Am 14. November 2025 erschien die Sieben Track EP „Überwunden“ von Tilda und Randale. Ein kurzes Format, das aber trotzdem viel erzählen will. Inhaltlich kreist das Mini-Album um Prozesse des Loslassens, des Heilens und des persönlichen Wachstums. Große Themen also, verpackt in einer Mischung aus Punk, Indie und einem dunkleren Grundton, der sich durch alle Songs zieht.
Tilda und Randale und ihr leiser Einstieg mit Absicht
Den Auftakt macht An den Gleisen, ein rein instrumentales Intro mit sanfter Gitarre und ohne Gesang. Das Stück gleitet eher, als dass es beginnt und wirkt wie ein bewusst gesetzter Atemzug vor dem eigentlichen Start. Formal betrachtet besteht die EP damit eher aus sechs Songs, denn An den Gleisen fungiert hier eher als atmosphärischer Türöffner. Erst mit Auf stiller Jagd setzt der Gesang ein und damit auch die eigentliche Erzählung.
Der Song ist rotzig, aber nicht wütend. Punkig ja, aber nicht hektisch. Statt Dauerfeuer gibt es hier kontrollierte Energie, die sich Zeit nimmt. Ein unerwarteter Break bringt einen fast bluesigen Einschlag mit sich, nett gemeint und handwerklich sauber, wenn auch etwas überraschend in diesem Kontext. Die Stimme des Sängers bleibt allerdings ein heikler Punkt. Punk ist bekanntlich kein Genre für Opernambitionen, aber ein Mindestmaß an Wärme und Kontrolle darf man sich dennoch wünschen. Hier bleibt ein leichter Abstand, der sich nicht ganz auflösen will.

Gute Songs bei Tilda und Randale, aber mit einem Stolperstein
Mit Fischer wird das Tempo erstmal ein wenig rausgenommen. Gezupfte Gitarre, ein entspannter Beat, dazu Gesang und Schlagzeug, die ordentlich ineinandergreifen. Der Song ist eingängig, sauber gebaut und hat einen Refrain, der hängenbleibt. Textlich sticht vor allem die Zeile „Keine Chance gegen Maschinen“ heraus, die Interpretationsraum lässt und sich auf die gegenwärtige Zeit beziehen lässt. Und trotzdem stolpert er wieder über denselben Punkt. Der Gesang nimmt ihm etwas von seiner Wirkung. Nicht, weil er komplett aus dem Rahmen fällt, sondern weil man ständig das Gefühl hat, da wäre noch Luft nach oben.
Gesichter macht es ähnlich. Die Zeile „Es kostet Kraft zu überlegen“ sitzt und trifft einen Nerv, gerade weil sie so unspektakulär daherkommt. Musikalisch ist der Song leicht indie angehaucht, geht schnell ins Ohr und trägt diesen melancholischen Grundton, der sich durch die gesamte EP zieht. Über allem liegt ein dunkler Schleier, aber keiner, der alles erdrückt. Eher einer, der still mitläuft.
Dunkler Punk mit Potenzial
Wofür legt im Tempo zu, ohne gleich komplett auszurasten. Die Gitarre übernimmt hier das Kommando und funktioniert auffallend gut. Auch die Stimme wirkt an dieser Stelle besser eingebettet und weniger sperrig als zuvor. Der Ansatz von Tilda und Randale geht auf, der Sound fühlt sich frischer an als in weiten Teilen des Genres. Mit Kalter Rauch endet die EP schließlich solide und ohne großes Nachbeben.
Musikalisch stimmig, atmosphärisch passend, aber es zeigt sich auch, dass sechs Songs völlig ausreichen. Nicht weil Tilda und Randale schlechte Musik machen, im Gegenteil, sondern weil der Gesang auf Dauer anstrengt. Die Songs sind hörenswert, die Texte durchdacht. Doch mehr davon am Stück wäre zu viel. Auch wenn das selbstverständlich immer Ansichtssache ist.
Mehr zur Band Tilda und Randale findet ihr in den Socials:

Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.
