Wenn der 9-to-5-Wahnsinn in massive Gitarrenwände umschlägt, dann steckt Dishonor dahinter. Die 2021 in Norddeutschland gegründete Formation hat mit ihrem eigenwilligen Feierabendcore eine Nische besetzt, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. Nach dem beachtlichen Erfolg ihres Debüts „Smoke Screen“ und den starken Vorboten der letzten Monate, markiert der 20. Februar 2026 nun einen entscheidenden Wendepunkt: Mit der neuen EP „Paradise“ beweisen Dishonor, dass moderner Metalcore dann am intensivsten ist, wenn er direkt aus dem echten Leben gegriffen wird. Es ist ein lautes, ehrliches Ankommen für eine Generation zwischen Bildschirm und Wirklichkeit.
Die Texte auf dem Album ziehen uns mitten hinein in eine Story über den kompletten moralischen und physischen Absturz der Menschheit. Es geht um dieses krasse Gefühl, völlig entfremdet zu sein, von sich selbst und von der Welt da draußen. Alles beginnt mit der Jagd nach einem falschen Paradies: In Songs wie „Paradise“ wird klar, dass wir in einer Welt leben, in der jeder nur an sich denkt und man für das eigene Glück auch mal über Leichen geht. Das „Paradies“ ist am Ende nur eine fiese Illusion, für die man seine Freunde verrät und durch die eigene Hölle marschiert.
Endzeit-Poesie und digitale Fesseln: Die Story hinter den Riffs
Danach wird es richtig düster, fast wie in einem Endzeit-Film. „Fallout“ und „Fade Away“ zeigen uns die Quittung für unseren Ego-Trip. Ob wir uns nun gegenseitig wegbomben oder der Planet einfach den Geist aufgibt – wir leben auf geborgter Zeit. Es ist der Moment, in dem die großen Sprüche und der ganze Stolz nichts mehr wert sind, weil alles um uns herum in Schutt und Asche versinkt.
Einen modernen Twist bekommt das Ganze bei „Tightrope“. Da geht es um das digitale Hamsterrad, in dem wir alle stecken. Wir flüchten uns in Bildschirme, werden zu ferngesteuerten Marionetten und versuchen krampfhaft, auf einem dünnen Drahtseil die Balance zu halten, während wir in einer anonymen, digitalen Masse langsam unsichtbar werden. Den finalen Tiefschlag gibt es dann im „No Mans Land“. Hier ist die Menschlichkeit endgültig begraben. Wir werden nur noch wie wertlose Schachfiguren in den Dreck geschickt, weil diejenigen, die das Sagen haben, moralisch komplett schwarzsehen. Am Ende bleibt nur ein großes Nichts und die Erkenntnis, dass wir uns selbst in die Sackgasse manövriert haben.

Tine Blessing
Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.
