Future Palace haben sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt einen festen Platz in der deutschen Modern-Metal-Landschaft erarbeitet. Mit ihrer Mischung aus druckvollen Gitarren, elektronischen Elementen und einer emotionalen Intensität, die weit über Genregrenzen hinausgeht, zählt das Berliner Trio längst zu den spannendsten Vertretern der modernen Alternative- und Post-Hardcore-Szene. Nach drei erfolgreichen Studioalben schlagen Future Palace nun das nächste Kapitel auf und legen mit Resurgence ihr mittlerweile viertes Album vor.
Das neue Werk eröffnet fulminant mit der extrem eingängigen Hymne „Deep Blue“, die den Hörer unmittelbar in die atmosphärische Klangwelt des Albums eintauchen lässt. Dichte Soundflächen treffen auf einen Refrain mit enormem Mitsingpotenzial und setzen die Messlatte vom ersten Moment an hoch.
Mit dem Titeltrack „Resurge“ schlägt das Album anschließend deutlich düsterere Töne an. Mehr Härte, mehr Druck und eine spürbar intensivere Grundstimmung sorgen früh für Abwechslung. Den perfekten Brückenschlag zwischen den beiden ersten Songs liefert schließlich „Supernova“. Atmosphärische Passagen und kraftvolle Ausbrüche verschmelzen hier zu einem stimmigen Gesamtbild, während die immer wieder eingestreuten elektronischen Elemente dem Sound zusätzliche Tiefe verleihen. Bis hierhin steigert sich die Begeisterung mit jedem einzelnen Song.
Genau deshalb fällt der anschließende Bruch mit „Disintegrate“ umso stärker ins Gewicht. Die zuvor aufgebaute Dynamik verliert spürbar an Fahrt, und auch die folgenden Stücke können das hohe Niveau der ersten drei Songs zunächst nicht halten. Wo Future Palace zu Beginn noch ihre ganz eigene Handschrift hinterlassen, wirken die nächsten Songs stellenweise überraschend austauschbar. Es sind solide Kompositionen, doch sie könnten ebenso gut von zahlreichen anderen Bands des Female-Fronted-Modern-Metal stammen.
Auch „Thorns“ beginnt vielversprechend. Vor allem Maria Lessing setzt mit ihrem beinahe opernhaften Gesang zu Beginn ein echtes Ausrufezeichen. Doch spätestens nach dem gelungenen Scream-Part verliert der Song etwas von seiner Eigenständigkeit und bewegt sich zunehmend auf bekanntem Terrain.
Mit „Ebb and Flow“ findet das Album schließlich zurück zu seinen Stärken. Der ruhige Einstieg, getragen von Maria Lessings eindrucksvoller Stimme, entwickelt sich zu einem gefühlvollen Midtempo-Song, der seine Spannung über die gesamte Spielzeit aufrechterhält und emotional direkt ins Herz trifft.

In eine ähnliche Richtung entwickelt sich „Nightfall“ – und genau hier liefert das Album einen seiner absoluten Höhepunkte. Maria Lessing demonstriert eindrucksvoll ihre gesamte stimmliche Bandbreite, während unerwartete Dynamikwechsel den Song immer wieder neu aufbrechen. Atmosphäre, Emotion und Songwriting greifen hier nahezu perfekt ineinander.
Der erste Eindruck von „Symphony of the Clouds“ verspricht zunächst eine ähnliche Qualität, doch über die gesamte Spielzeit fehlt es dem Song an Entwicklung. Trotz gelungener Ansätze will sich keine nachhaltige Spannung aufbauen.
Mit der Vorabsingle „Tidal Waves“ folgt schließlich genau der emotionale Ruhepol, den man an dieser Stelle des Albums beinahe erwartet. Die herzzerreißende Ballade fügt sich stimmig in den Gesamtverlauf ein und lebt vor allem von ihrer emotionalen Intensität. Lediglich das Gitarrensolo hätte aus Sicht des Autors gerne noch etwas länger ausfallen dürfen, um dem Song den letzten Feinschliff zu verleihen.
Folgt man der Dramaturgie des Albums, scheint mit „Cyclone“ nun alles für ein großes Finale bereitet. Die Erwartungen wachsen unweigerlich – Bilder eines konfettireichen Konzertabschlusses entstehen beinahe automatisch vor dem inneren Auge. Doch genau diese Erwartungen kann der Abschlusstrack letztlich nicht vollständig erfüllen. Zwar vereint der Song zahlreiche interessante Ideen und Facetten, doch ihm fehlt die letzte Konsequenz, um als würdiger Schlusspunkt nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.
Resurgence – Hin- und hergerissen zwischen den Eindrücken
Resurgence steht sinngemäß für Wiederaufleben. In diesem Begriff steckt Bewegung, Veränderung und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Emotionen. Genau diese Vielschichtigkeit spiegelt das Album wider – allerdings nicht immer auf dem gleichen hohen Niveau.
Mit „Deep Blue“, „Resurge“, „Supernova“, „Ebb and Flow“ und insbesondere „Nightfall“ liefern Future Palace Songs ab, die atmosphärisch, emotional und kompositorisch zu den stärksten Momenten ihrer bisherigen Karriere zählen. Dazwischen verliert das Album jedoch immer wieder an Eigenständigkeit und bewegt sich phasenweise zu nah an den Genrestandards.
So bleibt am Ende ein Album, das zwischen herausragenden Momenten und soliden Durchschnittspassagen pendelt. Vielleicht liegt genau darin aber auch die eigentliche Bedeutung von Resurgence: Wiederaufleben bedeutet nicht, ausschließlich Höhepunkte zu erleben. Es bedeutet, alle Facetten des Lebens anzunehmen – die euphorischen ebenso wie die gewöhnlichen. Und genau dieses Wechselspiel prägt auch das vierte Studioalbum von Future Palace.
1. Deep Blue
2. Resurge
3. Supernova
4. Disintegrate
5. The Shades
6. Nixy
7. Thorns
8. Ebb and Flow
9. Nightfall
10. Symphony of the Clouds
11. Tidal Waves
12. Cyclone
Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.
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