August Burns Red drehen auf: „Season of Surrender“ hat einiges zu bieten

August Burns Red season of surrender

Seit über zwei Jahrzehnten gehören August Burns Red zu den festen Größen der Metalcore-Szene. Mit ihrem technischen Anspruch, ihrer unverwechselbaren Mischung aus Härte und Melodie sowie ihrer beeindruckenden Konstanz haben sich die Musiker aus Lancaster weltweit eine treue Fangemeinde erspielt.

Am 5. Juni veröffentlichen sie mit „Season of Surrender“ ihr inzwischen zehntes Studioalbum über Fearless Records. Die Erwartungen an die neue Platte sind entsprechend hoch. Ob August Burns Red ihrem Ruf erneut gerecht werden und welche Akzente sie auf dem Album setzen, schauen wir uns in diesem Review genauer an.

Seit 2003, als die fünf Musiker in Matt Greiners Hühnerhaus die ersten Proben abhielten, stehen August Burns Red für kompromisslosen, progressiven Metalcore. Dass es bei ihren Songs um religiöse Themen geht, steht dabei für die Band seit jeher an erster Stelle.

Standen die Jungs aus Lancaster zu Zeiten von „Thrill Seeker“ für harte Uptempo- und Blast-Beat-Rhythmen, wurden die Songs über die Jahre immer melodiöser. Genau diese beiden Welten vereint die neue Platte.

„Season of Surrender“ startet direkt mit einem Feature. Und zwar mit keinem Geringeren als Mike Hranica von The Devil Wears Prada. Die beiden Stimmgewalten ergänzen sich bei „Legions“ super. Bereits nach den ersten Takten hört man die charakteristischen ABR-Elemente: brachiale Vocals, Blast-Beats, treibende Palm-Mute-Breakdowns und Gitarrenriffs vom Feinsten. Der Schlussteil kommt überraschend düster mit fast schon Black-Metal-artigen Leadparts und einem brutalen Breakdown mit Doublebass-Salven daher.

„The Nameless“ bedeutet in diesem Fall drei Minuten lang Dauerfeuer. Eine Mischung aus Riffs, Breakdowns und Soloelementen. Alles wird von Jake Luhrs‘ brachialen Vocals zusammengehalten. So heftige Klänge gab es von August Burns Red lange nicht. Schmeckt! Apropos Klänge: Der Sound ist druckvoll, aber nicht matschig oder überkomprimiert, wie das bei modernen Metalproduktionen ja oft der Fall ist.

Zwischen alten Stärken und neuem Sound

Bei „Behemoth“ kommt Greiners einzigartiges Drumming zum Tragen. Akzentreich, trotzdem groovend und heavy. Es gibt wenige Metal-Drummer, die diese Kombination so zur Perfektion gebracht haben. Nach einem kurzen Mittelteil, bei dem etwas Luft geholt wird, geht es in einen rhythmisch vertrackten Schlussteil, der die ABR-typischen Breakdowns mit schönen Leadgitarren vereint.

Mit einem Intro, das leicht an „Composure“ erinnert, beginnt „Den of Thieves“. Hier packen JB und Brent an den Gitarren die wunderschönen, für die Amerikaner typischen, zweistimmigen Riffs aus. Grundsätzlich kommt dieser Song wieder harmonischer daher und überzeugt mit filigraner Gitarrenarbeit.

„Sonic Salvation“ erinnert, abgesehen vom Drumming zu Beginn, fast schon an eine Hardcore-Nummer im Stile von Ghost Inside. Das schwere Two-Step-Tempo zieht sich auch durch den ganzen Song. Gastsänger Jamie Hails von Polaris rundet die Nummer perfekt mit seiner etwas kratzigeren Stimme ab. Selbst Mitsingparts hat der Song. Dürfte live ein Kracher werden. Ab in den Pit!

„Cerebral Malfunction“ in Zusammenarbeit mit Make Them Suffer ist wieder etwas klassischer August Burns Red. Taktwechsel, Riffing, Gitarrensoli. Was will man mehr?

„Tear of the Clouds“ ist als ruhige Einleitung und als Spannungsaufbau gedacht. Ich habe das direkt als Live-Intro im Ohr. Darauf folgt mit „Whispers Like Splinters“ ein zunächst stark von Uptempo geprägter Song, der dann aber in einen schönen trockenen Breakdown mündet, der mit einer Leadgitarre umspielt wird. August eben. Macht einfach Spaß.

So gar nicht nach einem Hilferuf klingt „S.O.S.“. Voll auf die Zwölf! Uptempo-Beats, Blast-Beats, Gitarrenriffs. Man fragt sich: Wo ist da noch Platz für Gesang? Aber irgendwie gelingt es Jake Luhrs, über dieses komplexe Grundgerüst Vocals zu legen, die den Song nach vorne bringen.

„New Horizons“ folgt dem bewährten ABR-Muster und bringt wenig Neues. Spaß macht der Song, ist aber für mich kein Highlight des Albums.

Starke Features und ein überraschender Abschluss

Ganz anders schließt „Forged by Failure“ die Platte ab. Er beginnt mit einem cleanen, mystischen Intro. Jake startet erst mit sanften Vocals, steigert sich dann aber immer mehr und leitet so in den schweren, harten Song ein, der immer wieder von cleanen Parts durchbrochen wird, was die melodiösen, aber brachialen Breakdowns nur noch heftiger wirken lässt.

Als man denkt, der Song könnte jetzt auch zum Ende kommen, sinkt die Dynamik erneut und der Song wird neu aufgebaut. Untermalt von Klavier-Samples steigert sich der Song erneut zu epischen Ausmaßen und entlädt sich in einem für August Burns Red sehr simplen, aber sehr kraftvollen Halftime-Part. Der Song endet so ruhig, wie er begonnen hat. Sehr untypisch, aber eine schöne musikalische Überraschung am Ende dieses Albums.

August Burns Red drehen auf: „Season of Surrender“ hat einiges zu bieten
Credit: Paxton Powell

FAZIT: 7/10
Alles in allem haut August Burns Red mit „Season of Surrender“ eine überzeugende Platte raus, die sich für die Band typischer musikalischer Mittel bedient, teilweise den Weg zu den Wurzeln findet und trotzdem stellenweise neue Wege einschlägt. Es macht Spaß, die Scheibe zu hören, die absoluten Kracher, die wir von anderen Alben der Jungs kennen, bleiben für mich aber aus.


AUGUST BURNS RED
Season Of Surrender
Fearless Records
5 June 2026
7

benjamin uhle

Benjamin Uhle

Benjamin ist Konzertfotograf und Redakteur beim Paranoyd Magazin aus Stuttgart. Er hält die Live-Atmosphäre in Bildern und Texten fest – authentisch, unabhängig und kritisch. Benjamin legt Wert auf eine unvoreingenommene Berichterstattung und fängt die Energie von Konzerten und Festivals mit einem ehrlichen Blick für den Moment ein.

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