UNCLE ACID & THE DEADBEATS – „Shapes Of Midnight“ Review

UNCLE ACID & THE DEADBEATS – „Shapes Of Midnight“ Review

In der Welt von UNCLE ACID & THE DEADBEATS fühlte sich schon immer irgendetwas ein wenig falsch an, und genau darin liegt ein großer Teil ihrer Faszination. Nach dem synthielastigen Ausflug „Nell‘ Ora Blu“, dem Soundtrack zu einem imaginären Giallo-Film, kehren die Briten mit ihrem siebten Studioalbum „Shapes Of Midnight“ zurück.

Inspiriert unter anderem von Edgar Allan Poes „Die Maske des Roten Todes“ und den düsteren Seiten unserer Gegenwart, rücken diesmal die Gitarren wieder stärker in den Vordergrund. Aufgenommen wurde das Album live auf analogem Tonband in den legendären Abbey Road Studios, während Psychedelic Rock, Proto-Metal, NWOBHM, Jazz und Krautrock erneut zu diesem eigenwilligen Klangkosmos verschmelzen.

Bleibt also nur die Frage: Welche Gestalten erwarten uns diesmal in der Dunkelheit?

Willkommen im psychedelischen Albtraum

„House By The Grave“ öffnet die Türen zur eigenwilligen Welt von UNCLE ACID & THE DEADBEATS mit knarzenden, stark verzerrten Riffs und Kevin Starrs charakteristisch melodischem Gesang. Schweres, beckenbetontes Drumming legt das Fundament für einen Sound, dessen Wurzeln tief im Psych-Rock vergangener Jahrzehnte liegen.

Die nostalgische Atmosphäre trägt dabei von Beginn an einen melancholischen Unterton, während die ausgeprägte Gitarrenverzerrung den Oldschool-Charakter zusätzlich verstärkt. Grandiose Melodien treiben den Song immer weiter voran, doch die Schwere bleibt ein ständiger Begleiter. Gegen Ende gerät die Komposition zunehmend ins Wanken und streift kurz das Chaos, ohne dabei jemals wirklich die Kontrolle zu verlieren.

Der treibende Titeltrack „Shapes Of Midnight“ setzt auf doppelte Vocals, wobei Kevin Starrs von Rachel Burnett unterstützt wird, und verbreitet von Beginn an eine leicht nervöse Grundstimmung. Der Groove lässt nicht lange auf sich warten und plötzlich fühlt es sich an, als wäre man im falschen Jahrzehnt gelandet.

Eine eingängige Melodie setzt sich schnell im Kopf fest, während ein eher unaufdringliches, aber wirkungsvolles Grundriff das Fundament bildet. Im Vordergrund stehen vor allem das abwechslungsreiche Drumming und die vielseitige Vocal-Performance, doch auch der surrende, leicht wirre Bass verschafft sich immer wieder Gehör. Abgerundet von einem weiteren herrlich kreativen Solo entwickelt sich der Titeltrack für mich zu einem klaren Highlight des Albums.

„Don’t Let It Control You“ schlägt eine härtere Gangart ein, die sich sowohl im energischeren Gesang als auch in der deutlich wuchtigeren Instrumentierung bemerkbar macht. Gleichzeitig haftet dem Track etwas unheimlich Hypnotisches an, wofür vor allem die Vocals verantwortlich sind.

Sie entwickeln sich auch hier zu einem der tragenden Pfeiler und transportieren trotz aller Härte erstaunlich viel Emotion. Als kürzester Song des Albums kommt „Don’t Let It Control You“ schnell auf den Punkt, ohne dabei etwas von der dichten Stimmung einzubüßen.

Wenn die Siebziger plötzlich wieder lebendig werden

„Psycho On The Loose“ schlägt eine Brücke zwischen dem Space- und Glamrock der 70er und der späteren NWOBHM. Gespenstische Synthesizer und ein kurzes Spoken-Word-Sample eröffnen den Track, bevor sich ein auffällig präsenter Bass seinen Platz im Klangbild nimmt und hervorragend in das musikalische Konzept einfügt.

Der Groove lädt förmlich dazu ein, die Augen zu schließen und einfach zu tanzen. Besonders stark funktioniert dabei der Kontrast zwischen den teilweise übersteuerten, schweren Riffs und Kevin Starrs melodischem Gesang, eine Kombination, die sich immer mehr zu einer der großen Stärken des Albums entwickelt.

Schwer und mit einem unheimlichen Groove walzt sich „Sleep No More“ als letzter Track durch „Shapes Of Midnight“. Der verschleppte Rhythmus verleiht der Komposition eine beinahe bedrohliche Schwere, während die charakteristischen gedoppelten Vocals einen melodischen Gegenpol setzen.

Immer wieder heulen extrem verzerrte Gitarren auf, von gespenstischen Synths unterlegt und tief im psychedelischen Klangbild verankert. Besonders gegen Ende verschwimmen diese Elemente zunehmend miteinander, bis der Song seine greifbaren Konturen verliert und schließlich in einem gespenstischen Strudel aus Verzerrung und Synths versinkt.

Ein schwerer, hypnotischer und herrlich eigenwilliger Abschluss.

Fazit:

Mit „Shapes Of Midnight“ verbinden UNCLE ACID & THE DEADBEATS psychedelische Nostalgie, schweren Groove und unterschwelligen Horror zu einem ebenso eingängigen wie eigenwilligen Gesamtbild. Verzerrte Gitarren, hypnotische Vocals und kreative Soli prägen den Charakter, während besonders die Balance zwischen starker Melodik und bedrohlicher Schwere überzeugt. Nicht jeder Moment entfaltet die gleiche Wirkung, doch insgesamt bleibt ein düsterer, herrlich verschrobener Trip mit unverkennbarer Handschrift.

UNCLE ACID & THE DEADBEATS – „Shapes Of Midnight“ Review
Credit: Karin Hunt

Tracklist „Shapes Of Midnight“ Albumcover
Tracklist „Shapes Of Midnight“
  1. Tracklist „Shapes Of Midnight“
  2. House By The Grave
  3. Shapes Of Midnight
  4. When Evil Wakes
  5. Don’t Let It Control You
  6. Psycho On The Loose
  7. I Won’t Sleep (’Til You’re Gone)
  8. The Other Side Of The Sky
  9. Sleep No More
Album: „Shapes Of Midnight“
Release: 18. September 2026
Label: Killer Candy Records
Distribution: Redeye
Genre: Psychedelic Rock, Heavy Psych
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jennifer

Jennifer Richter

Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.

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