Berlin | 08.08.2026 – Die diesjährige Ausgabe des bandeigenen Festivals von Electric Callboy fand zum ersten Mal in der Bundeshauptstadt statt. Als Location hatte man das Open-Air-Amphitheater im Volkspark Wuhlheide ausgesucht. Knapp 9.000 zahlende Zuschauer konnten angelockt werden und feierten gemeinsam den Release des neuen Albums TANZNEID sowie den Erfolg des letzten Albums TEKKNO.
Moderiert wurde das Festival vom Duo Krogi und Evil Jared, die bereits am Vortag im Berliner Huxleys das Escalation Fest mit einem eigenen musikalischen Set eröffnet hatten.
Von Dino-Metal bis Pirate Metal
Musikalisch eröffnet wurde der Tag dann von der kinderfreundlichen Dino-Metal-Band Heavysaurus. Das gefiel jedoch nicht nur dem jüngeren Publikum, denn Heavysaurus richtete sich auch explizit an alle inneren Kinder, die den Menschen jeden Alters innewohnen. Mit Songs, die nicht nur aufgrund der Stimmfarbe des Leaddinos Mr. Heavysaurus stark an Introlieder altbekannter Anime-Klassiker erinnerten, konnten die Zuschauer bereits zum Start des Festivals um 15 Uhr zum Feiern und Mitsingen gebracht werden.
Das Wetter war der Feierlaune bei 24 Grad und Sonnenschein dabei wohlgesonnen. So blieb die Stimmung auch bei der folgenden ukrainischen Rockband The Hardkiss erhalten. Wie auch Electric Callboy hatte The Hardkiss eine Vorgeschichte rund um den Eurovision Song Contest. Während die deutsche Band seinerzeit gar nicht erst zum nationalen Vorentscheid zugelassen worden war, konnten die Ukrainer im Jahr 2016 immerhin den zweiten Platz ihres nationalen Vorentscheids belegen. Auch wenn es der damals erfolgreiche Song „Helpless“ heutzutage nicht mehr auf die Setlist schaffte, hatte The Hardkiss dennoch reichlich rockiges Material dabei, um die Gäste in der Berliner Wuhlheide zum Tanzen zu animieren.
Nach Dino-Metal und ukrainischem Rock ging es erneut musikalisch in eine völlig andere Richtung, denn Alestorm war nun an der Reihe und brachte Pirate Metal nach Berlin. Stimmungstechnisch war dies der bisherige Höhepunkt des Tages, was bei einer Band wie Alestorm niemanden überraschen dürfte. Die Musik der Schotten animierte auch jene, die vorher noch nie in den Genuss dieser Klänge gekommen waren, dazu mitzuschunkeln. Bei Texten, die sich hauptsächlich darum drehten, reichlich Bier zu konsumieren, gab es dafür kaum einen besseren Ort als ein Festival.
Die riesigen Gummienten, die während des Sets durch das Publikum surften wie Piratenschiffe durch die raue See, waren dabei so beliebt, dass es ein gellendes Pfeifkonzert für die Security gab, als die Gummienten nach Abschluss des Alestorm-Sets schließlich wieder eingesammelt wurden.
The Rasmus und Paleface Swiss heizten Berlin ein
In der zweiten Hälfte des Tages ging es mit den finnischen Rocklegenden The Rasmus weiter. Die Gruppe rund um Frontmann Lauri Ylönen war bereits seit 1994 aktiv und vermutlich jedem bekannt, der zumindest im Jahr 2003 schon einmal ein Radio hatte laufen lassen, denn an ihrem damaligen Hit „In the Shadows“ mit seiner legendären Melodie gab es kein Vorbeikommen. So durfte eben jener Hit auch in Berlin nicht fehlen und bildete nach einigen Songs aus mehreren Ären der Bandgeschichte den krönenden Abschluss des Sets.
Als Co-Headliner gab es mit Paleface Swiss eine weitere international erfolgreiche Band. Kurz bevor die Gastgeber selbst die Bühne übernahmen, gab es also noch einmal eine Gelegenheit, sich ausreichend aufzuwärmen – und die wurde auch genutzt. Dutzende Crowdsurfer machten sich gleichzeitig, gepeitscht von den schnellen Riffs und den tiefen Growls der Schweizer, auf den Weg zum Bühnengraben und sorgten dafür, dass die Security-Mitarbeiter hart für ihr Geld arbeiten mussten.
Electric Callboy machten die Wuhlheide zur Partyzone
Nach dem Vorprogramm von fünf Bands war es am Abend nun Zeit für den Hauptact des Tages. Pünktlich zur Prime Time um 20:15 Uhr betraten Electric Callboy höchstselbst die Bühne und brachten die Wuhlheide zur völligen Ekstase. Fast zwei Stunden lang performten die Männer aus dem Ruhrpott ihre Klassiker, und auch gleich drei Live-Debüts gab es zu hören. Die zuvor unveröffentlichten Songs „The Savior“ und „Heartclub“ sowie die letzte Singleauskopplung vor dem Release des neuen Albums, „The Way You Are“, wurden zum ersten Mal vor Publikum gespielt.
Insgesamt gab es 21 Songs zu hören, begleitet von jeder Menge Special Effects. Praktisch jeder Song wurde von verschiedenfarbigen Pyroeffekten, Konfetti oder Lasershows untermalt. Natürlich durften auch stetig wechselnde Bühnenoutfits nicht fehlen. Ein Gastauftritt des Berliner Rappers FINCH für den gemeinsamen Song „Spaceman“ stand ebenfalls auf dem Programm.
Electric Callboy sorgten mit ihrem Set dafür, dass die knapp 9.000 Zuschauer bis zum Ende in Bewegung blieben. Zwischen Pyro, Konfetti, Lasern, Kostümwechseln und 21 Songs wurde die Wuhlheide zur passenden Kulisse für das Escalation Fest. Kurzum: Electric Callboy live zu sehen, macht einfach Spaß.
Am Ende des Konzerts wurde die Band selbst noch einmal von ihrem Management überrascht, denn neben dem Release von TANZNEID gab es einen weiteren Grund zu feiern. Das Album TEKKNO hatte offiziell mit 100.000 verkauften Platten den Goldstatus erreicht, und so bekam die Band am Ende ihres eigenen Festivals noch die passenden goldenen Schallplatten überreicht.
Für Electric Callboy geht es nach einer kurzen Pause weiter nach Japan und Australien, bevor die Band im nächsten Jahr auch wieder die deutschen Bühnen unsicher machen wird. Bereits jetzt gibt es für Februar 2027 Tickets für die TANZNEID World Tour in Leipzig, Hannover, Mannheim, Dortmund und Nürnberg. Ein Slot als Headliner beim Wacken 2027 ist ebenfalls bereits angekündigt.
Electric Callboy
Impressionen Escalation Fest 2026
Christoph Siebold
Christoph Siebold ist Gastfotograf und Schreiber aus Berlin. Er begleitet Live-Events für das Paranoyd Magazin mit Kamera und Berichten.
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