Europe – „Come This Madness“: Klassischer Hard Rock 2026

Europe im Scheinwerferlicht beim Konzert – Credit: Marc Blessing

Mit „Come This Madness“ zeigen Europe auch 2026, dass ihre musikalische Geschichte längst nicht bei „The Final Countdown“ geendet hat. Das zwölfte Studioalbum der Schweden verbindet klassischen Hard Rock mit Siebziger-Jahre-Einflüssen, modernen Akzenten und einer bemerkenswerten musikalischen Gelassenheit.

Zwischen klassischem Hard Rock und modernen Akzenten

Wer bei Europe noch immer auf eine Rückkehr zum Sound ihrer großen Achtziger-Erfolge wartet, wird auch mit „Come This Madness“ nicht unbedingt glücklich werden. Die Schweden haben sich längst weiterentwickelt. Statt Glam-Rock-Nostalgie gibt es klassischen, gitarrenorientierten Hard Rock, der seine Wurzeln deutlich in den Siebzigern erkennen lässt und trotzdem nach einer Band klingt, die im Jahr 2026 angekommen ist.

Bereits „One On One“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Druckvolle Gitarren, melodische Passagen und ein treibender Rhythmus verbinden sich zu einem Song, der durchaus an die klassische Europe-DNA erinnert, ohne einfach vergangene Erfolge zu wiederholen.

Mit „The Cult of Ignorance“ legen Europe einen der eingängigeren Momente des Albums nach. Der Song besitzt einen markanten Hook und einen hymnischen Refrain, bleibt dabei aber fest im aktuellen Sound der Band verankert. Auch der Titelsong „Come This Madness“ zeigt, wie selbstverständlich Europe inzwischen klassische Rockelemente mit einer modernen Produktion verbinden.

„Scandinavian Eyes“ und „Takin’ It Back“ schlagen stärker in Richtung klassischen Siebziger-Rocks. Gitarren und Groove stehen im Mittelpunkt, während die Band bewusst auf übertriebene Effekte verzichtet. Ruhiger wird es bei „This Time of Year“. Der Song bringt eine melancholische Atmosphäre ins Album und zeigt eine andere Seite der Band.

EUROPE bei der Show live auf der Bühne – Credit: Marc Blessing
EUROPE – Andy Ford

Eine gereifte Band ohne Nostalgie-Zwang

Interessant ist vor allem, wie selbstverständlich Europe mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. „Come This Madness“ versucht nicht, den Erfolg von „The Final Countdown“ zu wiederholen. Stattdessen präsentiert sich die Band als gereifte Rockformation, die ihre Einflüsse kennt und daraus ihren eigenen Sound entwickelt hat.

Einige Songs hätten dabei durchaus noch etwas mehr Konsequenz vertragen können. Besonders bei „In A Different World“, „The Devil’s Back“ oder „Nothing Can Follow This“ sind starke musikalische Grundlagen vorhanden. An manchen Stellen fehlt jedoch der letzte Schritt zum großen Refrain, der sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass dem Album die eingängigen Momente fehlen. „The Cult of Ignorance“ und „One On One“ liefern markante Hooks. Vielmehr setzt „Come This Madness“ stärker auf das Gesamtbild als auf eine Aneinanderreihung potenzieller Singles.

Auch die Namen hinter dem Album unterstreichen den hohen Anspruch der Produktion. Tom Dalgety übernahm die Produktion, Mike Fraser den Mix. Als Gäste sind Tobias Forge von Ghost und Mikael Åkerfeldt von Opeth mit Backing Vocals vertreten.

Das Ergebnis klingt kraftvoll, klar und gleichzeitig organisch. Die Gitarren bekommen genügend Raum, die Rhythmusgruppe sorgt für Druck und Joey Tempests Stimme fügt sich souverän in das musikalische Gesamtbild ein.

„Come This Madness“ ist deshalb vor allem ein Album für Hörer, die Europe nicht ausschließlich mit den großen Achtziger-Hits verbinden. Die Band blickt nicht zurück, sondern setzt ihren seit dem Comeback eingeschlagenen Weg konsequent fort.

Fazit:

Europe liefern mit „Come This Madness“ ein souveränes und hochwertig produziertes Hard-Rock-Album. Nicht jeder Song entwickelt sich zum großen Ohrwurm, dafür überzeugt die Platte mit Atmosphäre, starken Gitarren, abwechslungsreichem Songwriting und einer Band, die genau weiß, wie sie 2026 klingen möchte.

Europe Come This Madness Albumcover
Europe Come This Madness
  1. One on One
  2. The Cult of Ignorance
  3. Come This Madness
  4. This Time of Year
  5. In a Different World
  6. Scandinavian Eyes
  7. Takin' It Back
  8. In the Absence of Grace
  9. The Angels Must Have Flown
  10. The Devil's Back
  11. Nothing Can Follow This
Veröffentlichung: 25. September 2026
Label: Silver Lining Music / Hell & Back Recordings
Genre: Hard Rock / Classic Rock
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Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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