Mit Another Miracle legt die Metalcore-Formation Of Mice & Men ihr neuestes Studioalbum vor. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 gehört die Band zu den prägenden Namen der modernen Metalcore-Szene und hat sich besonders durch ihren Mix aus wuchtigen Breakdowns, melodischen Refrains und emotionaler Intensität einen festen Platz erarbeitet. Nach mehreren stilistischen Wandlungen und personellen Umbrüchen steht die Frage im Raum, ob das aktuelle Werk an frühere Glanzmomente anknüpfen kann – und ob der verheißungsvolle Titel tatsächlich ein weiteres kleines Wunder bereithält.
Der Opener „A Waltz“ startet mit einem triumphalen Intro, das an epische Hollywood-Geschichtsfilme erinnert. Nach etwa vierzig Sekunden nimmt der Song Fahrt auf und verwandelt sich in ein rund vierminütiges Metalcore-Stück, das weiterhin von der anfangs etablierten Triumphmelodie getragen wird. Kein wuchtiger Start, aber eine atmosphärisch schöne Einleitung in das Album.
Mit „Troubled Water“ folgt ein kräftig und druckvoll beginnender Track, der schnell Spannung aufbaut, diese jedoch ebenso rasch wieder verliert. Trotz eines gelungenen Refrains wirkt der Song insgesamt etwas unausgereift und hätte mehr Feinschliff vertragen.
„Safe and Sound“ hingegen entwickelt seine Spannung über mehrere Etappen und erreicht seinen Höhepunkt Stück für Stück. Wie beim Opener sorgt eine markante Anfangsmelodie für Wiedererkennungswert und verleiht dem Track eine runde, stimmige Struktur.
Der Nackenbrecher „Hourglass“ ist ein dreiminütiger Vollgas-Song, der allerdings weniger durch kreatives Songwriting überzeugt, sondern durch einen extremen Stimmverzerrer auffällt, der stellenweise eher unangenehm wirkt.
Bis zu diesem Punkt liefert die Platte leider noch keinen wirklich bahnbrechenden Hit. Daher stellt sich bei der zweiten Single „Wake Up“ unweigerlich die Frage, ob die Band sich hier nicht selbst dazu auffordert, endlich aufzuwachen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Danach folgt die aktuelle Single „Flowers“, die zwischen den teils stark verzerrten Songs angenehm frisch hervortritt. Ein leichter, aufmunternder Track – nicht nur geeignet für graue Regentage.
Nun kommt das Album endlich in Fahrt:
Mit „Another Miracle“ reiht sich ein echtes Highlight ein, das in klassischer Of Mice & Men-Manier glänzt und sich deutlich von den vorherigen Titeln abhebt. Eine starke, durchdachte Komposition.
Auch „Contact“ knüpft an diese Stärke an und hält die Spannung hoch. In den drei Minuten prallen zahlreiche Gegensätze aufeinander, was den Track zu einem weiteren Höhepunkt der Platte macht.
„Parable“ hingegen reißt nicht wirklich mit, fällt aber auch nicht negativ ab – ein solider Metalcore-Song ohne nennenswerte Spitzen.
Der wohl überraschendste Track ist „Somewhere in Between“, der den Hörer auf eine unvorhersehbare Reise durch die Klangwelt der Band mitnimmt. Hier bleibt nur eines sicher: Erwartbar ist an diesem Song fast nichts, denn er schlägt ständig neue Richtungen ein.
„Swallow“ beginnt fulminant, verliert jedoch, ähnlich wie „TroubledWater“, schnell an Energie. Selbst der starke Shout-Part am Ende kann die anfangs aufgebaute Wucht nicht vollständig zurückholen.
Die letzte Hoffnung ruht somit auf „Infinite“, der dem Album vielleicht doch noch einen finalen Höhepunkt bescheren könnte. Zwar bemüht sich die Band, in den viereinhalb Minuten die Vielzahl der Elemente von AnotherMiracle noch einmal einzufangen, doch gelingt es auch dem Abschluss nicht, das Album zu einem echten Metalcore-Wunder zu machen.


