Kamelot begeistern mit „Dark Asylum“ und großer Metal-Magie

KAMELOT ziehen uns ins „Dark Asylum“ – und plötzlich gibt es kein Entkommen!

KAMELOT gehören seit den 90ern zu den großen Namen des Symphonic Metal. Die US-Amerikaner aus Tampa verbinden Power Metal, Progressive Metal und große orchestrale Arrangements zu ihrem ganz eigenen Sound und haben sich damit über mehr als drei Jahrzehnte einen festen Platz in der Szene erspielt.

Mit „Dark Asylum“ erschien am 28. August nun das mittlerweile 14. Studioalbum der Band. Ganze 15 Songs umfasst die Platte und auch bei den Gästen wurde nicht gespart. Unter anderem sind Tobias Sammet, Ignacia Fernández und Clémentine Delauney mit dabei.

Schon beim Blick auf Titel und Artwork ist klar: Besonders hell dürfte diese Reise nicht werden. Also hinein ins „Dark Asylum“.

Willkommen im dunklen KAMELOT Universum

Mit „Sanctorium“ startet das Album mit einem düsteren, märchenhaften Intro, in dem eine verzerrte Stimme zur Albumreise einlädt. Es holt mich direkt ab und ich bin mehr als gespannt, was mich im „Dark Asylum“ erwartet.

Weiter geht es mit „Ashen World“ feat. Ignacia Fernández. Der Song erzählt davon, einer kaputten Welt zu entkommen, in der Menschlichkeit, Hoffnung und Träume immer mehr verloren gehen. Doch anstatt sich damit abzufinden, geht es darum, all das hinter sich zu lassen und aus dem letzten Funken Hoffnung etwas Neues entstehen zu lassen. Trotz der düsteren Bilder steckt für mich deshalb auch viel Aufbruch und die Hoffnung auf einen Neuanfang in dem Song.

„Dark Asylum“ dreht sich um Schuld, schmerzhafte Erinnerungen und das Gefühl, in der eigenen Vergangenheit gefangen zu sein. Gleichzeitig wird deutlich, dass Heilung erst möglich ist, wenn man sich den eigenen Dämonen stellt.

„Sanctuary“ feat. Clémentine Delauney & Ignacia Fernández beschreibt dagegen einen sicheren Zufluchtsort inmitten dunkler Zeiten. Jemand oder etwas gibt Halt, bringt Licht zurück und hilft dabei, sich aus der Dunkelheit zu befreien und wieder zu sich selbst zu finden. Ein sehr schönes und berührendes Feature.

„Nocte Veritas“ ist ein Instrumental, das einen kurz in der Dunkelheit und dem magischen Imperium von KAMELOT festhält, bevor man wieder weiter in die Welt des Albums gezogen wird. Für mich wirkt es dabei wie eine kleine Verschnaufpause, ohne die Atmosphäre zu unterbrechen.

„One Last Masquerade“ feat. Tobias Sammet dreht sich um das Ablegen der eigenen Masken und die Frage, wer sich eigentlich dahinter verbirgt. Zwischen Schmerz, Selbsttäuschung und dem Wunsch auszubrechen wird die letzte Maskerade zu einem Moment, in dem das wahre Ich wieder zum Vorschein kommen soll.

„Ivy, My Dear“ erzählt von tiefer Verbundenheit und der Sehnsucht nach einem Menschen, der weit entfernt ist. Gemeinsame Erinnerungen geben Halt, gleichzeitig bleibt der Wunsch, sich noch einmal nahe zu sein und einen letzten Kuss miteinander zu teilen. Der Song nimmt uns mit auf eine emotionale Reise voller Sehnsucht. Stimmlich ist das wunderbar umgesetzt und auch die Dramatik fühlt sich für mich angenehm leicht an, ohne dabei ihre Wirkung zu verlieren.

Zwischen Dunkelheit, Hoffnung und Veränderung

„Godlike Alchemy“ beschäftigt sich mit Selbstfindung und innerer Veränderung. Ängste werden sinnbildlich zu Gold verwandelt, während der Blick immer stärker nach innen wandert. Dabei wächst die Erkenntnis, dass sowohl die eigenen Grenzen als auch der Schlüssel zur Veränderung in einem selbst liegen.

Bei „The Sleeping Mind (Orphic Paradigm)“ weicht die Dunkelheit langsam einem neuen Bewusstsein. Nach einer Zeit voller innerer Kämpfe beginnt etwas Neues zu wachsen. Der Geist erwacht und mit ihm die Hoffnung, alte Grenzen hinter sich zu lassen.

„Kaleidoscope“ blickt auf den Weg aus Dunkelheit und Abhängigkeit hin zu neuer Stärke. Zwischen Scheitern, Erkenntnis und Wiederaufstehen verändert sich der Blick auf das eigene Leben wie bei einem Kaleidoskop, das aus denselben Teilen immer wieder neue Bilder entstehen lässt.

Mit „Enigma (Think of Me)“ rückt eine Liebe in den Mittelpunkt, die selbst nach einem Abschied nicht verschwindet. Die gemeinsame Zeit lebt in Erinnerungen weiter und soll gerade in schweren Momenten Trost und Halt geben, verbunden mit dem Wunsch, niemals ganz vergessen zu werden.

Bis hierhin zieht sich ein tolles Storytelling durch das Album. Alles wirkt harmonisch, die Features passen wunderbar zu den jeweiligen Songs und stimmlich ist „Dark Asylum“ wirklich der Hammer. Es macht einfach Spaß, sich durch diese Welt treiben zu lassen. Also weiter mit den letzten Songs.

In „Cassandra’s Disease“ verschwimmen Realität und Wahnsinn immer mehr miteinander. Der Song zeichnet das Bild einer Welt, die zunehmend ihren Sinn verliert, während man selbst darin gefangen scheint und sich immer weiter im Kreis dreht.

„Beneath the Moon (Tunglið)“ feat. Rannveig Sif Sigurðardóttir, Sólveig Sara Leupold und Lea-Sophie Fischer steht ganz im Zeichen von Veränderung und Loslassen. Ebbe und Flut werden dabei zum Sinnbild für das Leben: Altes verschwindet, Neues entsteht und mit der Zeit wächst die Erkenntnis, Veränderungen nicht länger zu fürchten, sondern sich von ihnen tragen zu lassen. Der Song sticht ganz klar heraus, da er in isländischer Sprache gesungen wird. Mich hat er als einziger Song auf dem Album nicht wirklich abgeholt. Ich denke, diesen Stil mag man oder eben nicht.

„The Puppet King“ führt noch einmal tief hinein in Isolation, Angst und das Gefühl, von dunklen Gedanken kontrolliert zu werden. Doch mit der Hoffnung, den eigenen Schmerz zu überwinden, kommt schließlich auch der Glaube zurück, dieser Dunkelheit entkommen zu können. Mit „Sanctum Requiem“, einem weiteren Instrumental, endet schließlich die Reise durch „Dark Asylum“.

Fazit

Was soll ich sagen? Ich bin wirklich begeistert. „Dark Asylum“ hat mich von Anfang bis Ende mitgenommen und mich auf eine teils harmonische, teils düstere Reise durch das KAMELOT‑Universum geschickt.

Die Songs wirken theatralisch und emotional, ohne dass mir das Ganze irgendwann zu viel wird. Auch die vielen Gäste passen richtig gut ins Album. Sie sind nicht einfach nur dabei, sondern geben den einzelnen Songs noch einmal ihren ganz eigenen Charakter.

Auch die beiden Instrumentals gefallen mir richtig gut. Sie sorgen zwischendurch für eine kleine Verschnaufpause, ohne dass man dabei aus dieser düsteren und märchenhaften Welt herausgerissen wird.

Ich bin eigentlich eher bei der härteren Gangart zu Hause und trotzdem hat mich „Dark Asylum“ ziemlich schnell gepackt. Gerade die Mischung aus tollen Melodien, starken Stimmen, düsteren Momenten und dem tollen Storytelling macht für mich den Reiz des Albums aus. Es macht einfach Spaß, sich darauf einzulassen und den Geschichten zu folgen.

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass die neuen Songs live richtig gut funktionieren werden. Mit der passenden Bühne, Licht und der ganzen Inszenierung dürfte die Welt von „Dark Asylum“ noch einmal eine ganz andere Wirkung bekommen. Die kommenden Tourdaten findet ihr HIER.

Für mich ist „Dark Asylum“ am Ende einfach ein richtig tolles Album, das mich überrascht und vor allem richtig gut unterhalten hat. Bis auf einen Song hat mich die Reise komplett abgeholt und ich werde sie definitiv nochmal antreten.

Tine

Tine Blessing

Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.

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