Am 20. Februar 2026 veröffentlichen ATLAS ihr neues Album “Sunder”. Der Einstieg ist eher entspannt, kein sofortiger Schlag ins Gesicht, sondern erst einmal ein Einatmen. Das kurze Intro “Sermon of the Dying Light” funktioniert wie das Öffnen einer schweren Tür. Sanfte Klänge, etwas, das an ein Didgeridoo erinnert, Stimmen mit Hall, die wirken, als kämen sie aus einem sehr alten Raum oder aus einer vergangenen Zeit. Alles leicht mystisch. Man wird nicht begrüßt, man wird hereingelassen.
Türme stürzen langsam bei Atlas
Mit “Tower” wird es dann lauter und härter. Der Song bricht los, mit gutturalem Gesang und einem fast stoischen Zusammenspiel der Instrumente. Dabei drängt sich assoziativ das Bild der Tarot Karte “Der Turm” auf. Nach dem Intro ist der Bruch deutlich, plötzlich wird es laut. Auch der Song selbst wirkt in der Mitte gebrochen, lässt kurz Luft hinein, bevor ein choraler Moment auftaucht, der eher trägt als triumphiert. Insgesamt bleibt der Track hart, auch wenn er am Ende mit Hall und Stimmen wie im Intro wieder ruhiger ausklingt.
“Salt and Sulfur” bewegt sich in einer ähnlichen Richtung. Hart in der Instrumentierung, aber mit cleanen Vocals und einem Refrain, der sich erstaunlich melodisch zeigt.
“I Whisper Your Name Like a Curse” kommt als vergleichsweise melodische Nummer daher und bleibt insgesamt ruhig. Hall liegt auch hier über dem Song, im Refrain taucht jedoch eine klarere Melodie auf. Vieles wirkt zurückgenommen und klingt, als käme es eher aus dem Hintergrund als aus dem Vordergrund. Ein Break in der Mitte unterbricht den Fluss und reißt den Song auch hier kurz auf, zeigt kurz die Zähne, bevor er sich wieder zurückzieht. Und diese Dramaturgie ist kein Zufall, sie ist das Grundprinzip dieses Albums.
Atlas: Melancholie statt Muskelspiel
“Altar of Your Love” beginnt direkt mit klarem Gesang und bleibt trotz einzelner harter Passagen bewusst kontrolliert. Besonders das Klavier setzt gezielte Akzente und bildet einen deutlichen Kontrast zum gutturalen Gesang. Auch beim Abschluss des Songs kommt das Klavier noch einmal zum Einsatz.
Der Titeltrack “Sunder” bildet den Abschluss und überrascht. Kein Ausbruch, keine letzte Eskalation. Stattdessen nur Klavier, Hall und cleaner Gesang. Ruhig, fast zärtlich. Ein Ende, das nicht zuschlägt, sondern nachhallt. Überraschungseffekte funktionieren eben auch leise.
Auffällig ist, wie ruhig dieses Album insgesamt bleibt. Trotz aller Härte, trotz Gitarrenfluten und Growls haben die Songs etwas Balladenhaftes. Sie wollen gefühlt nichts umwälzen. Das Ergebnis ist melancholisch, schwer, aber nicht effekthascherisch. Freude wird hier konsequent ausgelassen, was kein Mangel ist, sondern Haltung.
Auch wenn Metalcore nicht unbedingt mein Zuhause ist, funktioniert der nordische Einschlag von Atlas erstaunlich gut. Die Mischung aus Weichheit und Wucht, aus Klavier und Gutturalgesang, aus Kontrolle und kurzen Rissen hat Charakter.

Mia Lada-Klein
Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.
