RAT BOY feiern auf „CRASH!“ die Punkrock-Ära der 90er

RAT BOY. Album "Crash", Albumreview, Paranoyd Magazin

Mit „CRASH!“ veröffentlichen RAT BOY am 26. Juni ihr mittlerweile viertes Studioalbum über Hellcat Records und Indigo. Nach dem vielseitigen „Suburbia Calling“, auf dem Ska, Punk, Hip-Hop und Hardcore munter miteinander verschmolzen, geht die britische Band diesmal einen deutlich geradlinigeren Weg. Die 18 neuen Songs stehen ganz im Zeichen des Punkrocks und erinnern dabei immer wieder an die großen Genre-Alben der 90er Jahre.

Produziert wurde das Album gemeinsam mit Tim Armstrong im Garten von Suzi Quatro. Dort richtete die Band zwei Schuppen als Aufnahmeräume ein und setzte auf eine konsequente DIY-Herangehensweise. Sänger Jordan Cardy und seine Mitstreiter verzichteten dabei weitgehend auf Komfort und moderne Studiotricks. Das Ergebnis klingt lebendig, ehrlich und voller Energie.

Zurück in die goldene Punkrock-Zeit

Wer mit Green Day, Rancid oder anderen Punkrock-Größen der 90er Jahre aufgewachsen ist, wird sich auf „CRASH!“ schnell zu Hause fühlen. Die Songs versprühen genau dieses Gefühl von Freiheit, Sommer und verschwitzten Clubshows, das viele mit dieser Ära verbinden. Beim Hören fühlt sich das Album stellenweise wie eine kleine Zeitreise an, ohne dabei altbacken zu wirken.

Dass RAT BOY ein Faible für diesen Sound haben, hört man praktisch in jeder Minute. Die Band verzichtet auf große Experimente und konzentriert sich stattdessen darauf, starke Punkrock-Songs zu schreiben, die Spaß machen und voller Spielfreude stecken. Gleichzeitig fasst „CRASH!“ die vergangenen Jahre auf Tour zusammen und verarbeitet die Eindrücke, die die Band bei Konzerten in ganz Europa gesammelt hat.

Auch die Aufnahmen spiegeln diesen Ansatz wider.

„Der Raum war nicht schalldicht; es war ein einzelner, dünner Holzraum ohne Dämmung, sodass das Schlagzeug wahnsinnig und live klang“, erklärt Cardy. „Wir mussten keine Trigger an den Drums anbringen; es ist alles echt! Wir teilten uns alle über Splitter einen Kopfhörermix, und wir konnten so gut wie gar nicht hören, was wir spielten. Ich glaube, es war vielleicht auch nur in einem Ohr zu hören, also mussten wir darauf vertrauen, dass wir tight spielten.“

Genau dieses Gefühl transportiert das Album über die gesamte Laufzeit. Die Songs wirken lebendig und besitzen eine Energie, die sich unmittelbar auf den Hörer überträgt.

DIY bis ins kleinste Detail

Der handgemachte Ansatz endet nicht bei der Musik. Auch das Artwork entstand mit derselben Philosophie, die das gesamte Album geprägt hat.

Cardy erklärt: „Ich wollte, dass der Prozess so nah wie möglich an dem liegt, wie es vor dem Zeitalter der Computer gemacht worden wäre, damit sich das Artwork authentisch anfühlt und in einer physischen, handwerklichen Tradition verwurzelt bleibt. Genauso wie das Album selbst auf Rohheit und Unmittelbarkeit setzt, wollte ich nicht, dass sich das Artwork übermäßig poliert oder digital konstruiert anfühlt.“

Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch „CRASH!“. RAT BOY machen hier genau die Musik, auf die sie Lust haben. Man merkt von der ersten Minute an, dass die Band mit Herzblut bei der Sache ist und jeden Song mit einer ansteckenden Begeisterung spielt.

RAT BOY – CRASH!
Fazit: 8 von 10
CRASH!“ ist Punkrock pur. RAT BOY liefern ein Album ab, das sich ganz bewusst an den großen Punkrock-Platten der 90er Jahre orientiert und genau deshalb so viel Spaß macht. Der Sound klingt fantastisch, die Energie springt sofort über und die Leidenschaft der Band ist jederzeit spürbar. Mit 18 Songs wirkt das Album für meinen Geschmack allerdings etwas überladen. Dadurch fehlt stellenweise die Abwechslung und einige Songs verschwimmen mit der Zeit etwas miteinander. Das ändert jedoch nichts daran, dass hier viele starke Momente enthalten sind, die Lust auf mehr machen. Wer sich gerne an die goldene Punkrock-Zeit zurückerinnert und gleichzeitig hören möchte, wie eine moderne Band diesen Geist ins Jahr 2026 transportiert, sollte „CRASH!“ definitiv eine Chance geben.
8



Tine

Tine Blessing

Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.

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