Bülent Ceylan – „B.L.N.T.“: Zwischen Metal, Humor und klarer Kante

Bülent Ceylan_ BLNT

Bülent Ceylan ist längst mehr als der Comedian mit der markanten Mähne. Seit Jahren gehört Metal zu seinem musikalischen Kosmos. 2024 machte er diese Leidenschaft mit seinem Debütalbum „Ich liebe Menschen“ auch auf Tonträger hörbar. Mit „B.L.N.T.“ folgt nun das zweite Studioalbum – und damit die Frage, wie weit sich dieser musikalische Weg inzwischen entwickelt hat.

Für mich lautet die Antwort: deutlich. „B.L.N.T.“ klingt konzentrierter und musikalisch sicherer als das Debüt. Die Gitarren haben Gewicht, die Produktion ist druckvoll und Bülent bewegt sich selbstverständlich zwischen Heavy Metal, Rock und Industrial-Einflüssen. Gleichzeitig bleibt seine Persönlichkeit jederzeit erkennbar.

Mehr Druck, mehr Eigenständigkeit

Bereits beim ersten kompletten Durchlauf fällt auf, dass „B.L.N.T.“ musikalisch kompakter wirkt. Die Gitarren stehen stärker im Vordergrund, die Arrangements sind abwechslungsreicher und Bülents Gesang fügt sich besser in das Gesamtbild ein. Besonders stark wird das Album immer dann, wenn es härter und kantiger wird. „Diktatürk“ zeigt beispielsweise, wie gut die Industrial-Elemente zu Bülents Stimme und seiner direkten Art passen. Genau diese Richtung hätte ich mir auf der Platte noch etwas häufiger gewünscht.

Denn hier liegt für mich eine der wenigen größeren Schwächen: „B.L.N.T.“ deutet an einigen Stellen an, was möglich wäre, geht diesen Weg aber nicht immer konsequent weiter. Einige Stücke bleiben im eher sicheren Rock-/Metal-Bereich. Sie sind ordentlich gemacht, überraschen mich musikalisch aber weniger.

Humor bleibt Teil der Musik

Bülent Ceylans Humor aus den Songs herauszuhalten, wäre ohnehin keine gute Idee. „Lange Haare“, „Leck mich Tag“ und „Randale und Radau“ zeigen diese Seite deutlich. Die Nummern dürfen Spaß machen und müssen nicht hinter jeder Pointe eine tiefere Bedeutung verstecken.

Interessanter wird es dort, wo Humor und ernstere Themen zusammenkommen. „Fünf vor Zwölf“ setzt beispielsweise einen deutlich anderen Ton und beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, endlich hinzusehen, bevor es zu spät ist. Diese Wechsel geben dem Album seine Spannung. Bülent kann innerhalb einer Platte albern, provokant und ernst sein, ohne dass sich das grundsätzlich widerspricht.

Wenn aus einem Gag ein Song werden muss

Genau hier sehe ich allerdings auch eine kleine Schwachstelle. Nicht jede gute Pointe trägt automatisch einen kompletten Song. An einigen Stellen habe ich den Eindruck, dass der Text stärker im Vordergrund steht als die musikalische Idee. Der Spruch funktioniert, die Botschaft kommt an – aber musikalisch bleibt weniger hängen.

Das ist kein grundsätzliches Problem des Albums, fällt aber gerade deshalb auf, weil einige andere Stücke zeigen, dass beides gleichzeitig möglich ist: ein guter Text und ein Song, der auch musikalisch überzeugt.

Bülent Ceylan - Stefan Heilemann
Bülent Ceylan – © Stefan Heilemann

Die ruhigeren Momente

„Wolfsherz“ bringt eine andere Farbe ins Album. Die Ballade nimmt Tempo heraus und setzt stärker auf Atmosphäre und Gesang. Doro Pesch passt hier sehr gut hinein und verleiht dem Stück zusätzliche Tiefe.

Solche Kontraste braucht „B.L.N.T.“. Ohne sie würde die Platte wahrscheinlich schnell zu gleichförmig werden. Gleichzeitig hätte die Dramaturgie für meinen Geschmack an einigen Stellen etwas straffer ausfallen können. Nach einem besonders druckvollen Abschnitt verliert das Album gelegentlich etwas an Spannung, bevor es wieder Fahrt aufnimmt.

Nicht jeder Song bleibt hängen

Das ist für mich der deutlichste Unterschied zwischen den starken und den durchschnittlichen Momenten der Platte. Einige Refrains setzen sich sofort fest, andere sind nach dem Ende des Songs bereits wieder verschwunden. Gerade bei einem Album, das musikalisch so unterschiedliche Facetten anbietet, hätte ich mir an manchen Stellen markantere Hooks gewünscht.

Dabei geht es mir nicht darum, dass jeder Song ein Hit sein muss. Aber die besten Momente von „B.L.N.T.“ zeigen, dass Bülent durchaus Songs schreiben kann, die sowohl musikalisch als auch textlich im Kopf bleiben. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.

Das Album trägt sich selbst

Trotz dieser Kritikpunkte funktioniert „B.L.N.T.“ für mich vor allem als komplette Platte. Die verschiedenen Stimmungen ergänzen sich, statt einfach zwölf ähnliche Songs aneinanderzureihen.

Das zweite Album wiederholt den Ansatz des Debüts nicht einfach. Bülent wirkt sicherer darin, seine Comedy, seine persönliche Haltung und seine Metal-Leidenschaft miteinander zu verbinden. Genau dadurch bekommt „B.L.N.T.“ eine eigene Identität. Auch die Gastauftritte von Doro Pesch und Michael Rhein von In Extremo passen in dieses Bild. Beide setzen eigene Akzente, ohne die eigentlichen Songs zu überlagern.

Mein Fazit

„B.L.N.T.“ ist für mich ein gutes zweites Album mit einigen richtig starken Momenten. Die Platte klingt reifer als „Ich liebe Menschen“, hat mehr musikalischen Druck und nutzt mit Rock und Industrial zusätzliche Klangfarben.

Abzüge gibt es für die Passagen, in denen Bülent musikalisch zu wenig Risiko eingeht. Manche Songs verlassen sich stärker auf ihre Texte und Pointen, als dass sie mit ihren musikalischen Ideen überzeugen. Dazu kommt, dass nicht jeder Refrain dauerhaft im Kopf bleibt. Trotzdem überwiegt für mich klar das Positive. Bülent hat seinen Platz zwischen Comedy und Metal längst gefunden und muss daraus keine große Show machen. Seine Musik steht inzwischen für sich.

„Ich liebe Menschen“ war der Anfang. „B.L.N.T.“ ist der Beweis, dass Bülent diesen Weg ernsthaft weitergeht.

Wenn er beim nächsten Album die härteren und kantigeren Momente noch stärker ausbaut, könnte daraus etwas entstehen, das mich nicht nur gut unterhält, sondern mich richtig umhaut.

Bülent Ceylan – B.L.N.T. Albumcover
Bülent Ceylan – B.L.N.T.
  1. Stumpf ist Trumpf
  2. Fünf vor Zwölf
  3. Wir haben gelebt
  4. Wolfsherz
  5. Keiner kommt hier lebend raus
  6. Habt euch endlich alle lieb
  7. Lange Haare
  8. Randale und Radau
  9. Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten
  10. Leck mich Tag
  11. Diktatürk
  12. 12 Am Ende gut
Veröffentlichung: 11. September 2026
Label: Napalm Records
Genre: Heavy Metal / Rock / Industrial Metal
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Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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