Ein Album mit dem eigenen Bandnamen zu betiteln, ist immer eine Ansage. Bei KISSIN‘ DYNAMITE bekommt dieser Schritt allerdings eine besondere Bedeutung. „Kissin‘ Dynamite“ erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem sich bei der schwäbischen Rockband eine Ära dem Ende nähert: Sänger Hannes Braun verabschiedet sich von der Bühne. Gleichzeitig ist die Platte weit mehr als ein Rückblick. Sechs neue Songs treffen auf sieben neu eingespielte Stücke aus den Anfangstagen der Band.
Zum ersten Mal veröffentlicht die Band ein Album komplett in Eigenregie. Dafür haben KISSIN‘ DYNAMITE ihr eigenes Label Kissin‘ Dynamite Records gegründet. Der Vertrieb läuft über Kontor New Media/Edel. Der Schritt unterstreicht, wie selbstbewusst die Band inzwischen agiert. Der Vorgänger „Back With A Bang!“ schaffte 2024 sogar den Sprung auf Platz 1 der deutschen Albumcharts.
Auch das Cover spielt mit der Bedeutung des Bandnamens. Ein knallroter Kussmund küsst eine rote Dynamitstange – simpler lässt sich „Kissin‘ Dynamite“ kaum bebildern. Was zunächst fast augenzwinkernd wirkt, passt erstaunlich gut zum Album: direkt, auffällig und ohne große Umwege.
Ein Blick zurück, ohne stehen zu bleiben
KISSIN‘ DYNAMITE haben sich über fast zwei Jahrzehnte einen festen Platz in der deutschen Hard-Rock-Landschaft erspielt. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie konstant die Besetzung geblieben ist. Umso größer ist der Einschnitt, wenn Hannes Braun künftig nicht mehr als Sänger auf der Bühne stehen wird.
Ganz weg ist Hannes Braun allerdings nicht. Als Songwriter und Produzent bleibt er der Band erhalten und damit weiterhin ein wichtiger Teil des kreativen Prozesses. Für die Fans bedeutet das Album trotzdem eine letzte Gelegenheit, ihn mit neuen Songs zu erleben.
Musikalisch macht die Band dabei genau das, was sie am besten kann. Die sechs neuen Stücke sind melodisch und ausgesprochen eingängig. „Glory Days“ gehört zu den Songs, die sofort hängen bleiben, während „Heartattack“ mit einem Refrain punktet, der sich bereits nach dem ersten Durchlauf im Kopf festsetzt.
Interessant wird das Album vor allem durch die sieben Neuaufnahmen aus „Steel Of Swabia“ und „Addicted To Metal“. Wer die frühen Jahre der Band kennt, bekommt dabei einen direkten Vergleich geliefert. Die ursprünglichen Aufnahmen entstanden, als die Musiker teilweise gerade einmal Teenager waren. Heute treffen diese Songs auf jahrelange Bühnenerfahrung, eine deutlich größere Produktion und vor allem auf die gereifte Stimme von Hannes Braun.
Aus alten Songs werden dadurch keine bloßen Kopien ihrer selbst. Die Neuaufnahmen wirken vielmehr wie ein Rückblick aus der Gegenwart. Besonders „Steel Of Swabia“ bekommt durch den Gastauftritt von PRIMAL-FEAR-Sänger Ralf Scheepers zusätzlichen Druck. „Against The World“ wiederum zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich Hannes Brauns Stimme über die Jahre weiterentwickelt hat.
Ein neues Kapitel Kissin‘ Dynamite mit ordentlich Rock’n’Roll
Gerade diese Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart macht „Kissin‘ Dynamite“ interessant. Das Album lebt nicht ausschließlich von seiner besonderen Entstehungsgeschichte, sondern funktioniert auch unabhängig davon als Rockalbum.
Natürlich hört man die Platte mit anderen Ohren, wenn man weiß, dass Hannes Braun künftig nicht mehr als Sänger auf der Bühne stehen wird. Manche Zeilen bekommen dadurch automatisch eine zusätzliche Bedeutung. Trotzdem verfällt die Band nicht in eine künstlich schwermütige Stimmung.
KISSIN‘ DYNAMITE setzen auf eingängige Songs mit eigener Handschrift. Dabei greift die Band ihre musikalischen Wurzeln auf, ohne sich von ihnen ausbremsen zu lassen. Das Ergebnis klingt vertraut, aber keineswegs rückwärtsgewandt.
Besonders gelungen ist deshalb die Verbindung aus neuen Songs und neu aufgenommenen Klassikern. Die aktuellen Stücke zeigen, wo KISSIN‘ DYNAMITE heute stehen, während die überarbeiteten frühen Songs daran erinnern, wo alles einmal angefangen hat. Dazwischen liegt fast die komplette Geschichte der Band.
Fazit
„Kissin‘ Dynamite“ ist ein ungewöhnliches Selftitled-Album und gleichzeitig ein bemerkenswerter Einschnitt in der Geschichte der Band. Die sechs neuen Songs funktionieren eigenständig, während die sieben Neuaufnahmen den frühen KISSIN‘-DYNAMITE-Sound mit den Möglichkeiten der Gegenwart verbinden.
Dass Hannes Braun künftig nicht mehr als Sänger auf der Bühne stehen wird, verleiht der Platte natürlich eine zusätzliche emotionale Ebene. Gleichzeitig macht das Album deutlich, dass die Geschichte von KISSIN‘ DYNAMITE damit keineswegs abgeschlossen ist.
Die Eigenregie passt dabei erstaunlich gut zum Gesamtbild. KISSIN‘ DYNAMITE haben mit ihrem eigenen Label die Kontrolle über ihre Veröffentlichung übernommen und liefern gleichzeitig ein Album ab, das ihre Vergangenheit würdigt, ihre Gegenwart abbildet und den Weg in die nächste Phase öffnet.
„Kissin‘ Dynamite“ ist ein starkes Album zwischen Rückblick, Aufbruch und Veränderung – und ein würdiger Soundtrack für einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Band.
- Glory Days
- I Salute You
- Heartattack
- Night Is Calling
- Out In The Rain
- Love Me Hate Me
- Lie For Me
- I'll Be
- Steel Of Swabia
- Against The World
- Nothing Breaks Like A Heart
- Only The Good Die Young
- The Good In Goodbye
Label: Kissin’ Dynamite Records, Vertrieb Kontor New Media
Genre: Hard Rock, Glam Rock, Heavy Metal
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.
