Am 25.09.2026 erscheint das neue Album von SKÁLD mit dem Titel Ørlǫg via Napalm Records. SKÁLD sind eine aus Frankreich stammende Formation, die sich dem Pagan- und Neo-Folk verschrieben hat. Aktuell zählen neun Musiker*innen zu der Gruppe. Diese sehen sich – wie einst die Skalden früher – als Geschichtenerzähler.
Die Texte sind in Altnordisch oder in nordischen Sprachen wie Isländisch, Norwegisch oder Schwedisch. Zur Instrumentierung verwenden SKÁLD z.B. eine Tagelharpa, eine Lyra, Hörner und verschiedene Flöten. Die 2018 gegründete Band wird dieses Jahr ab Ende September mit THE HU auf Tour gehen.
„Willkommen in einer vergangenen, doch nicht vergessenen Zeit: SKÁLD hauchen mit Ørlǫg alten Geistern neues Leben ein. Das am 25. September 2026 erscheinende Album ist nicht nur das erste Werk der Band über Napalm Records, es ist auch ein Ausdruck des Schicksals. Wie die Nornen die Zukunft weben, ist das Album ein faszinierendes Tor zu unseren unberührten Ursprüngen und den Konsequenzen unserer Entscheidungen. Mit zehn neuen Songs als Trittsteinen ist Ørlǫg eine Einladung, zuzuhören, zu verweilen, zu reflektieren – und etwas vormals Unerkanntes in uns selbst zu finden. SKÁLD machen nicht einfach nur Musik, sie erwecken alte Weisen.“
Quelle: Napalm Records
Zwischen Traumwelten, Dunkelwäldern und alten Legenden
Der Opener „Draumakona“ entführt uns in ein Traumreich. Der Song richtet den Blick auf schamanische Weissagungen. Durch die nordischen Instrumente entsteht hier ein sehr authentisches Bild. Die Trommel geleitet den Hörer wie ein roter Faden durch den Song. Der Wechsel zwischen weiblichem Leadgesang und mehrstimmigem Gesang macht den Song abwechslungsreich.
Ähnlich vorantreibend ist „Myrkviðr“. Hier dominiert jedoch der männliche Gesang, die weibliche Gesangsstimme macht immer wieder kurze Einwürfe. Das Wort Myrkviðr bedeutet im Altnordischen „Dunkelwald“. Dementsprechend wirkt die Instrumentierung auch etwas düsterer und dunkler.
„Ratatoskr“ ist in der nordischen Mythologie ein Eichhörnchen, das zu den Tieren des Weltenbaums Yggdrasil gehört. Der Song erzählt auch tatsächlich die Geschichte von diesem Eichhörnchen. Der Song ist anfangs sehr ruhig und nur minimal instrumentiert. Dann setzt der markante Kehlkopfgesang ein. Wie ein Mantra wird immer wieder der Name Ratatoskr wiederholt und man hat das Gefühl, in eine Art Trance zu verfallen. Die Trommel treibt den Song voran.
„Dǫkksalir“ bedeutet im Altnordischen „dunkle Hallen“. Wie ein Schlaflied umgarnt den Hörer die sanfte Melodie. Der liebliche Gesang scheint einen in die Dunkelheit ziehen zu wollen.
In „Útgarðr“ leben laut der nordischen Mythologie die Riesen und Trolle. Der Song hat durch die Instrumentierung eine gewisse Schwere und der männliche Gesang wirkt etwas härter als bei den vorigen Tracks. Darüber legt sich die weibliche Gesangsstimme, wie ein Windhauch. Die Trommel schlägt unbarmherzig den Takt, so wie ein Riese, der durch die karge, eisige Landschaft stampft.
Im völligen Gegensatz dazu steht der Titel „Ek skal riða“, welcher der ruhigste Song auf dem Album ist. Der Ausdruck stammt aus der Snorra-Edda, wo Hermod auf dem Weg zur Totengöttin Hel ist, um Baldr zurückzubringen. Das Intro ist sehr geheimnisvoll und man hat den Eindruck, dass gleich etwas Unheimliches passieren wird. Der Gesang ist im Song an vielen Stellen oft sehr ruhig und eher ein Sprechgesang. Mit 6:27 Minuten ist er auch der längste Song auf dem Album.

Von Heimdall bis zum Ursprung der Welt
„Himinbjǫrg“ ist ein schnellerer Song und wirkt auch deutlich fröhlicher. Wir bewegen uns im Reich von Heimdall, der über die Bifröst wacht. Der Gesang ist wie eine Art Zwiesprache. Die Instrumentalparts machen sicher Lust, ausgelassen zu tanzen.
„Heiemo og Nykkjen“ ist die Interpretation einer traditionellen Volksweise aus dem heutigen Norwegen. Der Gesang ist sehr dezent und die Instrumentierung ist eher minimalistisch gehalten. Die Ballade handelt von einem Mädchen namens Heiemo und dem Wassergeist Nøkken. Man hört das Rauschen der Wellen, während der Gesang von einer Trommel und weiteren Percussion-Instrumenten begleitet wird. Ganz leicht ist im Hintergrund ein Streichinstrument zu hören.
„Veit barnit“ ist in Anlehnung an ein bekanntes isländisches Sprichwort und bedeutet übersetzt: „Das Kind weiß, was der alte Mann will.“ Im Intro ist eine Kinderstimme zu hören, die munter vor sich her singt. Die Instrumentierung ist geprägt von einer spielerischen Leichtigkeit. Zwischen der tiefen, sprechenden Gesangsstimme ist auch die Kinderstimme vom Intro wieder zu hören.
Mit dem Titel „Eldr ok íss“ begeben wir uns an den Ursprung der Geschichte. In der nordischen Mythologie erschufen die Elementarkräfte Feuer und Eis am Anfang der Zeit das Leben im Ginnungagap. So hört man zu Beginn des Songs das Krachen von Eismassen. Mystische, sphärische Klänge untermalen den meditativen Gesang. Voller Inbrunst wird die Geschichte zur Erschaffung der Welt erzählt. Und am Ende des Songs hört man das Rauschen des Windes in der gähnenden Leere.
Fazit:
Für mich als Fan von Pagan Folk und der nordischen Mythologie war es eine Ehre, das neue Album von SKÁLD vorab hören zu dürfen. Man sollte die Songs ganz in Ruhe auf sich wirken lassen und sich ausreichend Zeit nehmen. Natürlich wäre es von Vorteil, wenn man eine der nordischen Sprachen verstehen könnte, um die Texte auch besser zu verstehen. Die Songs vermitteln, trotz des teilweise schnelleren Tempos, eine gewisse Schwere und Tiefe, die sich nur schwer beschreiben lässt. Man fühlt sich durch die historischen Instrumente und die altnordischen Texte in eine längst vergangene Zeit versetzt. So als säße man in einer großen Halle am Feuer und lauschte den Geschichten eines Skalden.
- Draumakona
- Myrkviðr
- Ratatoskr
- Dǫkksalir
- Útgarðr
- Ek skal riða
- Himinbjǫrg
- Heiemo og Nykkjen
- Veit barnit
- Eldr ok íss
Release: 25. September 2026
Label: Napalm Records
Genre: Folk, Neofolk
Selina Dreher
Selina Fotografin und Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Sie dokumentiert die dunkle Szene – von Gothic-Rock bis NDH. Selina versteht es, Live-Momente authentisch und leidenschaftlich einzufangen und verbindet visuelle Ästhetik mit fundierter Berichterstattung über die Facetten der schwarzen Szene.
