Mit CELESTIELLE betritt Michelle Fallmann die Doom-Metal-Landschaft mit spürbarer Ernsthaftigkeit und Respekt vor den Wurzeln des Genres. Stilistisch klar im traditionellen Doom Metal verankert, durchziehen ihre Kompositionen zudem feine Spuren aus Gothic- und Black-Metal-Ästhetik.
Die Debüt-EP “Requiem” besteht aus insgesamt sieben Tracks, darunter die bereits vorab veröffentlichten Songs “Eye For An Eye'” und “Beyond The Cursed”. “Requiem” versteht sich weniger als großes Manifest, sondern vielmehr als konzentrierte Momentaufnahme einer künstlerischen Vision im Entstehen.
Atmosphärisch setzt CELESTIELLE auf Schwere, Langsamkeit und eine bewusst reduzierte Dramaturgie. Die Songs entfalten ihre Wirkung nicht durch Überraschungsmomente, sondern durch Geduld und Wiederholung — ein Ansatz, der im Doom Metal Tradition hat und hier konsequent umgesetzt wird. Befassen wir uns nun mit der Ep und ihrem Klang.
Das Debüt erklingt…
Glockenläuten, ein rauer Wind und Regen eröffnen atmosphärisch den ersten Track “Crucify Him” und setzen sofort den tonalen Rahmen der EP. Unheilvolle Melodien, der sanfte, fast entrückte Gesang von CELESTIELLE und ein bewusst rau gehaltener Gitarrensound, erzeugen eine stimmige, düstere Atmosphäre.
Allerdings wirkt der Song weniger wie ein voll ausgearbeiteter Auftakt, sondern eher wie ein ausgedehntes Interlude — wirkungsvoll in seiner Stimmung, aber kompositorisch noch zurückhaltend und eher vorbereitend als eigenständig.
Mit “Beyond The Cursed” folgt dann ein Stück, das diesen Weg zunächst konsequent weitergeht, die klangliche Handschrift bestätigt und die melancholische Grundstimmung vertieft. Ab der zweiten Hälfte zieht das Tempo jedoch spürbar an und verleiht dem Song eine willkommene, dynamische Bewegung. Dieser Wechsel sorgt für neue Spannung und zeigt erstmals deutlicher, welches Potenzial in der Verbindung aus getragenem Doom und vorsichtig eingesetzter Härte steckt, auch wenn man sich an dieser Stelle noch etwas mehr Konsequenz im Aufbau wünschen könnte.
Eine der größten Qualitäten von “Requiem” ist die durchgehend konsequent gepflegte, schwermütige Dunkelheit, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte EP zieht. CELESTIELLE bleibt dabei meist innerhalb der klar umrissenen Grenzen des Doom Metal, doch gerade Stücke wie “The Huntress” zeigen eindrucksvoll, dass stilistische Zurückhaltung nicht mit Stillstand gleichzusetzen ist. Durch gezielte Tempowechsel, eine dauerhaft massive Klangbasis und eine dichte Atmosphäre, entfaltet der Song eine eindringliche Wirkung.
Dieses kontrollierte Spiel mit Schwere, Raum und Zurückhaltung, gibt dem Album seine emotionale Tiefe und beweist, wie viel Ausdruckskraft doch im Minimalismus liegen kann.
Das Zwischenstück “As Above, So Below” fügt sich organisch in den Fluss der EP ein und setzt mit seinem choralen Gesang einen ruhigen, beinahe liturgischen Akzent. Gleichzeitig deutet der Song ein erweitertes stimmliches Ausdrucksspektrum an, das über den bislang vorherrschenden, zurückhaltenden Gesang hinausweist. So wirkungsvoll dieser Moment auch ist, bleibt er letztlich eher eine Skizze als eine voll ausgearbeitete Idee – ein bewusst knapp gehaltener Einblick, der neugierig macht, aber auch den Wunsch nach einer konsequenteren Ausarbeitung hinterlässt. Gerade darin liegt jedoch sein Reiz: als leises Versprechen dessen, was CELESTIELLE in Zukunft noch entfalten könnte.
Besonders der Titeltrack “Requiem” sticht hervor, da er mit markanteren Grooves und spürbar erhöhtem Tempo neue Dynamik ins Gesamtbild bringt. Erstmals treten Black-Metal-Einflüsse deutlicher zutage – nicht als plakatives Stilzitat, sondern als Erweiterung des bislang etablierten Doom-Fundaments. Diese Passagen lassen erkennen, dass CELESTIELLE ein ausgeprägtes Gespür für musikalische Räume jenseits des klassischen Genres besitzt.
Zugleich bleibt das Gefühl, dass dieses Potenzial bewusst dosiert eingesetzt wird: ein tastendes Vorstoßen in neue Klangwelten, das neugierig macht, ohne sich bereits vollständig zu entfalten.
Der Closer “Rotten Flesh” knüpft nahtlos an die zuvor eingeschlagene Entwicklung an und vereint sanfte, beinahe meditative Passagen mit energischeren Momenten. Wie ein kontrolliertes Ausklingen lassen der aufgebauten Spannung, führt er die Hörer zurück in die Dunkelheit, bevor das erneute Läuten der Glocke die “Requiem”- EP beendet. Ein stimmiger Abschluss, der die dichte Atmosphäre wahrt, auch wenn an einigen Stellen ein wenig mehr Mut zur Steigerung oder zu einer konsequenteren Zäsur den Moment noch eindrucksvoller gemacht hätte.

Jennifer Richter
Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.

