Die deutsche Heavy-Metal-Band TOMB OF GIANTS legt mit ihrer EP „Holding The Flame“ ein feuriges, kraftvolles Statement vor. Von den ersten markerschütternden Riffs bis hin zum letzten Ausklang liefert die Band eine Mischung aus klassischem Metal-Feeling und modernem Biss, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte EP zieht.
Seit 2013 zählt die Band aus Osnabrück zu einer der verlässlichsten Säulen der deutschen Heavy-Metal-Szene, und auch hier in dieser Veröffentlichung, zeigen sie erneut, warum. In der Besetzung mit Frontmann Kai Roarside, den Gitarristen Oliver Nienhüser und Yannik Moszynski, Bassist Daniel Melchior sowie Schlagzeuger Mirco Nienhüser verkörpert die Band die Nostalgie des traditionellen Metals.
Ihre Songs verbinden ungeschliffene Old-School-Energie mit modernen Akzenten und schaffen damit einen Sound, der gleichermaßen vertraut als auch frisch wirkt. Die druckvollen Gitarrenwände, die unverkennbare Old-School-Attitüde und die moderne Aggression formen eine klangliche Symbiose, die insbesondere Fans des klassischen Heavy Metals in ihren Bann ziehen dürfte, ohne dabei die jüngere Generation zu vergessen. Lasst uns nun zum wichtigsten kommen, der Musik.
Independent Artists auf dem Vormarsch?
Immer mehr nehmen einzelne Musiker, sowie ganze Bands, die Vermarktung und Produktion ihrer Werke selbst in die Hand. Auch die Jungs von TOMB OF GIANTS machen dies, schon seit ihrem selbst betitelten Debütalbum von 2013. Aber selbst für eine leidenschaftliche Independent-Band bringt der Weg nach oben immer wieder die Frage mit sich, ob personelle Veränderungen den Kurs wirklich stärken oder ins Wanken bringen. TOMB OF GIANTS aus Deutschland stehen mit ihrer neuen EP „Holding the Flame“ genau an diesem entscheidenden Wendepunkt.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 musste die Band bereits zwei Sänger ziehen lassen – eine Herausforderung, die viele Projekte ins Straucheln bringen würde. Doch anstatt nachzugeben, richtet die Truppe ihren Blick nach vorn. Mit Kai Roarside präsentiert sich nun ein neuer Frontmann, der auf dieser vier Tracks starken EP zum ersten Mal den postapokalyptisch glühenden Thron des Mikrofons übernimmt.
Ein Blick auf Logo und Artwork genügt, um zu erahnen, wohin die Reise geht: Hier schlägt ein Herz aus traditionellem Heavy Metal – stolz, und kompromisslos verwurzelt in alten Traditionen. Die Drums wirken trocken und präsent, die Gitarren behalten sowohl Biss als auch Breite, und der Gesang sitzt präzise im Zentrum des Mixes.
Dadurch entfaltet die EP eine beeindruckende Balance zwischen roher Energie und professioneller Präzision, die das Material deutlich aufwertet. Die Produktion von „Holding the Flame“ lag in den erfahrenen Händen von Andy Classen, einer Größe im europäischen Metal-Engineering. Seine langjährige Zusammenarbeit mit Bands wie HOLY MOSES und TANKARD erklärt, warum die EP in Sachen Klangbild besonders stark ausfällt. Classen gelingt es, der Band einen Sound zu verleihen, der gleichzeitig druckvoll, klar und akzentuiert ist.

Die EP greift genau das auf: griffige, hymnische Hooks, zweistimmige Gitarrenparts, die wie scharfe Schwerter durch die Songs schneiden, und kraftvolle sowie markante Vocals, die Roarsides Einstand mehr als nur rechtfertigt. „Holding the Flame“ klingt wie eine Band, die ihre Identität gefunden hat und sie mit erhobener Faust verteidigt. Der Opener ‚The Flame‘ macht keinerlei Gefangene: Ohne Umweg stürzt der Song in ein loderndes Doublebass-Feuer, das den Boden für eine ganze Armada an IRON MAIDEN- und JUDAS PRIEST-inspirierten Gitarrenriffs bereitet.
Hymnisch, treibend und mit eindrucksvoller Klarheit greift der Track jene Mischung aus Wut, Kraft und Melodie auf, die einst die großen Helden des klassischen Heavy Metal definierte. Das Gitarrenduo Oliver Nienhüser und Yannik Moszynski zeigt sich hier in Höchstform – harmonisch, ineinander spielend wie ein Zahnrad und so stilsicher, dass man sich beinahe zurückversetzt fühlt, in die guten alten 80er Jahre. Kai Roarside setzt mit seiner markanten Stimme dem Ganzen noch die Krone auf: Ein Bariton, der sich mühelos in kraftvolle Höhen ziehen kann oder auch in dunkle, fast schon bedrohende Tiefe fallen kann.
Klassischer Heavy Metal mit moderner Note
Besonders in ‚Evilnator‘ – einer im Stil von ACCEPT gehaltener walzenden Hymne, die problemlos als weiterer Track aus der „Balls to the Wall-Ära“ durchgehen könnte, erinnert sein Timbre zuweilen an Matt Barlow, an anderer Stelle sogar an Blaze Bayley. Mit ‚Midnight Devil‘ schlägt die EP eine leicht exotische, fast okkult schimmernde Note an: Ungewöhnliche Akkordfolgen, ein progressiv voran schreitender Midtempo-Groove und ein Refrain, der mit seiner Intensität geradezu nach einer Live-Explosion verlangt.
Hier zeigt sich die Band experimentierfreudig, ohne dabei den klassischen Rahmen zu sehr sprengen. Mit ‚When Destiny Calls‘ setzen TOMB OF GIANTS einen würdigen Schlusspunkt, der das Erbe des klassischen Heavy Metals konsequent weiterführt. Der Song präsentiert sich als hymnischer Höhepunkt, der all jene Qualitäten vereint, für die das Genre seit den 80ern so geschätzt wird: eine treibende, energiegeladene Grundstruktur, fließende Übergänge zwischen den einzelnen Parts und Melodiebögen, die sich mit bemerkenswerter Klarheit und Prägnanz entfalten.
Besonders hervorzuheben ist die harmonische Basis des Tracks, die einen emotionalen Sog erzeugt und den Song zu einem echten Finale erhebt. ‚When Destiny Calls‘ wirkt wie ein Statement – ein bewusst gesetzter Schlussakkord, der zeigt, dass die Band den klassischen Metal nicht nur interpretieren, sondern mit aufrichtiger Leidenschaft leben. Thematisch bleiben wir bei Grundwerten des klassischen Heavy Metals: Durchhaltevermögen, Kampfeslust, Selbstbehauptung und auch innere Stärke bilden das inhaltliche Rückgrat dieser EP. Diese Motive spiegeln nicht nur den Titel wider, sondern setzen auch deutliche Akzente im Songwriting.
Musikalisch liefern TOMB OF GIANTS mit straffen, durchdachten Strukturen: große, eingängige Riffs, clevere gesetzte Tempowechsel und Soli, die sowohl technisch ausgereift als auch melodisch nachvollziehbar sind. Die Rhythmusgruppe agiert bemerkenswert geschlossen, während die beiden Gitarristen mit harmonisierten Leads und pointierten Akzenten das Erbe der großen 80er-Jahre-Metal-Duos hörbar weitertragen.

