21 Jahre ohne neues Album bedeuten im Rock meist das Ende oder ein ziemlich lautes Comeback. GLUECIFER entscheiden sich klar für Letzteres. Die selbsternannten KINGS OF ROCK melden sich mit Same Drug New High am 16. Januar 2026 zurück. Und das Album klingt, als hätten die Norweger die letzten zwei Jahrzehnte nur damit verbracht, ihre Verstärker heißlaufen zu lassen. Punkrock trifft Rock’n’Roll, Glam blitzt auf, alles mit breiter Brust und ohne falsche Bescheidenheit.
Gluecifer: Tempo statt Altersvorsorge
Der Opener „The Idiot“ ist ein sportlicher Einstieg im wahrsten Sinne. Hohes Tempo, treibendes Schlagzeug, scharfkantige Gitarren und Gesang im Vorwärtsgang. Kein Warm-up, kein Hallo, sondern direkt rein in die Fresse. So beginnt eigentlich kein Comeback, das ist eher ein Statement. Der Titeltrack „Same Drug New High“ nimmt danach minimal den Fuß vom Gas, bleibt aber souverän und punktet mit einem feinen Gitarrensolo gegen Ende, das wunderbar zeigt, dass hier nicht nur Energie, sondern auch ordentlich Erfahrung am Werk ist. Herrlich!
Und das schnelle, schnörkellose Rocken bleibt zunächst Programm. In manchen Passagen blitzt etwas auf, das entfernt an The Strokes erinnert, an anderer Stelle lugen sogar die Stones um die Ecke. Das ist kein Vergleich, den man leichtfertig zieht und doch fühlt er sich hier erstaunlich legitim an. GLUECIFER kopieren nichts, sie zitieren Haltung, Drive und dieses schwer greifbare Selbstverständnis, das Rock’n’Roll von bloßem Lärm unterscheidet.
Zwischen Filmkulisse und Glam-Glamour
Ein besonderes Highlight ist „Another Night, Another City“. Der Song klingt, als hätte er sich heimlich in einen Filmsoundtrack geschlichen. Ein bisschen Dazed and Confused Vibes, ein Hauch American Pie, spätestens wenn die Gitarre einsetzt. Und genau in solchen Momenten zeigen Gluecifer, dass sie mehr können als Vollgas, auch wenn sie es offensichtlich lieben.
Zum Abschluss wird es mit „On the Wire“ noch einmal glamrockiger und leicht experimentell. Der Song wirkt wie ein augenzwinkernder Abgang von der Bühne, Glitzer an den Stiefeln, Feedback in der Luft. Ein gelungener Schlusspunkt für ein Album, das kaum Luft holt und genau das auch wahrscheinlich gar nicht will.


Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.
