Zum nunmehr vierten Mal und zum dritten Mal unter dem Banner Dystopian Shows luden Leyka in „Das Rind“ am 17.04-18.04.26 nach Rüsselsheim. Nach den erfolgreichen Vorjahren mit Bands wie Sun Eater oder Monosphere entschieden sich die Mainzer dieses Jahr dazu, aus der Dystopia Show ein Dystopia Festival zu machen und gleich zwei Tage Vollgas zu geben.
Strahlender Sonnenschein
Leyka schafften es bisher immer pünktlich zu ihrer Dystopia Show, perfektes Frühlingswetter zu ergattern. So startete bei strahlendem Sonnenschein am Freitag die noch recht junge Kölner Post-Hardcore-Formation Palebloom das Minifestival. Das Trio setzte auch direkt die richtige Stimmung für das restliche Wochenende: gut komponierte Songs, Lyrics mit klarer Haltung und einer starken Bühnenpräsenz. Sängerin Lea und Gitarrist Julian nutzten die Bühne, um sie unablässig rauf und runter zu springen. Sehr starker Auftakt!
Als Nächstes betrat die Frankfurter Metalcore-Band Panicwaves die Bühne und legte soundtechnisch noch eine Schippe an Härte drauf. Treibende Riffs, gepaart mit aggressiven Vocals und catchy Refrains, mischten sie zu ihrem eigenen Sound und das anwesende Publikum wurde zu zahlreichen Pits und Mitmachaktionen animiert. Panicwaves hielten das Niveau für das Dystopian Festival weiter hoch.
Weiter ging es mit Devil May Care aus Würzburg. Das Quartett hatte in den letzten 1,5 bis 2 Jahren deutlich auf sich aufmerksam machen können. Mit ihrem etwas düsteren Mix aus Post-Hardcore und Alternative Rock wurde „Das Rind“ in eine dunkle dystopische Atmosphäre gehüllt. Trotzdem wurde auch bei Devil May Care ordentlich gemosht, einige Circle Pits wurden gestartet und die Band stark gefeiert und bejubelt. Vier Screens, auf denen visuell abgestimmte Einspieler liefen, sowie eine weibliche Androidstimme, über die Intros abliefen, integrierten sich perfekt in die Stimmung, die die Band schaffen wollte.
Abriss und Eskalation in Rüsselsheim
Am ersten Abend standen als Headliner dann die Gastgeber selbst auf der Bühne: Leyka mit Georgi von Colors of Autumn an der zweiten Gitarre und in bester Spiellaune. Obwohl Sänger Tom noch erkältungstechnisch angeschlagen war, lieferten er und Leyka eine headlinerwürdige Performance und „Das Rind“ war ein großer Moshpit. Die dort hängende Ampel wurde kurzerhand zur Moshampel erklärt und bei Grün durfte, beziehungsweise sollte gemosht werden. No need to say: Die Ampel war immer grün. Auch Videograf Nico Bohr gab ein kurzes Gastspiel an den Vocals und growlte eine Strophe bei „Coffin Nail“ mit. Neben Fotos und Videos kann der Mann eben auch Metalvocals.

Gegen 23:45 Uhr ging der erste Tag dann auch zu Ende und obwohl durchaus noch ein paar Leute ins „Rind“ gepasst hätten, sorgten alle Anwesenden für eine perfekte Stimmung und die Bands bedankten sich mit sehr starken Auftritten und legten die Messlatte für Tag zwei sehr hoch.
Tag 2 wurde noch wilder
Für den zweiten Tag versprach das Line-up weitere wilde Action. Um 20:00 Uhr fingen Dying Breed an, die Anwesenden direkt zum Sport in Form von Pits und Two-Step-Tänzen zu animieren, was dankend angenommen und ausgeführt wurde. Das Quintett erinnerte mit seinem Sound ein wenig an die Texaner von Kublai Khan, aber mit mehr Post-Hardcore-Einflüssen. Die Jungs aus Dillenburg waren selbst komplett geflasht von dem Support, den sie als Opener bekamen, und lieferten einen starken Auftakt für den zweiten Tag.
Waves Like Walls rissen „Das Rind“ ab
Als Nächste starteten Waves Like Walls und machten ab Sekunde eins klar, dass es in ihrem Set keine Zeit für Verschnaufpausen geben würde. Die Melodic-Hardcorer, deren Sound durchaus gewisse Ähnlichkeit mit The Ghost Inside aufwies, waren letztes Jahr unter anderem mit Hatebreed auf Tour und wurden kürzlich fürs diesjährige Summer Breeze Open Air bestätigt. Im „Das Rind“ sorgten sie als bereits zweite Band schon für die totale Eskalation und forderten, dass sich mindestens 20 Stagediver während ihres Sets finden sollten.
Angesichts der überschaubaren Locationgröße eine Herausforderung, die das Publikum aber sofort annahm. Ob es am Ende wirklich 20 waren, war in dem Chaos dann doch irgendwie nicht mehr feststellbar. Aber Waves Like Walls vertraten die Aspekte, die die Hardcoreszene groß gemacht hatten, wirklich von Herzen: antifaschistisch, gleichberechtigt und „Our Stage is your stage“. Zu „Keep Fighting“ sprang dann auch Sänger Mark kurzerhand selbst in den Pit und performte von dort. Die ersten zwei Bands hatten den Fans schon alles abverlangt, aber zwei Auftritte standen noch aus.
Wiedersehen mit einem alten Bekannten
Als vorletzte Band traten abermals die Gastgeber von Leyka auf. Diesmal gab es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten an der zweiten Gitarre: Phil, der letztes Jahr beim Years End Bash 2025 seinen Abschied aus der Band gegeben hatte, sprang heute noch mal ein.
Mit einem komplett anderen Set zum Vortag lieferten Leyka auch heute wieder 110 %. Wer sich fragte, ob die Fans noch Energie für weitere Stagedives, Moshpits und Two-Steps hatten, den konnte ich beruhigen: In der Umbaupause hatten alle wieder genug Energie getankt, um erneut zu eskalieren und „Das Rind“ in einen Hexenkessel zu verwandeln. Besonders, dass Phil ein unerwartetes Gastspiel an der Gitarre gab, wurde gefeiert, aber es war kein dauerhafter Wiedereinstieg. Man wird ihn bald mit seiner neuen Band Voidkid wieder hören und sehen können.
Chaosbay forderten den Rest
Das große Finale dieses zweitägigen Minifestivals bestritten dann Chaosbay aus Berlin. Das Quartett knüpfte mühelos an das Energielevel der anderen Bands an und lieferte ebenfalls von Anfang bis Ende ein Powerhouse an Set mit nur kleinen Pausen zum Durchatmen. Nicht mehr ganz so progressiv in ihrem Sound wie zu ihren Anfangstagen, lieferte Chaosbay trotzdem noch immer genug Abwechslung in ihren Songs. Von brachialen Riffs bis zu Mitsingparts, hier wurde alles geboten.
Auch als Gitarrist Alexander kurzzeitig eine kleine technische Schwierigkeit in Form einer gerissenen Saite hatte, wurde das gekonnt charmant überbrückt. Nach knapp 60 Minuten Spielzeit war dann aber auch die Energie von Bands und Publikum aufgebraucht. Aber es war ein starkes Festival, sehr gut organisiert, mit Bands und Fans, die Lust hatten zu feiern, zu tanzen und füreinander da zu sein.
Großes Lob an Leyka, Palebloom, Panicwaves, Devil May Care, Dying Breed, Waves Like Walls und Chaosbay für ihre starken Performances, ebenso an „Das Rind“ für die tolle Location und Crew und natürlich an alle Besucher, die für eine grandiose Stimmung und ein tolles Miteinander gesorgt hatten.
Wir sind gespannt, was sich Leyka für 2027 einfallen lässt.
Kevin Richter
Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.

















































