Es gibt Alben, bei denen man schon nach den ersten Minuten weiß, dass hier etwas Besonderes passiert. Und dann gibt es Alben wie „Just Live Loud!“ von Shakra. Keine große Überraschung, kein musikalischer Befreiungsschlag und auch kein Versuch, nach über 30 Jahren Bandgeschichte plötzlich alles anders zu machen.
Stattdessen zwölf Songs, die genau das liefern, was man von Shakra erwartet: Hardrock mit ordentlich Druck, eingängigen Melodien und Refrains, die sich schnell im Kopf festsetzen.
Und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Albums. Shakra machen es sich nicht unnötig kompliziert. Sie spielen ihre Stärken aus und zeigen dabei, dass man auch nach drei Jahrzehnten noch verdammt viel Spaß an geradlinigem Hardrock haben kann.
Shakra bleiben sich treu
Beim Hören fällt vor allem die Konstanz auf. Die Songs unterscheiden sich natürlich voneinander, trotzdem gibt es keinen großen Bruch innerhalb des Albums. Mal geht es etwas härter nach vorne, dann wieder etwas melodischer. Shakra bleiben dabei aber immer klar in ihrem eigenen Fahrwasser. Das wirkt nicht altbacken, sondern vielmehr wie eine Band, die genau weiß, wo ihre Stärken liegen.
Gerade die Refrains funktionieren für mich sehr gut. Vieles setzt sich bereits nach wenigen Durchläufen im Kopf fest, ohne dass die Band dafür irgendwelche Tricks braucht. Ein gutes Riff, eine eingängige Hookline und ein Refrain, der hängen bleibt – manchmal braucht es eben nicht mehr.
„Just Live Loud!“ ist dabei kein Album, das ich ständig analysieren möchte. Die Songs entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn man sie einfach laufen lässt. Genau dadurch entwickelt die Platte ihren Charme. Sie drängt sich nicht unnötig auf, bleibt aber trotzdem präsent.

Zwischen Balladen und doppeltem Anastacia-Cover
Balladen dürfen auf einem Shakra-Album natürlich nicht fehlen. Mit „Legends Never Die“ und „High Above the Storm“ gibt es gleich zwei ruhigere Momente, die sich für mich sehr gut in das Gesamtkonzept der Platte einfügen. Beide Songs nehmen etwas Tempo heraus, ohne den roten Faden des Albums zu verlieren. Gerade diese Abwechslung tut „Just Live Loud!“ gut und verhindert, dass die Platte über die gesamte Spielzeit hinweg auf derselben Intensität bleibt.
Einen kleinen Fragezeichen-Moment gibt es für mich allerdings bei „Left Outside Alone“. Der Song von Anastacia ist gleich zweimal auf der Scheibe vertreten: einmal als Duett mit Seraina Telli und zusätzlich noch einmal als Solo-Version von Mark Fox. Grundsätzlich ist das natürlich ein gutes Lied und beide Interpretationen haben ihren eigenen Charakter. Trotzdem muss ich mich fragen: Warum gleich zweimal derselbe Coversong?
Eine Version hätte für mich vollkommen gereicht. Gerade bei einem Album mit ohnehin begrenzter Spielzeit wirkt die doppelte Verwendung etwas verschenkt. Shakra haben schließlich genügend eigene musikalische Ideen und Songs, mit denen dieser Platz hätte gefüllt werden können. Für mich ist das deshalb eine Entscheidung, die ich nicht unbedingt nachvollziehen kann.
Was mir beim Hören ebenfalls immer wieder auffällt: Einige dieser Songs wollen eigentlich auf die Bühne. Die Gitarren, die treibenden Rhythmen und vor allem die großen Refrains sind geradezu dafür gemacht, von einem Publikum aufgenommen zu werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Nummern live noch einmal deutlich mehr Druck entwickeln als auf dem Album.
Bei Shakra muss ich nicht lange überlegen, was mir ein Song sagen will. Die Nummern kommen direkt auf den Punkt, gehen ins Ohr und machen einfach Spaß.
Keine Höhenflüge, keine Tiefpunkte
Natürlich gibt es auch eine Sache, die mir fehlt: dieser eine große Moment. Der Song, bei dem man plötzlich alles andere vergisst und denkt: Genau dafür hat sich dieses Album gelohnt. Diesen ultimativen Höhepunkt gibt es für mich auf „Just Live Loud!“ nicht.
Dafür gibt es aber auch keinen wirklichen Tiefpunkt. Und das ist durchaus etwas, das man einer Platte zugutehalten kann. Die zwölf Songs bewegen sich auf einem konstanten Niveau und sorgen dafür, dass man nicht irgendwann das Gefühl bekommt, das Album müsse jetzt endlich vorbei sein.
Shakra versuchen auf „Just Live Loud!“ nicht, ihre eigene Geschichte neu zu schreiben. Nach mehr als 30 Jahren müssen sie das meiner Meinung nach auch nicht. Die Band hat ihren Sound gefunden und setzt auf das, was sie am besten kann: Hardrock mit starken Gitarren, eingängigen Melodien und genügend Druck, um auch live zu funktionieren.
Für mich ist „Just Live Loud!“ deshalb kein Album, das neue Maßstäbe setzt oder Shakra musikalisch auf eine völlig neue Ebene hebt. Es ist aber eine verdammt ordentlich gemachte Hard-Rock-Platte, die genau das liefert, was sie verspricht. Und manchmal ist genau das genug.
„Just Live Loud!“ macht Spaß, bleibt im Ohr und dürfte vor allem live richtig gut funktionieren. Ich bin jedenfalls gespannt darauf, wie sich diese Songs auf einer Festivalbühne entwickeln. Denn dort, zwischen lauten Gitarren, einem feiernden Publikum und ordentlich aufgedrehten Verstärkern, könnte das Album seine vielleicht größte Stärke ausspielen.
Einfach laut machen und laufen lassen. Dafür ist dieses Album gemacht.
- Let The Show Begin
- Wasteland Warriors
- Just Live Loud!
- Left Outside Alone (Feat. Seraina Telli)
- Demon Of The Night
- Legends Never Die
- Lost Generation
- When We Were Young
- Another Day In The Universe
- New Tattoo
- High Above The Storm
- Screaming Silence
- Left Outside Alone (Solo Version)
VIA FRONTIERS MUSIC SRL
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.


