Kai Hansen: „Born With A Hammer“ – Mehr als nur Power Metal

Kai Hansen bei der Show live auf der Bühne – Credit: Marc Blessing

Kai Hansen hätte es sich verdammt einfach machen können. Nach Jahrzehnten mit Helloween und Gamma Ray wäre niemand überrascht gewesen, wenn „Born With A Hammer“ einfach die nächste klassische Power-Metal-Platte geworden wäre. Ein paar rasende Gitarren, große Refrains, ordentlich Doublebass – fertig. Aber genau darauf hat Hansen offenbar keine Lust.

„Born With A Hammer“ klingt vielmehr wie das Album eines Musikers, der sich nach all den Jahren nicht mehr darum schert, welche Schublade gerade für ihn bereitsteht. Heavy Metal bildet weiterhin das Fundament, doch Hansen lässt Hard Rock, Punk, Rock’n’Roll und elektronische Elemente genauso selbstverständlich in seine Songs ein. Das wirkt nicht wie ein verzweifelter Versuch, sich neu zu erfinden, sondern erstaunlich locker. Und diese Lockerheit tut dem Album gut.

Hansen macht sein eigenes Ding

Schon der Einstieg mit „Feeding The Beast“ macht klar, dass die Gitarren ordentlich Druck bekommen. Der Song besitzt die vertraute Hansen-DNA: treibende Riffs, eingängige Melodien und eine Stimme, die man nach wenigen Sekunden erkennt. Gleichzeitig wird schnell deutlich, dass „Born With A Hammer“ nicht ausschließlich auf diese vertrauten Zutaten setzt. Hansen gönnt sich musikalische Ausflüge, wechselt Stimmungen und lässt auch Sounds zu, die man auf einer klassischen Gamma-Ray-Platte vermutlich nicht unbedingt erwarten würde.

Gerade dadurch bekommt das Album seinen eigenen Charakter. Die zehn Songs bewegen sich über weite Strecken zwischen Heavy Metal, Hard Rock und Punk, ohne dass Hansen dabei seine melodische Seite aus den Augen verliert. „Welcome To Life“ bringt beispielsweise eine deutlich lockerere und rockigere Note ins Spiel, während „Wait And See“ wieder härter und düsterer ausfällt. Diese unterschiedlichen Facetten sorgen dafür, dass sich das Album nicht auf eine einzige Formel festlegt.

Zwischen Metal und Rock’n’Roll

Die musikalische Basis bleibt klar im Heavy Metal verankert. Gitarren und Melodien stehen im Mittelpunkt, und natürlich bekommt auch Hansens Gitarrenspiel ausreichend Raum. Trotzdem besitzt das Album eine deutlich rockigere Seite. Gerade die Mischung aus Metal, Rock’n’Roll und Punk sorgt dafür, dass „Born With A Hammer“ immer wieder anders klingt, ohne seine Identität zu verlieren.

Das ist letztlich eine der größten Stärken der Platte. Hansen ist längst an einem Punkt seiner Karriere angekommen, an dem er niemandem mehr erklären muss, wie Heavy Metal funktioniert. Er kann seine Erfahrung nutzen, ohne sich von ihr einschränken zu lassen. Genau diese Freiheit hört man den Songs an.

Die Vergangenheit ist da – aber sie bestimmt nicht alles

Natürlich wird niemand „Born With A Hammer“ hören können, ohne irgendwann an Helloween oder Gamma Ray zu denken. Dafür ist Hansens musikalische Handschrift schlicht zu markant. Sein Gitarrenspiel ist unverkennbar, seine Melodien tragen die Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten in sich und auch seine Stimme gibt den Songs eine eindeutige Identität.

Entscheidend ist jedoch, dass das Album nicht versucht, diese Vergangenheit zu kopieren. Hansen nimmt seine musikalische Geschichte mit, schaut aber nicht ständig über die Schulter. Stattdessen wirkt vieles so, als hätte er sich bewusst den Freiraum genommen, verschiedene Ideen auszuprobieren.

Genau deshalb funktioniert auch der Titel „Born With A Hammer“ ziemlich gut. Der Name ist plakativ, direkt und ein bisschen größenwahnsinnig – eigentlich genau die richtige Überschrift für ein Album, das nicht besonders viel Wert darauf legt, sich kleinzumachen.

Kai Hansen live auf der Bühne beim Konzert – Credit: Franz Schepers
Kai Hansen mit Band – Credit: Franz Schepers

Vielseitigkeit statt Schema F

„Born With A Hammer“ lebt von seinen unterschiedlichen Facetten. Mal steht der klassische Heavy Metal im Vordergrund, mal wird es deutlich rockiger. Punk-Attitüde taucht ebenso auf wie elektronische Klangfarben, während es an anderer Stelle melodischer und beinahe episch werden darf.

Das Entscheidende dabei ist, dass Hansen sich nicht komplett in diesen unterschiedlichen Einflüssen verliert. Seine Handschrift bleibt der gemeinsame Nenner. Man hört verschiedene Seiten desselben Musikers – nicht zehn verschiedene Bands.

Allerdings ist die Platte gerade deshalb nicht an jeder Stelle gleich stark. Einige Momente wirken vertrauter und weniger überraschend, während andere deutlich mehr hängen bleiben. Das ist aber kein großes Problem, denn „Born With A Hammer“ lebt nicht davon, dass jeder einzelne Song ein zukünftiger Klassiker sein muss. Seine Stärke liegt vielmehr in der Mischung und in der Tatsache, dass Hansen sich musikalisch nicht selbst einengt.

Ein Album ohne Altersstarrsinn

Was Hansen besonders gut gelingt, ist der Verzicht darauf, seine Vergangenheit künstlich zu wiederholen. Er versucht nicht, seine Jugend zurückzuholen, aber genauso wenig, auf Biegen und Brechen modern zu klingen. Stattdessen nimmt er das, was er über Jahrzehnte gelernt hat, und verbindet es mit neuen Ideen.

Dadurch klingt „Born With A Hammer“ erfahren, ohne alt zu wirken. Gerade bei einem Musiker mit dieser Karriere ist das alles andere als selbstverständlich. Die Songs haben Druck, aber sie besitzen auch genügend Raum für Melodien und unterschiedliche Stimmungen. So wird das Album weder zum Nostalgieprogramm noch zum Versuch einer künstlichen Verjüngung.

Die richtige Mannschaft

Unterstützt wird Hansen von Eike Freese an der Gitarre, Alexander Dietz von Heaven Shall Burn am Bass, Dan Wilding von Carcass am Schlagzeug und Tim Hansen von Induction an der Gitarre. Damit versammelt Hansen Musiker um sich, die unterschiedliche musikalische Hintergründe mitbringen, ohne das Album zu einer bloßen All-Star-Veranstaltung zu machen.

Im Mittelpunkt bleibt eindeutig Hansen. „Born With A Hammer“ ist schließlich kein Projekt, bei dem ein großer Name möglichst viele Gastmusiker um sich versammelt. Es ist ein Soloalbum, auf dem Hansen seine eigene Richtung vorgibt. Produziert wurde die Platte von Eike Freese, Kai Hansen und Alexander Dietz.

Kein Meisterwerk – aber eine verdammt gute Platte

Man muss „Born With A Hammer“ nicht zum nächsten Meilenstein der Metalgeschichte erklären. Dafür gibt es schlicht keinen Grund. Das Album muss sich nicht mit „Keeper Of The Seven Keys“, „Land Of The Free“ oder irgendeinem anderen Klassiker aus Hansens Vergangenheit messen.

Es funktioniert besser, wenn man es als das betrachtet, was es ist: ein persönliches Soloalbum eines Musikers, der nach Jahrzehnten immer noch Lust darauf hat, neue Songs zu schreiben und unterschiedliche musikalische Ideen miteinander zu verbinden.

Und genau diese Einstellung merkt man der Platte an. Sie ist nicht perfekt und muss es auch nicht sein. Viel wichtiger ist, dass Hansen nicht versucht, seine eigene Legende zu verwalten. Er macht Musik, probiert Dinge aus und lässt dabei genügend Raum für seine eigene Persönlichkeit.

Fazit

„Born With A Hammer“ ist ein erstaunlich freies Album geworden. Kai Hansen bleibt seinen Wurzeln treu, ohne sich von ihnen fesseln zu lassen. Heavy Metal steht weiterhin im Mittelpunkt, bekommt aber Gesellschaft von Hardrock, Punk, Rock’n’Roll und elektronischen Elementen. Das sorgt für Abwechslung und gibt dem Album eine eigene Persönlichkeit.

Natürlich werden Fans von Helloween und Gamma Ray ihre vertrauten Momente finden. Gleichzeitig gibt es genügend Stellen, an denen Hansen bewusst aus den bekannten Bahnen ausbricht. Und genau dort ist „Born With A Hammer“ am stärksten.

Kai Hansen muss 2026 niemandem mehr beweisen, dass er Heavy Metal schreiben kann. Vielleicht ist es genau deshalb so angenehm, dass er hier einfach macht, worauf er Bock hat.

„Born With A Hammer“ ist kein nostalgischer Rückblick und keine Kopie vergangener Erfolge. Es ist ein selbstbewusstes, abwechslungsreiches Soloalbum eines Musikers, der offensichtlich noch lange nicht genug von lauten Gitarren hat.

Hansen - Born With A Hammer Albumcover
Hansen – Born With A Hammer
  1. Feeding The Beast
  2. Welcome To Life
  3. Don’t Care
  4. Wait And See
  5. Born With A Hammer
  6. I.D.G.A.F.
  7. End Of The Road
  8. Triple Trouble
  9. Invaders
  10. Wonderland
Veröffentlichung: 18. September 2026
Label:
earMUSIC
Genre:
Heavy Metal / Hard Rock / Punk / Rock’n’Roll
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Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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