Jay Buchanan, die Stimme hinter der amerikanischen Rockband Rival Sons, gönnt sich ein Soloabenteuer und veröffentlicht mit „Weapons of Beauty“ (06.02.26) sein erstes eigenes Album. Und nein, das ist kein Seitensprung aus Langeweile, sondern ein bewusst gesetzter Schritt weg vom donnernden Rockkollektiv hin zu etwas Persönlicherem. Das Ergebnis klingt auch nicht nach Egotrip, sondern nach einem Künstler, der weiß, wann es Zeit ist, leiser zu werden, um mehr zu sagen.
Über Jay Buchanan selbst muss man eigentlich kaum noch Worte verlieren. Seine Stimme, seine Präsenz und seine Arbeit gehören längst zum Grundwissen all jener, die beruflich oder halbberuflich mit Musik zu tun haben. Wer an dieser Stelle erst nachschlagen muss, sollte vielleicht kurz innehalten und sich fragen, ob Musik wirklich das eigene Fachgebiet ist oder ob Schwimmen nicht vielleicht doch ein besseres Hobby wäre.
Zwischen Americana, Country und kontrollierter Zurückhaltung
„Weapons of Beauty“ schlägt insgesamt sanfte Töne an. Hier versteckt sich also keine Rival Sons Light Version. „Caroline“ eröffnet ruhig mit Gitarre, Gesang und ein paar schwebenden Klängen im Hintergrund, am Ende setzt ein Klavier zaghaft ein.
„High And Lonesome“ bleibt ebenfalls im gedrosselten Tempo und schielt hörbar in Richtung Americana und Country. „True Black“ geht einen ähnlichen Weg, wieder mit Klavier, wieder mit Raum für Buchanans Stimme, die bewusst bei allen Tracks im Mittelpunkt steht. Leichte Background Vocals rahmen sie bei „True Black“ nur noch etwas ein.
„Deep Swimming“ schiebt minimal nach vorne, eine Akustikgitarre sorgt für Bewegung, aber laut oder wild wird es nicht. Es bleibt alles eher sanft, handgemacht, ehrlich. Man denkt an Springsteen, Dylan oder einfach an die alte Songwriter-Schule. Jeder Ton sitzt, jede Passage darf wirken, ohne dass Buchanan sich oder die Songs aufplustert. Ruhig, poetisch und handwerklich solide.
Jay Buchanan: Große Gefühle ohne großes Getöse
Mit „The Great Divide“ folgt ein Highlight des Albums. Eine balladeske Nummer mit leichtem Achtziger Jahre Flair, ein bisschen Michael Bolton im Ansatz, allerdings ohne Pathos Überschuss. Dezente Synths im Hintergrund, ein Schellenkranz, viel Raum für Melodie und Stimme.
Zum Abschluss kommt der titelgebende Track „Weapons of Beauty“ als reduzierte Klaviernummer. Nur Jay Buchanan, seine Stimme und eine fast traurige Grundstimmung. Und hier passiert weiterhin das, was dieses Album durchgehend so stark macht: Keine Lautstärke, keine Dramatik, nicht mal am Ende, aber eine enorme emotionale Kraft. Buchanan singt so souverän und eindringlich, dass Gänsehaut eher die Regel als die Ausnahme ist.

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Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.
