VREID waren mir bislang erstaunlicherweise entgangen – bis mich die Pressemeldung zu ihrem neuen Album „The Skies Turn Black“ erstmals gezielt auf die Band aufmerksam machte. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 in Sogndal, Vestland (Norwegen), sind sie jedoch längst eine feste Größe innerhalb der Black-Metal-Szene. Ihr Name, abgeleitet von einem archaischen norwegischen Begriff für „Zorn“, könnte kaum treffender gewählt sein – denn genau diese Energie prägt auch ihren Sound: rau, kompromisslos und mit ungebrochener Wucht. Mit ihrem neuesten Werk „The Skies Turn Black“, das am 6. März 2026 erscheint, melden sich die Norweger zurück – ein guter Moment, um direkt hineinzuhören und zu entdecken, was uns hier erwartet.
Es verdunkeln sich die Himmel
Noch bevor ein einziger Ton erklingt, zieht das Artwork von Kim Holm die Aufmerksamkeit auf sich. Das detailreiche Cover fängt die düstere Grundstimmung des Albums eindrucksvoll ein und setzt visuell den Rahmen für das, was folgt. Inhaltlich bestätigt sich dieser starke erste Eindruck: „The Skies Turn Black“ wirkt wie ein selbstbewusstes Statement in einer Zeit, in der viele Bands krampfhaft nach Innovation streben. VREID hingegen vertrauen auf ihre eigene Handschrift – und zeigen, dass konsequente Weiterentwicklung innerhalb der eigenen Klangwelt ebenso wirkungsvoll sein kann wie radikale Neuerfindung.
Mit „From These Woods“ eröffnet VREID ihr neues Album und setzt direkt ein markantes Ausrufezeichen. Schon in den ersten Momenten des Songs macht die Platte unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Ein sanftes Herantasten oder atmosphärisches Vorspiel bleibt aus – stattdessen walzen donnernde Drums mit Nachdruck nach vorn, begleitet von sägenden, schnellen und zugleich melodischen Gitarrenriffs, die präzise durch den Mix schneiden.
Zwischen Tribut und Sognefjord-Mythik
Der anschließende Titeltrack „The Skies Turn Black“ zeigt eine andere Facette der Band: In unter vier Minuten liefern VREID eine kompakte, energiegeladene Hommage an klassischen Heavy Metal – kraftvoll, fokussiert und überraschend direkt. Geschrieben wurde der Track von Bassist Jarle Kvåle als Tribut an Ozzy Osbourne und all jene Musik, die ihn prägte; somit bildet der Song zugleich auch das dunkle, atmosphärische Zentrum des Albums.
Auf dem neuen Studioalbum, das insgesamt elf Tracks umfasst, folgen direkt aufeinander der kürzeste und der längste Song. „Kraken“ ist das kompakteste Stück der Platte: ein atmosphärisches Instrumental ganz ohne Gesang, das in weniger als drei Minuten eine dichte Klanglandschaft entfaltet. VREID führen den Hörer gedanklich tief in den Sognefjord hinab, unter die dunkle Wasseroberfläche, an einen Ort, an dem Mythos und Realität auf eindrucksvolle Weise verschmelzen.
Unmittelbar darauf folgt dann der längste Track des Albums: „Loving the Dead“. Über acht Minuten lang entfaltet der Song seine Wirkung und überzeugt nicht nur durch Länge, sondern auch durch die prominente Mitwirkung von Gästen. Agnete Kjølsrud von Djerv prägt mit ihrem eindringlichen Gesang die dramatischen Momente, während Chris Pontius, bekannt aus Jackass, für eine überraschende und nostalgische Note sorgt, die dem Stück zusätzlichen Reiz verleiht.
Songwriting auf „The Skies Turn Black“: Präzise und druckvoll
„Chaos“ zählt zu den kraftvollsten Statements des Albums. Ein zunächst eher flirrendes, ich würde sagen, unheilvolles Intro baut Spannung auf, ein massives Riff folgt, das hier die Richtung vorgibt und dem Song seine Durchschlagskraft verleiht. VREID bewegen sich dabei souverän auf einem schmalen Grat zwischen präziser Härte und melodischer Atmosphäre. Die Wurzeln im Black Metal sind deutlich spürbar, doch zugleich öffnet sich hier der Sound auch für wärmere, melodietragende Elemente – ein Grund dafür dürfte der sehr präsente Bass sein; er verleiht dem Stück zusätzlich eine dynamische Ebene.
„Flammen“ ist ein weiterer Höhepunkt auf dem Album. Er sticht vor allem durch den Einsatz der norwegischen Sprache hervor, was dem Ganzen eine besondere Intensität verleiht. Der Track kombiniert wuchtige Arrangements mit einer wundervoll ausgeprägten Dramaturgie und verbindet damit die auf dem Album generell dunkle Atmosphäre mit der nordischen Direktheit. Es entsteht dabei eine kraftvolle Mischung aus Pathos und Rauheit, die das stilistische Spektrum der Band eindrucksvoll erweitert, ohne ihre musikalische Identität zu verwässern.
Mit „The Earth Rumbles“ findet das Album sein Ende. Der Song setzt weniger auf unmittelbare Dramatik, sondern überzeugt eher durch seine Funktion als Resümee der Platte: Noch einmal werden unterschiedliche Facetten des bandeigenen Sounds aufgegriffen und in einem geschlossenen Rahmen zusammengeführt. Zwischen atmosphärischer Dichte, kraftvollen Passagen und melodischer Weite entsteht ein Finale, das weniger überwältigen als vielmehr nachhallen will.

Jennifer Richter
Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.
