Mit „Year Of The Cat“ legt die Kölner Pop-Rockband STILL TALK ein Album vor (VÖ 21.11.2024), das sich hörbar Mühe gibt, viele Emotionen und Stimmungen einzufangen. Zum Auftakt servieren sie ein kurzes Intro, das freundlich vor sich hinplätschert. Kann man machen, kann man lassen. Es ist eines dieser Intros, über die sich die Lager gerne spalten, weil es weder wehtut noch besonders viel beiträgt. Doch danach geht es dann endlich los.
„Ghost“ bringt einen punkigen Touch mit einem kleinen Schuss Pop. Sängerin Tanja Kührer singt von inneren Defekten, Isolation und all dem, was man im modernen Großstadtherz inzwischen zu oft findet. Der Song bleibt ein wenig im Ohr, zumindest so lange, bis der nächste Track beginnt. Es ist solide, energetisch, aber kein sofortiger Volltreffer.
Zwischen Skatepunk, Erinnerung und emotionaler Schwere
„Blacking Out In TKMAXX“ hat zumindest ein Thema, das man nicht alle Tage hört. Körperliche Schwäche, mentale Erschöpfung und der ewige Kampf zwischen Selbstanspruch und Realität werden hier musikalisch verpackt. Der Song hat eine interessante Struktur. Ein Wechsel vom leicht punkigen Ansatz in eine ruhige Akustikpassage und zurück in ein E Gitarrensolo hebt ihn ein wenig ab.
Mit „Not Like That“ geht es in bekannte Gefilde. Beziehungen, Selbstwert, toxische Muster, das große Abgrenzen vom gestern. Der Einstieg mit elektronischem Flair funktioniert gut und schafft kurz eine eigene Atmosphäre. Doch sobald der Song in den eigentlichen Verlauf kippt, verliert er diese Frische. Es ist nicht schlecht, nur eben nicht in dem Maße packend, wie es hätte sein können.
Wer zwischendurch eine Pause vom pop punkigen Flair benötigt, wird bei „Little Lungs“ abgeholt. Der Song widmet sich Angst, Verlust und der Liebe zu einem schwer erkrankten Kind. Ein ernstes, bewegendes Thema, das die Band mit spürbarem Respekt behandelt. Hier sitzt die emotionale Tiefe punktgenau.
STILL TALK: viel Gefühl, wenig Wiedererkennungswert
Das Album besitzt definitiv inhaltliches Gewicht. STILL TALK greifen Themen auf, die persönlicher kaum sein könnten. Wenn es gerade nicht um toxische Liebe geht, glänzt der lyrische Ansatz sogar ganz besonders. Doch ein Album lebt selten allein von seinen Texten. Klang, Mut, Überraschungsmomente, all das spielt ebenfalls eine Rolle. Und hier bleibt „Year Of The Cat“ stellenweise zu brav.
Wenn man aber doch auch ganz großzügig sein möchte, kann man musikalisch sogar eine klitzekleine gedankliche Brücke zu Avril Lavigne schlagen. Ein Hauch Skatepunk blitzt immer wieder auf dem Album auf, charmant und nicht ganz unpassend. Dennoch wirkt das Ergebnis eher gut gemeint als wirklich herausragend.
Man lässt sich treiben, gleitet mit den Songs dahin und stolpert hier und da über eine Passage, die gut klingt oder kurz herausragt. Doch leider verblassen diese Momente schnell wieder. Es fehlt an echten Highlights, an Songs, die nachhaltig greifen.
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