.

Im Gesamtkontext des Festivals setzten Bad Omens damit einen deutlichen Kontrapunkt zu den klassischen Metal- und Thrash-Größen. Sie standen für die jüngere Generation harter Musik – eine Generation, die keine Berührungsängste mit Melodie, Atmosphäre und perfekter Inszenierung hat. Gerade dadurch blieb ihr Auftritt nachhaltig in Erinnerung: nicht als der brachialste Moment des Tages, sondern als einer der atmosphärisch dichtesten.

Ein starker Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, wie moderner Metal heute klingen kann, wenn Technik, Songwriting und Emotion perfekt ineinandergreifen. Bad Omens spielten auf dem Hellfest 2026 nicht gegen die Größe des Festivals an – sie nutzten sie, um ihren ganz eigenen, kontrollierten Ausnahmezustand zu erschaffen.

Ein Finale voller Hits und Emotionen

Mit The Offspring entstand genau jene Art von Festivalmoment, bei der selbst hart gesottene Metalheads plötzlich wieder breit grinsten. Die Kalifornier lieferten einen Auftritt ab, der zwischen Punk-Party, Nostalgie-Flash und erstaunlich viel Energie pendelte und damit ganz locker zu den leichtfüßigsten, aber zugleich effektivsten Shows des gesamten Wochenendes gehörte.

Schon der Einstieg machte deutlich, dass hier keine müde Rückschau auf vergangene Erfolge folgen würde. The Offspring gingen mit Tempo und einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit in ihr Set, als wären die vergangenen drei Jahrzehnte lediglich ein ausgedehntes Warm-up gewesen. Dexter Holland hielt das Geschehen mit routinierter Gelassenheit zusammen, während Noodles wie gewohnt als sympathischer Chaosfaktor und Entertainer über die Bühne wirbelte. Genau diese Mischung aus musikalischer Präzision und augenzwinkerndem Humor machte die Band seit jeher zu einem herausragenden Live-Act.

Musikalisch saß alles dort, wo es sitzen musste. Die Gitarren klangen druckvoll und messerscharf, das Schlagzeug verlieh den Songs den nötigen Punch, und die Refrains entfalteten sofort ihre bekannte Wirkung. The Offspring besitzen nach wie vor diese seltene Fähigkeit, Songs zu schreiben, die bereits auf Albumgröße angelegt sind und live ihre volle Kraft entfalten. Kaum erklangen die ersten großen Hits, verwandelte sich das Infield in einen riesigen Chor aus erhobenen Armen, lauten Mitsingmomenten und ausgelassener Festivalstimmung.

Besonders beeindruckend war, wie mühelos die Band zwischen rotzigem Skatepunk und großem Festivalentertainment wechselte. Nichts wirkte bemüht oder einstudiert. Stattdessen präsentierten The Offspring eine Show, die sich ihrer eigenen Qualitäten vollkommen bewusst war: eingängige Songs, viel Bewegung, humorvolle Ansagen und genau die richtige Portion Anarchie, damit der Nachmittag niemals in Routine verfiel.

Zwischen all den düsteren, kompromisslosen Metal-Acts des Hellfest wirkten The Offspring beinahe wie ein dringend benötigter Farbtupfer. Sie brachten Leichtigkeit, Humor und eine ansteckende Spielfreude auf die Bühne, ohne dabei auch nur ansatzweise an Energie oder Druck einzubüßen. Gerade dieser Kontrast machte ihren Auftritt zu einem der unterhaltsamsten des gesamten Festivals.

Am Ende blieb eine Show, die weniger durch Schwere als vielmehr durch pure Lebensfreude überzeugte. The Offspring lieferten auf dem Hellfest 2026 weder eine düstere Messe noch einen kompromisslosen Abriss, sondern eine eindrucksvolle Erinnerung daran, wie viel Spaß laute Gitarren, starke Melodien und eine hervorragend eingespielte Band auch nach Jahrzehnten noch bereiten können.

Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Festivals

Mit dem Sonntag fand das Hellfest 2026 einen Abschluss, der die enorme Bandbreite des Festivals noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte. Vom rotzigen Punk der The Dwarves über kompromisslosen Hardcore von End It, klassische Punk-Legenden wie Buzzcocks und Pennywise bis hin zu modernem Metalcore von Architects und Bad Omens sowie dem mitreißenden Finale von The Offspring zeigte sich einmal mehr, warum das Hellfest zu den wichtigsten Festivals der internationalen Rock- und Metalszene gehört.

An vier Tagen trafen unterschiedlichste Stilrichtungen aufeinander, ohne dass das Festival jemals seinen roten Faden verlor. Zwischen legendären Veteranen, aufstrebenden Newcomern und den größten Namen der Szene entstand eine Atmosphäre, die weit über ein gewöhnliches Musikfestival hinausging. Trotz der Menschenmassen, der Hitze und der langen Wege überzeugte das Hellfest erneut mit einer hervorragenden Organisation, einer einzigartigen Kulisse und einem Publikum, das Musik aus voller Überzeugung lebte.

Hellfest 2026 war weit mehr als eine Aneinanderreihung großartiger Konzerte. Es war ein viertägiges Fest der harten Musik, geprägt von Leidenschaft, Gemeinschaft und unzähligen unvergesslichen Momenten – auf und vor den Bühnen.

Hellfest 2026 – danke für den Lärm, den Staub, die sengende Sonne und den unvermeidlichen Muskelkater. Wir waren dabei und würden jederzeit wiederkommen.

Hellfest 2026: Fotogalerie von Samstag und Sonntag

Paranoyd Magazin