Mit „lava“ legt das Post-Hardcore-Trio malheur ein Debüt vor, das nicht gefallen will, sondern wirkt. Sechs Songs, knapp über zwanzig Minuten, aber jeder Takt sitzt. Die Band aus Münster nutzt Post-Hardcore nicht als Ventil, sondern als Ausdrucksform – wuchtig, kontrolliert und mit deutschen Texten, die nicht loslassen.
Schon die ersten Takte machen klar, wohin die Reise geht: „Lava“ öffnet die EP mit einer Spannung, die sofort packt. Der Song kommt geschmeidig rein, fast vertraut, erinnert im Gefühl an FJØRT, bleibt aber eigenständig. Druck und Atmosphäre greifen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überrollen. Dieses Gleichgewicht zieht sich durch die gesamte EP.
„Krösus“ setzt genau dort an, wo der Opener endet – etwas zurückgenommener, aber nicht weniger intensiv. Der typische Mittelteil hebt den Song an, lässt ihn kurz schweben, bevor er wieder Boden unter den Füßen bekommt. Post-Hardcore, der Raum lässt, statt permanent zu treiben.
Mit „Bonmot“ folgt der ruhigste Moment der EP. Locker im Einstieg, getragen im Kern, mit einer Schwere, die eher nachwirkt als erschlägt. Hier zeigt sich, wie sicher malheur mit Dynamik umgehen: Reduktion wird zur Stärke, nicht zur Pause.
„Visagen“ baut sich geduldig auf. Nach einem zurückhaltenden Intro wächst der Song stetig, entfaltet seine volle Wirkung aber erst im letzten Drittel – ein dramaturgischer Kniff, der belohnt, wenn man dranbleibt. Nichts wird verschenkt, alles hat seinen Platz.
„Frevel“ ist der melancholischste Track der EP. Nachdenklich, fast resigniert, ohne in Pathos zu kippen. Der Song wirkt wie ein vorläufiger Abschluss, bevor „Sorry, muss off“ noch einmal alles aufreißt. Das Finale scheppert, reißt mit und setzt einen bewussten Kontrapunkt zur inneren Schwere davor.
Textlich kreist „lava“ um Vergänglichkeit, Verbleib und das Gefühl, dass die Welt schneller bröckelt, als einem lieb ist. Zeilen wie „Sogar die Bäume haben Krebs“ sind kein Selbstzweck, sondern markieren die Schonungslosigkeit, mit der malheur nach innen und außen blickt. Produziert von der Band selbst, mit zusätzlicher Schlagzeugarbeit von Martin Reckfort (Shoreline) und dem Mix & Master von Konstantin Cajkin (Kind Kaputt), klingt die EP roh genug, um glaubwürdig zu bleiben, und klar genug, um lange zu tragen.
Releasetour 2026:
06.03 Münster
07.03 Nordenham
13.03 Bremen
14.03 Warendorf
20.03 Eschwege
21.03 Hannover
24.04 Jülich
25.04 Kleve
20.06 Farewell Youth Fest, Dresden

Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.



