AMPEX brechen aus dem Deutschrock aus – Punkrock steht ihnen verdammt gut!

Ampex Kein Weg zu weit

Mit „Kein Weg Zu Weit“ schlagen AMPEX ein neues Kapitel auf. Das vierte Album der Band aus Nordrhein-Westfalen erscheint über das selbst gegründete D.M.M.S. Records – und auch musikalisch macht die Band deutlich, dass sie sich von den ausgetretenen Pfaden des klassischen Deutschrocks verabschiedet hat.

Schluss mit dem Deutschrock-Baukasten

Wer bei deutschsprachigem Rock automatisch an kratzige Reibeisenstimmen, Bikerwesten-Pathos, Bierhymnen und die hundertste „Wir gegen den Rest der Welt“-Nummer denkt, dürfte bei AMPEX angenehm überrascht sein. Die Band hat offenbar keine Lust mehr auf das übliche Deutschrock-Baukastensystem und setzt stattdessen auf Melodie, Dynamik und deutlich mehr Punkrock-Energie.

Bereits der Titeltrack „Kein Weg Zu Weit“ macht das unmissverständlich klar. Der Song eröffnet das Album mit ordentlich Tempo und einem Refrain, der sich nach wenigen Durchläufen festsetzt. Sänger und Gitarrist Moritz Homrighausen trägt seinen Teil entscheidend dazu bei. Seine klare, vergleichsweise geschmeidige Stimme hebt sich wohltuend von dem obligatorischen „möglichst rau klingen, damit es nach Rock klingt“-Prinzip ab.

Statt sich an den bekannten Deutschrock-Größen abzuarbeiten, orientieren sich AMPEX hörbar stärker am Pop-Punk. Erinnerungen an die frühen DONOTS oder SUM 41 sind dabei nicht völlig von der Hand zu weisen. Die Gitarren bleiben druckvoll, die Songs gehen nach vorne und die Refrains laden eher zum Mitsingen als zum kollektiven Fäuste-in-die-Luft-Halten bei der nächsten Stadionparole ein.

Zwischen Pop-Punk und persönlichen Geschichten

Auch textlich versucht die Band, nicht in die üblichen Fallen des Genres zu tappen. Freundschaft, Zusammenhalt, persönliche Geschichten, gesellschaftliche Themen und Fußball werden verarbeitet. Dabei darf es emotional werden, ohne dass jeder Satz gleich nach dem nächsten Aufdruck für ein Festival-Shirt klingt.

Mit „Würde Sich Was Ändern“ nehmen AMPEX anschließend deutlich Tempo heraus. Das Akustikstück wirkt zunächst ungewohnt, funktioniert aber gerade deshalb. Der leicht theatralische Ansatz passt zum Song und zeigt, dass die Band durchaus bereit ist, ihre Komfortzone zu verlassen.

Ganz ohne Schwächen kommt „Kein Weg Zu Weit“ allerdings nicht aus. Im letzten Drittel geht dem Album etwas die Puste aus. „Hoch Die Gläser“ fällt dabei hinter die stärkeren Songs zurück und bewegt sich wieder etwas näher an bekannten Deutschrock-Mustern – ausgerechnet in einem Album, das sich ansonsten erfreulich konsequent davon entfernt.

Zum Abschluss setzen AMPEX mit „Das Kind In Dir“ noch einmal einen anderen Akzent. Bläser und ein leichter Ska-Einschlag bringen zusätzliche Farbe ins Spiel und verhindern, dass das Album einfach nach dem nächsten Standard-Rocksong ausläuft.

Fazit: Ein eigener Weg statt Einheitsbrei

AMPEX zeigen mit „Kein Weg Zu Weit“, dass deutschsprachiger Rock nicht zwangsläufig nach den immer gleichen Zutaten funktionieren muss. Die Band hat dem klassischen Deutschrock-Baukasten hörbar den Rücken gekehrt und setzt stattdessen auf Pop-Punk, eingängige Melodien und eine angenehm unaufgeregte Stimme.

Nicht jeder Song sitzt perfekt, und gegen Ende verliert die Platte etwas an Spannung. Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck. AMPEX haben ihren eigenen Weg eingeschlagen – und der steht ihnen verdammt gut.

„Kein Weg Zu Weit“ ist deshalb vor allem eines: ein erfrischender Gegenentwurf zum üblichen Deutschrock-Einerlei.

Ampex - Kein Weg Zu Weit Albumcover
Ampex – Kein Weg Zu Weit
  1. Kein Weg Zu Weit
  2. Sag Nicht Es Ist Okay
  3. Keine Wahl, Scheißegal
  4. Alles Vorbei
  5. Jeder Für Euch
  6. Feuer Frei
  7. Egal Was War
  8. Würde Sich Was Ändern
  9. Ist Da Irgendwer
  10. Hoch Die Gläser
  11. Das Kind In Dir
Veröffentlichung: 04. September 2026
Label: D.M.M.S. Records
Genre: Hard Rock / Punk Rock
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Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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