HOLDING ABSENCE sind eine britische Emo- und Post-Hardcore-Band aus Cardiff in Wales, die 2015 gegründet wurde. Das Trio aus Südwales veröffentlicht am 18. September sein drittes Studioalbum „Modern Life Is Lonely“ über den neuen Labelpartner Sumerian Records.
Inhaltlich wird es auf dem Album ziemlich persönlich. „Modern Life Is Lonely“ beschäftigt sich mit Trauer, Liebe, Identität und der Frage, wie man emotional durch eine Welt kommt, in der gefühlt ständig alles auf einen einprasselt.
Zerbrochene Spiegel, verblassende Erinnerungen, zerrissene Körper und geisterhafte Verbindungen ziehen sich dabei bildlich durch die Songs. Einsamkeit, Trauma, Sterblichkeit und die Suche nach einem Sinn treffen immer wieder auf Hoffnung und den Versuch, irgendwie wieder eine Verbindung zu sich selbst und anderen Menschen zu finden.
Klingt nach ziemlich schwerer Kost. Also schauen wir uns die einzelnen Songs einmal genauer an.
Zwischen Selbstzweifeln, Einsamkeit und verlorener Liebe
Bei „RE: ANIMATE“ geht es um diesen einen kleinen Funken, der selbst dann noch da ist, wenn man sich eigentlich schon längst aufgegeben hat. Die ziemlich düsteren Bilder von Verfall und Wiederbelebung stehen dabei für den Weg raus aus einer schweren Zeit. Besonders „I’m not dead yet“ bleibt hängen und macht klar: Ganz vorbei ist es noch lange nicht.
„REFLECTION“ dreht sich um Selbstzweifel und darum, sich irgendwann wieder selbst im Spiegel ansehen zu können. Verletzlichkeit, innere Leere und alte Wunden sind noch da, gleichzeitig wächst aber die Bereitschaft, sich ihnen zu stellen. Denn am Ende führt kein Weg daran vorbei, das eigene Spiegelbild und damit auch sich selbst wieder lieben zu lernen.
„HEAVEN“ blickt auf eine Liebe zurück, die sich gleichzeitig wunderschön und verdammt schmerzhaft angefühlt hat. Obwohl die Beziehung längst vorbei ist, hängt noch einiges davon nach und lässt sich nicht einfach abschütteln. „Your love was bitter as hell, but it tasted like heaven“ bringt dieses Hin und Her zwischen Sehnsucht, Verlust und der Erinnerung an eine längst vergangene Nähe ziemlich gut auf den Punkt.
„MODERN LIFE IS LONELY“ nimmt sich das Gefühl vor, ständig mit allem und jedem verbunden zu sein und sich trotzdem einsam zu fühlen. Alles ist jederzeit verfügbar, die Welt schläft gefühlt nie und irgendwann wird aus dieser Dauerbeschallung einfach zu viel. Der Song fängt ziemlich gut dieses Gefühl ein, abschalten zu wollen, obwohl man längst nicht mehr weiß, wie man eigentlich aus diesem ganzen Trubel rauskommt.
„TAKE ME WITH YOU“ ist von Sehnsucht und dem Wunsch geprägt, einem bestimmten Menschen einfach überallhin zu folgen. Gleichzeitig schwingt eine fast schon obsessive Abhängigkeit mit, bei der Hoffnung und Einsamkeit ständig miteinander kämpfen. Besonders das Bild, zwischen „Hölle und Himmel“ dieser Person festzustecken, zeigt, wie schwer es ist, sich von ihr zu lösen.
„SHELLS LIKE US“ fällt als Song deutlich kürzer aus und wirkt wie ein stiller Abschied von einem geliebten Menschen. Es geht um Verlust und die Hoffnung, dass dieser Mensch am Ende seinen Frieden findet und wieder bei Familie und Freunden sein kann.

Wenn Erinnerungen bleiben und Hoffnung zurückkehrt
„WHISPER OF A DREAM“ beschäftigt sich mit der Suche nach Hoffnung und innerem Frieden, während gleichzeitig alles um einen herum auseinanderzufallen scheint. Der eigene Glaube gerät ins Wanken und selbst das Menschsein fühlt sich irgendwann mehr wie eine Last an. Trotzdem bleibt irgendwo dieser kleine Hoffnungsschimmer, dass am Ende doch noch Frieden wartet.
„LUCID LOVE“ dreht sich um eine Liebe, die eigentlich nur noch in Träumen und Erinnerungen wirklich greifbar ist. Gerade nachts fühlt sich die verlorene Nähe plötzlich wieder echt an und wird zum kurzen Ausweg aus der Einsamkeit. Am Morgen bleibt davon allerdings nicht viel mehr als die Erinnerung und der Wunsch, einfach wieder einzuschlafen.
„SCORCHED EARTH“ geht tief in Selbstzweifel, alte Verletzungen und die Angst davor, sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig steht da jemand, der all diese Narben sieht und trotzdem nicht aufgibt. Während man sich selbst längst als hoffnungslosen Fall abgestempelt hat, versucht dieser Mensch, einem zu zeigen, dass da noch viel mehr ist als all das, was einen kaputt gemacht hat.
„LULLABY“ wirkt wie ein letzter Abschied und lässt dabei viel Raum für eigene Gedanken. Zwischen Ruhe und Melancholie steht vor allem die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn er nicht mehr da ist. Gerade „Did I burn like a star, or just fade away?“ bringt dieses Gefühl schön auf den Punkt. Hier liegt eine sehr schwere Stimme von Lucas über dem Song, die ihm noch einmal eine ganz besondere Emotionalität verleiht.
„Kyoto Snow“ dreht sich um eine Liebe, die selbst Zeit, Entfernung und den Tod überstehen soll. Erinnerungen verblassen und gemeinsame Momente sind vergänglich, doch die Verbindung zu diesem einen Menschen bleibt. Egal in welchem Leben, Universum oder auf welcher Zeitlinie: Am Ende steht das Versprechen, sich immer wiederzufinden.
Fazit
Auf „Modern Life Is Lonely“ merkt man ganz deutlich die Weiterentwicklung von HOLDING ABSENCE. Ich höre die Band schon seit Jahren, fast seit ihren Anfängen, und deshalb fällt mir natürlich auch auf, dass sich musikalisch einiges verändert hat.
Die Themen auf dem Album sind bewegend, tiefgehend, fesselnd und emotional. HOLDING ABSENCE trauen sich diesmal auch stärker in eine elektronische Richtung. Grundsätzlich steht das den Songs gut, aber als Hörerin der ersten Jahre tue ich mich damit ehrlich gesagt noch etwas schwer.
Mir fehlt an einigen Stellen die tiefere Post-Hardcore-Note der vorherigen Alben. Nicht jeder Song auf „Modern Life Is Lonely“ holt mich deshalb gleichermaßen ab.
Was aber definitiv geblieben ist, sind die Emotionen. Und davon gibt es auf diesem Album jede Menge. Die Geschichten über Verlust, Liebe, Einsamkeit, Selbstzweifel und Hoffnung ziehen sich durch die Songs und machen „Modern Life Is Lonely“ zu einem Album, bei dem man auch mal genauer hinhören sollte.
Am Ende ist es für mich trotz meiner kleinen Schwierigkeiten mit der musikalischen Entwicklung ein gutes Album, das berührt und einen auf eine emotionale Reise mitnimmt. Ob mir die elektronischere Seite von HOLDING ABSENCE mit der Zeit noch besser gefällt, werden wohl die nächsten Durchläufe zeigen.
- Reanimate
- Reflection
- Heaven
- Modern Life Is Lonely
- Take Me With You
- shells_like_us.int
- Whisper Of A Dream
- Lucid Love
- Scorched Earth
- lullaby.int
- Kyoto Snow
Tine Blessing
Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.
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